Bremen: Ein Wochenende in der Hansestadt an der Weser


Samstag

Nach dem Frühstück machen wir uns bei herrlichem Wetter auf dem Weg zur Weser. Nicht nur, dass die Sonne vom tiefblauen Himmel scheint, auch die Temperatur ist bereits angenehm. Wir gehen am Fluss entlang bis zur Anlegestelle der Personenschiffe, die Hafenrundfahrten anbieten. Wir wollen mit dem Schiff um 10:15 Uhr fahren und sind rechtzeitig vor Ort, um Fahrkarten zu kaufen und uns auf dem Schiff gute Plätze auszusuchen.


Eine Seefahrt die ist lustig …




-> Mit der „Gräfin Emma“ auf Flussfahrt


Pünktlich legen wir ab und langsam nimmt unser Schiff, die „Gräfin Emma“, Fahrt auf. Zunächst fahren wir an der Flaniermeile Schlachte entlang, an der wir gestern Abend noch den Tag haben ausklingen lassen. Über den Lautsprecher werden einige Informationen zu Bremen und der Bremer Geschichte erzählt, während wir langsam auf der Weser dahinfahren. Wir sehen verschiedene Deiche und Häfen, auch einige bekannte Großbetriebe haben sich am Weserufer der „Überseestadt Bremen“ angesiedelt. Die Stimme aus dem Lautsprecher gibt an den passenden Stellen Informationen über die Häfen und den Handel, und wir genießen die ruhige Fahrt. Auch kleine Boote tummeln sich hier auf dem Wasser, neben Motorbooten auch kleine Ruder- und Paddelboote.




-> Hafenrundfahrt auf der Weser




-> Hafenrundfahrt auf der Weser




-> Hafenrundfahrt auf der Weser




-> Hafenrundfahrt auf der Weser


Recht schnell vergeht die Zeit. Ehe wir uns versehen ist es auch schon 11:30 Uhr und wir erreichen wieder die Anlegestelle. Um 11:45 Uhr startet die nächste Rundfahrt und an Land warten schon jede Menge Menschen, um die „Gräfin Emma“ zu entern. Wir dagegen nehmen den Weg Richtung Innenstadt. Dort warten ja noch einige Sehenswürdigkeiten, die wir uns nun einmal näher ansehen möchten.


Der Bremer Roland

Wenn man den Marktplatz durch eine der vielen kleinen Gassen betritt, dann fällt sofort der Bremer Roland auf. Er steht vor dem Rathaus und sein Blick ist auf den Dom gerichtet. Es ist sogar bereits der zweite Roland, der hier steht. Der erste bestand aus Holz und soll im Mai 1366 von Kriegern des Erzbischofs Albert II. umgestürzt und verbrannt worden sein. Erst im Jahre 1404 erhielt die Stadt dann einen neuen, steinernen Roland. Dieser war zunächst bunt, bevor er im 18. Jahrhundert grau bemalt wurde. Aber egal ob bunt oder im schlichten grau, mit seiner Gesamthöhe von 10,21 Metern macht er mächtig Eindruck. So wollte Napoleon die Statue in den Louvre bringen lassen und es bedurfte eine Menge Überzeugsarbeit der Bremer, dass der Roland hier in der Hansestadt bleiben durfte.




-> Der Roland, Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit von Bremen




-> Der Roland, Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit von Bremen


Der Roland war von Anfang an eine Symbolfigur für die Unabhängigkeit der Hansestadt Bremen. Und der Legende nach bleibt Bremen so lange frei und selbstständig, wie die Statue über die Stadt wacht. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass angeblich eine zweite Rolandsstatue in den Kellergewölben des Rathauses versteckt ist, damit die Originalstatue im Notfall ersetzt werden kann.


Die Bremer Stadtmusikanten

Nicht weit vom Roland entfernt steht die wohl bekannteste Darstellung der Bremer Stadtmusikanten. Nämlich diese hier:




-> Die Bremer Stadtmusikanten zum ersten ...


