Motorradtour Südnorwegen


8. Tag

Es ist fast zehn Uhr, als wir heute Morgen unser Gepäck auf den Maschinen befestigt haben und losfahren. Und, man glaubt es kaum, das Wetter ist trocken. Zwar überwiegend bewölkt, aber teilweise sogar ein wenig sonnig.

Endlich kommt der Sommer :o)

Wir folgen der viel befahrenen 7 bis Tysse, dort wechseln wir auf die kleinere und ruhigere 48. Ab Mundheit sind wir dann auf der 49 unterwegs. Und während wir dort landschaftlich gesehen recht schön am Hardangerfjord entlang bis zum Städtchen Tørvikbygd fahren, nehmen leider die Wolken immer mehr zu. Und bringen zunächst Regen, später dann auch Schnee.

Wie es scheint, ist der Sommer schon wieder vorbei … :o(

In Tørvikbygd fahren wir mit der Fähre hinüber nach Jondal. Und das Wetter eignet sich eher als Kulisse für einen Katastrophenfilm als für einen Motorradurlaub.




-> Trübe Aussichten.


Wir wollen Richtung Süden. Da es auch in Jondal schneit, entschließen wir uns, den kürzesten Weg dorthin zu nehmen. Und der führt durch den 11,3 Kilometer langen Folgefonntunnel. Die Sicht ist hier drin zwar nicht die beste, aber zumindest ist es trocken. Bald darauf erreichen wir Odda, folgen ab da der 13 Richtung Süden, vorbei auch am Låtefoss, den wir vor ein paar Tagen schon in entgegengesetzter Richtung passiert haben. In Skare schließlich biegen wir Richtung Osten auf die E134 ab.

Kälte, Regen und Schnee verfolgen uns auch, als wir in Haukeligrend auf die 9 Richtung Süden fahren. Rechts und links neben der Straße sind sogar einige Menschen auf Skier unterwegs. Sie sehen uns auf unseren Motorrädern mindestens genauso erstaunt an wie wir sie

Mittlerweile frage ich mich, ob ich die Landkarte falsch gelesen habe. Ich bin hier anscheinend nicht wie geplant in Norwegen, sondern in NorRegen. Aber ich versuche, das Ganze positiv zu sehen. Zu Hause wäre ich bei dem Wetter immer schön in der Nähe der Heizung geblieben und hätte sehnsüchtig aus dem Fenster geschaut. Hier aber bin ich dagegen immer mittendrin (im Schietwetter) statt nur dabei. Und ein bisschen habe ich, haben wir, ja doch erlebt.

Wegen des schlechten Wetters beginnen wir recht früh, nach einem Campingplatz mit Hütten Ausschau zu halten. Aber es ist das schon gewohnte Bild. Entweder sind die Plätze noch komplett geschlossen, oder die Hütten werden gerade erst aus dem Winterschlaf geholt und daher noch nicht vermietet. Einmal dachten wir, fündig geworden zu sein, aber dann stellt sich heraus, dass es in der angebotenen „Hytter“ keine Heizung gibt.

Nein Danke, da fahren wir dann lieber noch ein wenig weiter.

Und diese Entscheidung erweist sich als richtig. Ungefähr ab Hovden nimmt der Schnee neben der Straße immer mehr ab. Und auch der, der von oben kommt, wird zunächst zu Regen, bevor er schließlich ganz aufhört. Es wird wieder grün um uns herum. Und mit sinkendem Schnee steigt unsere Stimmung. Erst recht, als wir kurz vor dem kleinen Städtchen Valle endlich einen Campingplatz finden, auf dem beheizte Hütten vermietet werden. Geführt wird der Platz von einem jungen holländischen Pärchen. Der Mann drückt uns drei Schlüssel von drei verschiedenen Hüttentypen in die Hand. „Sucht euch eine aus“ sagt er uns und so stapfen Johannes und ich quer über den Platz und sehen uns die verschieden großen Hüttentypen an. Die Entscheidung ist schnell gefallen und kurz darauf bringen wir unsere Taschen in unser auserwähltes Häuschen.




-> Camping und Hütten in der Nähe von Valle.


