Tour durch die Lüneburger Heide


2. Tag:

Nun sind wir also in Celle. Diese Stadt, die im Jahre 985 als Kellu („Siedlung am Fluss“) erstmals urkundlich erwähnt wurde, habe ich schon seit längerem auf meinem (Reise-) Wunschzettel. Sie liegt gerade mal rund 40 KM nordöstlich der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und wird auch „das südliche Tor zur Lüneburger Heide„ genannt. Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück machen wir uns auf den Weg, um den Ort mit seinen vielen Fachwerkhäusern ein wenig zu erkunden.

Unser erstes Ziel ist das Celler Schloss. Es ist wirklich sehr schade, dass die Fassade des Gebäudes momentan restauriert wird und daher unter Bauplanen versteckt ist. Auf Fotos sieht es nämlich sehr nett aus. Zum Glück ist der hintere Teil der Anlage nicht verhüllt, so dass wir zumindest von dort einen freien Blick auf das Gebäude haben.


Schloss Celle

-> Blick auf Schloss Celle


Das Schloss ist von einem Wassergraben umgeben und thront auf einer Insel mitten in dem kleinen Schlosspark, der es umgibt. Der Graben mit seinen Wällen war Anfang des 14. Jahrhunderts Teil der Stadtbefestigung von Celle, die zu der Zeit üblicherweise zum Schutz vor Überfällen errichtet wurde. Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg begannen Ende des 14. Jahrhunderts damit, die Anlage zu erweitern und umzubauen. In den kommenden knapp 200 Jahren entstand hier eine Schlosskapelle, Ecktürme sowie ein Hauptturm, das Ganze in dem für die damalige Zeit typischen Stil der Weserrenaissance.

Sein heutiges Aussehen erhielt das Celler Schloss ab Ende des 17. Jahrhunderts. Herzog Georg Wilhelm wollte für sich eine zeitgemäße Residenz schaffen. Da er eine Zeitlang in Italien gelebt hat, ahmte er in der Fassade seinen venezianischen Vorbildern nach. Auch ein Schlosstheaters ließ er einbauen und natürlich opulente Staatsgemächer im barocken Stil.

Aber nicht „nur“ Herzoge lebten hier. Auch die ehemalige dänische Königin Caroline Mathilde wurde nach ihrer Scheidung hierher nach Celle „verbannt“. Allerdings starb sie nach nur drei Jahren hier in der Stadt an Scharlach – mit gerade mal 23 Jahren.

Das Wetter ist viel zu schön, als das wir uns das Schloss von innen ansehen möchten. Viel lieber streunen wir ein wenig durch den kleinen Schlosspark und genießen zwischendurch auf einer Bank die schon angenehm warmen Temperaturen.


Celler Schlosspark

-> Im Celler Schlosspark


Celler Schlosspark

-> Im Celler Schlosspark


Vom Schloss aus ist es nicht weit bis zur Kirche St. Marien, die evangelisch-lutherische Stadtkirche von Celle. Begonnen wurde mit dem Bau um das Jahr 1292 herum, bereits 1308 wurde sie der Jungfrau Maria geweiht. Einen Turm bekam sie allerdings erst gut 200 Jahre später. Dieser wurde in den Folgejahren zunächst durch einen Glockenstuhl ersetzt, später durch einen Dachreiter. Der heutige 74 Meter hohe Kirchturm wurde erst im Jahre 1913 an die Westseite der Kirche angebaut.


St. Marien in Celle

-> Evangelisch-lutherische Kirche St. Marien in Celle


Auch von innen macht die Kirche einen schönen Eindruck: Eine Orgel aus dem Jahr 1687 thront gegenüber dem Flügelaltar, die Pfeiler vor dem Chor und auch die Decke sind aufwendig verziert, und an der Empore sind Bilder, die die Botschaft Gottes verkünden. Diese recht schmuckreiche barocke Ausgestaltung wurde durch italienische Kunsthandwerker geschaffen.


