Motorradtour durch Schottland


9. Tag: Donnerstag, 03.06.10

Trotz der Enge in unserem Zimmer und dem Gepäck am Fuβende von meinem Bett habe ich doch recht gut geschlafen. Als erster bin ich dann am Morgen wach, dusche, und gehe nach drauβen zum Wettercheck. Der fällt recht gut aus: Sonne und blauer Himmel, was will ich mehr. In der Küche treffen wir uns dann zum Frühstück. Der Plan für heute ist recht simpel: Möglichst über Nebenstraβen nach Edinburgh. Gestern haben wir noch einen Prospekt von „Glamis Castle“ gefunden. Das sieht auf den Fotos viel ansprechender aus als Schloss Balmoral gestern. Es bedeutet für uns zwar einen kleinen Umweg, aber da wir Zeit haben, wollen wir auch ihm einen Besuch abstatten.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen, und geben die Schlüssel ab. Dabei treffen wir auch den Bayer von gestern wieder. Er hat einen leichten Rucksack auf dem Buckel, und geht jetzt für zwei Tage wandern. Wir wünschen uns gegenseitig gutes Wetter, dann beladen wir unsere Maschinen und auf geht es Richtung Süden.





Wir folgen zunächst der 924, dann der 926. Beides sind kleine Straβen, die nicht zu voll sind, und wo das fahren einfach Spaβ macht. Auch hier kommen wir an Distillerys und Castles vorbei, aber wir widerstehen der Versuchung, da wir uns ja Glamis Castle ansehen wollen. Dieses Schloss ist gut zu finden. Diesmal sind wir etwas schlauer, und parken nicht irgendwo ganz weit weg, sondern fahren durch ein riesiges, geöffnetes Tor. Dort folgen wir den Weg, und in der Ferne sehen wir das Schloss. Wir fahren direkt darauf zu, und etwas mulmig ist uns schon: Dürfen wir hier überhaupt lang fahren? Schlieβlich stehen wir direkt vor dem prachtvollen Gebäude. Wenn uns jemand die Haustür aufmachen würde, könnten wir glatt hinein fahren. Allerdings steht rechts vom Schloss jemand, der uns zuwinkt. Wir erkennen einen Parkplatz, wo auch schon Autos stehen. Der Winker entpuppt sich als Parkwächter, er knöpft uns ein paar Pfund ab, dann fahren wir durch das Tor, stellen die Maschinen ab, und begeben uns auf Erkundungstour.





Das hier ist alles eine Nummer gröβer als Balmoral. Gröβer und prachtvoller. So habe ich mir ein britisches Schloss immer vorgestellt. Eine gute Stunde verbringen wir hier, sehen uns viel an, und sind uns einig: Glamis Castle ist einen Besuch wert!


Auf nach Edinburgh

Dann geht es weiter Richtung schottische Hauptstadt. Da wir möglichst keine Autobahn fahren wollen, machen wir einen Umweg: Wir umrunden, von Norden kommend, die Stadt, und fahren dann von Westen her hinein. So brauchen wir nur ein kleines Stück Autobahn zu fahren, als wir nämlich die „Forth Road Bridge“ überqueren.





Dann geht es quer durch diverse Vororte in die Stadt hinein. Markus hat die Adresse unserer Unterkunft in sein Navi eingegeben, und lotst uns durch die Straβen Auf Anhieb findet er „MacBackpackers“, wo wir für zwei Nächte gebucht haben. Während Markus bei den Motorrädern bleibt, steigen Johannes und ich die enge und steile Stufe nach oben, öffnen die Tür ... und stehen mitten in einem bunten Raum. Sitzkissen liegen herum, Couchen mit farbigen überwürfen, auf denen es sich sehr junge Leute bequem gemacht haben. Dieser Raum ist Aufenthaltsraum und Rezeption zugleich, und das junge Mädchen, das dort steht, schaut uns zweifelnd an: Ob wir hier richtig sind? Schlieβlich könnten wir wohl nicht nur die Väter, sondern fast schon die Groβväter dieser jungen Leute sein. Auf jeden Fall treiben wir den Altersdurchschnitt ganz gewaltig in die Höhe. Aber das einchecken klappt, wir sind am Ende des Ganges in dem letzten Raum rechts untergebracht, und sowohl Zimmer als auch Duschen und Toiletten sind sauber.





