Tour durch die Lüneburger Heide


Vor rund drei Jahren waren wir bereits einmal in der Lüneburger Heide gewesen und haben uns fünf der dortigen sechs "Heideklöster" angesehen (siehe Reisebericht "Auf Klostersuche in der Lüneburger Heide"). Damals hatte ich mir am Ende der Tour vorgenommen, auch einmal das sechste Kloster zu besuchen, das in Walsrode. Das hatten wir seinerzeit aus Zeitgründen nicht geschafft. Außerdem wollte ich noch einmal zum Kloster Wienhausen. Die Anlage hatte mir von außen sehr gut gefallen, daher wollte ich sie mir auch von innen ansehen. Und da ich den Ort Celle sowieso einmal besuchen wollte, habe ich mich sehr gefreut, dass wir all das nun einfach miteinander verbinden konnten.


1. Tag:

Es ist Mittagszeit, als wir unsere Motorräder auf dem Parkplatz direkt an der Stadtkirche von Walsrode parken. Von außen sieht die Kirche recht nett aus und da wir Zeit haben, gehen wir hinein und sehen sie uns auch von innen an.


Stadtkirche Walsrode

-> Die Stadtkirche von Walsrode


Hell ist es hier drin und sofort fallen im Innenraum die zweigeschossigen „Balkone“ auf, die rundherum verlaufen. Das sieht fast wie in einem Konzertsaal aus. Platz für viele, viele Gläubige ist hier auf jeden Fall.

Erbaut wurde die Kirche in den Jahren 1845 bis 1850. Älter sind der Turm (1786) sowie die Marienglocke (1437), die noch von Vorgängerkirchen stammen, die hier einst gestanden haben.

Auf unserem Rundgang entdecken wir Holzskulpturen der vier Evangelisten, ein Holzkreuz ungefähr aus dem Jahr 1500 (Walsroder Kruzifix) sowie ein Taufbecken. Hoch oben über der Eingangstür steht die Orgel aus dem Jahre 1849.

Ebenfalls nahe der Eingangstür befinden sich zwei Epitaphe, nämlich die der Pastoren Gabriel Meyer (Pastor ab 1640) und die des Superintendenten Rudolphus Lodemann, der das Amt 1680 von Gabriel Meyer übernahm. Besonders letzterer machte recht penibel Notizen über die Walsroder Kirchengemeinde, was heute natürlich eine wahre Schatzkiste an Wissen aus dieser Zeit ist.


Stadtkirche Walsrode

-> In der Stadtkirche von Walsrode


Stadtkirche Walsrode

-> In der Stadtkirche von Walsrode, hier die Holzskulpturen der vier Evangelisten


Stadtkirche Walsrode

-> In der Stadtkirche von Walsrode
Im Vordergrund das Taufbecken, links an der Wand hängt das 'Walsroder Kruzifix'



Stadtkirche Walsrode

-> In der Stadtkirche von Walsrode


Stadtkirche Walsrode

-> In der Stadtkirche von Walsrode
Pastor Meyer (links) <--> Pastor Lodemann (rechts)



Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass es Zeit wird, zum Kloster zu gehen. Laut Internet werden dort täglich Führungen angeboten, unter anderem eine um 15:00 Uhr. Und genau die möchten wir mitmachen.


Das Kloster Walsrode

Weit haben wir es nicht, das Kloster liegt von der Kirche aus gesehen quasi „um die Ecke“. Das schmiedeeiserne Tor ist nicht abgeschlossen, also gehen wir hindurch und folgen dann einem Schild mit der Aufschrift „Führungen“. Das führt zu einem kleinen Haus, dessen Tür verschlossen ist und vor der eine Bank steht. Es ist kurz vor drei, also setzen wir uns und warten.


Eingang zum Kloster Walsrode

-> Eingang zum Kloster Walsrode


Es wird drei Uhr, es wird fünf nach drei, es wird zehn nach drei… Endlich kommt mit forschem Schritt eine Frau, die, wie sich später herausstellt, zwar eine Nonne ist, die aber gar nicht wie eine Nonne aussieht.
„Entschuldigung, ich habe verschlafen“ sagt sie und augenscheinlich ist ihr das ein wenig unangenehm. Sie setzt sich ebenfalls auf die Bank und beginnt dann sofort zu erzählen: Welche Voraussetzungen Frauen erfüllen müssen, um Nonne zu werden; welchen Beschäftigungen die Nonnen hier im Kloster nachgehen; wie es kam, dass sie selbst Nonne wurde; das von den elf Plätzen hier im Kloster derzeit nur sieben besetzt sind, vier weitere Nonnen also noch gesucht werden und noch einiges mehr. Langweilig scheint diese Tour mit dieser Frau jedenfalls nicht zu werden.

Schließlich gehen wir los und sehen uns das Kloster von innen an. 986 gegründet, ist das Kloster Walsrode das älteste der „Heideklöster“. Und hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: 1482 durch einen Blitzschlag fast vollständig niedergebrannt, 1626 während des Dreißigjährigen Krieg geplündert durch Soldaten Tillys, dem oberster Heerführer sowohl der Katholischen Liga als auch der kaiserlichen Armee, 1812 von den Truppen Napoleons besetzt und wiederum geplündert – Die Nonnen habe durch die Jahrhunderte hindurch so einiges durchgemacht. Ach ja, und zwischendurch, ab 1528, erfolgte die Konversion zum lutherischen Glauben. Dieser stieß, wie in den anderen Heideklöstern auch, auf heftigen Wiederstand des Konvents, so dass es immerhin bis 1570 dauerte, bis das Kloster endgültig als evangelisches Damenstift geführt werden konnte.

