Motorradtour Irland 2014


-> 2. Tag

Mit einen „Full irish breakfast„ starten wir um 8:00 Uhr in den Tag. Naja, mit einem fast „full“, denn auf die „Baked Beans“ habe ich verzichtet. So liegen Spiegeleier, Speck, Würstchen, Tomaten, Pilze sowie Black and White Pudding nebst getoastetem Brot vor mir auf dem Teller. Ja, ich weiß, dass ist nicht jedermanns (und jederfraus) Geschmack. Und ehrlich gesagt, habe ich die Pilze dann doch liegen lassen. Wer weiß, wo unser Vermieter die her hat…

Besonders fit fühle ich mich sowieso nicht. Unsere Unterkunft liegt auch hier wieder direkt an der Hauptstraße. Durch das offene Fenster waren die Motorengeräusche des vorbeifahrenden Verkehrs diesmal aber leider recht gut zu hören, und sorgten bei mir für einen unruhigen Schlaf. Zum Glück haben wir heute Sonntag, und somit nicht ganz so viel Verkehr. Und auch das Wetter passt sich meiner müden Stimmung an: Der Himmel ist Wolkenverhangen, ganz in grau, und pünktlich, als wir gegen viertel nach neun starten, fängt es an zu regnen.
Na Klasse :-(

Trotzdem lassen wir uns nicht abschrecken, und nehmen wieder Kurs auf die Küste. Unser erstes Ziel ist „Horn Head“, ein Tipp, dem ich aus einem Motorradforum im Internet bekommen habe. Dazu fahren wir auf der N56, noch nicht ahnen, dass diese für heute unsere ständige Begleiterin wird.




-> Unterwegs auf der N56


Am Horn Head

Wie gestern auf dem Weg nach Malin Head ist auch hier die Straße zunächst recht gut ausgebaut, und wird dann umso schmaler, je näher wir der Küste kommen. Diesmal allerdings wird sie auch steil und kurvig. Teilweise geht es recht heftig bergauf, mit unübersichtlichen, engen Kurven. Bei entgegenkommenden Fahrzeugen muss ich mich zwingen, dabei immer schön an den Linksverkehr zu denken! So „kämpfen“ wir uns Meter für Meter weiter, bis wir schließlich Horn Head erreichen. Ein Schild gibt Auskunft, dass wir da sind, aber auch ohne diesen Hinweis hätte ich hier gehalten. Die Aussicht ist einfach schön, viel besser als gestern beim Malin Head.




-> Aussicht am Horn Head


Bis zu 180 Meter steigen die Klippen nahezu senkrecht aus dem Meer. Das hört sich nach nicht besonders viel an, ist aber verbunden mit dem Ausblick, der sich hier bietet, auf jeden Fall sehenswert. Daher hält uns auch der Regen nicht davon ab, hier ein paar Fotos zu machen.




-> Aussicht am Horn Head


Einen kleinen Parkplatz gibt es auch, und dort stehen außer uns nur zwei Autos. Aus einem der beiden steigt ein Mann, und kommt auf uns zu. Mit einem lauten „Hallo“ begrüßt er uns. Er ist gemeinsam mit seiner Frau aus Deutschland hier herüber nach Dublin geflogen und hat sich einen Leihwagen gemietet. Nun erkunden die beiden Irland mit dem PKW. Kurz darauf gesellt sich auch seine Frau zu uns. „Schöne Grüße aus Recklinghausen“ ruft sie uns zu. „Meine Schwester wohnt auch dort, und ich habe gerade mit ihr telefoniert“. Dabei zeigt sie auf unsere Nummernschilder, die mit „RE“ für Recklinghausen beginnen. Da sieht man mal wieder: Die Welt ist ein Dorf :o) Wir halten noch ein wenig Small talk, aber es ist zu nass und ungemütlich, um zwanglos zu plaudern. So verschwinden die beiden recht bald wieder in ihr Auto, und auch wir steigen auf unsere Maschinen, und fahren weiter. Schade, dass wir hier nicht ein so schönes Wetter wie gestern hatten. Dann wäre die Aussicht bestimmt noch um einiges schöner gewesen. Aber auch so würde ich diesen Punkt „Horn Head“ dem gestrigen „Malin Head“ immer vorziehen.
Obwohl – gegen den heißen Kakao von Rick hätte ich gerade auch nichts einzuwenden …

