Motorradtour Südnorwegen


3. Tag

Natürlich geht am Morgen unser erster Blick nach draußen. Leider ist die Aussicht aber auch nicht besser als gestern Abend. Die Straße ist nass, in den Pfützen plätschern die Regentropfen, dazwischen spiegeln sich die Wolken, die tief über die uns umgebenen Bergen hängen.

Aufstehen?
Muss das sein…??

Ja, es muss. Schließlich wollen wir noch ein wenig weiter hinauf Richtung Norden. Also spulen wir das Alltags-Morgenprogramm eines Motorrad-Reisenden ab: Duschen, frühstücken, Sachen packen und Maschinen beladen. Und in einem günstigen Moment mit wenig Regen sitzen wir auf und starten in den Tag.




-> Start in Sand. Das Wetter ist nicht ganz so toll.


Kurz fahren wir auf der 46 zurück Richtung Osten, bis wir wieder auf die 13 treffen, die uns wie gute, alte Bekannte begrüßt. Mit einem heftigen Regenguss nämlich :o(

Wir folgen ihr trotzdem, fahren in Richtung Norden und erleben zunächst eine wahre Tunnelorgie: Von unter hundert Meter bis mehrere Kilometer Länge ist alles dabei. Zwischendurch aber haben wir teilweise wunderschöne Aussichten auf Berge, Seen und Flüsse. Schade, dass das Wetter nicht besser ist, denn hier ist es landschaftlich sehr nett und auch die Straße hält einiges an Fahrspaß bereit. Wir fahren vorbei an Orten wie Nesflaten und Botnen bis nach Håra. Dort trifft „unsere“ 13 auf die E134, verschmilzt mit ihr, so dass wir ab nun einer Europastraße folgen. Die Folge wird uns recht bald klar, denn wir durchqueren den „Røldalstunnel“, den mit 4657 Meter bisher längsten Tunnel auf unserer Tour. Wobei es hier in Norwegen noch viel längere gibt. Momentan sehe ich diese langen Tunnel mit einer Mischung aus Erleichterung, dem Regen für ein paar Minuten zu entkommen auf der einen Seite und Unzufriedenheit über schlechte Sicht und muffige Luft auf der anderen. So oder so, ich bin froh, als wir den Røldalstunnel wieder verlassen. Auch wenn mir der Regen sofort wieder gegen das Visier klatscht.

Kurz vor Skare teilt sich unsere Straße: Richtung Norden wird sie wieder zu unsere 13. Wir aber fahren für ein paar Kilometer Richtung Süden, bleiben somit auf der E134. Wir wollen nämlich zum Langfossen. Das ist ein Wasserfall, der mit seiner Fallhöhe von 612 Metern zu den höchsten der Erde zählt. Aber ausgerechnet jetzt wird der Regen immer stärker. Keine Chance, der Fotoapparat heraus zu holen. Wobei der Langfossen bei diesem schlechten Wetter sowieso nicht gerade ein schönes Motiv abgibt. In einiger Entfernung des Wasserfalles bleiben wir an einer überdachten Bushaltestelle stehen und machen von dort aus einige Bilder. Aber so richtig imposant, wie es sich eigentlich für einen der höchsten Wasserfällen der Welt gehören sollte, wirkt der Langfossen von hier aus nicht.




-> Wir stehen im trockenen, die Motorräder nicht..




-> Blick auf den Langfossen, einem der höchsten Wasserfällen der Welt.


Wir haben jedoch die Befürchtung, dass wir nicht genug Urlaub haben, um hier auf besseres Wetter zu warten. Daher fahren wir ein Stück unseres Wegs zurück und biegen kurz vor Skare dann auf die 13 Richtung Norden. Nächster Zwischenstopp ist kurz darauf der Wasserfall „Låtefossen“, ein Zwillingswasserfall mit einer Gesamtfallhöhe von 165 Meter. Der steht direkt an der Straße und durch seine Gischt müssen alle durch, die hier entlang fahren.




-> Unser Weg führt direkt am Låtefossen vorbei.


Mittlerweile hat der Regen tatsächlich aufgehört. Wir nutzen das, um hier ein wenig umher zulaufen und den schön anzusehenden Wasserfall aus allen möglichen Perspektiven zu fotografieren. Es ist zwar nicht der höchste Wasserfall, aber die Kraft, mit der der Låtefossen die Wassermassen hinab brausen lässt, ist schon imposant. Und auch ziemlich laut. Der kleine Parkplatz hier ist gut besucht und wir sind froh, uns mit unseren Motorräder noch irgendwie zwischen all den Autos und Wohnmobilen quetschen zu können, die hier stehen. Auch der kleine Andenkenladen, den ein geschäftstüchtiger Norweger hier eröffnet hat, ist gut besucht. Wir allerdings kaufen dort nichts. Es sind einfach nur die typischen norwegischen Mitbringsel, die hier angeboten werden. Nichts für mich also.




