Motorradtour Südnorwegen


2. Tag

Ich werde wach und höre ein „komisches“ Geräusch von draußen.
„Nein, das kann nicht sein!“ geht es mir durch den Kopf.
Markus ist ebenfalls aufgewacht, schiebt den Vorhang am Fenster zur Seite und verkündet nach einem Blick nach draußen:
„Es regnet“.
„Kann also doch sein“ denke ich bei mir. Eigentlich wollte ich das prasseln des Regens auf das Vordach nicht wahrhaben. Aber ein Blick nach draußen bringt Gewissheit. Gestern war der Himmel noch strahlend blau, heute hängen die Wolken tief und grau über der Landschaft und lassen den Regen in Strömen auf die Erde regnen. Auf dem Platz vor dem Fenster haben sich bereits große Pfützen gebildet, in denen man das aufprallen der Regentropfen gut beobachten kann.

Schön ist was anderes …

Das Aufstehen macht also nicht wirklich Spaß, aber es nützt ja nichts. Nach der Dusche sind Wetter und Laune auch nicht besser. Also gehen wir erst einmal frühstücken. Und das ist gar nicht so schlecht. Ungewöhnlich für uns sind zwar die drei Sorten Fisch, die gleich am frühen Morgen am Buffet liegen. Die Norweger haben anscheinend andere Frühstücksgewohnheiten als wir. Aber auch alles andere, „normale“, ist ausreichend vorhanden. Und so lassen wir uns unser erstes Frühstück in Norwegen in diesem Urlaub schmecken. Und da der Regen nicht weniger wird, dauert es sogar ein wenig länger als sonst. Außer uns sind noch fünf schwedische Handwerker hier im Speiseraum, die sich lautstark unterhalten. Ansonsten ist kein anderer Gast zu sehen.

Irgendwann haben wir genug gefrühstückt. Es hilft ja auch nichts, wir wollen schließlich weiter. Wir gehen auf unserer Zimmer, packen unsere Sachen zusammen. Gut, dass wir unsere Motorräder gestern Abend noch unter ein kleines Dach geschoben haben. So können wir jetzt das Gepäck im trockenen auf den Maschinen befestigen.




-> An der Rückseite des Motels können wir unsere Maschinen im trockenen beladen.


Schließlich machen wir uns auf den Weg. Wir sind gestern ganz bewusst auf der „E39“ unterwegs gewesen in der Hoffnung, entlang dieser etwas größeren Straße auch Hütten zu finden. Jetzt fahren wir im strömenden Regen Richtung Westen bis kurz vor Sandnes, dort biegen wir auf die kleinere „13“ Richtung Norden. Spaß macht das fahren bei diesem Wetter nicht, aber wir wollen weiter hinauf in den Norden. Der Geirangerfjord sowie Trollstigen und weiter die Atlantikstraße sind die anvisierten Ziele unserer diesjährigen Tour. Und so rollen wir durch das monotone grau um uns herum, das prasseln des Regens auf unsere Helme als "Begleitmusik“ immer dabei. Einen kleinen Stopp machen wir in Lauvik, wo wir auf die Fähre hinüber nach Oanes warten müssen. Hier am Fähranleger ist es erstaunlich voll. Ich habe keine Ahnung, warum an einem verregneten Sonntagvormittag so viele Norweger unterwegs sind.




-> Warten auf die Fähre. Aber wo wollen all die Norweger hin?


Wir fahren weiter auf der „13“ bis nach Årdal. Dort machen wir an einer Tankstelle eine Pause. Aus dem Shop, der hier gleichzeitig mit betrieben wird, holen wir uns etwas Warmes zu trinken und plündern dann unsere mitgebrachten Vorräte an Obst und Kekse. Immerhin stehen wir hier unter einem großen Vordach im Trockenen.

Leider hat der Regengott kein Einsehen mit uns: Es regnet immer weiter, mal mehr, mal weniger. Wir machen uns bald darauf auf, weiter der „13“ Richtung Norden zu folgen. Die nächste Pause ist dann in Hjelmeland, wo wir auf die Fähre hinüber nach Ombo und von dort weiter nach Nesvik warten. Der Regen ist momentan nur noch ein leichtes Tröpfeln und ich hole den Fotoapparat aus dem Tankrucksack, um die Ankunft der Fähre zu fotografieren.




-> In Hjelmeland müssen wir nur kurz auf die Fähre hinüber auf die Insel Ombo warten.


Aber auch die mit uns hier wartenden Autos sind ein Blick wert. „Rent A Wreck“ steht auf einem, und ich bin mir ganz und gar nicht sicher, ob das ein guter Werbeslogan ist.




-> Zeit für Kurioses bleibt trotzdem.


Kurz darauf rollen wir auf das kleine Schiff und sind froh, uns unterstellen zu können, denn während der Überfahrt beginnt es wieder stärker zu regnen. Hier stehen wir zumindest im trockenen.




-> Wir stehen im trockenen, auch wenn es hier nicht danach aussieht.


Von Nesvik aus folgen wir weiter der „13“. Diese Straße ist heute an diesem recht ereignislosen Tag unser Dauerbegleiter. Kurz vor dem Örtchen Sand haben wir die Nase dann endgültig voll von dem Dauerregen. Ein kleines Schild weist uns den Weg über die Straße „46“ hin zu einer Reihe von Hütten am Ortsrand. Rechts der Straße stehen die Campingwagen, links die Holzhäuser. Diese sind zwar einfach, haben aber eine Heizung, eine Kochgelegenheit und sind mit 280 NOK außerdem recht günstig. Und nach fast 250 Regenkilometer, die wir heute hinter uns gebracht haben, wollen wir auch einfach nur noch ankommen.




-> Unsere Hütte in Sand.


Hier quartieren wir uns ein, hängen unsere nassen Sachen zum trocknen auf und machen uns dann daran, unser Abendessen zu kochen. Später, als der Regen dann tatsächlich aufhört, gehen wir ein paar Schritte in Richtung des nahegelegenen Ortes. Aber kaum sind wir fünf Minuten unterwegs, als es schon wieder anfängt zu tropfen und wir entnervt umdrehen. Bis wir die Hütte erreicht haben, ist aus den einzelnen Regentropfen schon wieder ein starker Regen geworden. Heute ist definitiv nicht unser Tag. Daher verbringen wir den Rest des Tages in unserer Hütte, planen die Route für Morgen und sehen den Regenwolken zu, wie sie immer wieder aufs Neue an uns vorbei ziehen.




-> Hinter dem Nebel sind noch mehr Berge versteckt.


Die Hütten rechts und links von uns werden nach und nach ebenfalls vermietet, aber niemand mag bei dem Wetter draußen stehen und sich unterhalten. So bleibt es bei einem simplen „Hallo“ an die Neuankömmlinge, die sich vor dem schlechten Wetter auch gleich in ihren Hütten in Sicherheit bringen.

Wir hoffen auf Morgen. Trocken soll es doch bitteschön werden und ganz ehrlich: Gegen ein paar Sonnenstrahlen hätten wir auch nichts einzuwenden…




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