Obwohl: So ganz sicher bin ich mir da ehrlich gesagt nicht. Irgendwie habe ich mir die ganz anders vorgestellt… :o)

Nein, im Ernst: Die Originalstatue sieht natürlich ganz anders aus. Sie steht an der Westseite des Rathauses. Dort wurde die Bronzeplastik des Künstlers Gerhard Marcks im Jahre 1951 aufgestellt. Als erstes, und das ist ganz wichtig (!), berühren wir natürlich die Vorderbeine des Esels an der Statue. Der Legende nach geht dann nämlich ein Wunsch in Erfüllung. Ich bin sehr gespannt, ob das klappt.




-> ... und zum zweiten.


Hier, an dieser Statue, endet übrigens auch die rund 600 Kilometer lange „Märchenstraße“. Diese beginnt in Hanau, der Geburtsstadt der Gebrüder Grimm, und führt durch Orte und Landschaften, in denen die Grimm-Märchen spielen oder die wichtig waren im Leben des Bruderpaares. Interessant finde ich bei den „Bremer“ Stadtmusikanten, dass die vier Tiere nie bis zur Hansestadt gekommen sind. Sie vertrieben in einem Wald in der Nähe von Bremen eine Räuberbande aus deren Hause und fühlten sich dort so wohl, dass sie gleich dageblieben sind. Von daher ist der Name schon ein wenig irreführend.


Das Bremer Loch

Durchaus irreführend finde ich auch die Bezeichnung des nächsten Stopps, den wir hier auf dem Rathausplatz machen. Bei dem sogenannten „Bremer Loch“ handelt es sich nämlich nicht um ein Loch im Boden, sondern um eine Art unterirdische Spendendose, die fast wie ein Gullydeckel aussieht. Aber wer sieht sich schon einen "Bremer Gully" an? Jedenfalls befindet sich obendrauf ein kleiner Schlitz und jeder, der dort eine Münze einwirft, wird mit Hahnenschreie, Maunzen, Bellen oder lauten IA „belohnt“. Diese Geräusche wurden einst von Radio Bremen aufgezeichnet. Durch die eingeworfene Münze wird mittels einer Fotozelle eines der vier Geräusche ausgelöst. Das eingeworfene Geld kommt der Bremer Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe zugute, die ausgewählte Projekte für die Menschen in der Stadt unterstützt.




-> Das "Bremer Loch", eine gut getarnte Spendendose.


Nachdem einige Münzen aus unseren Portemonnaies in diese Spendenbüchse gelandet sind, ist es Zeit für eine Mittagspause. Diese verbringen wir wieder im Restaurant Ratskeller, diesmal allerdings sitzen wir draußen. Unter den großen Sonnenschirmen lässt es sich prima aushalten.


Spaziergang durch das Schnoorviertel

Satt und zufrieden machen wir uns nun auf den Weg Richtung Schnoor. Gestern hatten uns dort die engen Gassen und Winkeln sehr gut gefallen, daher möchten wir uns dort noch ein wenig genauer umsehen. Verfehlen kann man das Viertel nicht, denn immer wieder finden sich kleine Schilder, die den Weg weisen.




-> Immer den Schildern nach ...


Schriftlich erwähnt wurde der Schnoor übrigens zum ersten Mal im 13. Jahrhundert und zwar im Zusammenhang mit dem dort gelegenen Franziskanerkloster. Seit rund 100 Jahre später die Propsteikirche St. Johann dazukam, nennt man diese Gegend auch scherzhaft „Der kleine Vatikan im Schnoor“ :o)




-> Flanieren durch das Schnoorviertel




-> Flanieren durch das Schnoorviertel




-> Flanieren durch das Schnoorviertel




-> Flanieren durch das Schnoorviertel


Wir schlendern durch die schmalen Gassen, zwischen den kleinen Häusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert hindurch. Aber auch moderne Gebäude befinden sich hier, die sich aber wirklich gut in die historisch gewachsene Kulisse einfügen. Neben den gestern bereits erwähnten, teils exklusiven Geschäften finden wir hier auch kunstvolle Brunnen und Plastiken, außerdem zahlreiche Kultureinrichtungen wie Theater, Varietés, Galerien und Museen. Und da es hier zwischen den Häusern so eng ist, ist der Schnoor absolut autofrei, so dass wir ungestörten bummeln und flanieren können.


