Tour durch die Lüneburger Heide


4. Tag:

Heute heißt es Abschied nehmen von Celle. Ich habe mich hier recht wohl gefühlt. Besonders das viele Fachwerk hat mir gut gefallen. Aber auch die Kirchen und der Französische Garten sind sehenswert. Und die Stadt bietet durchaus noch den einen oder anderen Grund, einmal wiederzukommen. Neben einer Besichtigung des Schlosses gibt es auch einige Museen zu entdecken.

Aber einfach so Richtung Heimat fahren wollen wir nicht. Daher machen wir einen Abstecher zum Steinhuder Meer. Wir wollen uns die Inselfestung Wilhelmstein ansehen, die mitten im See steht. Das Wetter ist leider nicht so wirklich gut, als wir uns nach dem Frühstück auf dem Weg machen. Aber zumindest regnet es nicht, auch wenn am Himmel viele dunkle Wolken zu sehen sind. Die knapp 80 Kilometer bis zu dem Ort Steinhude sind aus fahrerischer Sicht leider wieder recht eintönig.

In Steinhude ist trotz des schlechten Wetter einiges los. Ein wenig fühle ich mich an die Touristen-Hochburgen an Nord- und Ostsee erinnert. Wir parken unsere Maschinen in der Nähe des Wassers und gehen die restlichen Meter bis zu den Strandterrassen zu Fuß.


An den Strandterrassen in Steinhude

-> An den Strandterrassen in Steinhude


Hier gibt es einen kleinen Verkaufsschalter, in dem wir Karten für eine Bootstour hinüber zur Insel kaufen. Und da das Boot in wenigen Minuten ablegt, gehen wir zügig am Steg entlang zu dem kleinen Kahn. Dieser Bootstyp, auf denen die Touristen übersetzen, wird hier „Auswanderer“ genannt. Kaum sitzen wir drin, geht es auch schon los.


Abfahrt von Steinhude ...

-> Abfahrt von Steinhude ...


... die Inselfestung Wilhelmstein vor uns im Blick

-> ... die Inselfestung Wilhelmstein vor uns im Blick


Rund 25 Minuten dauert die Fahrt und die ersten davon nutzt unser Bootsführer für einige Informationen zum Steinhuder Meer. Mit knapp 30 km² ist der See der größte in Nordwestdeutschland. Angst vor dem Ertrinken müssen wir aber eher nicht haben. Die Wassertiefe beträgt hier momentan gerade mal 1,35 Meter.

Ich muss zugeben, so wirklich konzentriert höre ich den Worten unseres Bootsführers nicht zu. Statt dessen geht mir die Frage durch den Kopf, wie jemand auf die Idee kommen kann, mitten auf einen See eine künstliche Insel aufzuschütten und diese dann für den Verteidigungsfall auch noch mit Kanonen auszurüsten?

Tatsächlich hielten nicht wenige Menschen den Bau der Insel seinerzeit für den verrückten Einfall eines militärbegeisterten Herrschers. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, der die Insel zwischen 1761 und 1767 errichten ließ, blickte auf Kriegseinsätze in Preußen, Großbritannien und Portugal zurück. Als er beschloß, seine kleine Grafschaft gegen mögliche zukünftige Annexionsbestrebungen anderer Mächte zu schützen, kam ihm die Idee zu einer Insel im Steinhuder Meer. Dafür musste die Bevölkerung mehrere Jahre lang Tag für Tag Schüttmaterial aus Sand, Kies und Steinen heranschaffen. Im Sommer wurde das Material in Booten transportiert, im Winter, wenn der See zugefroren war, kam es auf Schlitten heran.

Ursprünglich bestand die Anlage aus einer Bastion mit der Festung darauf, die von 16 kleinen Inseln umgeben war. Diese kleinen Inseln wurden erst um 1810 herum durch neuerliche Aufschüttung mit der Festung verbunden. Nach der Fertigstellung diente die Insel zunächst als Militärschule, später dann als Gefängnis.

