Motorradtour zu den Lofoten, Norwegen


9. Tag: Sonntag, 03.06.2007

Ach, wären wir gestern doch nur noch eine viertel Stunde weitergefahren. Im Fünf-Minuten-Takt taucht jetzt hier auf der [70] ein schöner Campingplatz nach dem anderen auf. Aber ich habe keine Zeit, mich zu ärgern: Straβenschilder zeigen ein Gefälle von 9 % an, und dieses bergab zieht sich immerhin fünf Kilometer lang hin. Viele Kurven sind dabei, und somit beansprucht die Strasse unsere volle Konzentration.

Das Wetter ist weiterhin Klasse. Unglaublich, aber wahr: Wir sind jetzt schon eine Woche lang hier oben, und haben noch keinen Tropfen Regen abbekommen. Besonders Markus ist hin und weg: Vor drei Jahren war er schon einmal hier, und da hat es oft geregnet. Jetzt freut er sich auf die Trollstiegen bei Sonnenschein, und schwärmt uns so viel davon vor, das Hannes und ich schon ganz gespannt darauf sind.





Wir wechseln auf die [63]. Hier fahren wir noch zweimal mit der Fähre. Auf dem Schiff von Linge nach Eidsal machen wir dabei Bekanntschaft mit dem „100-Kronen-Trick“. Und der funktioniert folgendermaβen: Der Kassierer tippt dreimal die „eins“ in seine Kasse, wir müssen also 111 Kronen bezahlen. Die Quittung legt er dann dem Kunden, in unserem Fall Johannes, mit dem Ausdruck nach unten in die Hand, und sagt laut und deutlich „211 Kronen“. Zum Glück hat Hannes gesehen, wie der Typ dreimal die „Eins“ in seinen Kasten eingetippt hat. Er dreht den Beleg um, so dass jetzt die 111 zu lesen ist. Dann beginnt er, dem kleinem Gauner ganz langsam und mit sehr viel Kleingeld 111 Norwegische Kronen in die Hand zu zählen. Der Kassierer zuckt nicht mit einer Wimper, glaubt aber, uns noch einmal ärgern zu können: Bei der Ankunft lässt er erst alle anderen Fahrzeuge von Bord, und ganz zum Schluss dann uns. Eigentlich ist es umgekehrt, die Motorräder dürfen zuerst fahren. Aber nicht mit mir, mein Junge. Als er uns endlich das Zeichen zur Abfahrt gibt, rolle ich langsam auf ihn zu. Kurz bevor ich ihn erreiche, lasse ich den Motor aufheulen, die Maschine macht einen Satz nach vorn, und ich rausche ihm fast über die Füβe. Ich sehe seine erschrockenen Augen, zeige ihm mit links noch schnell den langen Finger, und weg sind wir.

Wir fahren durch ein grünes Tal, die Berge rechts und links kommen immer näher. In der Ferne erkenne ich einen Wasserfall. Johannes hält an, will ein Foto machen, aber Markus fährt weiter, ist jetzt gar nicht mehr zu bremsen. Kurze Zeit später stehen wir auf einem Parkplatz, am Fuβ des Wasserfalls. Das Wasser, das den Berg hinabstürzt, rauscht hier mit viel Getöse als Fluss an uns vorbei. Ein Schild warnt vor Trolle, und vor uns ist ein Berg. Wir sind sozusagen in einer Sackgasse geraten, aber ich erkenne Serpentinen, die sich den Berg hinauf winden. Markus sagt nur ein Wort: Trollstiegen.





Fast schon ein wenig ehrfürchtig blicke ich nach oben. Endlich sind wir da. Wir fotografieren die Gegend unzählige Male. Dann schwingen wir uns einer nach dem anderen auf das Moped, und fahren die kurvige Straβe nach oben. Im oberen Drittel führt der Weg über eine Brücke, dass darunter hinabrauschende Wasser verursacht eine Gischt, und hüllt uns ein. Nur einen kurzen Moment, dann sind wir durch.







Oben angelangt, laufen wir ein Stück dem Berg entlang. Von hier aus hat man eine grandiose Aussicht auf das Tal, durch das wir gerade gefahren sind. Wie Spielzeugautos winden sich die Fahrzeuge die Serpentinen hinauf oder hinunter. Ich bin schwer beeindruckt. Zwei Andenkenläden gibt es hier, und jede Menge Busse mit Touristen. Sie kommen von den nahe gelegenen Fjorden, die sie mit ihren Kreuzfahrtschiffen angefahren haben. Es ist nicht leicht, sich von diesem Anblick los zu reiβen. Schlieβlich raffen wir uns auf, und setzen uns auf die Maschinen.

