Unterwegs auf dem Weserradweg


3. Tag: Von Bodenwerder bis Rinteln

Bereits um kurz nach 9:00 Uhr verlassen wir die Jugendherberge. Da sie recht weit oben am Hang liegt, lassen wir uns auf unseren Weg hinab zur Weser die meiste Zeit einfach nur Bergab rollen. Sehr bequem ;-)

Der Weg führt uns direkt an der Weser entlang, richtig schön ist es hier. Und da auch das Wetter mitspielt, macht die Tour gerade eine Menge Spaß. Auf der gegenüberliegenden Seite kommt bald darauf Schloss Hehlen in Sicht. Ende des 16. Jahrhunderts wurde es erbaut und gehört damit zu den ältesten Schlössern im Stil der Weserrenaissance. Schön anzuschauen ist es von außen ja, trotzdem nutzen wir die Brücke in Hehlen nicht, um es uns einmal näher anzusehen. Es ist noch früh und wir wollen lieber Radfahren.




-> Blick auf Schloss Hehlen


Nicht viel später, wir radeln ganz entspannt am Weserufer entlang, kommen wir an einer Skulptur vorbei, die wir uns näher anschauen. Hier hat der Bildhauer und Keramiker Jan D. Ehlers aus dem naheliegenden Emmerthal den „Hüossen“ ein Denkmal gesetzt. So nannte man die Männer, die früher die Boote über die Weser gezogen haben. Ein wenig müssen wir schon schmunzeln, als wir die Geschichte auf der Infotafel lesen, die daneben steht. Ist das nun eine würdevolle Erinnerung an diese Männer, die so eine schweißtreibende Arbeit verrichtet haben oder eher eine abwertende?




-> Hüossen - Denkmal


Nach dieser kleinen Pause fahren wir weiter an der Weser entlang, vorbei an dem kleinem Ort Hajen. Auf der anderen Weserseite ist mittlerweile das Kernkraftwerk Grohnde in Sicht. Im September 1984 wurde es zum ersten Mal mit dem Stromnetz verbunden. Bis maximal Ende 2021 wird es Strom produzieren, spätestens dann wird es aufgrund des vom Bundestag beschlossenen „Dreizehnten Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes“ vom Netz gehen. Es ist ein komisches Gefühl für mich, an so einem Atomreaktor vorbei zu fahren und irgendwie passt der klobige Bau überhaupt nicht in diese schöne Weserlandschaft.
Aber mich hat ja keiner gefragt.




-> Das Kernkraftwerk Grohnde kommt in Sicht


Bald darauf erreichen wir den Ort Grohnde. Von hier aus könnten wir mit der Grohnder Fähre hinübersetzen auf die andere Weserseite und einen Abstecher zum Schloss Hämelschenburg machen. Dieses prächtige und märchenumgarnte Weserrenaissanceschloss ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber wir waren vor nicht allzu langer Zeit bereits einmal dort -> Zum Reisebericht Hämelschenburg




-> Die Grohnder Fähre


Weiter führt uns der Weg, wir folgen der Weser, fahren vorbei an Emmern und Tündern. Unterwegs haben wir immer wieder schöne Aussichten, sei es der Blick auf die Weser oder eine Mühle am Wegesrand. Wir genießen die Fahrt, vor allem, weil es trocken ist. Der Himmel ist zwar ein wenig bewölkt, aber vom Regen bleiben wir verschont.




-> Abwechslung am Wegesrand



-> Fähre auf der Weser


Schließlich erreichen wir die weltbekannte Rattenfängerstadt Hameln. Hier sind wir nicht zum ersten Mal. Wir kennen bereits die historische Altstadt mit den oft liebevoll restaurierten Fachwerk- und Weserrenaissancehäusern, den kleinen Gassen und den vielen Einkehrmöglichkeiten. Wer noch nicht hier war, sollte sich die Zeit nehmen, einmal über den Marktplatz zu bummeln oder eine der angebotenen Weser-Rundfahrt mit dem Schiff zu machen. Wir allerdings haben uns für heute ein ganz eigenes Ziel heraus gepickt: Wir wollen die Schauglasbläserei besichtigen, in der auf traditioneller Art Glas hergestellt wird. Und wir haben Glück: Wir fünf bekommen eine Exklusivvorführung. Staunend beobachten wir den Glasbläser, wie er aus kleinen Klumpen wunderschöne Schalen, Gläser und Vasen herstellt. Wirklich bewundernswert und sehr interessant.




-> Die Schauglasbläserei Hameln



-> Eine Exklusivvorführung nur für uns



-> Eine Exklusivvorführung nur für uns



-> Schöne Endprodukte, gekonnt in Szene gesetzt


Danach halten wir uns nicht mehr lange in Hameln auf. Wir verlassen die Stadt, allerdings führt der Weser-Rad-Weg nun überhaupt nicht mehr an der Weser entlang. Stattdessen fahren wir überwiegend neben der Hauptstraße, manchmal auch durch Felder, aber von dem Fluss ist zumeist nichts zu sehen. Erst kurz vor Hessisch Oldendorf finden wir zurück zu dem fließenden Gesellen, der schon wieder einiges an Breite dazugewonnen hat. Am Rande des kleinen Ortes machen wir eine Pause und lassen uns mit Cappuccino und Kuchen verwöhnen, bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen und weiter unserm Ziel entgegen strampeln. Leider führt der Weg zumeist wieder weg von der Weser, wir rollen durch Ortschaften wie Großenwieden und Engern. Dafür lösen sich die Wolken am Himmel langsam auf, die Sonne setzt sich mehr und mehr durch und lässt uns gut gelaunt in die Pedalen treten.




-> Pause am Radweg



-> Direkt am Weserufer


Am späten Nachmittag erreichen wir Rinteln, unser Tagesziel für heute. Unser Hotel ist schnell gefunden, und nach dem Duschen und mit sauberen Sachen stromern wir anschließend durch den Ort. Absoluter Blickfang ist hier auf jeden Fall der historische Marktplatz, der fast rundum von den restaurierten Fachwerkhäusern eingeschlossen ist. Seit dem 13. Jahrhundert ist der Platz in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben und so ist es kein Wunder, dass sich hier die Einheimische und auch die Besucher tummeln. Wir finden ein kleines Lokal, wo wir gut und lecker draußen essen können und bummeln anschließend noch ein wenig durch den Ort. Allgegenwärtig ist der Turm von St. Nikolai. Er ist Teil einer dreischiffigen Hallenkirche, die erstmals 1238 erwähnt wurde. Er ist ein guter Orientierungspunkt, egal, wo in der Stadt man sich gerade aufhält.




-> Fachwerkhäusern in Rinteln



-> Quasi von überall zu sehen: Der Turm der St. Nikolai - Kirche


Zum Abschluss des Tages gehen wir noch einmal zur Weser und bekommen dort einen wunderschönen Sonnenuntergang geboten. Genau das richtige für einen wirklich schönen Tag.




-> Sonnenuntergang über dem Fluß





Zu Tag 4



Weserradweg


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Tag 2

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