Motorradtour Südnorwegen


4. Tag

Am Himmel zieht ein Mix aus Sonne und Wolken vorbei. Vor allem aber regnet es nicht. Daher können wir zum ersten Mal auf dieser Tour unsere Maschinen im trockenen beladen.

Super, es geht bergauf :o)

Bergauf geht auch unser Weg. Hier am Tvindevoss sind wir direkt wieder auf unserer guten, alten Freundin, der 13. Wir folgen ihr gen Norden Richtung Vinje und weiter nach Vangsnes. Je länger wir fahren, desto höher wir kommen, und umso kälter wird es. Überhaupt fand ich es in den Tagen hier bisher recht kühl. Natürlich kann man in Norwegen Ende Mai keine 30 Grad erwarten (obwohl wir auch das schon hatten), aber so kalt wie jetzt hatte ich es mir hier auch nicht vorgestellt. Rechts und links des Weges liegt immer mehr Schnee. Die Straße zieht sich als graues Band durch die weiße Pracht, die sich mehr und mehr am Wegesrand aufschiebt und die immer höher wird. Rund um den Vikafjellsvegen zeigt das Navi teilweise über 1.200 Meter Höhe an und wir fühlen uns fast wie in einer Bobbahn.




-> Die Landstraße als Bobbahn.




-> Kurze Pause am Wegesrand.


Trotzdem: So lange es trocken bleibt und wir unsere Wege fahren können, wollen wir uns nicht beschweren. Also rollen wir immer weiter, kämpfen uns Pässe hinauf und wieder hinunter und genießen zwischendurch die oft wirklich schöne Aussicht.




-> Dort unten sind wir lang gefahren.




-> Wer wohnt denn hier?


Je näher wir Vangsnes kommen, desto mehr nimmt der Schnee ab und macht grünen Wiesen Platz. Nur die Spitzen der Berge rundherum sind weiß und mir wird dadurch noch einmal bewusst, durch welche Höhe uns unserer Weg gerade erst geführt hat. Im Ort selber halten wir uns nicht lange auf, sondern fahren direkt zum Fähranleger, um mit dem Schiff hinüber nach Hella zu fahren. Und wir haben Glück, denn die Fähre erreicht gemeinsam mit uns gerade den kleinen Hafen, so dass wir keine Wartezeit haben.




-> Auf der Fähre nach Hella.


Ab dort sind wir dann auf der 55 unterwegs, und zwar immer am Sognefjord entlang. Dieser ist mit 204 Kilometer der längste Fjord Europas. Und gleichzeitig auch der tiefste, denn er bringt es immerhin auf 1.308 Meter. Die Straße führt zunächst Richtung Osten, später dann nach Norden bis Solvorn. Hier wollen wir mit der Fähre nach Urnes übersetzen. Am kleinen Hafen angekommen, lesen wir auf dem Fahrplan, dass wir noch fast zwei Stunden Zeit haben bis zur Abfahrt. Daher lassen wir die Motorräder einfach hier stehen und schlendern ein wenig durch den Ort. Das ist ein schönes kleines Städtchen. In der Hochsaison ist das sicher anders, aber heute wirkt Solvorn ruhig, man kann sogar sagen, ein wenig verschlafen. Leider finden wir hier in Hafennähe keine Möglichkeit, uns etwas Warmes zum trinken zu besorgen. So ganz habe ich die Kälte aus der Bobbahn noch nicht aus den Mopedsachen heraus bekommen.




-> Am Fähranleger von Solvorn.




-> Blick auf den Ort.




-> Hausschmuck mal anders.




-> Solvorn hat wohl auch schon bessere Tage gesehen...


Schließlich kommt die Fähre und wir fahren mit den Motorrädern an Bord. Der Einweiser zeigt uns an, dass wir unsere Maschinen auf dem Schiff wenden müssen. Die Autos fahren gleich rückwärts auf die Fähre. Und dann startet die Fahrt über den Lustrafjord, einen in nördlicher Richtung abzweigenden Seitenarm des Sognefjords.




-> Ab auf die Fähre...




-> ... und rüber nach Urnes.


Ziel ist der kleine Ort Urnes mit seinen gerade mal gut 60 Einwohnern. Dieser wäre vermutlich kaum einen Stopp wert, wäre da nicht die Stabkirche von Urnes, die als älteste der Welt gilt und die oben über Urnes thront. Das heute noch erhaltene Gebäude stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert, ihr Ursprung aber geht sogar bis auf das Jahr 1100 zurück. Natürlich ist sie in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen, und das bereits im Jahre 1979. Wir sind daher sehr gespannt auf das, was uns gleich erwarten wird.




-> Unspektakulär: Ankunft in Urnes.