Als ich noch einmal hinaus zu meiner Maschine gehe, fährt hinter unserer Hütte gerade ein Wohnmobil vorbei, das einen Anhänger hinter sich herzieht, auf dem quer ein Motorrad steht. Ein Mann springt aus dem Fahrerhaus heraus, sieht mich und ruft dann:
„Dich kenn‘ ich doch!“.
Auch ich habe ihn gleich wiedererkannt. Es ist der Schweitzer, den wir vor ein paar Tagen auf einer Fähre kennen gelernt haben. Kurz begrüßen wir uns, dann fragt er:
„Sind Deine beiden Kollegen auch hier?“
„Na klar“ antworte ich.
„Ich setze Wasser auf“ sagt er. „Wir treffen uns in einer Viertelstunde bei mir zum Kaffee“.

Na hoppla, das ist ja ein Ding. Und so sitzen wir rund 15 Minuten später im Wohnmobil und schlürfen Käffchen. Die Frau von Helmut, so hat sich der Wohnmobilist vorgestellt, hat sich mit dem Hinweis „Männerrunde“ in Richtung Waschhaus verzogen, wo sie „endlich mal wieder Wäsche waschen“ will. Kurz überlege ich, ihr meine mitzugeben, lasse das dann aber. Schließlich will ich nicht unhöflich sein ;-) Helmut und wir drei Motorradfahrer plaudern stattdessen über Norwegen, das schlechte Wetter in diesem Jahr und über das Reisen im Allgemeinen. Als Helmut den Cognac hervorzaubert und in die Kaffeetassen gießen möchte, klinke ich mich mit dem Hinweis aus, das ich noch mit dem Motorrad nach Valle fahren und Lebensmittel kaufen muss. Markus reagiert schnell und schließt sich mir an. Bleibt also Johannes, dem dann äußerst großzügig der Kaffee „verfeinert“ wird. Ich kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, als Markus und ich uns bald darauf bei unserem Gastgeber bedanken und dann verabschieden. Aber ich bin sicher, Johannes wird das schon überstehen.

Ungefähr 15 Minuten brauchen wir bis Valle. Das ist ein nettes kleines Städtchen, man könnte auch sagen, ein verschlafenes Nest. Der Supermarkt ist schnell gefunden, schwieriger gestaltet sich die Frage, was wir eigentlich zum essen einkaufen wollen. Aber auch dieses „Problem“ lösen wir und fahren bald darauf zurück zum Campingplatz. Gemeinsam mit Johannes, der sich mittlerweile ebenfalls aus dem Cognac-/Kaffeekränzchen verabschiedet hat, gehe ich hinüber zu dem Gebäude mit der Gemeinschaftsküche. Mitsamt der gerade erstandenen Vorräte, versteht sich. In der Küche ist schon einiges los. Ein junges Pärchen aus Regensburg hat den einen Herd in Beschlag, eine Norwegerin mit ihrem Sohn den anderen. Johannes und ich nutzen die jeweils freien Kochplatten auf beiden Herden. Ganz nebenbei entspannt sich ein munteres Gespräch, teils auf Deutsch (mit den Regensburgern), teils auf Englisch (mit der Norwegerin). Ihnen allen geht es wie uns. Sie sind genauso überrascht über das nasse und kalte Wetter wie wir. Immerhin haben die Regensburger vor zwei Tagen den Preikestolen besteigen können. Dort lag zwar immer noch jede Menge Schnee, aber der Weg hinauf zum „Predigtstuhl“ wurde von den Norwegern freigeschaufelt. Trotzdem war es laut den beiden eine recht mühsame Wanderung dort hinauf.

Bei all den Erzählungen müssen wir aufpassen, dass uns das essen nicht anbrennt. Aber wir haben es alle hinbekommen ;-)

Nach dem kochen kommt das essen, nach dem essen das abwaschen. Anschließend laufe ich noch eine kleine Runde über den Platz. Und entdecke ein Gebäude, mit dem ich nichts so recht anzufangen weiß. Da werde ich mal den Platzverwalter fragen. Und auch einen Fluss gibt es hier. Nach einigen Fotos gehe ich zurück zur Hütte.




-> Abendspaziergang über den Paltz.




-> Auch einen Fluss gibt es hier.


Mittlerweile ist es schon Abend geworden. Die Hütten rechts und links von uns werden auch vermietet. Zwei Familien mit jede Menge Kindern und noch mehr Hunden werden zumindest für diese eine Nacht zu unseren Nachbarn. Was uns aber weder freut noch stört. Nach dem vielen Schnee- und Regenfahrten sind wir müde. Und so dauert es nicht lange, bis wir den Vorhang vor dem Fenster zuziehen.




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