Weiter geht es, an der Westküste entlang Richtung Süden. Der Regen hat mittlerweile aufgehört, und auch wenn die Sonne noch nicht durchgekommen ist, ziehen wir die Regenkombis aus. Ohne diese „Gummipelle“ macht das fahren ja auch einfach viel mehr Spaß.

Wir folgen weiter der N56, deren graues Band sich an der Küste entlang schlängelt, und durchaus Fahrspaß für uns bereit hält. Immer wieder legen wir kleine Pausen ein. Dabei finde ich auch ein gutes Beispiel für die etwas unorthodoxe Festlegung der Höchstgeschwindigkeiten hier in Irland:




-> Ich geb Gas, ich will Spaß...


Aber mit solchen „Kleinigkeiten“ halten wir uns nicht lange auf. Zum Glück bleibt es trocken, und wir fahren weiter auf den schmalen Straßen, deren Mitte zumeist aus einem schmalen Band aus Gras und Unkraut besteht. Immer wieder sehen wir Verkehrsschilder, die anzeigen, das wir uns auf dem „WAW“ befinden, dem „Wild Atlantic Way“. Diese Tafeln mit dem weißen Zeichen auf blauem Grund findet man hier fast an jeder Kreuzung.




-> Erkennungszeichen des "Wild Atlantic Way"


Die Slieve League

Unser nächstes Ziel sind die Klippen von Slieve League. Diese Bezeichnung leitet sich aus dem irischen Sliabh Liag ab, was so viel wie „Steinberge“ bedeutet. Ich bin gespannt, ob sie diesem Namen gerecht werden.

Aber zunächst einmal müssen wir dort hin kommen. Ausgeschildert ist hier nichts, und so finden wir den Weg zunächst nur dank des Navi vom Markus. Am Ortsrand des kleinen Örtchens Teelin entdecken wir endlich Hinweisschilder, die uns den Abzweig zu den Slieve League zeigen. Von dort aus brauchen wir eigentlich nur der recht gut ausgebauten Straße folgen. Wobei „gut ausgebaut“ nicht unbedingt auch „gut zu befahren“ bedeutet. Im Gegenteil, der Weg führt recht steil und kurvig nach oben, teilweise ist es zwischen den Felsen sehr unübersichtlich. Das größte Problem sind hier allerdings die Schafe, die rechts und links am Wegesrand stehen, und bei denen wir nie wissen, ob sie nun ganz friedlich so da stehen bleiben, oder doch plötzlich auf die Straße springen, um die Seite zu wechseln.




-> Schafe rechts und links der Straße


So befinden wir uns quasi in Alarmbereitschaft und sind ständig bremsbereit. Trotzdem werfen wir unterwegs immer wieder einen Blick auf unsere Umgebung, die wirklich sehr schöne Aussichten und Ausblicke bietet.




-> Auf dem Weg zu den Slieve League


Kurz darauf befindet sich auf der linken Seite ein Parkplatz, auf dem auch schon viele Autos stehen („Carrigan Head“). Allerdings führt die Straße noch weiter hinauf, nur getrennt durch ein Metallgatter. Markus, der vorweg fährt, zögert nicht lange, sondert öffnet das Gatter, so das Johannes und ich hindurch fahren können. Dann kommt er selber hinterher und verschließt das Tor anschließend wieder sorgfältig. Ich kann jedem nur empfehlen, es genauso zu machen, und nicht am ersten Parkplatz stehen zu bleiben, um den Rest zu Fuß zu gehen. Denn die nächsten Meter haben es wieder in sich, insbesondere was die Steigung angeht. Durch die Absperrung sind hier zwar keine Schafe mehr, dafür aber all jene Menschen, die den Fehler gemacht haben, vor dem Gatter zu parken. Und manche von denen benehmen sich leider auch nicht anders als die wolligen Vierbeiner…

Schließlich erreichen wir einen weiteren Parkplatz, und ab hier geht es dann nur noch zu Fuß weiter. „Bunglass Point“, wie das kleine und mit Geländern und Absperrungen recht gut abgesicherte Plateau hier genannt wird, befindet sich auf rund 300 Metern Höhe, und von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die steil ins Meer abfallenden Klippen.




