Schottland "on the road"


-> 6. Tag

Als ich heute nach dem Aufstehen aus dem Fenster schaue, geht mir sogleich der Refrain eines Liedes des bekannten Kölner Karnevalisten Jupp Schmitz durch den Kopf:
„Es ist noch Suppe da…“.
Damit ist in diesem Fall allerdings nicht die von ihm besungene Erbsensuppe gemeint, sondern der Nebel, der sich heute Morgen auf den ganzen Ort gelegt hat. Und dank dieser „Nebelsuppe“ kann ich auch sogleich meinen Plan vergessen, heute nach dem Frühstück noch einen zweiten Anlauf zu den „Stacks of Duncansby“ zu machen. Sehr gerne hätte ich diese Felsnadeln, die ich schon auf vielen Fotos im Internet bewundert habe, einmal in echt und aus der Nähe gesehen. Aber bei diesen Wetterverhältnissen hat so ein Versuch überhaupt keinen Zweck. Also packe ich meine Sachen zusammen, werfe alles in mein Auto und mache mich auf den Weg Richtung Süden. Dabei fahre ich zunächst die gleiche Strecke hinunter, die ich vorgestern auch hierher hinauf genommen habe. Auch an Dunrobin Castle komme ich wieder vorbei. Aber da der Nebel mir fast die ganze Zeit gefolgt ist, habe ich meine insgeheime Hoffnung, diesmal das „weiße Schloss“ auch tatsächlich zu sehen, ganz schnell begraben.

Ich bin bereits kurz vor Inverness, wo ich Richtung Westen abbiege, da setzt sich endlich die Sonne durch.

Eine Pause mache ich schließlich in einem kleinen Ort namens Contin im dortigen „Coul-Houese-Hotel“, wohin es mich eher zufällig verschlägt. Ich folge einer unscheinbaren Ausschilderung zu einem Hotel, denn dort befindet sich sicherlich auch eine Möglichkeit, einen Cappuccino zu bekommen. Ich fahre durch ein kleines Tor und folge dann lange Zeit einem Schotterweg durch einen Wald. Gerade, als ich schon umkehren will, stehe ich plötzlich vor dem Gebäudekomplex des Hotels. Ich parke meinen Opel neben all den Jaguars, Mercedes und BMW und gehe etwas zögernd in die Hotelhalle, wo sofort eine Angestellte auf mich zukommt und nach meinen Wünschen fragt. „Einen Cappuccino hätte ich gerne“ antworte ich. Sie führt mich mit einem Lächeln nach draußen auf die Terrasse, wo ich Platz nehmen darf. Kurz darauf bringt mir ein Kellner nicht nur mein bestelltes Getränk, sondern auch einen kleinen Teller mit Keksen. Wie benimmt sich hier eigentlich ein echter englischer Gentlemen: Isst er alle Kekse auf oder lässt er ein „Anstandsplätzchen“ auf dem Teller liegen?

Beides, Cappuccino und Kekse sind sehr lecker. Angenehm und auffällig ist auch das durchweg sehr freundliche Personal, das sich, ohne übertrieben freundlich zu wirken, dem angenehmen Ambiente anpasst. Da werde ich Zuhause doch mal nachschauen, was hier eine Übernachtung so kostet.



-> Pause im „Coul-Houese-Hotel“ in Contin


Nach diesem kleinen Intermezzo fahre ich weiter Richtung Westküste. Die Straße schlängelt sich durch sattes grün, links und rechts stehen Bäume und Sträucher, hin und wieder blitzt ein See zwischen den Blättern hindurch. An einem kleinen Parkplatz halte ich an und genieße die Aussicht. So sieht das Ganze doch viel schöner aus als im Nebel.




