Ein Wochenende in Leer/Ostfriesland


Samstag

Hatten wir uns gestern noch über das schöne Wetter gefreut, so haben wir heute das Kontrastprogramm: Es ist grau und regnerisch. Auch unsere Hoffnung, dass es nach dem Frühstück trocken sein wird, erfüllt sich leider nicht. Und so schlendern wir wie gestern Abend an der Uferpromenade entlang, heute allerdings im leichten Landregen und mit einem Regenschirm in der Hand. Gestern machte der Hafen einen recht netten, frischen Eindruck, heute wirkt er eher trist. Was schlechtes Wetter doch alles so ausmacht …




-> Das Wetter ist leider trist


Dabei ist der Hafen ein geschichtsträchtiger Ort. Schließlich ist die Entwicklung der Stadt Leer zu einem wichtigen Handelsplatz direkt mit der Schifffahrt verbunden. An der ältesten Schiffsanlegestelle Leers, dem “An’t Över bi de Waag”, liegt das „Schipper Klottje“. Das ist eine Sparte des Heimatvereins Leer, der mit gut 100 ehrenamtlichen Mitgliedern den Museumshafen betreibt. Ihr Ziel ist es, die historische Altstadt hier am Hafen mit Leben zu füllen. Dafür organisieren sie verschiedene Feste und Veranstaltungen, natürlich an und auf dem Wasser.




-> Am Museumshafen


Nicht weit davon entfernt liegt der mehr als 100 Jahre alte Frachtsegler“ Friedrich“. Hier hat sich der gemeinnützige Verein "Schippergilde Friedrich e.V.“ gebildet, der mit Hilfe dieses Schiffes orientierungslosen Jugendlichen, Schülern und Auszubildenden eine Perspektive bieten will. Gemeinsam werden mit dem Schiff Fahrten nicht nur auf der Ems, sondern sogar bis nach Holland unternommen. Dabei können die jungen Menschen Sozialverhalten und Verantwortung in der Gruppe erfahren und so „ihren Weg finden“, wie es die Shippergilde ausdrückt.




-> Der mehr als 100 Jahre alter Frachtsegler“ Friedrich“


Außerdem finden wir „Kunst im Hafen“. Einige Leeraner Künstler haben ihr Werke direkt hier am Steg ausgestellt, so das sie von den Spaziergängern aus nächster Nähe bewundert werden können.




-> Kunst im Hafen




-> Kunst im Hafen


Kurz überlegen wir, ob wir eine Hafenrundfahrt mit einem der Touristenboote machen sollen, aber obwohl hier durchaus ein Hauch von Nostalgie weht, entscheiden wir uns dagegen. Lieber möchten wir unseren Stadtbesuch im trockenen und ohne Regentropfen fortsetzen. Daher gehen wir durch die schmalen Gassen der Altstadt zurück Richtung Innenstadt, vorbei an jede Menge kleinen und großen Geschäften, die auch zum stöbern einladen würden. Wir aber wollen zum Teemuseum. Das befindet sich am oberen Ende der Fußgängerzone, als genau entgegengesetzt vom Hauptbahnhof.




-> Teelke - das Leeraner Teemädchen vor dem Teemuseum


Im „Bünting-Teemuseum“, wie es genau heißt, wurden jede Menge Informationen und Ausstellungsstücke rund um das Thema Tee zusammengetragen. Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Anbau des Tees sowie auf die Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren. Aber auch Randthemen wie der Teeschmuggel und die Teenot werden beleuchtet. Und natürlich die ostfriesische Tee-Kultur im allgemeinen. Hautnah erleben wir diese am Ende unseres Besuches, als wir an einer Tee-Verkostung teilnehmen. Natürlich mit Kluntje und Sahne-Häubchen. Klar, dass wir aus dem Shop, der dem Museum angeschlossen ist, nicht ohne eine Packung „Museumstee“ wieder hinausgehen :o)




