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Aachen, ein Wochenende in der Kaiserstadt

Sonntag

Noch vor dem Frühstück bin ich draußen, um das Marschiertor zu fotografieren, das sich in Sichtweite unseres Hotels befindet. Es ist eines der vier Haupttore der ehemaligen Aachener Stadtmauer, und gehört heute zu den mächtigsten noch erhaltenen Stadttoren Westeuropas. Kurz nach 1300 wurde es fertig gestellt, und die freien Reichsstädtischen Stadtsoldaten und Stadtmilizen bewachten von hier aus die Stadt. Diese Soldaten wurden im Volksmund auch "Pennsoldaten" genannt, was allerdings nichts mit schlafen zu tun hat. Vielmehr gingen die meisten einer Art Nebenbeschäftigung nach, nämlich dem Schnitzen dünner Holzstifte (Penn), die zur Schuhbesohlung benötigt wurden.
Nachdem das Tor durch die vielen Jahre und Jahrhunderte ziemlich heruntergekommen war, überließ die Stadt Aachen im Jahr 1964 das Gebäude der Karnevalsgesellschaft Stadtgarde "Oecher Penn von 1857 e. V.". Diese richtete es mit viel Engagement wieder auf den heutigen Zustand her.





Wenn man schon mal in Aachen ist, dann zieht es die meisten auch zu einem Gottesdienst in den Aachener Dom. So ist es auch bei uns: Alle wollen die Messe mitmachen, nur ich nutze das schöne Wetter lieber für einen Spaziergang, und dafür, mir das etwas genauer anzusehen, was gestern zu kurz gekommen ist. Daher gehe ich nach dem Frühstück allein zum Elisenbrunnen und in dem dahinter liegenden Elisengarten mit seinem Archäologisches Fenster. Es ist noch nicht voll hier, und die Wärme noch recht angenehm.

Der Elisenbrunnen wurde 1827 eingeweiht, und stellte seinerzeit (wie eigentlich auch noch heute) eine Attraktion für die Kurgäste dar. Aus den beiden Brunnen sprudelt das Thermalwasser mit rund 52 Grad Celsius, wer es also probieren möchte, sollte dies mit Vorsicht machen. Ich selbst habe allerdings nicht das Bedürfnis, mich mit heißem Schwefelwasser zu erfrischen, sondern wende mich lieber dem dahinter liegenden Elisengarten zu. Dort ist es sehr dreckig. Fast jede Art von Abfall liegt hier herum, allerdings beginnt gerade die städtische Müllabfuhr mit dem aufräumen und säubern. Gestern Abend saßen hier viele Menschen auf der Wiese und den Stufen, und es ist anscheinend ziemlich schwer, seinen Müll einfach wieder mitzunehmen und zu Hause zu entsorgen...

DIE ARCHÄOLOGISCHE VITRINE

Aber ich bin heute Morgen ja nicht wegen dem Garten hier, sondern wegen der Archäologische Vitrine. Dabei handelt es sich um eine 160 qm große, begehbare Schauvitrine in ovaler Form. Innen wurden auf etwa 60 Quadratmetern Relikte aus mehr als 5000 Jahren Stadtgeschichte freigelegt. Ein kleiner Rundweg führt um die Grabungsstelle, und informiert den Besucher über die archäologischen Funde. Auf diese Art werden zum einem die Funde sichtbar gemacht, zum anderen werden sie aber auch geschützt, beispielsweise vor Witterungseinflüssen oder Vandalismus. Ich muss schon sage, das halte ich wirklich für eine pfiffige Lösung.






DAS COUVEN-MUSEUM

Ich gehe weiter, und es ist fast 11:00 Uhr, als ich schließlich vor dem Couven-Museum stehe. Dort wird auf drei Etagen die bürgerliche Wohnkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gezeigt, die in Aachen und Umgebung zu der damaligen Zeit aktuell war. Eine umfangreiche Möbelsammlung vom Rokoko bis hin zum Biedermeier. Benannt wurde das Museum nach dem Namen des Architekten Jakob Couven, der dieses Gebäude 1786 nach den Vorstellungen des Apothekers Andreas Monheim umbaute.



