Motorradtour zum Nordkap


Donnerstag, 28.05.2009; Husqvarna und Regen in Südschweden

Oh man, ich hasse das: Ich habe Urlaub, und muss trotzdem früh aufstehen. Um halb sieben klingelt der Wecker und ich quäle mich aus dem Bett. Johannes und Markus sind um diese Zeit schon wesentlich frischer als ich, irgendwie beneidenswert.

Um sieben Uhr gibt es Frühstück, und das nutzen wir ausgiebig. Drauβen scheint die Sonne, aber es ist sehr windig. Sogar unser doch recht groβes Schiff schaukelt hin und her. Uns fällt die Durchsage von gestern Abend wieder ein bezüglich der Windstärke sieben bis acht. Nun bekommt das ganze einen Sinn. Manch einer der Gäste hier im Frühstücksraum balanciert sein Tablett auf recht abenteuerliche Art und Weise. Aber alles geht gut, niemand verliert das Gleichgewicht, und so fahren wir durch die Schären auf Göteborg zu.





Nach einem langen Frühstück packen wir unsere Sachen, machen eine kurze Stippvisite an Deck, dann geht es auch schon hinunter in den Bauch des Schiffes auf das Autodeck. Wir beladen die Maschinen und rollen kurz darauf die Rampe hinunter auf das schwedische Festland. Brav reihen wir uns in die lange Schlange der Autofahrer ein, und warten geduldig, dass man uns durch die schmale Ausfahrt fahren lässt. Hinter uns stehen zwei PKW, dahinter sind zwei Motorradfahrer aus Holland. Die müssen gestern noch spät gekommen sein, wir hatten sie am Anlieger nicht gesehen. Plötzlich dreht der eine der beiden am Gashahn, und fährt recht schnell auf eine Mauer ganz in der Nähe zu. Dort springt er von der Maschine, reiβt den Helm von Kopf und übergibt sich mehrmals. Schwer zu sagen, ob er gestern zu viel getrunken hat, oder der Seegang ihm nicht bekommen ist, auf jeden Fall gibt der arme Kerl eine recht jämmerliche Figur ab. Und so wird „den Holländer machen“ in den nächsten Tagen unser running Gag. Immer, wenn einer beim Essen richtig zuschlägt, oder mehr als zwei Dosen Bier trinkt, bekommt er von den anderen zu hören „Pass auf, das Dir nicht schlecht wird. Sonst machst Du noch den Holländer“. So bleibt uns diese Episode am Göteborger Hafen in lebhafter Erinnerung.

Recht zügig verlassen wir die Groβstadt, und fahren dabei eine Zeit lang noch mit dem Hannoveraner von gestern zusammen. Solange, bis wir schlieβlich Richtung Osten abbiegen, und er geradeaus weiter nach Norden fährt. Ein kurzes Winken, dann ist er auch schon verschwunden. Gute Fahrt, Kollege!

Wir folgten kurz der Autobahn 40, genauer gesagt bis Boras. Von da an fahren wir über Landstraβen bis Husqvarna. Dort besichtigen wir das Fabrikmuseum





Hier wird alles ausgestellt, was diese Firma herstellt oder jemals hergestellt hat. Es beginnt mit Waffen aus dem 16. Jahrhundert, über antike Küchenherde und Nähmaschinen is zu Fahrräder und Rasenmäher. Und natürlich Motorräder. Sie bildet den gröβten Teil der Ausstellung. Liebevoll restaurierte Stücke stehen dicht beieinander, viele Fotos und auch Videofilme erzählen die Geschichte der verschiedenen Typen. Hier kann man sich schon eine ganze Zeit lang beschäftigen. Fast zwei Stunden lang laufen wir durch das Museum. Zurzeit dreht der NDR hier eine Reportage über die Kettensäge. Gleich mehrmals setzt die Reporterin zu ihren Text an: „Die Kettensäge hat Geburtstag. Wir befinden uns hier in Husqvarna, einen kleinen Ort am Fuβe des Vätternsee, in Smaland, Schweden“. Immer wieder muss sie sich allerdings unterbrechen: Mal stimmt das Licht nicht, dann wieder räuspert sich der Interviewpartner. Ja ja, so ein Fernsehreporter hat es nicht leicht.









Wir setzen unsere Fahrt fort. Richtung Norden geht es, dem Vätternsee entlang über Gränna, ödeshög bis nach Motala. Kurz bevor wir die Stadt erreichen, entdecken wir einen schön gelegenen Campingplatz direkt am See. Hier könnte es uns schon gefallen, und so fragen wir nach, ob noch Hütten frei sind, und was sie kosten. 600,- schwedische Kronen will man dort haben, für eine Hütte ohne Toilette und WC. Johannes bringt es auf den Punkt: ‚to expensive’, das ist uns zu teuer, sagt er der guten Frau seine Meinung, der Markus und ich uns uneingeschränkt anschlieβen. Also fahren wir weiter. Die Quittung für diese Entscheidung erhalten wir prompt: Zwischen Motala und Linköping bekommen wir einen mächtigen Schauer ab.





Der Himmel ist tiefschwarz, der Wind peitscht den Regen fast senkrecht durch die Luft, und bevor wir vollkommen durchnässt sind, „retten“ wir uns zu einer Tankstelle, und trinken dort einen Cappuccino. Bisher haben wir keinen weiteren Hinweis auf eine Hütte gesehen, daher fragen wir den Tankwart, ob er hier in der Nähe etwas kennt. Der verweist uns auf ein „Vandrarhem“, eine Jugendherberge. Kurz überdenken wir diese Option, entschlieβen uns dann aber dagegen. Wir wollen lieber eine Hütte mieten. Als der Regen schlieβlich nachlässt, riskieren wir es und fahren weiter. Nach wenigen Minuten hat uns der Niederschlag aber wieder ein. Ich fluche, hadere mit mir, dass wir nicht in der Jugendherberge abgestiegen sind. Dann, bei Borensberg, endlich ein Schild „Camping“, daneben das Zeichen für Hütten. Wir folgen dem Wegweiser, und stehen kurz darauf auf dem Campingplatz "Starndbadets Camping“, einem Platz direkt an einem kleinen See gelegen. Die Hütten sind nichts besonderes, kosten inklusive Dusche und WC 550,- Kronen. Lange überlegen wir nicht, und keine fünf Minuten später sind wir in der warmen Hütte, ziehen die nassen Sachen aus, setzen Teewasser auf, und sehen uns den Wetterbericht im Fernseher an. Es ist zum verzweifeln: in ganz Skandinavien herrscht schönes Wetter, nur zwischen Göteborg und Stockholm bringt ein schmales Wolkenband ergiebige Regenfälle. Na super! Wenigstens ist die Vorhersage für Morgen richtig gut. Viel Sonne und leicht steigende Temperaturen machen uns Hoffnung auf einen schönen Tag. Morgen wollen wir uns die Schleusentreppe des Götakanal in Berg ansehen, und anschlieβend über Nebenstraβen bis Stockholm fahren. Zum Abschluss des Tages, als der Regen sich verabschiedet hat, machen wir noch einen kleinen Spaziergang über den Campingplatz, und laufen auch ein Stück am See entlang. Die Wolken verschwinden zusehends, und machen uns Hoffnung auf schöneres Wetter Morgen.




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