Schottland "on the road"


-> 4. Tag

Heute heißt es Abschied nehmen von „The Gables“, meinem B&B. Das Frühstück war wieder Klasse, ich muss sagen, hier bei Rose gefällt es mir wirklich ausgesprochen gut.

Trotzdem breche ich bereits gegen 9:00 Uhr auf. Heute will ich ganz hoch in den Norden nach John o'Groats. Zunächst fahre ich die von gestern bereits bekannte Strecke bis Elgin, ab dort dann an der Küste entlang weiter Richtung Westen bis Inverness, wo ich eine kurze Pause mache. Die Stadt liegt zwar am nördlichen Ende des Loch Ness, aber von „Nessie“ kann ich nirgendwo ein Anzeichen entdecken. Also fahre ich weiter und mache immer nur kleine Pausen. Teilweise bieten sich unterwegs recht schöne Aussichten, insbesondere auf die Brücken, die sich über den „Moray Firth“ und den „Cromrty Firth“ spannen.




-> Brücke über den „Moray Firth“


Eine etwas längere Pause mache ich in einem kleinen Ort namens Tain. Im dortigen Mansfield Castle Hotel sitze ich auf der Terrasse und schlürfe einen wirklich leckeren Cappuccino. Das Haus macht einen sehr ordentlichen Eindruck, hier könnte man bestimmt auch gut übernachten.


Stipvisite am Dunrobin Castle

Nach diesem Stopp fahre ich weiter Richtung Norden. Die nächste schöne Brücke lässt nicht lange auf sich warten, auf ihr überquere ich den „Dornoch Firth“ und folge der A9 bis kurz vor dem Ort Golspie. Dort liegt, gut ausgeschildert, Dunrobin Castle. Dieses Schloss ist der Stammsitz des Clan Sutherland. Während des späten 18. und des gesamten 19. Jahrhunderts wurde für die Landbesitzer das Geschäft mit Schafs-Wolle um einiges lukrativer als die Verpachtung des Landes an Bauern. Daher vertrieben viele "Landlords" die Bauern und siedelten stattdessen Schafe an. Und während dieser sogenannten „Highland Clearances“ erwiesen sich die Sutherlands als besonders erbarmungslos. Sie vertrieben die Bauer nicht nur, sondern brannten auch deren Hütten nieder, damit sie wirklich endgültig verschwinden. Und den höheren Erlös, den sie durch diese „Umstrukturierung“ erzielten, investierten sie dann, unter anderen, in dieses Schloss.




-> Dunrobin Castle von vorne


Ich kenne Dunrobin Castle von vielen Fotos als das „weiße Schloss“. Weiß ist aber nur die dem Meer zugewandte Seite. Und genau damit habe ich heute Pech. Vom Meer her kommt Nebel auf und verhüllt sowohl das Schloss als auch den zwischen Schloss und Meer liegenden Garten. Und auch der soll sehr schön sein, inspiriert von dem im französischen Versailles. Leider ist davon aber so gut wie nichts zu sehen.




-> Dunrobin Castle von hinten mit Nebel


Eintritt bezahlen, um dann durch den Nebel zu irren, ist nicht so mein Ding. Da ich also sowieso so gut wie nichts zu sehen bekomme, halte ich mich hier auch gar nicht lange auf, sondern fahre weiter Richtung Norden. Rund hundert Kilometer sind es noch bis zu meinem heutigen Ziel John o’Groats. Und darauf bin ich wirklich gespannt. Schließlich gewann der Ort im Jahre 2010 den Preis als „Trostlosester Ort des Jahres“. Es gibt sicher schönere Auszeichnungen zu gewinnen …


Ganz oben in Schottlands Norden: John o‘Groats

John o’ Groats ist das geographische Gegenstück zu Land’s End, das ganz am Südwest-Ende Großbritanniens in knapp 1.400 Kilometer Entfernung liegt. Eine Radtour von „End to Enders“ ist bei den Briten recht beliebt. Auch hier und jetzt sehe ich mehrere Radfahrer, teils allein, teils in Gruppen, die sich entweder aufmachen Richtung Land’s End im Süden oder gerade von dort hier eintreffen. Sektflaschen werden geöffnet, um Start oder Ziel zu feiern, einige haben sogar extra dafür T-Shirts drucken lassen.




-> End of the (Tourist) Road...




-> Wegweiser zu fernen Zielen


John o’Groats nennt sich gerne „der nördlichste Punkt Schottlands“. Das stimmt zwar nicht so ganz, denn das ca. 25 Kilometer weiter westlich gelegene „Dunnet Head“ liegt noch weiter nördlich. Aber auch beim norwegischen Nordkap sieht man ja gerne über solche Kleinigkeiten hinweg.

Ich finde den kleinen Ort zwar touristisch, aber doch recht hübsch. Hier gefällt es mir auf jeden Fall viel besser als in „Lands End“, dem südlichen Gegenpart. Ich schlendere an den Andenkenläden vorbei, kaufe mir ein Eis, setze mich an dem kleinen Hafen auf die Mauer und schaue auf das Meer.
Herrlich …




-> John o'Groats ist auch bunt




-> Von „End to Enders“: Von John o'Groats nach Land's End


Kurz darauf läuft die „Pentland Venture“ ein, eine reine Passagierfähre. Sie bringt von hier aus jeden Morgen zumeist Touristen hinüber zu den nahegelegenen Orkney-Inseln. Dort machen sie dann eine Rundtour mit dem Bus und kommen jetzt am Abend wieder mit der Fähre zurück. Zufrieden sehen sie aus und ich überlege, ob ich Morgen nicht auch so eine Tour machen soll. Aber meine Nachfrage im nahegelegenen Touristencenter ergibt, dass die Fahrt bereits ausgebucht ist.




-> Leichte Schieflage: Die Fähre von den Orkney-Inseln


Für mich wird es Zeit, in meiner Unterkunft einzuchecken. Ich habe mir ein Zimmer im B&B-Bereich des Seaside-Hotels reserviert. Besonders schön finde ich es dort aber nicht: Ein winziges Zimmer mit ebenso kleinem Bad, nur ein kleiner Teil des Fensters lässt sich öffnen und das Haus ist sehr hellhörig. Hier würde ich wohl nicht noch einmal absteigen. Aber vielleicht bin ich ja auch zu verwöhnt von Rose und ihrem B&B in Dufftown.

Mein Abendessen nehme ich trotzdem im Restaurant des Seaside-Hotels zu mir und werde dabei Glücklicherweise nicht enttäuscht. Das Essen ist gut und auch die Bedienung sehr freundlich. So versöhne ich mich ein wenig mit der Unterkunft, was auch gut und richtig ist, denn auch die nächste Nacht werde ich hier verbringen. Ich mache noch einen kleiner Spaziergang am Meer entlang, dabei lasse ich mir meine Pläne für Morgen durch den Kopf gehen: Eine Schlossbesichtigung, ein kleine Wanderung - dass wird nach der vielen Fahrerei heute bestimmt ganz schön. Mit diesen guten Aussichten beschließe ich dann auch den Tag.




Weiter zu Tag 5



Schottland


Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9

Tag 10

Tag 11




nach oben


© by "tournotizen.de"   |   E-Mail: tournotizen[at]gmx.de