Heute ist das Leben der Nonnen hier zum Glück wesentlich entspannter.
Die Führung führt zunächst durch den Wohntrakt, in dem jede Nonne eine eigene kleine Wohnung hat. Dann geht es weiter durch die gesamt Anlage. Besonders beeindruckend finde ich die kleine Klosterkirche, die direkt an die „große“ Stadtkirche angelehnt und auch mit einer Tür und mehren Fenstern mit ihr verbunden ist. Mit den bunten Fenstern und der schönen Deckenbemalung ist sie wirklich ein Hingucker. Ebenfalls sehr schön finde ich den Remter, also den Speisesaal des Klosters. Der ist heute eine Außenstelle des Standesamtes der Stadt Walsrode und steht für zivile Trauungen zur Verfügung.


Klosterkirche Walsrode

-> Die Klosterkirche im Kloster Walsrode


Kloster Walsrode

-> Gang im Wohntrakt


Remter im Kloster Walsrode,

-> Remter im Kloster Walsrode, heute Aussenstelle des Standesamt Walsrode


Mehr als 90 Minuten dauert die Führung und gefällt uns wirklich gut. Das Fotografieren ist hier eigentlich nicht erlaubt, aber unsere Nonne drückt hin und wieder mal ein Auge zu ;-) Auch das macht sie, macht den ganze Rundgang hier, so sympathisch.

Im Anschluß an die Führung sehen wir uns noch ein wenig auf dem Gelände um. Das die Nonne, die hier für den Garten zuständig ist, ihr Handwerk versteht, ist nicht zu übersehen. Es grünt und blüht überall. Das Kloster mit seinem Gelände ist wirklich ein Ruheort inmitten der Stadt.


Im Garten des Klosters Walsrode

-> Im Garten des Klosters


Im Garten des Klosters Walsrode

-> Im Garten des Klosters


Im Garten des Klosters Walsrode

-> Im Garten des Klosters


Für uns heißt es nun Abschied nehmen vom Kloster Walsrode. Wer hier auch mal eine Besichtigung machen oder sich einfach nur ein wenig mehr informieren möchte, kann das auf der Internetseite des Klosters machen:
Internetauftritt Kloster Walsrode

Für uns wird es Zeit, Richtung Celle aufzubrechen. Die rund 55 Kilometer bis dahin nehmen wir ohne viel Aufregung unter die Räder. In Celle angekommen, beziehen wir die Unterkunft und gehen dann zu Fuß in die nicht weit entfernte Innenstadt. Der erste Eindruck von Celle ist beeindruckend: Jede Menge altes Fachwerk, die ganze Fußgängerzone besteht fast ausschließlich aus Fachwerkhäusern. Viel Zeit zum gucken haben wir allerdings nicht, da wir zunächst eine Kleinigkeit essen möchten, bevor wir uns aufmachen zu einem Stadtrundgang mit einem Nachtwächter. Aber den morgigen Tag haben wir für Celle reserviert, so dass wir dann genügend Zeit für die Stadt haben werden.


Stadtspaziergang mit dem Nachtwächter in Celle

Treffpunkt für den Nachtwächterrundgang ist das Celler Schloss. Dies ist gerade Christo-mäßig verhüllt, die Fassade wird momentan restauriert. Das ist zwar schade, aber Nachtwächter Dieter weist sogleich darauf hin, dass innen im Schloss nichts verhüllt ist und es auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Dann zieht er mit uns los durch die Stadt.


Nachtwächtertour in Celle

-> Nachtwächter Dieter kennt sich aus in Celle


Wenn ich eine Stadt besuche, mache ich ganz am Anfang gerne eine geführte Stadttour. Ob tagsüber oder wie hier in Celle mit dem Nachtwächter, auf diese Weise bekomme ich einen ersten Überblick über die Stadt und erfahre ein wenig über die Stadtgeschichte. So ist es auch hier in Celle. Wir lauschen den Geschichten, die Nachtwächter Dieter uns erzählt und merken uns die eine oder andere Stelle, die wir uns Morgen noch einmal in Ruhe ansehen möchten. Und fotografieren dabei natürlich auch schon das eine oder andere interessante Detail.


Nachtwächtertour in Celle

-> Nachtwächtertour in Celle


Nachtwächtertour in Celle

-> Nachtwächtertour in Celle


Nachtwächtertour in Celle

-> Nachtwächtertour in Celle


Nachtwächtertour in Celle

-> Nachtwächtertour in Celle


Ungefähr zwei Stunden dauert der Rundgang. Anschließend schlendern wir zurück in unsere Unterkunft. Heute war ein guter Tag: Mit Walsrode haben wir uns nun auch das sechste Heidekloster angesehen und fanden die Führung dort sehr kurzweilig und informativ. Nun sind wir in Celle, also in der Stadt, die ich schon seit längerem einmal besuchen wollte. Morgen werden wir uns hier etwas genauer umsehen. Und darauf freuen wir uns schon.







Zu Tag 2



Heidetour


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