-> Auf dem Weg zur Westküste




-> Auf dem Weg zur Westküste




-> Auf dem Weg zur Westküste


Herrliches Plockton

Am späten Mittag erreiche ich Plockton. Das ist ein kleiner Ort an der Westküste, unweit der Skye-Bridge, die hinüber zur Insel Skye führt. Hier in Plockton nehme ich mir ein Zimmer im B&B „Tigh-nan-saor“. Es ist eine wirklich schöne Unterkunft in einem kleinen B&B, das über drei Zimmer verfügt. Martin, der Besitzer, macht einen etwas distanzierten Eindruck, ganz anders als Rose in Dufftown. Aber unfreundlich ist er dabei nicht.

Der Ort Plockton gefällt mir auf Anhieb sehr. Direkt am Meer liegt er, auch mein Zimmer hat einen wunderbaren Blick auf das Wasser. Ich schlendere die Straße entlang, blicke zwischen Palmen hindurch auf das Meer und genieße draußen vor einem Café eine Tasse Tee. Ein kurzer Spaziergang bringt mich danach dank Ebbe trockenen Fußes auf eine kleine Insel nahe der Straße. Dort sitze ich dann auf einer Bank in der Sonne und schmiede Pläne für Morgen.




-> Plockton an der schottischen Westküste




-> Plockton an der schottischen Westküste




-> Plockton an der schottischen Westküste




-> Plockton an der schottischen Westküste




-> Blick aus meinem Zimmer im B&B „Tigh-nan-saor“


Als es Zeit ist zum Abendessen gehe ich in meine Unterkunft und mache mich anschließend auf in das Restaurant des Plockton Hotel. Dabei beobachte ich, wie die Flut langsam immer näher kommt. Ein junges Pärchen hat die einsetzende Flut wohl unterschätzt und watet nun von der kleinen Insel durch das Wasser zurück bis zur Straße. Da haben die Einheimischen natürlich ihren Spaß. Bald darauf platscht das Wasser gegen die Wand, die das Meer von der Straße trennt. Es ist Flut und wer nun auf die kleine Insel möchte, muss wohl schwimmen.

Im Restaurant setzt sich ein asiatisches Pärchen neben mir. Sie guckt nach rechts und links zu den Gerichten, die die anderen Gäste bestellt haben und zeigt dann mit den Fingern auf das, was sie haben möchte. Zu trinken bestellt sie Cola für sich und Bier für ihren Begleiter. Dann huscht sie durch den gesamten Raum, fotografiert wirklich jeden Winkel. Bald darauf werden essen und trinken auf ihren Tisch gestellt. Die Frau trinkt ihre Cola „auf Ex“ und dreht dann weiter ihre Fotorunde durch das Restaurant. Der Mann schneidet sich mit Messer und Gabel ein Stück von der Zitronenscheibe ab, die seinen Fisch verziert und steckt sie sich in den Mund. Sein Gesichtsausdruck ist fast schon den Preis für mein Essen wert. Anschließend kippt er die restlichen Eiswürfel aus dem Colaglass in sein Bier und trinkt das dann in einem Zug aus. Mittlerweile hat die Frau wohl alles, was es zu fotografieren gab, auf ihre Speicherkarte verewigt. Sie legt einen Geldschein auf den Tisch, dann verlässt sie, gefolgt von dem Mann, das Restaurant.

Ich überlege, wie ich mich wohl in Asien verhalten würde, wenn ich die Sprache weder sprechen noch lesen kann. Zumindest würde ich im Restaurant nicht allen anderen Gästen ständig meine Kamera unter die Nase halten. Aber vielleicht ist das im fernen Osten ja ein Zeichen der Wertschätzung? Wenn dem so wäre, dann hätte diese Frau wirklich einen RIESEN-Respekt vor uns gehabt.

Nach dem Essen setze ich mich draußen direkt an die Wasserkante und genieße ein „Tages-Abschluss-Bierchen“. Plockton gefällt mir und ich freue mich darauf, Morgen noch einen Tag hier zu sein. Zunächst möchte ich zwar mit dem Auto in einen nicht weit entfernten Garten fahren, aber ab Mittag bin ich hier im Ort. Und da auch die Wetteraussichten richtig gut sind, kann Morgen doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?




-> Abendidylle in Plockton







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