Und ab hier habe ich nun Verstärkung: Der Gottesdienst im Dom ist beendet, und so sind wir nunmehr zu zweit, die durch die schmale Tür des Hauses treten. Und da haben wir besonderes Glück: Kaum haben wir unseren Eintritt bezahlt, spricht uns noch an der Kasse ein Mann an, der jetzt eigentlich eine Führung durch das Haus machen sollte. Seine Gruppe ist aber nicht gekommen, und so führt er uns beide allein durch das ganze Gebäude, und erzählt auf einer sehr unterhaltsame Art und Weise richtig viele interessante Dinge über dieses Museum und die darin stehenden Ausstellungsstücke. Wir hören einige neue Legenden aus der Aachener Geschichte, lernen, was unter einer "Aachener Nase" zu verstehen ist, bekommen eine "Kanzeluhr" gezeigt, sehen zwei sogenannte "Fliesenzimmer", und noch so einiges mehr. Und das Ganze wird so kurzweilig vorgetragen und erzählt, dass wir dann sogar ein wenig traurig sind, weil wir um 12:45 Uhr diese "Privatführung" beenden müssen, da wir ab 13:00 Uhr eine Besichtigung von Dom und Domschatz gebucht haben. Der nette Mann hätte uns sicher noch jede Menge erzählt.











Das Couven-Museum wird mittlerweile übrigens auch für wechselnde Ausstellungen genutzt. Vielleicht ein Grund, wieder mal vorbei zu schauen, wenn ich hier in der Nähe bin.

DOM UND DOMSCHATZ

Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zur Dominfo, und somit zum Treffpunkt für die Dom- & Domschatz-Tour. Dort treffen wir auf die anderen aus unserer Gruppe. Die haben nach dem Gottesdienst ein Pause in einem Biergarten gemacht, und sich mit kühlen Getränken versorgt. Es ist nämlich schon wieder sehr warm. Unser Reiseführer, ein junger Mann mit stark rheinischem Akzent, begrüßt uns gutgelaunt vor dem Eingang des Domschatz-Hauses, das direkt gegenüber der Info liegt. Eine kurze Vorstellung, und schon führt er uns durch den langen Gang und ein paar Stufen hinab in die Schatzkammer. Dort werden auf 600 Quadratmetern, verteilt auf verschiedene Ebenen und Räume, mehr als 100 Kunstwerke gezeigt. Dadurch, dass der heutige Aachener Dom für mehrere Jahrhunderte die Krönungskirche für die römisch-deutschen Kaiser war (genauer gesagt von 936 - 1531), ist da einiges an interessanten Gegenständen zusammen gekommen. So findet man dort unter anderem den Krönungsmantel Karls IV und sein Armreliquiar, eine goldene Altartafel und eine goldene Kanzel, viele Gemälde und Skulpturen, und eine Vielzahl weiterer Sakralgegenstände. Das bekannteste Kunstwerk ist wohl die Karlsbüste. Sie zeigt Karl den Großen, und soll im inneren eine Zeitlang sogar seinen Schädel enthalten haben. Während der Krönungszeremonie wurde die Büste dem einziehenden, neuen König vom Dom bis zum Stadttor entgegen getragen. Karl der Große begrüßte damit sozusagen symbolisch seinen Nachfolger. Das älteste Stück dagegen ist ein römischer Sarkophag. Er zeigt eine Szene aus der antiken Mythologie. Er ist ziemlich lang, fast zwei Meter, und unser Reiseführer erzählt uns, dass Karl der Große persönlich darin bestattet wurde. Das würde zumindest seinen Beinamen "der Große" erklären.









