Motorradtour durch Schottland


3. Tag: Freitag, 28.05.10

Ich werde wach, und schaue auf die Uhr: Was, kurz nach sechs ist es erst? Noch so früh? Dann fällt mir die Zeitumstellung ein: In Deutschland ist es bereits eine Stunde später. Also stehe ich leise auf. Frische Wäsche, Handtuch und den Kulturbeutel hatte ich gestern Abend bereit gelegt, und auf Zehenspitzen verlasse ich das Zimmer Richtung Dusche. Als ich zurück komme, sind meine beiden Partner ebenfalls schon auf, auch drei der anderen Zimmergenossen packen bereits ihre Sachen und sind dabei wesentlich lauter, als ich es eben gewesen bin. Der einzige, der noch tief und fest schläft, ist der bekennende Frühaufsteher. Ohne sich von dem Krach der anderen stören zu lassen, schlummert er selig vor sich hin. Als wir kurz darauf das Zimmer Richtung Küche verlasse, dreht er sich noch einmal um, seufzt zufrieden, und schnarcht leise weiter. So viel zum Thema frühes aufstehen...

Um sieben Uhr sitzen wir drei dann am Frühstückstisch, und lassen uns das selbstgemachte Frühstück schmecken. Das Wetter ist gut, wie gestern Abend scheint die Sonne, und wir hoffen auf einen schönen Tag. Anschlieβend packen wir unsere Sachen (dabei wird dann endlich auch unser Langschläfer wach), und beladen die Motorräder. Bei dieser Gelegenheit machen wir dann auch gleich Bekanntschaft mit den „Midgets“. Diese winzigen, Mückenähnlichen Tierchen sind super nervig. Sie fliegen in die Ohren, in die Nase, in den Mund, wenn man nicht aufpasst auch in die Augen, krabbeln unter die T-Shirts. Sie sind einfach ätzend. Ich rette mich in das Haus, ziehe alle Motorradklamotten inklusive Helm an, und belade so meine Maschine zu Ende. Anschlieβend sitzen wir auf, und um gerade Mal halb neun sind wir schon wieder auf der Straβe.





Zunächst geht es am See entlang Richtung Süden den Weg von gestern zurück, dann, als wir das Südufer erreichen, wenden wir uns am Westufer entlang nach Norden. Wir folgen zunächst der 82, dann der 85, und schlieβlich wieder der 82. Irgendwo hier werden wir von dem Schild mit der Aufschrift „Welcome to the Highlands“ begrüβt. Leider wird das Wetter jetzt schlechter. Die Sonne versteckt sich hinter Wolken, die immer dunkler werden, und schlieβlich jede Menge Regen auf uns nieder schütten. So fahren wir durch das verregnete und Nebel verhangenen „Glen Coe“. Schade, bei Sonnenschein ist es bestimmt super hier. Selbst jetzt im Regen fasziniert mich diese Landschaft. Auch unsere ersten „Single-Track-Road“ fahren wir jetzt. Bei dem wenigen Verkehr hier ist das allerdings überhaupt kein Problem. Auβerdem haben die Einheimischen dabei viel mehr Routine als wir: Kaum haben wir ein entgegenkommendes Fahrzeug erspäht, hält das auch schon an, und wir können weiter fahren. So kämpfen wir uns durch bis zu einem Kaff namens „Onich“. Dort wollen wir die Fähre hinüber nach „Corran“ nehmen, das in Sichtweite nur einen Steinwurf weit entfernt ist.





Zuvor allerdings wollen wir uns an dem kleinen Fähranleger stärken, und entern die Imbissbude, die dort steht. Aber wir haben Pech: Der Laden hat gerade keinen Strom. Es gibt keine Pommes, keine Hot Dogs, keine Hamburger. Auch Kaffee oder Cappuccino bekommen wir nicht. Eine warme Cola und ein Schokoriegel, mehr kann uns die junge Frau dort nicht anbieten. Besser als nichts, sagen wir uns, und nehmen, was wir bekommen können. Danach geht es auf die Fähre, die vielleicht gerade mal drei Minuten für das übersetzen benötigt. Dann geht es über Nebenstraβen und fast immer am Wasser entlang bis nach Mallaig. Der Regen war in den letzten Stunden unser ständiger Begleiter, und auch auf der Fähre hinüber nach Armadale auf der Isle of Skye bleibt er uns treu.







Es regnet zwar nicht besonders stark, dafür aber ausgiebig, und wir sind froh, als wir gegen 18:00 Uhr das örtchen Portree erreichen. Hier haben wir für zwei Nächte eine Unterkunft in einem Backpacker Hostel gebucht, dem „Bayfield Backpacker“. Ein schönes Haus ist das, und Murdo, der Besitzer, mit dem ich beim Buchen über das Internet bereits einigen Mailkontakt hatte, stellt sich als ganz entspannter Typ heraus. Wir sind in einem fünf Bett Zimmer untergebracht, und teilen uns dem Raum mit einem Ehepaar aus Frankreich. Die beiden sprechen so gut wie kein Englisch, auch kein Deutsch, und da wir wiederum kein Französisch beherrschen, beschränkt sich die Konversation auf ein freundliches „hello“. Sie sind ein wenig älter als wir, und im Gegensatz zu uns nur für eine Nacht hier.





Der Regen hat mittlerweile aufgehört, und wir nutzen das, um uns den Ort anzusehen. An diesem Wochenende ist hier ein Festival für Fiedel und Akkordeon, und aus fast jedem Haus ist Livemusik zu hören. Wir finden einen Supermarkt, der noch auf hat, und decken dort unseren Bedarf für den morgigen Tag. Den wollen wir nutzen, und eine Rundtour hier auf Skye machen. Zurück in unserer Unterkunft gönnen wir uns noch ein Bier, und besprechen, welche Route wir Morgen über die Insel nehmen wollen. Relativ früh gehen wir dann schlafen, auch unsere Zimmergenossen liegen bereits in den Kojen, und ich freue mich auf Morgen und den Tag hier auf der Isle of Skye.



Gefahrene Strecke: Rowardennan Lodge/Loch Lommond -> Portree/Isle of Skye: 326 KM

Unterkunft: skyehostel.co.uk




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