Der Bremer Dom

Ein Eis und ein paar gekaufte Andenken später sind wir wieder auf dem Weg zurück zum Marktplatz. Wir wollen, bevor wir Bremen wieder verlasse, noch den Dom besichtigen. Und das ist heute ab 14:00 Uhr möglich. Verfehlen kann man den Dom, die älteste Kirche der Hansestadt, eigentlich nicht. Mit seinen beiden Türmen, jeder knapp 100 Meter hoch, ist er zumeist gut sichtbar und bestimmt das Stadtbild. Der rechte Turm, also der Südturm, kann bestiegen werden. Die Aussicht ist auch sehr schön, insbesondere auf den Marktplatz. Aber leider verhindert das sehr engmaschige Sicherheitsgitter, dass rund um die Aussichtsplattform angebracht ist, das fotografieren. Aber auch das innere der Kirche kann sich durchaus sehen lassen. Älteste Teile sind die Ost- und Westkrypta, sowie die unteren Teile fast aller Mauern. Knapp 1.000 Jahre alt sind sie, und wurden auf den Vorgängerbauten aus dem 8.–10. Jahrhunderts gebaut. Ab dem 11. Jahrhundert entstand der romanische Kirchenbau und wurde bis in das 13. Jahrhundert im Stil der Gotik umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das wertvolle spätromanische Taufbecken. Die Kanzel, auch ein optischer Leckerbissen, stammt von 1638 und kann seinen barocken Einfluss nicht verleugnen.




-> Der Dom in seiner ganzen Pracht


Zunächst katholisch, wechselte der Dom während der Reformationszeit zunächst zum calvinistischen und später evangelisch-lutherischen Glauben. Und so gehört das Gotteshaus auch heute noch zur evangelisch-lutherischen Domgemeinde St. Petri. Seit dem Jahr 1973 steht er übrigens unter Denkmalschutz.




-> Eingang zu Dom




-> Jede Menge Platz für Besucher




-> Die barocke Kanzel, deutliches Zeichen für das lutherische Bekenntnis




-> Bronzetaufbecken in der Westkrypta, dem ältesten erhaltenen Raum Bremens




-> Die Silbermann-Orgel, vermutlich im Winter 1732/33 gebaut


It’s time to say goodby …

Fast eine Dreiviertelstunde halten wir uns im Dom auf. Es sind zwar jede Menge Menschen hier, trotzdem macht sich bei mir dieser für Kirchen typische feierliche und andächtige Gefühl breit. Es gibt vieles zu entdecken und ich bin mir sicher, nicht alles gesehen zu haben.

Für uns heißt es nun Abschied nehmen von Bremen. Auch von der Stadt haben wir an diesen beiden Tage natürlich nicht alles ansehen können. Trotzdem hatten wir zwei erlebnisreiche Tage im kleinsten Bundesland Deutschlands verbracht. Und können uns durchaus vorstellen, noch einmal wieder zu kommen.


Nur die deutsche Bahn mag uns wohl nicht so wirklich. Und so endet die Heimfahrt von unsere Tour nach Bremen so, wie die Anfahrt: Mit einer Zugverspätung …





->

 

Bremen ist zwar Deutschlands kleinstes Bundesland, hat aber trotzdem einen Aussenposten: Bremerhaven.
Was man dort an einem Wochenende alles so unternehmen kannst, findest Du hier:

     
    Reisebericht "Ein Wochenende in Bremerhaven"

Bremen


Tag 1

Tag 2







nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: tournotizen[at]gmx.de | Impressum