Das Graf Wilhelm’s Befürchtungen, seine Grafschaft könnte eingenommen werden, nicht so ganz falsch waren, zeigte sich nach seinem Tod im Jahre 1777. Zunächst fiel das Land an seinen Nachfolger Philipp Ernst. Doch als im Jahr darauf dieser ohne Erben verstarb, wollte die Grafschaft Hessen-Kassel das Land annektieren. Das geschah auch ohne Probleme, lediglich auf der Inselfestung Wilhelmstein verschanzten sich etwa 150 Männer, die Widerstand leisteten. Zwar waren diese gegen die rund 2.800 Mann starke Hessen-Kassel-Armee klar in der Unterzahl, doch der Beschuß mit Kanonen mißlang, weil deren Reichweite nicht hoch genug war. Und so hielten die Männer auf Wilhelmstein so lange aus, bis das Kurfürstentum Hannover schließlich zur Hilfe kam und die Hessen abzogen.


Ankunft an der Inselfestung Wilhelmstein

-> Ankunft an der Inselfestung Wilhelmstein


Heute hat sich die Insel komplett auf den Tourismus eingestellt. Da ist zunächst die Festung selbst, die besichtigt werden kann. In ihr ist ein Museum mit Gegenständen aus der Militärzeit zu finden. Außerdem kann man auch nach ganz oben auf den Aussichtsturm emporsteigen und von dort aus einen schönem Rundumblick auf das Steinhuder Meer genießen.

Ebenfalls zu finden sind Gastronomie und Souvenirladen, auch Seminarräume können hier gebucht werden. Mittlerweile sind auch Übernachtungen auf der Insel möglich und wer es ganz exklusiv mag, kann sich hier sogar trauen lassen.

Wir machen zunächst einen Inselrundgang, was bei einer Größe von etwa 100 mal 100 Meter recht schnell zu schaffen ist. Anschließend sehe ich mir die kleine Festung von innen an. Eintrittskarten dafür gibt es in dem Souvenirladen direkt gegenüber. Über eine kleine Holztreppe, die stilecht rechts und links von Kanonen flankiert wird, gelangt man in das Innere der Anlage. Hier kann man recht entspannt durch die einzelnen Räume schlendern, bevor man am Ende die Treppen auf den Aussichtsturm hinaufsteigt und von dort die Aussicht genießt. Leider ist das Wetter heute nicht so wirklich gut, trotzdem gefällt mir der Blick, der sich mir rundum bietet.


Die Festung Wilhelmstein

-> Die Festung


Die Festung Wilhelmstein

-> Die Festung


Im Museum im inneren der Festung

-> Im Museum im inneren der Festung


Im Museum im inneren der Festung

-> Im Museum im inneren der Festung


Aussicht vom Aussichtsturm

-> Aussicht vom Aussichtsturm


Eine knappe Stunde halten wir uns hier auf der Insel auf, bevor wir uns mit einem „Auswanderer“ wieder auf den Rückweg nach Steinhude machen. Praktisch ist, dass wir ab hier mit jedem Boot zurückfahren können, das gerade ablegt. Und während hinter uns die Inselfestung Wilhelmstein immer kleiner wird, kommt der Hafen von Steinhuder immer näher. Und damit auch leider das Ende unseres Kurztrips. Das Wetter war gemischt, aber durchwegs trocken, wir haben interessante Klöster und mit Celle auch eine sehr schöne Stadt besichtigt. Ein wenig bleiben wir noch in Steinhude und stärken uns mit einem Imbiß. Dann heißt es aufsitzen, Maschinen starten und Abfahrt Richtung Heimat.






STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP-STOPP



Nicht gleich wegklicken. Jetzt wird es Zeit, „DANKE“ zu sagen:
  • Ein „Danke“ geht an die freundliche Nonne im Kloster Walsrode, die eine so wunderbar authentische Führung gemacht hat. Leider konnte ich mir ihren Namen nicht merken, aber es hat uns großen Spaß gemacht, mit ihr durch das Kloster zu gehen.
     
  • Ein weiteres „Danke“ an die nette Mitarbeiterin vom Kloster Wienhausen. Die Führung an dem Tag war eigentlich schon ausgebucht, aber sie drückte beide Augen zu, so dass wir doch noch daran teilnehmen konnten.
     
  • Das größte „Dankeschön“ aber geht an MoniK, die fast alles auf dieser Tour geplant hat und ohne die dieses Wochenende auf jeden Fall sehr viel langweiliger verlaufen wäre.


DANKE – DANKE – DANKE :o)


Und dann gibt es jetzt noch ein „alternatives Danke“: Und dieser (negativ-) Preis geht an die Kellnerin des Restaurants „Argentinisches Steakhouse“ in Celle, die es mit ihrer überaus „charmanten Art“ geschafft hat, mir beim dortigen essen ein wenig die Laune zu verderben   :-(





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