St. Marien in Celle

-> Im Inneren von St. Marien


St. Marien in Celle

-> Im Inneren von St. Marien


St. Marien in Celle

-> Im Inneren von St. Marien


St. Marien in Celle

-> Im Inneren von St. Marien


Wir möchten auch den Kirchturm besteigen. Der Zugang dazu ist allerdings nur von außen möglich. Daher verlassen wir die schöne Kirche, wenden uns nach links und gehen dann durch eine kleine Tür in den Turm. Einen Aufzug gibt es hier (natürlich) nicht, also heißt es „Treppen steigen“. Unterwegs kommen wir an der alten Turmuhr vorbei, die von 1896 bis 1970 den Celler Bürgern die Stunde schlug. Ab da wurde sie durch eine elektromechanische Uhr ersetzt.

Einige Stufen später kommen wir an den Glocken vorbei, die hier im Turm untergebracht sind. Vier sind es an der Zahl, die größte von ihnen wiegt über acht Tonnen.


Treppe im Kirchturm von St. Marien

-> Treppe im Kirchturm von St. Marien


Turmuhr von St. Marien

-> Die alte Turmuhr von 1896


Glocke von St. Marien

-> Eine der vier Glocke von St. Marien


Schließlich erreichen wir das Ende der Treppe und durch eine kleine Tür gelangen wir ins Freie. Von hier oben aus hat man einen schönen Blick über die Stadt. Und den genießen wir jetzt.


Aussicht vom Kirchturm St. Marien

-> Aussicht vom Kirchturm


Aussicht vom Kirchturm St. Marien

-> Aussicht vom Kirchturm


Das der Aufstieg hier hinauf nicht ganz so einfach ist, sich aber trotzdem lohnt, haben anscheinend auch schon andere Besucher vor uns erkannt:


Spruch

-> "Scheiß Stufen! Aber hübsche Aussicht"


Wir haben genug gesehen, genug die Aussicht genossen. Es ist wenig los hier oben, so dass wir eigentlich in Ruhe Fotos machen könnten. Aber leider ist das nicht so einfach, da rundum ein engmaschiger Zaun angebracht ist. Eine Vorsichtsmaßnahme gegen lebensmüde Turmspringer.

Der Weg die Stufen hinunter fällt ein wenig leichter als hinauf und bald darauf stehen wir unten vor der Kirche. Von hier aus spazieren wir ein wenig durch die Stadt. Celle verfügt, wie schon erwähnt, über viele Fachwerkhäuser. Über 400 sollen es sein. Die Stadt hatte das Glück, während des zweiten Weltkrieges nur ein einziges Mail Ziel eines Luftangriffs gewesen zu sein. Damals war der Bahnhof das Ziel. Am 12. April 1945 wurde Celle ohne Widerstand an die heranrückenden alliierten Truppen übergeben. So konnte die pittoreske Altstadt erhalten werden.

Es ist Samstagmittag, das Wetter recht gut und die Fußgängerzone entsprechend voll. Wir schlendern an den Geschäften entlang, schauen nach rechts und nach links, kaufen uns ein Eis und freuen uns, hier zu sein. Mir persönlich gefällt Celle, das kann ich ganz klar sagen, wirklich gut.


Fußgängerzone von Celle

-> In der Celler Fußgängerzone


Kustwerk mit den Siegeln der Celler Partnerstädte

-> Ein Kunstwerk mit Siegeln von den elf Partnerstädten.
Am längsten ist Celle mit dem französischen Meudon befreundet, nämlich seit 1953



Celler Ratskeller

-> Einkehrmöglichkeit


Relief Celle

-> Die Celler Innenstadt als Relief

  Feuerwerkersatz

-> Wegen dem vielen Fachwerk ist das Feuerwerken in der Innenstadt verboten. Als Ausgleich wurde dieses "künstliche" Feuerwerk erschaffen.



