Motorradtour durch Schottland


6. Tag: Montag, 31.05.10

Zwar haben wir die Vorhänge vor unseren Fenstern zugezogen, trotzdem dringt das Tageslicht in unser Zimmer. Der erste Ausblick ist allerdings enttäuschend: Nichts ist mehr zu sehen von der schönen Fernsicht gestern Abend. Das Schloss ist in eine dicke Nebelwand eingehüllt, und wir hoffen, dass die sich bald auflösen wird.

Zunächst jedoch wird gefrühstückt. Auch andere Gäste sind hier, aus ganz Europa sind sie angereist. Wir sprechen mit ein paar Jungs aus Deutschland. Bis Edinburgh sind sie geflogen, haben sich dort einen Mietwagen genommen, und fahren nun für eine Woche kreuz- und quer durch das Land. Eine Gruppe Fahrradfahrer ist aus dem Süden Englands da. Sie sind über Wales und England hier hinauf bis Schottland gefahren, als geführte Tour. Es herrscht ein strenges Reglement in der Gruppe, wer nicht mehr kann, wird in eines der Begleitfahrzeuge verfrachtet. Nichts und niemand darf den Terminplan aufhalten.

Nach dem Frühstück (und dem spülen ;-) ) setzen wir uns auf die Motorräder. Der Nebel hat sich mittlerweile aufgelöst, und die Sonne grüβt vom blauen Himmel. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Wir fahren über Single-Track-Roads zunächst auf der 836, später dann die 838 Richtung Norden. Wie gestern gibt es unterwegs immer wieder grandiose Aussichten. Und auch die Anzahl der Schafe rechts und links der Straβe nehmen zu.





Gefährlich sind besonders die jungen Tiere: Wenn wir mit unseren Maschinen vorbeifahren, wollen sie immer zu ihrer Mutter. Ganz gleich, ob die nur zwei Meter weiter steht, oder auf der anderen Straβenseite – die kleinen Schäfchen laufen einfach los. Hier heiβt es gut aufzupassen.

Gegen Mittag erreichen wir die Küste bei Eriboll. Das erste, was wir hier sehen, ist ein hoher, flacher und stehender Stein mit einem keltischen Knoten darauf.





Kein Hinweis, was er bedeuten soll, oder wann und wie er hier hin kam, er steht einfach so da. Ein Blick auf unsere Karte zeigt uns dann ganz in der Nähe ein Städtchen namens Tongue. Dieses wird sogar als Insider-Tipp betitelt. Aber wir finden dort nichts auβer ein paar Wohnhäusern, das „besondere" bleibt uns verborgen. Dafür entdecken wir bei der weiteren Fahrt der Küste entlang nur ein paar Kilometer weiter eine „Traumbucht“:





Weiβer Sand, türkises Wasser, das ganze eingerahmt von markanten, grün überwucherten Felsen – wir fühlen uns fast in den sonnigen Süden versetzt. Die Wassertemperatur haben wir allerdings nicht überprüft... :-)

Wir fahren noch ein Stück die Küste entlang, bevor wir uns bei Bettyhill nach Süden wenden. Wieder sind es die Single-Track-Roads, die uns zurück nach Culrain bringen. Und wieder haben wir unterwegs jede Menge wunderbarer Aussichten. Gut, das ich mir vor dem Urlaub eine gröβere Speicherkarte für meine Kamera gekauft habe.





Bevor wir jedoch zu „unserem Schloss“ zurück kehren, halte ich noch kurz am hiesigen Postamt an. Mein Vater ist leidenschaftlicher Briefmarkensammler, und ich möchte ihm einige Stücke hier aus Schottland mitbringen. Also erkläre ich dem Mann hinter dem Schalter mein Anliegen. Er mustert mich kurz, und fragt dann: „Bist Du aus Deutschland?“ Als ich dies bejahe, holt er aus einer Schublade einen ganzen Stapel Briefmarken, sucht kurz, und hält mir dann einige Stücke unter die Nase mit dem Hinweis: „Hier sind einige ganz wunderbare Marken mit Motiven aus dem Krieg“. überrascht schaue ich den Mann an. Er meint es wirklich gut mit mir, ohne Hintergedanken, er glaubt ganz einfach, dass alle deutschen kriegsbegeistert sind. Ich mache ihm klar, das dem ganz und gar nicht so ist, kaufe ein paar neutrale Marken, und verlasse dann ziemlich nachdenklich das Postamt. Es ist schon interessant zu erfahren, was andere von uns deutschen so denken.

Am Abend sind wir dann zurück in der Jugendherberge. Zeitgleich mit uns erreicht ein Bus die Burg: „Haggis Adventure Tours – wild and sexy“ steht mit groβen Buchstaben darauf. Na ja, „wild“ präsentieren sich die ausschlieβlich jungen Leute dann auch tatsächlich, nämlich in der Selbstversorger-Küche: Sie verschmutzen alles, machen aber nichts sauber. Nur gut, dass wir uns bereits kurz vor ihnen unserer Abendessen zubereitet haben, und somit noch sauberes Geschirr bekommen haben.

Zum Abschluss des Tages genieβen wir aus den groβen Panoramafenstern dann einen spektakulären Sonnenuntergang. Selbst das Personal von der Burg steht staunend da, und bewundert diesen Anblick. Dann brauchen wir „Touris“ uns unserer offenen Münder ja nicht schämen!





Gefahrene Strecke: Rundtour Culrain -> Atlantik- (Nord-) küste -> Culrain: 256 KM

Unterkunft: Jugendherberge Carbisdale Castle




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