Motorradtour Irland 2014


-> 1. Tag

Die Herberge befindet sich zwar an der Durchgangsstraße mitten in Bushmills, unser Zimmer liegt jedoch nach hinten hinaus, mit Blick auf einen kleinen Garten. So bekommen wir nichts von dem Straßenlärm mit. Daher habe ich in meiner ersten Nacht auf irischem Boden durchweg gut geschlafen. Schon recht früh sitzen wir bei unserem selbst zubereiteten Frühstück, dann packen wir unsere Sachen, und starten gegen halb neun in den Tag.




-> Der kleine Garten unserer Herberge




-> Die Motorräder haben wir in einem abgeschlossenen Innenhof geparkt


Der Giant's Causeway

Es sind nur ein paar Kilometer (oder hier in Nordirland Meilen) bis zum „Giant's Causeway“, dem „Damm der Riesen“. Dabei handelt es sich um rund 37.000 Basaltsäulen, die vier- bis achteckig hier an der Küste des County Antrims verstreut stehen. Manche sind bloß wenige Zentimeter hoch, andere dagegen mehrere Meter. Zusammen ergeben sie eine ziemlich bizarren Gesteinsformationen mit dem Namen „Giant's Causeway“.




-> Fußweg zum Giant's Causeway




-> Basaltsäulen in unterschiedlichen Größen




-> Die größten sind mehrere Meter hoch


Es gibt Menschen, Wissenschaftler genannt, die behaupten, dieses Naturdenkmal wäre durch eine vulkanische Eruption der Erdkruste entstanden. Dabei wurde eine große Menge flüssiger Lava an die Oberfläche geschleudert, die auskühlte und dabei diese Landschaft hinterließ... blah blah blah … und so weiter ... und so weiter ... Das ist natürlich totaler Quatsch.
Die Iren hier aus der Gegend wissen, dass dieses Naturschauspiel bei der überstürzten Flucht des Riesen Fionn Gall nach Schottland entstanden ist. Und darum will ich Euch hier nun die wahre Geschichte erzählen:

Der Riese Fionn Gall war von Schottland hier an die Küste Antrim's gekommen, um den einheimischen Riesen Finn MacCumhaill herauszufordern. Der verkroch sich jedoch in einer Kinderwiege und harrte ängstlich der Ankunft Fionn Galls. Als dieser erschien, erklärte ihm MacCumhaills Frau Una scheinheilig, ihr Mann sei nicht zu Hause – nur sein kleiner Sohn liege dort in der Wiege. Una fragte Fionn Gall, ob er vielleicht warten und etwas essen wolle. Der schottische Gigant nahm einen Pfannkuchen, und biss sich auf der Stelle zwei Zähne aus, weil Una ein paar Backbleche in den Pfannkuchen eingebacken hatte. Sie fragte ihren Gast, ob er sich nicht zu viel zugemutet habe, gegen Finn anzutreten, wenn er nicht mal die Pfannkuchen vertrage, die Finns Sohn regelmäßig esse. Mit diesen Worten reichte sie einen Pfannkuchen in die Wiege – natürlich ohne Backbleche. Aber er könne doch wenigstens Saft aus einem Stein pressen, meinte Una zu Fionn Gall. Er konnte es nicht, dafür aber Finns Sohn, der allerdings einen frischen Cheddar-Käse verwendete. Als Fionn Gall das sah, ergriff er überstürzt die Flucht und brachte dabei die Küstenlandschaft durcheinander. So entstand der Giant's Causeway.

Und um auch den restlichen Zweifel auszuräumen, befindet sich der letzte Beweis für die Richtigkeit dieser Geschichte übrigens in Schottland, der Heimat des geflüchteten Fionn Gall. Dort, wo er die Schottische Küste erreichte, findet sich ebenfalls so ein Gestein, wie hier im irischen Antrim.




-> Der "Basaltstrand" ist ein beliebtes Fotomotiv


Obwohl es gerade mal neun Uhr morgens ist, sind bereits sehr viele Menschen hier. Es ist kaum möglich, ein Foto von der Küste zu machen, ohne das andere Touristen darauf zu sehen sind. Ein Grund dafür mag auch das richtig gute Wetter sein: Der Himmel ist strahlend blau, und die Temperaturen bringen uns in unserer Motorradbekleidung bereits mächtig ins Schwitzen.


Bushmills Whiskey-Destillery

Wir fahren wieder zurück nach Bushmills. Schließlich soll die örtliche und auch ziemlich bekannte Whiskey-Destillery die älteste der Welt sein. Die öffnet allerdings erst um zehn Uhr, daher haben wir zunächst den Abstecher zur Küste gemacht. Nun stehen wir auf dem Parkplatz der Brennerei, haben die Maschinen im Schatten eines großen Baumes abgestellt, und gehen hinüber zu den Gebäuden.




-> Die "Old Bushmills Destillery".




-> Ob die wohl alle voll sind?