In Urnes angekommen fahren wir von der Fähre hinunter und wissen zunächst einmal überhaupt nicht, wohin wir unsere Maschinen lenken sollen. Wenn es hier einen Wegweiser zur Kirche gibt, dann ist er gut versteckt. Schließlich folgen wir einer steil bergauf führenden Straße, denn die Kirche liegt ja oberhalb des Ortes. Und richtig: Nach einigen steilen Passagen und engen Kurven stehen wir schließlich auf einen kleinen Parkplatz, von wo aus wir die Kirche bereits sehen können. Bei näherer Betrachtung erweist sie sich als ziemlich klein und auch ihr oft gerühmtes Nordportal, das durch Schnitzereien verziert ist, lässt mich nun nicht wirklich sprachlos werden. Vielleicht spielen ja auch die Handwerker eine Rolle, die an der Kirche arbeiten und deren direkt neben der Eingangstür geparkten Auto es schwer machen, ein schönes Foto von dem Gebäude zu machen. Wir laufen seitlich an der Kirche vorbei den Hang hinauf und haben schließlich von dort einen schönen Blick auf Stabskirche im Vordergrund und Fjord im Hintergrund. Einige Bilder machen wir von hier oben, dann noch einige Nahaufnahmen, aber besichtigen wollen wir sie nicht.




-> Die Stabkirche von Urnes. Zum ersten...




-> ... zum zweiten ...




-> ... und zum dritten.




-> Schnitzereien am Nordportal.


Wir setzen uns wieder auf unsere Maschinen, folgen der Straße wieder hinunter an den Lustrafjord und fahren nun an dessen Ostufer entlang auf der meist kleinen und engen Straße. Leider wird es wieder kälter. Und auch die Wolken nehmen zu. Grau und schwer hängen sie am Himmel und verheißen nichts Gutes. In Skjolde biegen wir ab auf die 55 Richtung Nordost bis Lom. Auch hier gibt es eine Stabkirche, aber die hatten wir uns bereits bei einem vorherigen Besuch hier in Norwegen vor ein paar Jahren angesehen. Und da der Himmel immer dunkler wird und das Wetter auch nicht gerade zum spazierengehen einlädt, fahren wir durch den Ort hindurch und direkt weiter auf der 15 nach Westen.




-> Mal wieder Schnee rechts und links der Straße.


Wir folgen der Straße, die mit ihrem meist geraden Verlauf wenig Abwechslung bietet und halten dabei auch Ausschau nach einer Unterkunft für die Nacht. Rechts und links des Weges beginnt sich wieder der Schnee zu türmen. Und dann fängt es auch noch an zu schneien. Na Klasse, das hätten wir nun wirklich nicht gebraucht. Die Flocken legen sich auf mein Visier und machen das fahren auf dem mittlerweile teils rutschigen Untergrund nicht einfacher. Und immer noch ist weit und breit keine Hütte in Sicht.




-> Es schneit. Das muß doch jetzt nicht sein ... :-(


Als wir dann den Abzweig auf die 63 in Richtung Geiranger erreichen, erleben wir die nächste böse Überraschung: Die Straße ist gesperrt. Eine Schranke verwehrt uns den Weg und dahinter können wir auch erkennen, warum. Der Schnee liegt noch hoch auf der Straße und gerade kommt sogar noch einiges von dem weißen Nass hinzu. An ein befahren ist überhaupt nicht zu denken. Kurz entschlossen fahren wir weiter auf der 15 und sind froh, dass es bald darauf aufhört zu schneien. Auch der Schnee neben der Straße nimmt langsam ab und weicht allmählich einer Mischung aus braun und grün.

Schließlich erreichen wir einen Ort namens Hjelle, am Ostufer des Oppstrynsvatnet gelegen. Dort steuern wir das erste Schild an, auf dem in großen Buchstaben das Wort „Hytter“ steht. Von hier aus müssen wir zwar noch einige Meter weiter fahren, stehen dann aber vor einer richtig großen, geräumigen Hütte. Lange überlegen müssen wir nicht, sondern buchen die Unterkunft für eine Nacht. Wir sind froh, die Motorradklamotten ausziehen und unter die warme Dusche gehen zu können.




-> Unsere Hütte in Hjelle.


Ein wenig traurig sind wir schon. Dalsnibba, Geiranger und Trollstigen wären wir gerne angefahren. Und der Weg wäre auch die kürzeste Strecke hinauf zur Atlantikstraße gewesen. Stattdessen brüten wir nun über der Karte nach einer Alternative, die uns doch noch hoch zu unserem nördlichsten Ziel bringen soll. Leider ist die Wettervorhersage für Morgen nicht so wirklich gut. Viel Regen soll es geben. Ein wenig Sarkasmus ist schon dabei, als ich bei mir denke, dass es ja zumindest nicht schneien soll…




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