-> Im Teemuseum




-> Im Teemuseum




-> Im Teemuseum


Das Wetter ist leider immer noch nicht besser, als wir das Museum verlassen. In dem ganz in der Nähe liegenden „Bünting Coloniale“ gönnen wir uns daher erst einmal Tee und Kuchen. Und endlich, nachdem wir alle brav unsere Teller leergegessen haben, hört auch der Regen auf. Und das nutzen wir zu einem ausgedehnten Spaziergang zum Leeraner Miniaturland. Dieses liegt nämlich leider nicht so ganz zentral, sondern am Rand der Stadt. Aber da es mittlerweile trocken ist, machen wir uns optimistisch auf den Weg dorthin. Ungefähr eine halbe Stunde brauchen wir, dann haben wir die Ausstellung erreicht.

Im Leeraner Miniaturland wird die Region Ostfriesland im Maßstab 1:87 charakteristisch abgebildet. Rund 1.200 qm Fläche braucht es dafür. Da ich schon mehrmals in Ostfriesland war, erkenne ich vieles wieder: Die Klosteranimation in Ihlow, die auch Start des Pilgerweges „Scholar Dei“ ist (Reisebericht "Scholar Dei") , der schiefe Kirchturm von Suurhusen oder die Doornkaatflasche von Norden (Reisebericht "En Dag in Ostfreesland"). Und an dem Rathaus von Leer bin ich erst heute vorbeigegangen. Wer genauer hinsieht, der findet auch kleine Szenen, direkt aus dem Leben gegriffen: Den Sanitäter bei einem Unfall, einen Jäger auf der Pirsch oder Bauarbeitern bei der Straßenreparatur – hier gibt es so einiges zu entdecken. Manches kann sogar von dem Besucher selbst gesteuert werden. Und ständig fahren die verschiedensten Züge durch die Anlage, so das immer etwas in Bewegung ist.




-> Im Leeraner Miniaturland




-> Im Leeraner Miniaturland




-> Im Leeraner Miniaturland




-> Im Leeraner Miniaturland




-> Im Leeraner Miniaturland


Eine recht nette Anlage ist das hier, insbesondere dann, wenn man bereits einiges in Ostfriesland kennt und so einen Wiedererkennungseffekt hat. Was meiner Meinung nach aber zu hoch ist, dass ist der Eintritt: 10,- € pro Person kostet der. Zum Vergleich: Das Miniaturwunderland in Hamburg (Reisebericht "Im Miniaturwunderland") kostet momentan 13,- €. Und das ist nicht nur um ein vielfaches größer, sondern aufgrund der Vielfältigkeit meiner Meinung auch um einiges interessanter.




-> Auch im Garten des Miniaturlandes gibt es was zu sehen


Wir machen es uns im Anschluss unseres Besuches noch im „Café Leuchtturm“ gemütlich, dass dem Leeraner Miniaturland angeschlossen ist. Nachdem wir uns dort mit Kaffee, Tee bzw. Cappuccino gestärkt haben, machen wir uns auf den Rückweg in die Innenstadt und zu unserem Hotel. Dort gönnen wir uns ein wenig Ruhe, bevor wir in dem zum Hotel gehörenden Restaurant zu Abend essen gehen.

Zum Abschluss des Tages gehen wir dann in den Kulturspeicher am Bahnhof zum „4. Leeraner Song-Slam“. Fünf Sänger treten hier gegeneinander an, um in drei Durchgängen den Gewinner des „Goldenen Teebeutel“ zu ermitteln.



-> Eintrittskarte für den "4. Leeraner Song-Slam"




-> Mittendrin statt nur dabei...


Abwechslungsreich und recht lustig ist das, der Saal ist voll und die Stimmung gut. Und als dann auch noch „unser“ Favorit den Song-Slam gewinnt, gehen wir zufrieden zurück zu unserer Unterkunft.

Trotz des schlechten Wetters haben wir heute einiges gesehen. Und „sehen“ werden wir Morgen hoffentlich auch wieder ein paar Sonnenstrahlen.




Zu Tag 3



Leer


Tag 1

Tag 2

Tag 3




nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: detlev-online[at]gmx.de