Schottland "on the road"


-> 5. Tag

Nach einem guten Frühstück startet ich Richtung Westen. Mein erstes Ziel ist ein Ort namens „Canisbay“, in dem die „Canisbay Church of Scotland“ steht. Dort befindet sich zum einem der Grabstein des Holländers John de Groot, nachdem der Ort John o’Groats benannt wurde. Im Jahre 1496 hat er die erste Fährverbindung zu den Orkneys eingerichtet. Zum anderen ist dies die Kirche, in die Queen Mum regelmäßig ging, wenn sie ihre Ferien in dem nahegelegenen Castle of Mey verbracht hat.




-> Die „Canisbay Church of Scotland“




-> Der Friedhof an der „Canisbay Church of Scotland“


Canisbay einen „Ort“ zu nennen, ist dann doch etwas übertrieben. Es ist eine Ansammlung von recht weit zerstreut liegenden Häusern. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist die Kirche einfach zu finden. Und sie ist sogar offen. Der Innenraum ist schlicht gehalten, aber das ist ja auch kein Wunder, so wirklich groß ist die Gemeinde hier ja nicht. Was mich überrascht, ist, dass auf einen kleinen Tisch im Vorraum mehrere Schnellhefter liegen. In verschiedenen Sprachen, auch auf deutsch, wird dort jeweils kurz die Geschichte der Kirche beschrieben. So erfahre ich unter anderem, dass dies auf dem schottischen Festland der nördlichste Ort ist, an dem Gottesdienste gefeiert werden. Hier in dem Vorraum steht auch aufrecht der Grabstein von John o’Groats bzw. John de Groot. Früher, so erfahre ich aus dem Infoblatt, lag dieser unter dem Fußboden der Kirche. Erst im Jahre 1898 wurde er dort weggeholt und hier aufgestellt.
Das wird den alten John wohl freuen :-)




-> Im inneren der„Canisbay Church of Scotland“




-> Im inneren der„Canisbay Church of Scotland“




-> Im inneren der„Canisbay Church of Scotland“




-> Der Grabstein von John de Groot steht direkt im Vorraum der Kirche


Zu Besuch bei der Queen: Im „Castle of Mey“

Von „Canisbay“ aus fahre ich weiter Richtung Westen. Mein nächstes Ziel ist das „Castle of Mey“. Das ist gut ausgeschildert und so rolle ich schon bald darauf auf den sehr großen Besucherparkplatz. Mein erster Gang führt mich in das Besucherzentrum, wo ich erfahre, dass das Schloss nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist. In fünf Minuten startet die nächste und kurz entschlossen kaufe ich ein Ticket und gehe dann schnellen Schrittes zum Eingang des Schlosses, dem Treffpunkt für die Führung.




-> Blick auf das „Castle of Mey“


Begrüßt werde ich von einer Frau mittleren Alters, die als erstes darauf hinweist, dass das Fotografieren innerhalb des Gebäudes strengstens verboten ist und alle Besucher ihre Fotoapparate und Handys in die Taschen verstauen sollen.
„Das geht ja gut los“ denke ich bei mir, während wir Besucher, eine kleine Gruppe von acht Personen, ihrer Aufforderung nachkommen. Was dann allerdings folgt, ist eine ungefähr 50 minütige sehr kurzweilige und informative Führung. Queen Mum kam über mehr als 50 Jahre hinweg häufig für 4 Wochen im August und noch einmal für zwei Wochen im Oktober hierher. Das meiste in den Räumen ist so belassen worden, wie es die Queen bei ihrem letzten Abschied hier hinterlassen hat. Gummistiefel und Regenjacke liegen so im Foyer, als ob sie jeden Moment durch die Tür hineinkommen und die Sachen anziehen würde. Viele formelle und informelle Bilder gibt es zu sehen und so manche Anekdote habe ich gehört. So thront zum Beispiel in einem der Zimmer ein billiges Nessi-Plüschtier auf einem sehr teuren Wandteppich. Kinder hatten ihr das kitschige Geschenk mitgebracht und zwei Bedienstete hatten es aus Spaß dort oben in mehr als zwei Metern Höhe abgesetzt. Die Queen ließ es dort und nutze es gerne als eine Art „Eisbrecher“, wenn sie Besuch hatte, der vor lauter Schüchternheit kaum ein Wort herausbekam. Selbst wenn jemand, so wie ich, nicht so wirklich an dem britischen Königshaus interessiert ist, so ist dies doch eine sehr kurzweilige Führung.

Nur, dass das Fotografieren hier strengstens verboten ist, bedauere ich. Kameras überwachen die Räume, so dass sich auch jeder an dieses Verbot hält. So wirklich verstehen kann ich das nicht, ändern aber leider auch nicht.

Nach der Führung gehe ich dann noch durch den Garten. Ich bin überrascht, dass es überwiegend ein Nutzgarten ist. Obst und Gemüse dominieren eindeutig vor dem Ziergarten.