Es wird Zeit für eine Pause. Und die machen wir in der Chocolaterie am Markt. Im dortigen Innenhof setzen wir uns in die Sonne, trinken einen Cappuccino und essen leckeren Kuchen. Dabei werfen wir einen Blick auf den Stadtplan, den wir in der Touristeninformation erhalten haben. St. Ludwig, die katholische Hauptkirche von Celle, ist gar nicht so weit entfernt von hier. Daher machen wir uns nach unserer Pause auf den Weg Richtung Westrand der Innenstadt. St. Ludwig liegt nämlich außerhalb der historischen Altstadt. Während der Reformation wurden die meisten Celler Bürger evangelisch. Damit die noch übriggebliebenen wenigen Katholiken auch ein Gotteshaus hatten, wurde ein Privathaus außerhalb der Innenstadt in eine Kapelle umgewandelt. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts entschloss sich die katholische Kirche dazu, ein standesgemäßes Gebäude zu errichten.


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Kath. Kirche St. Ludwig in Celle


Die Kirchweihe erfolgte im Jahre 1838. Von innen ist die Kirche nicht ganz so schmuckvoll ausgestattet wie St. Marien von der evangelisch-lutherische „Konkurrenz“, aber trotzdem ist auch hier die christliche Atmosphäre zu spüren. Draußen vor der Tür feiert fröhlich eine Hochzeitsgesellschaft. Der Gottesdienst für das frisch getraute Paar ist anscheinend gerade vorbei. Daher haben wir die Kirche innen für uns allein und können uns in Ruhe umsehen.


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Kreuz im Eingangsbereich


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Innenraum mit dorische Säulen


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Die Orgel


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Figur Maria mit dem Jesuskind


Kath. Kirche St. Ludwig

-> Eins von mehreren bunten Bleiglasfenster


Die Hochzeitgesellschaft stößt immer noch mit Sekt an, als wir die Kirche schließlich verlassen. Direkt vis-a-vis der Kirchentür, nur durch eine Straße getrennt, befindet sich der Eingang zum Französische Garten. Das ist ein öffentlicher Park, dessen Ursprung bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts zurückgeht. Seinen Namen „französischer Garten“ erhielt der Park vermutlich wegen den beiden französischen Gärtnern, die zunächst mit der Gestaltung und später mit der Pflege beauftragt waren.

In den folgenden Jahren und Jahrhunderten wurde der Garten ständig erweitert und ergänzt. Eine vierreihige Lindenallee wurde angelegt, ebenso ein Rosengarten und eine Freilichtbühne. Es ist recht angenehm, hier durch den Park zu schlendern. Er bietet auch sehr viel Schatten, was heute, an diesem sonnigen und warmen Tag, genau das richtige ist.


Der französische Garten in Celle

-> Der französische Garten in Celle


Der französische Garten in Celle

-> Der französische Garten in Celle


Der französische Garten in Celle

-> Der französische Garten in Celle


Der französische Garten in Celle

-> Der französische Garten in Celle


Ich kann sagen, Celle finde ich sehr schön. Natürlich konnten wir nur einen kleinen Teil der Stadt erkunden, aber das, was ich gesehen habe, hat mir gefallen. Hier und heute aber haben wir aber leider keine Zeit mehr, um den Ort weiter zu erkunden. Wir müssen in das ca. 12 Kilometer entfernte Wienhausen. Im dortigen Kloster haben wir um 17:00 Uhr eine Führung. Und die möchten wir nicht verpassen.


Besuch im Kloster Wienhausen

Als wir vor drei Jahren das Kloster Wienhausen besucht haben, konnten wir leider nicht an einer Führung teilnehmen. Damals hatten wir uns vorgenommen, wiederzukommen und uns das Kloster auch von innen anzusehen. Heute ist es nun soweit.
„Mit allen Sinnen“ heißt die Themenführung, an der wir teilnehmen werden. Und sie verspricht „Sehen Sie, hören Sie, riechen Sie, tasten Sie, schmecken Sie, wie sich Kloster anfühlt!“. Da sind wir nun wirklich gespannt. Aber noch ist ein wenig Zeit. Und die genieße ich sehr entspannt auf der Bank neben dem Eingang.


Kloster Wienhausen

-> Kloster Wienhausen


Kloster Wienhausen

-> Kloster Wienhausen


Kloster Wienhausen

-> Ganz entspannt vor dem Kloster Wienhausen


Zu der Geschichte des Klosters habe ich bereits im Reisebericht meiner letzten Tour einiges geschrieben. Auch einige Fotos von der wirklich schönen Anlage sind dort zu finden. Bei Interesse kannst Du das HIER nachlesen (öffnet im neuen Fenster).