-> An dem Slieve League


Mit ihren 601 Metern Höhe sind sie die größten Klippen in Irland, und gehören mit zu den höchsten in ganz Europa. Nur die Klippen auf Achill Island und einige Klippenformationen in Skandinavien sind noch höher. Mehrere Wanderwege führen hier entlang. Ein „One Man’s Pass“ ist ausgeschildert, ebenso ein „Pilgrim’s Pass“. Wir aber wollen nicht wandern, sondern begnügen uns mit der Aussicht, die wir hier haben.




-> An dem Slieve League


Auch hier steht ein mobiler Verpflegungswagen, und wir gönnen uns ein Eis. Dann machen wir einige Fotos. Besonders Johannes kann gar nicht genug Bilder von sich und seiner BMW vor dieser Kulisse bekommen :-) Bei klarem Himmel, den wir heute leider nicht haben, soll die Weitsicht hier spektakulär sein. Außerdem werden Bootstouren zum Fuß der Klippen angeboten, und ich nehme mir vor, dass ich, wenn ich noch einmal nach Irland komme, auch einen Tag für eine kombinierte Wander- und Schiffstour einplane.

Aber alles hat ein Ende, so auch unser heutige Aufenthalt hier oben. Wir steigen auf unsere Maschinen, rollen die Straße hinab, am „Carrigan Head„ mit seinem Gatter vorbei, weiter bis zu unserer alten Bekannten, der N56. Ab hier fahren wir Richtung Donegal. Zum Glück ist es immer noch trocken, und wir rollen zufrieden dahin, bis wir die Stadt erreichen, die diesem County seinem Namen gegeben hat. Trotzdem ist Donegal weder die Hauptstadt dieser Grafschaft (das ist Lifford), und auch nicht die größte Stadt (Letterkenny). Uns ist das aber herzlich egal, als wir zunächst tanken, und dann im örtlichen Hostel nach einem Zimmer fragen. Obwohl das Haus laut „Andi“, der hier alles managt, recht voll ist, bekommen wir ein sechs-Bett-Zimmer für uns. Markus „opfert“ sich, fährt noch einmal in den Ort, und besorgt etwas zu essen und zu trinken. Dann nutzen wir die Selbstversorgerküche, kochen uns das Abendessen, und lassen dann beim gemütlichen beisammensitzen den Tag noch einmal Revue passieren.




-> Vor dem Hostel in Donegal


Kurze Zeit später sitze ich allein im Aufenthaltsraum. Markus und Johannes holen Karten und Navi, damit wir überlegen und planen können, wo wir Morgen langfahren wollen. Da spricht mich ein junger Mann an, und beginnt, mir seine Lebensgeschichte zu erzählen. Er kommt aus Frankfurt, hat sich hier ein Auto geliehen, und will nun Irland erkunden. Sein Redefluss ist kaum zu stoppen, selbst als zuerst Markus, später dann auch Johannes zurückkommen. Schließlich retten wir uns unter einen Vorwand nach draußen auf die überdachte Veranda. „Na, der sucht aber Anschluss“ grinst Markus. Dann machen wir uns daran, den morgigen Tag zu planen.

Als ich zum Abschluss des Tages die Kilometerzahlen notiere, fällt mir auf, dass wir heute zwar 268 Km gefahren sind, es auf direktem Weg aber nur 70 gewesen wären.
Aber der wäre ja auch nicht so schön und interessant gewesen …




Unsere heutige Route im Überblick:






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