Motorradtour Südnorwegen


6. Tag

Auch an diesem Morgen geht nach dem Aufstehen unser erster Blick nach draußen. Die Straße ist nass, der Himmel stark bewölkt, aber es ist trocken. Wir hoffen inständig, dass es so bleibt.

Wir sind früh dran, daher haben wir bis zum Frühstück noch ein wenig Zeit. Die nutzen wir, um die unmittelbare Nähe unseres Motels zu erkunden. Außer der kleinen „Einkaufsmeile“, die neben dem Supermarkt noch einige andere Geschäfte enthält, haben wir uns gestern Abend nichts mehr ansehen können. Oder besser gesagt, ansehen wollen. Nach der ganztätigen Regenfahrt waren wir froh, endlich im trockenen und warmen zu sitzen. So bemerken wir erst jetzt, was für ein großer Komplex unser Motel ist. Eine umlaufende Balustrade verbindet die Zimmer von außen, unten ist eine riesige Holzterrasse, auf der man bei gutem Wetter bestimmt frühstücken kann. Das Gebäude liegt direkt am Wasser, wo auch einige kleine Boote liegen. Anscheinend ist das hier ein kleiner Hafen. Auch einen Sandkasten für die kleinen Gäste entdecken wir, fragen uns aber, ob das dort liegende Spielzeug wirklich kindgerecht ist.




-> Unser Motel in ganzer Pracht.




-> Sogar einen kleinen Hafen gibt es in Leirvik.




-> Kindgerecht? Kleiner Spielplatz mit Sandkasten am Motel .


Schließlich ist es Zeit für das Frühstück, das auch hier wieder sehr gut und reichhaltig ist. Wir sitzen drinnen mit Blick auf den kleinen Hafen, und da es wieder zu regnen beginnt, dehnen wir das Frühstück noch etwas aus. Aber es nutzt ja nichts, irgendwann müssen wir schließlich los. Wir haben gestern auf der Karte noch gesehen, dass wir gar nicht zurück bis nach Lavik müssen, sondern einfach geradeaus weiter bis Rysjedalsvika fahren können, um von dort aus den Sognefjord mit der Fähre zu überqueren. Also beladen wir unsere Maschinen mal wieder im Regen. Ich glaube, ich würde mittlerweile etwas vermissen, wenn wir mal bei Sonnenschein in den Tag starten würden.

Wir folgen der Straße ein Stück weiter Richtung Norden, biegen dann ab auf die 57 nach Süden und stehen nach kurzer Zeit an dem kleinen Fähranleger von Rysjedalsvika. Von hier aus fahren die Fähren hinüber nach Rutledal. Zwar stehen außer uns keine anderen Fahrzeuge hier, aber wir sehen das Schiff schon kommen.




-> Wir sind die einzigen Fahrzeuge am Fähranleger. Kurz darauf wissen wir auch, warum.


Als die kleine Fähre schließlich anlegt, sind wir doch sehr erstaunt. Das ist ja eine reine Personenfähre. Endlich werfen wir einen Blick auf den ausgehängten Fahrplan und entdecken, dass erst am Mittag ein Schiff für Fahrzeuge fährt. So lange wollen wir nicht warten. Also fahren wir den ganzen Weg wieder zurück, vorbei auch an unserem Motel, bis nach Lavik. Dort kommt dann zum Glück auch recht zeitnahe die Fähre, die uns über den Sognefjord hinüber nach Oppedal bringt. Während der Überfahrt bemerken wir ein Wohnmobil, das einen kleinen Hänger hinter sich her zieht, auf dem quer ein Motorrad steht. Als wir uns darüber unterhalten, springt sogleich ein kleines Männlein aus dem Fahrerhaus und kommt flink auf uns zu. „Ja, das ist ein Patent, nicht wahr?“ begrüßt er uns im breitesten Schweizerisch und wir unterhalten uns über das woher und wohin, warum mit dem Motorrad, warum mit dem Wohnmobil. So vergeht die Zeit sehr schnell und wir bemerken zunächst gar nicht, dass unser Schiff bereits in Oppedal anlegt. Nun aber schnell. Eine kurze Verabschiedung, dann hüpft der Schweizer wieder zurück in sein Wohnmobil und wir beeilen uns, Helm und Handschuhe anzuziehen, aufzusitzen und schon verlassen wir, uns gegenseitig zuwinkend, die Fähre.