Nach dem Domschatz wenden wir uns dann dem Dom selbst zu. Einen kleinen Rundgang hatten wir ja gestern hier schon gemacht, aber heute werden wir am Rande durch eine kleine Absperrung geführt, eine Tür wird aufgeschlossen, und dann steigen wir einige Treppen hinauf, und stehen kurz danach vor dem Königsthron. Dieser ist überaus schlicht, und fast scheint er aus Holz zu bestehen. Unser Reiseleiter erklärt aber, dass es sich um Marmorplatten handelt. Der Thron wurde während des zweiten Weltkrieges mit Sand bedeckt, um eine eventuelle Feuersbrunst zu überstehen. Dabei hat der Marmor die Farbe des Sandes angenommen. Die Platten werden durch Bronzeklammern zusammengehalten. Sechs Stufen führen hinauf auf den Sitz. Verzierungen sucht man an diesem Thron vergebens. Lediglich auf einer der beiden seitlichen Platten befinden sich feine, eingeritzte Linien. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein Spielfeld für ein antikes Mühlespielt handelt. Aber wer hier gespielt hat? Das ist nicht überliefert.





Von hier oben hat man einen guten Blick hinunter auf den Boden des Doms, aber auch auf die Kette, die den sogenannten "Barbarrossaleuchter" hält. Benannt ist dieser nach seinem Stifter, Friedrich Barbarossa. 27 Meter lang ist diese Kette, und wiegt rund 500 Kilo. Der daran in ca. vier Meter Höhe befestigte Leuchter ist leider nicht mehr das Original (vermutlich aus dem 12ten Jahrhundert), sondern ein Nachbau, der einen Kupferstich aus dem Jahre 1620 zum Vorbild hat. Seine 48 Kerzen werden aber auch heute noch an kirchlichen Hochfesten angezündet. Anfang des 19ten Jahrhundert sollte der Barbarossaleuchter eingeschmolzen werden, aber zum Glück hat man von diesem Plan bald wieder Abstand genommen.



Wir gehen die Treppe wieder hinunter, durch eine weitere Absperrung, und stehen dann im vorderen Teil des Doms, der Chorhalle. Hier befinden sich verschiedene gläserner Reliquienschreine, in denen die Aachener Heiligtümer und auch die Gebeine Karls des Großen liegen bzw. liegen sollen. Unser Reiseleiter ist jedenfalls vollkommen davon überzeugt, dass hier wirklich die sterblichen überreste des wichtigsten Aacheners aufbewahrt sind.





Nach den vielen Geschichten und Anekdoten verlassen wir gegen 15:00 Uhr schließlich den Dom. Ich fand die Führung ziemlich interessant, auch wenn mit unserem Domführer manchmal die rheinische Frohnatur durchgegangen ist. Aber er hat sein Wissen über Dom und Domschatz doch recht gut vermitteln können.

Jetzt haben wir aber wirklich alle Hunger. Am Vormittag, nach dem Gottesdienst, wurde die Pizzeria "Macaroni" als mögliche Anlaufstelle ausgeguckt, und genau dorthin gehen wir nun auch. Wir suchen uns einen Platz draußen im Schatten, denn die Sonne gibt schon wieder ihr bestes. Beim Essen unterhalten wir uns dann über die verschiedenen Geschichten, die wir heute so gehört haben. Ob die Gebeine von Karl des Großen wirklich in dem Schrein liegen? Bei uns überwiegt diesbezüglich doch die Skepsis.

Satt und zufrieden gehen wir anschließend zu Fuß zurück zu unserem Hotel. Dabei kommen wir auch wieder an der kleinen Eisdiele vom Vortag vorbei. Hier gönnt sich fast jeder noch einen kleinen "Nachtisch". Unser Gepäck konnten wir am Morgen genau wie am Vortag in einen Tagungsraum einschließen. Jetzt holen wir es dort ab, und gehen zum Bahnhof, wo uns der Zug um 17:15 Uhr (zunächst sogar pünktlich) wieder Richtung Heimat bringt.

Fazit:
Aachen ist einen Besuch wert. Auch für mehr als nur zwei Tage. Es gibt so einiges, was ich in der kurzen Zeit überhaupt nicht gesehen habe. Oder wo ich gerne etwas mehr Zeit verbringen möchte.
Aachen, ich werde wohl wiederkommen...


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