Motorradtour Südnorwegen


5. Tag

Das mit dem Aufstehen ist ja so eine Sache. Wenn die Sonnenstrahlen durch die dünnen Vorhänge fallen, die Wärme und der fröhliche Gesang der Vögel durch das geöffnete Fenster dringt, dann fällt einem das auch im Urlaub recht leicht.
Wenn aber statt des Vogelgezwitschers das prasseln des Regens zu hören ist und man das Gefühl hat, außerhalb des Schlafsacks Frostbeulen zu bekommen, dann möchte man doch eher die Decke über den Kopf ziehen und weiterschlafen.

Heute Morgen ist leider letzteres der Fall. OK, das war gestern in den Nachrichten auch schon so angesagt worden. Trotzdem hatte ich die Hoffnung, dass …
Na, Du weißt schon… :o(

Also beladen wir unsere Maschinen mal wieder im Regen. Und in der Kälte, denn zwischen den Regentropfen mischen sich immer wieder auch einige Schneeflocken. Die Temperatur liegt hart an der Grenze, an der Regen vollends zu Schnee wird.

Gut eingepackt gegen Regen, Schnee und Kälte starten wir also in den Tag. Zunächst fahren wir auf der 15 am Südufer des Oppstrynsvatnet entlang, den See, an dessen Ufer die Stadt Hjelle liegt. Die Gegend ist sehr schön hier, viel grün, Berge, der See. Wenn nicht so schlechtes Wetter wäre, würde das fahren hier bestimmt viel Spaß machen. Wir kommen durch kleine Orte, die zum Teil nur aus drei bis vier Häuser bestehen und deren Namen ich mir nicht merken kann. Ich bin allerdings auch sehr damit beschäftigt, immerzu die Regentropfen von meinem Visier zu wischen. Fahrspaß, wo bist Du bloß??

Kurz vor Stärheim machen wir einen Stopp. Der Regen hat nicht nachgelassen und es ist immer noch kalt. Gestern in der Vorhersage wurde für den Norden weiter schlechtes Wetter angekündigt, Richtung Süden soll es besser werden. Wir stehen im Regen, beratschlagen uns und beschließen schließlich, nicht weiter in Richtung Norden zu fahren. Geirangerfjord, Trollstigen und Co. können wir aufgrund des vielen Schnees sowieso nicht anfahren. Und im strömenden Regen auf der Atlantikstraße zu fahren macht auch nicht so wirklich Spaß. Spontan entschließen wir uns stattdessen, die Stadt Bergen zu besuchen. Wir wollen uns auf einen Campingplatz in der Nähe der Stadt eine Hütte mieten und von dort aus dann in die alte Hansestadt fahren. Welche Ironie: Kaum haben wir uns entschlossen, unsere Pläne zu ändern, hört auch schon der Regen auf, es sind einzelne blaue Fetzen am Himmel zu sehen und sogar die Sonne blitzt kurz durch.




-> Frage des Tages: Wo wollen wir überhaupt hin?




-> Die Entscheidung ist gefallen. Da freut sich sogar der Himmel.


Allerdings ist das nur ein kurzes Intermezzo. Als wir kurze Zeit später in Stärheim auf die Fähre hinüber nach Isane warten, fängt der Regen wieder an, sogar noch stärker als zuvor. Ungefähr eine halbe Stunde lang müssen wir hier stehen, bis das Schiff kommt. Leider haben wir hier keine Chance, uns unterzustellen. Also stehen wir im Regen und warten.




-> Im Regen auf die Fähre warten.


Nach und nach kommen jetzt auch einige Trucks und PKWs und reihen sich hinter uns ein. Deren Fahrer wissen ihr zwar kleines, dafür aber trockenes Fahrerhaus sicher doppelt zu schätzen, wenn sie uns so im Regen stehen sehen. Hey Jungs, wie wäre es mal mit einem Tässchen heißen Tee? Oder so was in der Art. Das könnte ich gerade gebrauchen.

