Tour durch die Lüneburger Heide


3. Tag:

Heute heißt das Motto „Rauf aufs Moped und raus in die Kurven und Berge der Lüneburger Heide“.

OK, dann wäre die heute Mopedtour wohl nach zehn Sekunden beendet… :o) Kurven oder gar Berge sind in der Lüneburger Heide echte Mangelware. Optimisten werden es vermutlich wohlwollend „gemütliches cruisen“ nennen, was die Straßen hier so bieten.

In unserem Fall ist es allerdings so, dass die Motoren unserer Motorräder überhaupt nicht richtig auf Betriebstemperatur kommen. Schon nach kurzer Fahrt erreichen wir das erste Ziel des heutigen Tages: Oldau. Hier wollen wir uns das Wasserkraftwerk und die Allerschleuse ansehen, also heißt es für uns nach rund 15 Kilometer bereits wieder absteigen und per Pedes weiterzugehen.

„Staustufe Oldau“ nennt sich dieses Areal. Bedingt durch die Ende des 19. Jahrhunderts in dieser Region boomende Erdöl- und Kaliindustrie sollte die Fahrwasserverhältnisse auf dem Fluß Aller verbessert werden. Damit wollte man eine bessere Anbindung der Aller an die Weser und somit an die Bremer Häfen erreichen. In diesem Zusammenhang wurde eine Schleuse gebaut. Außerdem sollte der damals bereits steigende Bedarf an elektrischen Strom durch den Bau eines Wasserkraftwerkes gedeckt werden. Hier in Oldau wurde beides quasi nebeneinander angelegt.


Die Allerschleuse Oldau

Zunächst erreichen wir auf unserem Fußmarsch die Schleuse. Diese wurde von 1909 bis 1918 gebaut, ist 165 m lang und 10 m breit. Immerhin 6.200 Kubikmeter Wasser werden hier bei jedem Schleusengang bewegt. 15 Minuten dauert das und wer mag, kann sich den Schleusengang von der kleinen Brücke aus ansehen, die die Aller an dieser Stelle überspannt. Im Moment ist hier allerdings kein Schiff zu sehen. Das ist aber auch kein Wunder, denn bereits seit 1969 wird auf der Aller keine gewerbliche Schifffahrt mehr betrieben. Lediglich die Sportboot- und Fahrgastschifffahrt fährt hier noch. Daher liegt das Wasserbecken halbleer vor uns.


Die Allerschleuse Oldau

-> Die Allerschleuse Oldau


Wenn wir uns hier so umsehen, entdecken wir eine Art „Bedienungsanleitung“ sowie einen passenden Schaltkasten. Ob wir das Becken mal vollaufen lassen? Einfach nur so zum Spaß und um zu sehen, ob das wirklich 15 Minuten dauert?


Die Allerschleuse Oldau

-> Die Allerschleuse Oldau


Die Allerschleuse Oldau

-> Die Allerschleuse Oldau


Wir entscheiden uns, dass nicht zu machen und da hier von alleine gerade nicht viel passiert, gehen wir weiter zum Wasserkraftwerk. Es sind nur wenige Schritte, dann stehen wir vor dem Gebäude. Die Aller fließt hier vorbei und „stürzt“ dann mit einem Gefälle von immerhin 2,80 Meter in die Tiefe. Die ganze Anlage kann auf einer schmalen Metallbrücke begangen werden und wir nutzen diese Möglichkeit, um uns genauer umzusehen.


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Die Stadt Celle hatte das Wasserkraftwerk seinerzeit in Auftrag gegeben, im April 1911 ging es ans Netz. Bereits 1929 verkaufte die Stadt die Anlage an die „Preußen Elektra“, die das Kraftwerk bis 1972 betrieb. Angetrieben wurde die Anlage mit drei sogenannten „Francis-Turbinen“, von denen eine in einem nahegelegenen Pavillon ausgestellt ist.


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Zehn Jahre lang stand das Kraftwerk still, sollte zwischenzeitlich sogar abgerissen werden. Das wurde glücklicherweise durch den Lüneburger Regierungspräsidenten untersagt, der die komplette Anlage zum technischen Denkmal erklärte.

1982 nahm ein Unternehmer das Kraftwerk wieder in Betrieb. Die zwei verbliebenen Turbinen wurden tiefer gesetzt, um auch bei niedrigem Wasserstand laufen zu können. Eine moderne Computeranlage steuert und überwacht nun das Kraftwerk, das aktuell jährlich ca. 2,5 bis 3 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, die in das Stromnetz eingespeist werden. Somit ist das Wasserkraftwerk Oldau das einzige seiner Art in Deutschland, dass auch heute noch in seinem ursprünglichen Zustand Strom an das Netz liefert.


Am Wasserkraftwerk Oldau

-> Am Wasserkraftwerk Oldau


Wir haben recht viel Zeit hier verbracht. Es gibt aber auch wirklich viel zu sehen und zu entdecken. Ein Infogebäude, das vom Heimatverein „Hambühren e. V“ betrieben wird und in dem die Funktion und der Betrieb dieses historischen Wasserkraftwerks erklärt wird, haben wir erst gar nicht betreten. Dann würden wir hier wohl den ganzen Tag verbringen. Vielleicht besuchen wir dieses Haus beim nächsten Mal.