Eine Führung, geschweige denn eine Verköstigung, wollen wir nicht machen. Nur einmal einen Blick auf die Anlage werfen und, natürlich, dem Whiskeyshop einen Besuch abstatten. Die Iren schreiben übrigens Whiskey mit „e“, die Schotten Whisky ohne „e“. Das ist allerdings nicht der einzige Unterschied. In Schottland wird das „Wasser des Lebens“ zweimal gebrannt, in Irland sogar dreimal. Und während es in Schottland noch mehr als einhundert produzierende Destillieren gibt, sind es in Irland noch gerade mal drei. Und vor einer dieser dreien, Bushmills eben, stehen wir nun. Die Anlage macht von außen auf mich einen etwas vernachlässigten Eindruck. Nicht schmutzig oder kaputt, eher so wie ein ehemaliges Lieblingsspielzeug, dass schon seit Monaten unbeachtet in der Ecke liegt. Wirklich enttäuscht bin ich dann von dem Shop. Der ist einfach nur klein und mickrig. Wenn ich da an die schottischen Destillieren denke, da könnten die Leute von Bushmills so einiges lernen.

Recht schnell sind wir da wieder raus, schwingen uns auf unsere Maschinen und verlassen nun endgültig die Stadt Richtung Westen.

Dunluce Castle

Weit kommen wir allerdings nicht, denn schon nach wenigen Meilen legen wir den nächsten, nicht unbedingt eingeplanten Stopp ein. Wir hatten zwar gehört, dass die Ruinen von Dunluce Castle einen Besuch wert sein sollen. Aber als wir auf der Fahrt entlang der Küste um eine Ecke biegen, und plötzlich diese Anlage auf einem Basaltfelsen thronen sehen, da können wir uns der Faszination, die von ihr ausgeht, kaum entziehen. Also rauf auf den Parkplatz, und näher ansehen.




-> Sehenswert: Dunluce Castle


Der Begriff “Dunluce Castle“ bedeutet übersetzt so viel wie "starke Festung", und genau diesen Eindruck macht dieses Gebäude auf mich, auch wenn es sich mittlerweile nur noch um Ruinen handelt. Wie um fast alles in Irland ranken sich auch um diese Festung unzählige Sagen und Legenden. Wechselnde Besitzverhältnisse, ein auf Grund gelaufenes Schatzschiff der Spanischen Armada, eine neu angebaute Küche, die mitsamt Personal ins Meer abgerutscht ist – alles Geschichte, wie die Iren sie mögen. Endgültig aufgegeben wurde das Schloss in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Lage auf dem Felsen, wodurch der Zugang nur über eine schmale Brücke möglich ist, erschwert zwar einerseits die Eroberung. Andererseits war und ist die Burg dort den Elementen recht schutzlos ausgeliefert. Selbst an einem sonnigen und recht warmen Tag wie heute ist es sehr windig. Wie ungemütlich mag es hier wohl erst im Winter sein – ohne Zentralheizung und fließend warmen Wasser?

Nachdem die Burg aufgegeben wurde, verfiel sie langsam vor sich hin, aber der richtige Verfall begann erst im letzten Jahrhundert, nachdem bei einem Sturm das Dach abgedeckt wurde. Heute ist Dunluce Castle eine der größten Ruinen einer mittelalterlichen Burg in Irland. Und, wenn ich mich so umsehe, immer noch ein Anziehungspunkt für Touristen wie mich :o)




-> Selbst die mächtigen Mauern konnten Wind und Wetter nicht trotzen.


Nach diesem kleinen Ausflug in die Geschichte lenken wir unsere Maschinen an der Küste entlang weiter Richtung Westen. „Mussenden Temple“, ein Gebäude, dass der Bischof von Derry Ende des 18. Jahrhunderts hier hat errichten lassen, und das ihm u.a. als Bibliothek diente, nehmen wir quasi nur aus dem Augenwinkel wahr. Es ist mehr ein Turm als ein Tempel, und mir persönlich erscheint der dazugehörige Garten wesentlich repräsentativer zu sein. Aber so genau möchte ich da nicht urteilen, denn mehr als einen Mini-Stopp vor dem Parkeingang machen wir nicht.

Stattdessen fahren wir weiter auf der Küstenstraße, die allerdings nichts Spektakuläres oder gar Einzigartiges bietet. Aber sie bringt uns bis in das Städtchen Magilligan. Von dort fährt eine Fähre über die „Lough Foyle“ genannte Bucht hinüber nach Greencastle, einem kleinen Ort in der Nähe von Moville. Und damit verbunden ist auch ein Wechsel des Landes, nämlich von Nordirland in die Republik Irland. Und das bedeutet für uns Urlauber in erster Linie wieder "Kilometer statt Meilen" und "Euro statt Pfund".