Schließlich kommt die Fähre. Nachdem alle Fahrzeuge das Schiff verlassen haben, dürfen wir endlich rauf. Wir stehen außen ganz am Rand des Bootes, von der Landschaft sehen wir so gut wie nichts. Aber dafür hat der Regen aufgehört, so dass wir zumindest während der Überfahrt nicht weiter nass werden.




-> Auf dem Weg nach Isane.


Die Fahrt über den Nordfjord nach Isane ist recht kurz. Ab dort fahren wir auf der 614, die sich recht abwechslungsreich durch die Landschaft schlängelt. Aber leider wieder im Regen, so dass wir die Aussicht nicht so wirklich genießen können.

Am späten Mittag erreichen wir den Ort Svelgen. Hier würden wir gerne eine Kleinigkeit essen, aber zunächst finden wir keinen Imbiss, und als wir dann schließlich doch fündig werden, hat der leider zu.




-> Zu früh gefreut, der Imbiss ist geschlossen.


Also begnügen wir uns mit einem Supermarkt, unter dessen Vordach die Motorräder und auch wir im trockenen stehen. Wir schlendern durch die Verkaufsgänge und packen ein paar Dinge in unseren Einkaufskorb. Als wir dann an der Kasse stehen, fällt mir das Titelblatt einer Tageszeitung auf.




-> Titelseite des norwegischen "Dagbladet".


Wie bitte? Der kälteste Mai seit 36 Jahren?? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Meine Laune geht Sturzflugartig in den Keller. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, mit dem Handy ein „Beweisfoto“ von der Zeitung zu machen. Das aber schreckt sofort eine Verkäuferin auf. Im Laden ist fotografieren verboten, gibt sie mir deutlich zu verstehen. Aber im Augenblick ist mir das herzlich egal.

Nach diesem kurzen Intermezzo und der anschließenden kleinen Pause machen wir uns auf und fahren weiter. Wir folgen der 614 bis zu ihrem Ende, biegen dort auf die 5 Richtung Osten bis nach Førde und wechseln dort auf die 39 nach Süden. Der Regen begleitet uns fast den ganzen Tag, die wenigen Regenpausen deuten aber immer wieder an, wie schön es hier ist, wenn bloß das Wetter besser wäre.




-> Bei besserem Wetter wäre es hier bestimmt richtig schön.


Seit Førde halten wir auch nach einer Hütte für die Nacht Ausschau. Aber es ist das schon bekannte Spiel: Aufgrund der Kälte durch den langen Winter (das wissen wir ja nun) haben viele Campingplätze noch gar nicht geöffnet. Und so fahren wir immer weiter, bis wir nach Lavik kommen. Von hier aus wollen wir eigentlich mit der Fähre hinüber setzen nach Oppedal, aber heute fährt kein Schiff mehr. Daher fahren wir auf der 607 weiter. Wir wollen möglichst in der Nähe etwas für die Nacht suchen, haben aber weiterhin kein Glück und erreichen schließlich Leirvik. Wir sind fast schon aus dem Ort wieder heraus, als wir aus dem Augenwinkel ein Motel entdecken.




-> Motel in Leirvik.


Es ist kurz nach 18:00 Uhr und wir haben einfach keine Lust mehr, weiter zu fahren. Also drehen wir um und fragen, ob dort noch Zimmer frei sind. Wie in Moi soll auch hier ein Dreibettzimmer 1.190 NOK kosten, aber mit dem Unterschied, dass dieses Zimmer viel geräumiger und schöner ist. Daher buchen wir das Zimmer, laden die Maschinen ab und gehen dann in den gegenüberliegenden Supermarkt, um noch etwas einkaufen, was wir ohne kochen essen können. Ein Abendspaziergang fällt wegen des Regens aus. Stattdessen machen wir es uns auf unserem Zimmer gemütlich und planen die Route für den morgigen Tag. Markus hatte zu Hause bereits Campingplätze in der Nähe von Bergen herausgesucht, was sich nun als äußerst praktisch erweist.
Zum Abschluss des Tages hoffen wir mal wieder auf besseres Wetter für den morgigen Tag. Mal sehen, ob das klappt ...




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