Wir fahren weiter, den Berg jetzt auf der anderen Seite wieder hinab. Hier liegt noch sehr viel Schnee. Obwohl überall Parkverbot ist, stehen am Straβenrand jede Menge Autos. Die Skifahrer starten hier ihre Touren. Die Strasse ist sehr schmal, wenn sich hier die Busse begegnen, wird es knapp. Nur langsam kommen wir hinab in tiefere Regionen, und es wird wieder grün um uns herum. Das gefällt mir auch sowieso viel besser. In Gedanken bin ich noch bei den Trollstiegen, doch dann, ganz plötzlich, bremse ich mitten auf der Strasse ab, und blicke fasziniert in das vor mir liegende Tal: Ein wie es scheint riesiger See ist dort, mit drei Schiffen, die da ankern. Markus steht neben mir, und erklärt, dass das der Geirangerfjord ist. Wir rollen mit den Motorrädern zum Rand der Strasse, und machen wieder ein Bild nach dem anderen. Einfach Klasse, diese Aussicht von hier oben.





über jede Menge Kurven fahren wir hinab in das Tal, und unterbrechen die Fahrt immer wieder für Fotos. Es dauert eine ganze Weile, bis wir unten angekommen sind. Dann so etwas wie Ernüchterung. Der Ort ist winzig. Direkt am Rande des Fjords ist ein riesiger Parkplatz, auf dem im Minutentakt Busse ankommen oder ihn wieder verlassen. Einen kleiner Kiosk mit Pommes und Eis gibt es noch, sowie einen Andenkenladen. Das war’s. Nach dem Anblick von oben irgendwie enttäuschend. Trotzdem kaufe ich mir im Souvenirshop eine Mütze mit der Aufschrift „Geiranger“, und kurz darauf rollen wir aus dem Ort heraus weiter Richtung Süden. An einem weiteren schönen Aussichtspunkt kommen wir noch vorbei. Auch hier haben wir wieder einfach nur eine Klasse Aussicht, und wir versuchen, sie auf Fotos einzufangen. Dann fahren wir weiter.





Da es bergauf geht, wird es schnell wieder etwas kälter. Schnee liegt links und rechts der Strasse. Kurz nachdem wir auf die [15] Richtung Grotli abgebogen sind, kommt uns neben der Strasse eine Horde Rentiere entgegen. Wir stoppen, stellen die Motoren ab, und beobachten die Tiere, die das wenige Gras fressen, dass sie zurzeit dort finden. Sie kümmern sich überhaupt nicht um uns, um vorbeifahrende Autos genauso wenig, und wandern gemächlich vorbei.

Wir setzen unsere Fahrt fort bis Skjak. „Dönfoss-Camping“ heiβt der Platz, an dem wir unser Glück mit einer Hütte versuchen. Hier sieht es ziemlich edel aus, und wir vermuten, dass es finanziell wohl unser Budget sprengen wird. Aber die freundliche Frau an der Rezeption vermietet uns eine ganz tolle Hütte für 400 Kronen. Wir sind begeistert. Alles wirkt neu, es ist sauber und aufgeräumt, und als wir noch ein wenig auf dem Platz umherlaufen, finden wir auch noch ein Freibad. Leider ist noch kein Wasser eingelassen, aber im Sommer lässt es sich hier wohl aushalten. Ein Fluss, der laut rauschend direkt am Platz vorbei fließt, gibt die Geräuschkulisse für den Abend. Nach langer Zeit haben wir mal wieder einen Fernseher, und das Satellitenbild verspricht weiterhin Sonne. Unglaublich! Ein Blick auf den Tacho zeigt 346 gefahrene Kilometer. Für mich war es der bisher spektakulärste Tag. Sowohl Trollstiegen als auch der Geirangerfjord haben mächtig Eindruck bei mir hinterlassen. Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal hierher zurück zu kommen. Leider gibt es hier auf dem Campingplatz kein Bier zu kaufen, und so lassen wir den Tag wenigstens mit einem Eis ausklingen.







Zu Tag 10



Lofoten


Intro

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9

Tag 10

Tag 11

Tag 12

Tag 13

Tag 14

Tag 15

Nachtrag




nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: tournotizen[at]gmx.de