Deutsches Erdölmuseum Wietze

Wir setzen uns auf unsere Motorräder und machen uns auf den Weg nach Wietze. Weit ist es auch bis dahin nicht, nach gerade mal zehn Kilometer Fahrt in westlicher Richtung stoppen wir vor dem dortigen Erdölmuseum.


Am Erdölmuseum Wietze

-> Am Erdölmuseum Wietze


Erdöl in der Lüneburger Heide? Aber sicher! Und hier war nicht nur irgendein Ölfeld. Hier befindet sich sogar eines der ältesten Erdölfelder in ganz Deutschland und Mitteleuropa. Es ist überliefert, dass Wietzer Bauern bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ölhaltigen Sand aus sogenannten „Teerkuhlen“ förderten und das daraus gewonnene Erdöl als Schmier- und Heilmittel verkauften.

Bis zur „richtigen“ Erdölförderung dauert es dann aber noch ein bisschen. 1899 begann die industrielle Gewinnung des Öls, nachdem 40 Jahre zuvor einer der weltweit ersten Ölbohrungen stattgefunden hatte. Das Vorkommen hier war so riesig, dass damit lange Zeit große Teile der deutschen Inlandsnachfrage nach Erdöl gedeckt werden konnte.
Klein Texas in der Lüneburger Heide also :o)

Bis 1963 wurde hier Erdöl gewonnen, dann wurde die Förderung eingestellt. Im Jahre 1970 wurde dann das Deutsche Erdölmuseum Wietze eröffnet. Auf einem rund zwei Hektar großen Freigelände sind die Produktionsanlagen zu besichtigen, die hier bis zum Schluß das Öl gefördert hatte. Das hätte ich mir sehr gerne genauer angesehen, aber wir haben sehr viel Zeit in Oldau verbracht. Und da wir heute noch einen festen Termin in Loccum haben, bleibt uns leider nur der Blick von aussen auf das Gelände und der Wunsch, noch einmal hier her zu kommen, dann aber mit mehr Zeit.


Das Erdölmuseum Wietze

-> Das Erdölmuseum Wietze


Das Erdölmuseum Wietze

-> Das Erdölmuseum Wietze


Wir starten unsere Motorräder und haben endlich Gelegenheit, etwas mehr als nur 10, 15 Kilometer weit zu fahren. Unser Ziel ist das Kloster in Loccum und bis dahin sind es immerhin rund 70 Kilometer. Leider ohne viel Fahrvergnügen. Die Straßen hier in der Lüneburger Heide sind wirklich nichts für Freunde des Kurvensammelns.


Kloster Loccum

Pünktlich zum Besichtigungstermin sind wir vor Ort. Von aussen hatten wir uns das Kloster bereits vor drei Jahren auf unserer Klostertour angesehen. Bilder und allgemeine Informationen zu der Anlage findest Du in dem Reisebericht von der damaligen Tour (-> Link Klosterrunde, öffnet im neuen Fenster). Heute wollen wir unter sachkundiger Anleitung auch das innere der Anlage erkunden. Daher finden wir uns zu einer öffentlichen Führung ein, zu der man sich nicht extra vorher anmelden muß. Entsprechend groß ist Anzahl der interessierten Besucher, die wie wir geduldig darauf warten, dass der Rundgang beginnt. In der Zeit bis dahin sehen wir uns auf dem Aussengelände noch ein wenig um.


Am Kloster in Loccum

-> Am Kloster in Loccum


Am Kloster in Loccum

-> Am Kloster in Loccum


Um 15:00 Uhr geht es los. In den nächsten rund 60 Minuten erfahren wir Geschichte und Geschichten rund um das Kloster, sehen Räume und Schätze der Zisterzienser, lassen uns von dem Leben der Mönche und von der Teilnahme an Predigerseminar erzählen. Kurzweilig und informativ ist das, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, hierher zu kommen.


Rundgang im Loccum

-> Rundgang im Kloster Loccum


Rundgang im Loccum

-> Rundgang im Kloster Loccum


Rundgang im Loccum Rundgang im Loccum

-> Rundgang im Kloster Loccum


Rundgang im Loccum

-> Rundgang im Kloster Loccum


Zum Abschluß unseres Aufenthalts darf natürlich der Besuch des Kloster-Shops nicht fehlen, der im Torhaus des Klosters untergebracht ist. In diesem Weltladen wird all das angeboten, was man allgemeinhin von so einem Laden erwartet: Kunsthandwerk, Lebensmittel, Geschenke für Groß & Klein, Bücher und Karten sowie Accessoires. Wir stöbern hier ein wenig im Angebot, bevor wir uns auf den Rückweg nach Celle machen. Knapp 90 Kilometer sind das, leider wieder auf recht eintönigen Strassen, aber daran haben wir uns hier ja mittlerweile gewöhnt.

Zum Tagesabschluß suchen wir uns in Celle wieder ein nettes Restaurant, wo wir zu Abend essen und dabei diesen abwechslungsreichen Tag noch einmal Revue passieren lassen.



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