-> Übersicht von Schloss und Garten




-> Im Garten des Schlosses




-> Im Garten des Schlosses


Von Castle of Mey aus fahre ich weiter zum Dunnet Head. Es ist, wie schon erwähnt, der wirklich nördlichste Punkt der britischen Hauptinsel. Trotzdem ist hier weniger los als in John o’Groats. Der Leuchtturm, der hier steht, wurde 1831 errichtet und immerhin bis 1989 manuell bedient. Die dort angebrachten Infotafeln sprechen davon, dass der Job des Leuchtturmwächters nicht ungefährlich war. Bei Sturm sollen die Wellen manchmal bis zum Leuchtfeuer hochgeschlagen haben, immerhin 105 Meter hoch. Die Steine, die dabei von den Wellen mit hochgetragen werden, haben dabei durchaus schon mal die Fensterscheiben durchschlagen. Wenn ich hier so stehe, mag ich das kaum glauben. Zu tief unten liegt das Meer, zu ruhig schaukelt es vor sich hin. Aber gerade das, also dieses Unterschätzen der Naturgewalten, ist wohl genau das gefährliche.




-> Der Leuchtturm am Dunnet Head




-> Am nördlichsten Punkt des britischen Festlands


Während ich hier stehe und auf die Felsen gucke, kommen plötzlich große Nebelschwaden auf, so dass ich bald darauf kaum noch das Meer und die Klippen erkennen kann. Auch dieser plötzliche Nebel war und ist sicher eine der Gefahren, mit denen die Seeleute hier schon immer zu kämpfen haben.




-> Am Dunnet Head




-> Am Dunnet Head


Ich mache mich auf den Weg und fahre zurück nach John o’Groats. Der Nebel lichtet sich und bald habe ich wieder klare Sicht. Am Hafen, mit einem Eis in der Hand, lege ich eine kleine Pause ein. Wieder sind mehrere Radfahrer hier, die Briten scheinen eine richtige Radfahrnation zu sein. Aber bei meinem letzten Besuch in Schottland habe ich genau das ja bereits erfahren. Es muss nicht gleich die „End-to-Enders“-Tour sein. Viele setzen sich im Urlaub auf das Rad und fahren einfach los. Am Ende des Urlaubs steigen sie dort, wo sie gerade sind, in den Zug und fahren wieder nach Hause.

So gesehen, finde ich es fast schon ein wenig merkwürdig, dass die Briten nicht die „Tour-de-France“ dominieren …


Die „Stacks of Duncansby“

Nach meiner kleinen Mittagspause fahre ich zum 1924 errichteten Leuchtturm von John o’Groats. Über einen schmalen Weg erreiche ich den Turm mit seinem Parkplatz davor. Ich bin überrascht, wie viele Autos bzw. Wohnmobile hier stehen. Dafür, dass wir hier ja „end of route“ sind, ist hier einiges los. Ich finde einen Abstellplatz für meinen Wagen und starte dann eine kleine Wanderung an den Klippen entlang. Als erstes komme ich dabei an einigen Vogelfelsen vorbei. Viele Vögel, besonders natürlich Möwen, brüten hier und veranstalten einen Heidenlärm. Beeindruckend sind die Aussicht und das Spektakel aber auf jeden Fall.




-> Vogelfelsen an der Küste bei John o'Groats


Ich gehe weiter, denn ich will zu den „Stacks of Duncansby“. Das sind zwei Felsnadeln aus rotem Sandstein, die wie Zipfelmützen aus dem Meer herausragen. In der Ferne kann ich sie schon erkennen, aber urplötzlich kommt wie aus dem Nichts Nebel auf. Innerhalb weniger Minuten kann ich kaum noch die Hand vor Augen erkennen, geschweige denn die Klippen oder das Meer. Ich höre die Brandung und auch das schreien der Seevögel, aber sehen kann ich so gut wie nichts mehr. Ich kehre sofort um und bin letztendlich sogar froh, in diesem dichten Nebel den Parkplatz überhaupt gefunden zu haben.




-> Blick auf die „Stacks of Duncansby“




-> Blick auf die „Stacks of Duncansby“




-> Küste im Nebel


Auf dem Weg zurück in den Ort lichtet sich der Nebel, je weiter ich mich vom Meer entferne. So hat mir der Nebel bereits ein viertes Mal einen Strich durch meine (Urlaubs-) Rechnung gemacht. Zunächst vorgestern in Lossiemouth am Strand, gestern am Dunrobin Castle, heute Morgen am Dunnet Head und jetzt schließlich an den Stacks of Duncansby. Ein wenig bin ich daher froh, dass ich Morgen den Norden Schottlands verlasse und Richtung Westküste fahre. Dort ist es hoffentlich weniger nebelig.

Zum Tagesabschluss kaufe ich mir am Hafen eine Portion Fish & Chips, die ich auf der Hafenmauer sitzend esse und dabei gegen die gierigen Möwen verteidige. Die Sonne lacht und ich genieße durchaus angenehme Temperaturen sowie die Tatsache, dass ich bisher hier in Schottland noch nicht einen einzigen Tropfen Regen abbekommen habe. So kann es gerne bleiben…




-> Am Abend ist nicht viel los am kleinen Hafen







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