-> Gute Laune, denn es regnet gerade mal nicht.


Wir folgen zunächst der 39, biegen aber bereits nach kurzer Zeit hinter einem Ort namens Storelva rechts ab auf eine kleine, schmale Straße. Auf der Karte wird sie als „Fv1“ bezeichnet und wir folgen ihr bis kurz vor Brekke, wo wir links auf die Fv2 abbiegen. Markus hat diesen Weg gestern Abend noch in sein Navi programmiert und es ist wirklich eine sehr schöne Strecke. Schmal und kurvig führt sie uns stetig bergauf. Was wäre das hier für ein Fahrspaß, wenn, ja wenn dieses blöde Wetter nicht wäre. Eine Mischung aus Regen und Schnee kommt von oben und es ist mächtig kalt. Rechts und links der Straße liegt noch jede Menge Schnee, der anscheinend so schnell auch nicht auftauen wird. So hatten wir uns unseren Norwegenurlaub ganz und gar nicht vorgestellt.

Unsere Fv2 wird ohne ersichtlichen Grund zur Fv376. Das ändert zwar nichts an der schönen Streckenführung, aber leider auch nichts an dem schlechten Wetter. Schließlich treffen wir auf die 570, wo wir rechts abbiegen und weiterfahren, bis wir wieder auf die 57 stoßen. Dort halten wir uns links und fahren bis Sløvågen. Hier nehmen wir wieder eine Fähre, um über den Fensfjord hinüber nach Leirvåg zu gelangen.




-> Auf der Fähre über Fensfjord nach Leirvåg .


Bisher haben wir noch keine Pause gemacht, sondern sind immer durchgefahren bis auf die kurzen Unterbrechungen vor und auf der Fähre. Aber das Wetter ist einfach zu schlecht. Warum sollen wir anhalten und uns in den Regen stellen?

In Leirvåg folgen wir der 57 ein kleines Stück bis nach Kaland. Kurz überlegen wir, hier nach etwas heißem zum trinken Ausschau zu halten, aber eigentlich wollen wir heute nur noch ankommen. Markus hat bereits einen Campingplatz in der Nähe von Bergen ausgesucht, der zum einem günstig ist und von dem aus man zum anderen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bergen fahren kann. Daher entschließen wir uns, weiter zu fahren. Zunächst auf der 565, dann ein kleines Stück auf der 57 bis Knarik und ab dort auf der E39 Richtung Süden. Diese E39 ist zwar viel befahren, aber es ist von hier aus der schnellste Weg Richtung Bergen. Und optisch auch gar nicht so übel. Über teilweise recht spektakuläre Brückenkonstruktionen erreichen wir schließlich den Campingplatz in Lone, wo wir uns eine einfache und relativ günstige Hütte mieten. Es ist später Mittag und wir sind heute gerade mal rund 150 Kilometer gefahren.




-> Unsere Hütte in Lone: Klein, aber ausreichend.


Aber ausruhen wollen wir uns nicht. Schnell laden wir die Maschinen ab, ziehen uns „Zivilkleidung“ an und fahren dann mit dem Bus von Lone bis Nesttun. Ab dort bringt uns die Straßenbahn dann direkt bis in das Zentrum von Bergen. Eine knappe Stunde dauert das. Die Fahrkarten haben wir in dem Supermarkt gekauft, der direkt neben dem Campingplatz liegt. Auch die Bushaltestelle befindet sich dort. Also alles ganz easy :o)

Bergen gefällt mir auf Anhieb. Und das nicht nur, weil es hier (im Augenblick) nicht regnet. Hier ist jede Menge los, viele Menschen laufen durch die Straßen und Wege, ohne dass es zu voll oder ungemütlich wirkt. Auch einige Marktstände gibt es hier und lautstark bieten die Händler in verschiedenen Sprachen ihre Ware an.




