Motorradtour Irland 2014


-> 7. Tag

In der Nacht kommt starker Wind auf, und der bringt den Regen mit. Mein Bett steht direkt am Fenster und mehr als einmal werde ich wach, weil die Tropfen gegen das Glas klatschen und der Wind durch das gekippte Fenster zieht. Draußen werden die Gartenstühle von eine Ecke in die andere gepustet, ein aufgespannter Sonnenschirm fällt um und ein Tisch wird ebenfalls umgeworfen. Zum Glück stehen unsere Motorräder etwas abseits, mit ihnen geschieht nichts.

Am Morgen hat der Wind nachgelassen, aber es regnet immer noch sehr stark. Kurz überlegen wir, hier in Allihies zu bleiben und eine weitere Nacht zu verbringen. Aber Michael hat uns gestern schon gesagt, dass an diesem Wochenende im ganzen Ort kein Bett mehr frei ist. Ab heute findet hier drei Tage lang ein großes Folkfestival statt, mit Musikern und Besuchern aus ganz Europa. Daher ist alles ausgebucht. Wir könnten natürlich darauf spekulieren, dass einige Besucher wegen des schlechten Wetters ihren Reservierung noch absagen. Aber darauf wollen wir uns nicht verlassen. Daher beschließen wir beim Frühstück, auf direkten Weg nach Cork zu fahren, und dort den Tag und die Nacht zu verbringen.

Bei strömenden Regen beladen wir die Maschinen, sitzen auf und fahren zunächst in südlicher Richtung nach Kilkinnihan, ab dort wenden wir uns Richtung Osten. Der Regen verhindert leider, das wir Dursey Island besuchen, eine kleine Insel am Ende der Beara-Halbinsel. Dort hinüber gelangt man nämlich mit Irlands einzige Seilbahn, und das hätten wir sehr gerne einmal ausprobiert. Aber bei strömenden Regen macht das nun mal keinen Spaß.

Wir fahren ohne Pause, zunächst weiter auf dem Ring of Beara, über Castletownbere und Adrigole weiter bis Glengarriff. Bei diesem Wetter ist die Sicht auf die Landschaft natürlich eine ganz andere als gestern bei Sonnenschein. Dunst und Nebel hängen in den Bergen, und lassen die Umgebung durchaus etwas geheimnisvoll, bisweilen auch unheimlich aussehen. Ein wenig verstehe ich die Geschichten über Riesen und Gespenster, die sich die Menschen in den früheren Jahren erzählt haben.

Der Dauerregen erinnert mich auch daran, was ich zu Hause im Vorfeld der Tour über das irische Wetter gelesen hatte: Am häufigsten waren diese beiden Weisheitem:

„Der Sommer fiel in diesem Jahr auf einen Montag“

„Auf zwei Tage im Jahr freut sich der Ire besonders: Auf Weihnachten und auf den Sommer“

Ganz so schlimm finde ich das Wetter hier aber nicht. Von so starken und ausgiebigen Regen sind wir bisher auf unsere Tour verschont geblieben. Es gab nur einige kurze Schauer, aber die waren zu ertragen.

Einen dritten Spruch möchte ich Euch in Zusammenhang mit dem irischen Wetter aber nicht vorenthalten:

„Die Temperaturen sind in Irland im allgemeinen sehr warm.
So lange man im Bett bleibt...“


Dies alles hatte mich veranlasst, einen Pullover mehr einzupacken und in diesem Augenblick bin ich durchaus froh darüber. Ich habe ihn nämlich gerade an :o)

Bei Glengarriff verlassen wir den Ring und fahren über Ballingeary und Coachford weiter bis Cork. Dort finden wir Dank dem Navi von Markus recht schnell das Sheila-Hostel.




-> Das Sheila-Hostel in Cork


Da es immer noch regnet, gehen wir alle drei hinein und fragen an der Rezeption nach freien Betten. Der junge Mann dort bemerkt ganz richtig, dass wir mit Motorrädern unterwegs sind und fragt mich, welche Maschine ich fahre.
„ A Yamaha“ antworte ich.
„Wich Yamha?“ fragt er.
„A Tenere“
„OK, and the other two guys?“
„They drive BMW“
„OK“ sagt er und lächelt mir zu. „So we have one motorcycle and two tractors...“.

Ich grinse noch immer, als wir ein paar Minuten später unsere Sachen auf unser Zimmer bringen. Wir haben mal wieder ein 4-Bett-Zimmer für uns allein bekommen, mit Dusche und WC. Der Mann an der Rezeption hat uns außerdem angeboten, unsere nassen Sachen im Heizungskeller zum trocknen aufzuhängen, was wir auch dankend annehmen. Trotzdem können Johannes und Markus ihn nicht so recht leiden. Ich weiß auch nicht, warum … :o)

Nach einer kleinen Auszeit im Aufenthaltsraum mit Tee, Müsliriegeln und Keksen nutzen wir eine Regenpause, um ein wenig Cork zu erkunden. Im Vergleich zu den Orten, in denen wir in den letzten Tage übernachtet hatten, ist das hier fast eine Großstadt. Mit rund 120.000 Einwohnern ist Cork nach Dublin immerhin auch die zweitgrößte Stadt der Republik Irland. Und so finden wir hier nicht nur viele Geschäfte direkt an der Hauptstraße, es gibt auch eine richtige Fußgängerzone hier, und die ist gar nicht mal so klein.




-> Ein Spaziergang durch Cork




-> Ein Spaziergang durch Cork




-> Ein Spaziergang durch Cork


Zwischendurch, als es wieder ein wenig regnet, gönnen wir uns in einem kleinem Schnellimbiss Fish & Chips bzw. Chicks & Chips, dann gehen wir zurück ins Hostel.




-> Auf dem Weg zurück zum Hostel


Dort setzen wir uns mit der Irlandkarte in den Aufenthaltsraum, und überlegen, welche Route wir Morgen fahren wollen. Das Ziel ist klar: In Rosslare, im Südosten Irlands, haben wir uns ein Zimmer in einem B&B reserviert. Übermorgen früh fährt von dort unsere Fähre hinüber nach Fishguard in Wales. Weit ist das nicht, auf direktem Weg gerade mal 200 Kilometer, aber wir wollen uns unterwegs ja durchaus noch etwas ansehen.

Später am Abend gehen wir noch in die Stadt in einem Pub, und trinken noch ein Bierchen. Es ist recht leer hier, und die Gäste, die anwesend sind, starren auf einen Fernseher. Daher bleiben wir nicht wirklich lange dort. Es ist noch keine elf Uhr, als wir schließlich in den Kojen liegen.



Unsere heutige Route im Überblick:






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