Hier und heute sind wir eine recht große Gruppe. Als ich vor einigen Wochen angerufen habe, um die Führung zu reservieren, war sie eigentlich schon ausgebucht. Die freundliche Dame am Telefon ließ sich aber zum Glück überzeugen, dass es auf ein oder zwei Personen mehr nicht ankäme. Daher stehen wir nun mit den anderen Teilnehmern im Garten des Klosters und probiere die Beeren von den Sträuchern, die gerade reif sind. Und rieche an den Blumen, die hier stehen und die in den früheren Jahren sowohl als Duft- als auch als Heilkräuter genutzt wurden.
Damit haben wir dann die Punkte „riechen“ und „schmecken“ also schon mal erledigt :o)

Wir gehen in das Kloster hinein und als erstes wird uns gesagt, dass das Fotografieren hier im Inneren des Gebäudes absolut verboten ist. Die Äbtissin führt diesbezüglich wohl ein äußerst strenges Regiment.

In den nächsten knapp 90 Minuten bekommen wir Einblicke in das Klosterleben früher und heute. Wir sehen die ehemaligen Schlafsäle der jungen Mädchen, die früher von ihren Eltern in das Kloster gegeben wurden. Ihr gesamtes Hab und Gut fand Platz in jeweils einer Holztruhe, die neben den Türen zu ihren kleinen Schlafräumen standen. Heute leben die Nonnen hier in kleinen Wohnungen.

Wir bewundern die Bildteppiche, die hier im Kloster zwischen 1300 und 1480 entstanden sind. Diese sind teilweise so groß, dass es mehrere Generationen von Nonnen brauchte, bis eines fertig war. Diese auf Leinen hergestellten Teppiche sind heute der kostbarste Schatz des Klosters. Bemerkenswert finde ich, dass hier nicht nur christliche Motive verwoben wurden. Auch weltliche Themen sind hier zu finden. Unsere Gastgeberin zeigt uns zum Beispiel Inhalte aus der Tristan-Sage.

Sehr beeindruckend finde ich das Nonnenchor. Wände und Decke mit komplett ausgemalt mit biblischen Szenen. In zwei Sitzreihen sitzen sich die Nonnen gegenüber und singen im Wechselgesang biblische Texte. Die Akustik hier ist bestimmt sehr gut. Wir sind ca. 15 Personen und stimmen gemeinsam ein Lied an. Obwohl wir alle recht zurückhaltend bei der Lautstärke sind, hört es sich hier wirklich prima an.

Zum Abschluß der Führung gehen wir in den Klosterhof. Hier können die Nonnen (oder auch wir Besucher) einfach so umher gehen, die Gedanken ordnen oder über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenken. Hier draußen ist das Fotografieren wieder erlaubt. Sehr gerne hätte ich auch einige Bilder von innen gemacht. Das Fotografieverbot finde ich sehr schade. Die Bilder, die ich auf meinen Reisen mache, helfen mir Zuhause immer wieder, mich an Einzelheiten zu erinnern, holen mir Erinnerungen von meinem Aufenthalt zurück. Aber als Gast muss ich solche Entscheidungen natürlich akzeptieren.


Kloster Wienhausen

-> Im Klosterhof von Kloster Wienhausen


Die Führung ist vorbei, unsere Zeit im Kloster um. Wir machen uns auf dem Weg zurück nach Celle. Ich kann mir vorstellen, dass es in früheren Zeiten für die jungen Mädchen nicht einfach war, die Familie und das Zuhause zu verlassen, um Nonne zu werden. Sie kamen ja nicht immer freiwillig hier her. Da haben es die Frauen heute sehr viel besser. Sie entscheiden sich bewusst zu dem Gang in das Kloster. Die Gründe dafür sind sicher individuell und vielschichtig, aber es ist ein freiwilliger Weg.

Zurück in Celle gehen wir noch einmal in die Stadt und lassen uns ein Abendessen schmecken. Auch wenn Kellnerin im Steakhouse nicht die freundlichste ist, war es doch ein schöner und abwechslungsreicher Tag.



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