Wir holen unserer Gepäck, und stehen dann vor einer Herausforderung: Zu dieser Unterkunft gehören keine Parkplätze. Auf der Straβe ist überall nur begrenztes Parken erlaubt, und das Mädchen an der Rezeption beschreibt uns den Weg zu einen kostenlosen Parkplatz am Rande von Edinburgh Zweifelnd machen wir uns auf dem Weg dorthin, gut sechs Kilometer sind es bis zu der unbewachten Abstellmöglichkeit. Nein, hier wollen wir unsere Motorräder nicht stehen lassen. Markus hat unterwegs, circa 500 Meter von unserer Unterkunft am Straβenrand einen Hinweis gesehen: „M/C only“ stand dort, und er ist der Meinung, dass wir unsere Maschinen dort abstellen können. Also fahren wir zurück in die Stadt, auf dem besagten Platz steht bereits ein Motorrad, und wir stellen unsere noch dazu. Johannes geht in den Laden, der sich am Straβenrand befindet, und der Besitzer bestätigt ihm, dass dort die Motorräderkostenlos und unbefristet parken können. Welch ein Glück für uns.

Bevor wir uns nun aufmachen, Edinburgh zu erkunden, wollen wir erst einmal unseren Hunger stillen. Recht schnell finden wir einen Tisch in der Sonne vor einem netten Lokal. Begrüβt werden wir mit dem Hinweis, dass es hier drauβen keine alkoholischen Getränke gibt. Die dürfen nur innen verkauft werden. Uns ist das egal, wir bleiben trotzdem, aber viele andere suchen sich daraufhin doch einen anderen Platz zum essen. Das Menü ist gut und lecker, und dermaβen gestärkt beginnen wir, die „Royal Mile“ zu erkunden. Auf dieser Straβe liegt auch unsere Unterkunft, und wir wenden uns zunächst nach links. Wir kommen an zahlreichen Geschäften, Bars und Restaurants vorbei, auch hier gibt es wieder einige Weihnachtsgeschäfte. Am Ende der Straβe liegt dann das schottische Parlament. Nicht zuletzt dank des guten Wetters macht es richtig Spaβ, hier lang zu laufen. Aus vielen Läden dringt Dudelsackmusik, besonders natürlich aus denen, in denen schottische Souvenirs zu kaufen sind. Whisky und Schottenröcke werden angeboten. überhaupt Schottenrock: Nicht wenige Männer laufen hier mit diesem traditionellen Kleidungsstück herum. Ein Pärchen fällt mir auf: Während er stolz mit dem Kilt über die Straβe geht, trägt seine Begleiterin einen Hosenanzug Marke Business-Kleidung. Irgendwie verkehrt herum...





Am Abend gehen wir dann in einen Pub. „Whiski“ heiβt er (das ist kein Schreibfehler) und liegt praktischerweise ungefähr zehn Meter von unserer Unterkunft entfernt. Live-Musik ist angekündigt, eine Band namens „The Gorms“ soll spielen. Wir ergattern einen Platz, und warten, dass der Kellner kommt, und unsere Bestellung aufnimmt. Und wir warten... und warten... und... Schlieβend haben wir es raus, wie es funktioniert: Wir gehen an den Tresen, bestellen und bezahlen unser Bier, und das wird uns dann kurz darauf an den Tisch gebracht. Als die drei-Mann-Band dann loslegt, wissen wir sofort: Hier sind wir richtig! Es macht Spaβ, den Jungs und ihrem „Irish Folk„ zuzuhören. Nicht alle Lieder kennen wir, aber „Whisky in the jar“ und „The scotish rover“ sind uns schon ein Begriff. Und dann wird der Klassiker „Johnny b. Goode“ angestimmt, allerdings in der schottischen Version, die dann heiβt „Johnny be drunk“.




Es ist fast ein Uhr nachts, als wir müde, aber sehr zufrieden zurück in unser Backpacker gehen, und uns schlafen legen. Morgen (oder eigentlich ja schon heute) wollen wir einen Tag lang Edinburgh erkunden. Ich bin gespannt ...




Gefahrene Strecke: Pitlochry - Edinburgh: 207 KM

Unterkunft: www.royalmilebackpackers.com




Zu Tag 10



Schottland


Intro

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9

Tag 10

Tag 11

Tag 12

Nachtrag




TEST

nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: tournotizen[at]gmx.de