-> Auf der Fähre von Magilligan nach Greencastle, und somit von Nordirland in die Republik Irland


Nun fahren wir also durch die Republik Irland, genauer gesagt durch das County Donegal. Diese Bezeichnung kommt aus dem gälischen (Dún na nGall), und bedeutet „Festung der Fremden“. Mit den Fremden waren die Wikinger gemeint, die ungefähr ab dem Jahr 800 hier auftauchten. Wir sind hier zwar auch Fremde, aber das man nach uns gleich ein ganzes County, also eine Grafschaft, benennt, ist doch eher unwahrscheinlich. Aber darum sind wir ja auch nicht hier. Wir fahren weiter, und die Straßen werden dabei immer kleiner und schmaler, bis es irgendwann sehr eng wird, wenn uns auch nur ein Auto entgegen kommt.




-> Unterwegs auf kleinen Strassen


So erreichen wir schließlich „Malin Head“, den nördlichsten Punkt auf dem irischen Festland.

Malin Head

Als erstes fällt mir auf, wie voll es hier ist. Wieder einmal zeigen sich die Vorteile einer Reise mit dem Motorrad, denn einen Parkplatz findet man damit immer und überall. So fahren wir bis nach ganz oben, bis es nicht mehr weiter geht. Allerdings ist die Aussicht hier nichts Besonderes. Keine spektakulären Klippen, keine bizarren Felsformationen – einfach nur Wasser, auf das wir hier von einer Anhöhe hinabschauen.




-> Die Aussicht am Malin Head, dem nördlichsten Punkt des irischen Festlands


Ein wenig enttäuscht bin ich ehrlich gesagt schon. Gegen diese Enttäuschung hilft ein Kakao oder ein Cappuccino. Beides, und noch ein wenig mehr, bekommt man hier an einem mobilen Verkaufsstand. Rick, der Inhaber (wenn ich den Namen richtig verstanden habe), fährt jeden Morgen mit seinem Wagen hier hinauf, und verkauft den Touristen neben heißen und kalten Getränken auch Kuchen und Süßigkeiten, sowie kleinere Andenken. Er hat nichts dagegen, dass ich ein Foto von ihm mache, vielleicht sieht er das ja als Werbung. Seinen Kakao kann ich jedenfalls uneingeschränkt empfehlen :o)




-> Erst einmal stärken ... :o)


Mit dem heißen Becher in der Hand sehe ich mich hier oben noch ein wenig um. Hier stehen auch die Überreste eines Turmes. Ein paar Schautafeln informieren darüber, dass er ab Anfang des 19. Jahrhunderts bis in den Zeiten des zweiten Weltkrieges als Wach- und Aussichtsturm gedient hat. Außerdem fällt mir erst jetzt auf, dass etwas tiefer das Wort ÉIRE auf dem Boden geschrieben steht. Während des zweiten Weltkrieges wurde damit den gegnerischen Flugzeugen angezeigt, dass sie nun neutrales Gebiet überfliegen.




-> Eine von mehreren Infotafeln, die am Malin Head aufgestellt sind




-> Die Turmruine...




-> ... und hier, in der oberen Bildmitte gerade noch zu erkennen, das Wort "ÉIRE"


Mittlerweile ist es Nachmittag geworden, und wir machen uns auf, verlassen „Malin Head“ und damit den nördlichsten Punkt des irischen Festlandes. Ein paar Kilometer wollen wir noch fahren, und uns dann eine Unterkunft suchen. Die Straßen sind überwiegen immer noch recht schmal, aber zum Glück ist es hier nicht besonders voll. Je weiter südlich wir kommen, desto besser und breiter werden sie, allerdings nimmt auch die Zahl der Autos zu.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir schließlich Buncrana, die zweitgrößte Stadt der Grafschaft Donegal. Viel zu sehen gibt es hier nicht, und wir sind schon fast aus dem Ort wieder heraus, als wir ein „B&B“-Schild entdecken. Kurz zögern wir, entschließen uns dann aber doch, nachzufragen, ob dort noch Platz für drei Leute ist. Und tatsächlich: Alle Zimmer sind frei, und so beschließen wir, das wir für heute genug gefahren sind und quartieren uns dort ein. Praktisch ist auch, dass es genau gegenüber auf der anderen Straßenseite ein Pub gibt, dessen Speisenkarten wir für gut befunden haben. Und genau dort kehren wir auch ein, allerdings erst, nachdem wir die Maschinen entladen, die Zimmer bezogen, geduscht und saubere Sachen angezogen haben. Zwischendurch bemerken wir, das unser Vermieter aus dem Haus geht, und wenig später mit einer prall gefüllten Einkaufstasche wieder zurückkehrt. Da hat er wohl unser Frühstück für Morgen früh besorgt ...




-> Übernachtung in Buncrana.


Das Essen in dem Pub ist gut, wir sind satt und zufrieden, und machen anschließend noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch den Ort. Viel los ist hier nicht, daher fällt die Runde recht klein aus. Zum Abschluss des Tages treffen wir auf dem Flur vor unseren Zimmern noch einmal unseren Vermieter. Der allerdings hat nicht so schöne Nachrichten für uns: Morgen soll es regnen. Da wollen wir doch mal sehen, ob er Recht behält.





Unsere heutige Route im Überblick:






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