-> Vor diesem Zwillingswasserfall drücke ich Johannes meine Kamera in die Hand: "Mach mal ein Foto...".


Es ist immer noch trocken, als wir uns nach rund einer halben Stunden Aufenthalt am Låtefossen wieder auf unsere Maschinen schwingen und weiter gen Norden fahren. In Odda, einer Stadt am Ende südlichen Ende des Sørfjords (einem Seitenarm des Hardangerfjordes), entscheiden wir uns, die 13 zu verlassen und linksseitig vom Fjord auf die 550 zu wechseln. Das erweist sich als eine gute Entscheidung, denn hier lässt sich jetzt ab und zu sogar die Sonne sehen. Dazu kommt die schöne Aussicht auf den schmalen Fjord und dem gegenüberliegenden Ufer. So macht das fahren richtig Spaß. Bis zum Städtchen Utne kurven wir ganz zufrieden und entspannt, dort nehmen wir die Fähre hinüber nach Kvandal. Auf dem kleinen Schiff dann eine kurze Orientierung: Wie wollen wir weiter fahren? Wir entschließen uns, ein Stück auf der 7 entlang des Hardangerfjordes entlang zu fahren und kurz hinter Granvin wieder auf die 13 abzubiegen.




-> Das kennt jeder Norwegenurlauber: Warten auf eine Fähre.




-> Lagebesprechung: Nach rechts oder nach links?


In der Gegenrichtung geht gar nichts mehr. Über Kilometer zieht sich dort ein Megastau. Absoluter Stillstand. Wir sind froh, dass in unserer Richtung alles gut läuft. Über Vossevangen fahren wir weiter nach Norden. Wir kommen an mehreren Seen vorbei, dem Lundarvatnet zum Beispiel und dem Lønavatnet. Nach und nach kommt jetzt auch immer mehr die Sonne raus, setzt sich gegen die Wolken durch und vertreibt Regen und schlechte Laune. Als wir gegen 16:00 Uhr den Wasserfall „Tvindevossen“ erreichen und den dortigen Campingplatz sehen, entschließen wir spontan, genug für heute gefahren zu sein. Wir buchen eine Hütte, laden die Motorräder ab und machen dann eine kleine Erkundungstour über den Platz hin zum Wasserfall. Der ist zwar „nur“ 152 Meter hoch, wenn man aber dort unten steht und nach oben schaut, ist er ganz schön imposant. Und sein Rauschen verfolgt uns über den ganzen Platz, als wir zurück zu unserer Hütte gehen.




-> Der Tvindevossen. Klein, aber trotzdem "oho".




-> Eitler Sonnenschein: Vor unserer Hütte auf dem Campingplatz am Tvindevossen.


Dort kochen wir uns unser Abendessen. Danach machen wir noch einen Spaziergang. An dem Haus mit den Sanitäranlagen hängt ein Zettel, auf dem der Weg zum „top oft he Waterfall“ beschrieben ist. Das wollen wir sehen.




-> Einfach, aber mehr braucht es nicht: Beschreibung zum „top oft he Waterfall“.


Wir folgen der Beschreibung auf zumeist gut zu begehenden Wegen und stehen nach gut einer halben Stunde dann tatsächlich ganz oben, dort, wo sich das Wasser des Tvindevossen in die Tiefe stürzt.

Wow, was für eine Aussicht!




-> Auf Fotopirsch auf dem Dach des Tvindevossen.




-> Herrliche Aussicht.




-> 152 Meter geht es hier steil hinab.




-> Blick auf den Campingplatz.


Fast eine Stunde lang sind wir hier oben, machen Fotos, genießen Aus- und Weitblick und können uns kaum sattsehen an diesen Ort. Und das ganz ohne Zaun, noch nicht einmal Schilder mit Vorsichtshinweisen gibt es hier. In Deutschland absolut undenkbar! Die Entscheidung, hier auf diesem Campingplatz zu übernachten, war auf jeden Fall richtig.

Später, als wir längst schon wieder unten an unserer Hütte sind und entspannt auf der kleinen Terrasse sitzen, hören wir immer noch das rauschen des Tvindevossen. Heute war ein guter Tag, auch wenn das Wetter zunächst nichts so gut war.

Mal sehen, wie es Morgen weiter geht.




Weiter zu Tag 4



Fjordnorwegen


Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9




nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: tournotizen[at]gmx.de