-> Angebot am Marktstand.


Im Hintergrund erheben sich die Hügel, von denen die Stadt umgeben ist. Sieben Stück sind es, der höchste von ihnen ist mit 643 Metern der „Ulriken“, der bekannteste dagegen der Fløyen, der es immerhin noch auf 320 Meter schafft. Beide können mit Bahnen „erklommen“ werde, aber das nehmen wir uns für Morgen vor. Heute zieht es uns nach „Bryggen“. Das ist norwegisch, bedeutet auf Deutsch so viel wie „Landungsbrücke“ und weist damit gleich auf die Lage direkt am Wasser hin.




-> Blick auf Bryggen.


Bergen, gegründet im Jahr 1070, hat sich aufgrund seiner Lage am Meer und mit seinem Naturhafen recht schnell zu einem wichtigen Umschlagsplatz insbesondere für getrockneten Fisch und für Getreide gemausert. Aus diesem Grund errichtete die Hanse 1343 hier eine erste Handelsniederlassung, die nach und nach ausgebaut wurde. Damals hieß sie noch „Tyskebryggen“, also „Deutsche Landungsbrücke". Nachdem die Deutschen während des zweiten Weltkriegs hier allerdings barbarisch gewütet hatten, strichen die Norweger konsequent das „Tyske“ aus dem Namen.

Komplett aus Holz gebaut, brannte Bryggen in den folgenden Jahrhunderten mehrmals ab, zuletzt im Jahr 1955. Aber immer wieder wurde alles auf dem vorhandenen Grund im alten Stil neu aufgebaut. Das brachte Bryggen im Jahr 1979 schließlich auf die Liste als Weltkulturerbes der UNESCO. Etwa 60 Gebäude sind es, die hier heute noch stehen. Was mir besonders gefällt, ist, dass die meisten von ihnen immer noch genutzt werden. Ob als Souvenirgeschäft, Apotheke oder Restaurant: In vielen Gebäuden ist „Leben“. Es macht richtig Spaß durch die sehr schmalen Gassen von Bryggen zu bummeln. Wir schlendern durch die Anlage, die von vorne nicht all zu groß erscheint, die sich aber nach hinten noch überraschend weit ausdehnt. Eintritt kostet das schlendern durch diese alten Gassen hier nichts und wir können auch ungehindert die Treppen hinauf in die höheren Stockwerke gehen. So verbringen wir eine Menge Zeit in Bryggen, das mich wirklich in seinen Bann gezogen hat.




-> Bryggen, Weltkulturerbes der UNESCO.


   
-> Bryggen im Detail.




-> Bryggen im Detail.


Irgendwann aber müssen wir wieder zurück zum Campingplatz. Also schlendern wir entlang der Nordostseite der Hafenbucht Vågen, an der Bergen erbaut ist, zurück in Richtung Bahnhaltestelle. Und genießen dabei noch die Aussicht auf den Hafen.




-> Auch Segelschiffe lagern hier.




-> Hafen und "Skyline" von Bergen.


Mit Bahn und Bus fahren wir zurück und erreichen um kurz nach 20:00 Uhr unseren Campingplatz. Schnell gehen wir noch in den Supermarkt, um ein paar Dinge einzukaufen. An der Kasse dann die Überraschung: Das Sixpack Bier, dass wir eingepackt hatten, wandert vom Laufband gleich wieder zurück in die Kühlung. Ab 20:00 Uhr darf in Norwegen kein Alkohol mehr verkauft werden. Da hilft auch kein verhandeln oder bitten, wir haben keine Chance. Also wird es ein recht trockener Abend für uns. Aber nur, was die Kehlen angeht. Der Regen hält leider immer noch an.




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