Schottland "on the road"


-> 8. Tag

Ich weiß nicht warum, aber am frühen Morgen wache ich plötzlich auf. Das erste Licht des Tages dringt durch den Fenstervorhang, ich stehe auf und schaue hinaus. Die Sonne geht gerade über einen Felsen auf und taucht die Landschaft in ein warmes Licht. Schön sieht das aus und ich bleibe eine Weile am Fenster sitzen und genieße dieses Schauspiel.




-> Sonnenaufgang in Plockton


Es heißt Abschied nehmen von Plockton. Am Frühstückstisch sitzen heute zwei ältere Damen aus England. Die beiden haben es eilig, sie werden gleich von einer Reisegesellschaft abgeholt und mit dem Bus nach Edinburgh gebracht. Von dort aus fahren sie Übermorgen wieder nach Hause. Außerdem am Tisch sitzt ein junges Paar aus England, das mit dem Motorrad unterwegs ist. Mit dem Motorrad? Da haben wir sogleich genug Gesprächsthemen. Wir sitzen noch und plaudern, als Martin längst den Tisch abgeräumt hat. Ich gebe den beiden den Namen meiner Webseite.
„Wenn ihr mal nach Deutschland kommt, schreibt mir doch eine E-Mail. Vielleicht können wir uns dann ja mal treffen.“
Ich bin gespannt, ob das was wird…

Nach dem auschecken und der Verabschiedung von Martin und seiner Frau mache ich mich auf den Weg. Mein Ziel heute ist die Hafenstadt Oban, circa 200 Kilometer entfernt. Den ersten Stopp mache ich allerdings bereits nach knapp 20 Kilometern. „Eileen Donan Castle“, besser bekannt als das „Highlander-Schloss“ lädt zu einer kurzen Pause ein. Ausgiebig besichtigt habe ich es bereits bei meinem letzten Besuch hier in Schottland (Besuch des „Eilean Donan Castle“), aber einen kleinen Fotostopp ist es auf jeden Fall auch heute wert.




-> Kurzer Stopp am Eileen Donan Castle


Nach diesem kurzen Zwischenhalt fahre ich weiter. Immer wieder habe ich rechts und links der Straße schöne Aussichten. Und an einer halte ich gegen Mitte meines Weges auch an. Durch ein kleines Stück Wald gehe ich zu Fuß bis zum River Garry, einem kleinen Fluss, der den Loch Garry mit dem Loch Oich verbindet. Sehr ruhig und idyllisch ist es hier. Ich setze mich auf einen großen Stein direkt am Wasser, esse ein paar Kekse, trinke dazu mein Mineralwasser und freue mich darüber, dass ich die Zeit und die Muße habe, hier entspannt zu sitzen und einfach „nichts“ zu tun.




-> Pause am Wegesrand




-> Pause am Wegesrand




-> Pause am Wegesrand


Irgendwann fahre ich aber dann doch weiter. Oban empfängt mich laut, fast schon ein wenig hektisch. Zumindest empfinde ich das so, nachdem ich in den letzten Tagen doch eher ruhig und beschaulich gewohnt habe. Meine Unterkunft, das „King Knoll Hotel“ ist schnell gefunden. Ich erwähne den Namen hier allerdings als Warnung: Das nächste Mal würde ich wohl eher unter einer Brücke schlafen, als noch einmal hier abzusteigen. Schlafraum und Badezimmer, aber auch der Frühstücksraum, den ich erst morgen früh sehen werde, sind recht schmuddelig. Ich bin nicht wirklich empfindlich, was meine Übernachtungen angeht, aber das hier ist selbst mir zu viel. Dabei ist dies meine teuerste Unterkunft auf dieser Tour in Schottland. Und auf den Parkplatz stehen jede Menge teure Autos. Aber vielleicht haben die Briten ja ein anderes Verständnis von Sauberkeit. Jedenfalls lasse ich die Dame von der Rezeption kommen und bestehe darauf, dass das Zimmer gründlich gereinigt wird. Das ist dann anschließend zwar immer noch nicht wirklich sauber, aber immerhin schon mal besser als vorher.

Einen Vorteil hat „King Knoll“ dann aber doch: Die Innenstadt ist bequem fußläufig erreichbar. Und so mache ich mich auf den Weg mitten hinein in den quirligen Ort. Mein erstes Ziel ist die Oban-Distillery, die mitten in der Stadt liegt. Hier kann ich sofort an einer Führung teilnehmen, was ich auch gerne mache. Auch hier ist das Fotografieren mal wieder verboten. Wir sind nur zu viert und werden durch die verschiedenen Räume geführt und bekommen die unterschiedlichen Produktionsstufen erklärt. Das Ganze ist, wie ich finde, bis zu einem gewissen Grad dem Bierbrauen nicht unähnlich, auch wenn ein Distillerry-Manager das wohl ein wenig anders sehen wird. Olivia, unsere Führerin durch diese Anlage, spricht leider sehr schnell. Auch nach meiner Bitte, ein wenig langsamer zu reden, ändert sie daran leider nichts.

Am Ende der Führung machen wir dann ein kleines Tasting. Das Glas, das jeder dafür benutzt, darf man anschließend mit nach Hause nehmen. Auch nett. Dabei werden wir geben, diese Führung auch auf Facebook zu bewerten.
„If you like it, my name is Olivia. If not my name is Jane” sagt Olivia mit einem Augenzwinkern. Ich tendiere, ehrlich gesagt, ein wenig mehr zu der “Jane-Variante”, denn ich finde es schade, dass sie trotz meiner Bitte nicht zumindest etwas langsamer gesprochen hat.

Zum Schluss werden wir dann in den Shop geführt. Mit der fünf Pfund teuren Eintrittskarte erhält man einen Rabatt von zehn Prozent ab einen Einkauf von mindestens 30 Pfund. Nun gut, zehn Prozent darf man doch nicht einfach so verfallen lassen … Und so wandert eine Flasche guten Oban-Whisky in meinen Rucksack :o)




-> Die Whisky-Distillery in Oban


Von der Destillerie aus ist es nur ein kurzer Fußweg zur Touristeninformation. Dort buche ich für den morgigen Tag eine Tour mit dem Offshoreboat durch die Oban vorgelagerte Inselwelt. Neben dem Besuch des McCaig’s Tower steht das Programm für Morgen damit fest.

Aber jetzt habe ich Hunger, es ist auch sowieso Zeit zum Abendessen. Direkt gegenüber der Touristeninformation liegt „The Oban Inn“. Ich bestelle mir am Tresen etwas zu essen und zu trinken und setze mich dann nach draußen an einem Tisch, der gerade frei wird. Als der Kellner schließlich meine Bestellung bringt, kümmert er sich allerdings nicht um das Geschirr, was meine Vorgänger hier benutzt haben. Er schiebt es nur ein wenig zur Seite, stellt meinen Teller vor mich hin und verschwindet dann sofort wieder. Ist schon ein wenig komisch hier in Oban. Und nicht nur die Bedienung bzw. der Service hier ist recht mau, auch das Essen passt sich diesen Umständen an. Gerade mal die Hälfte meines Gerichtes esse ich, dann stehe ich auf und überlasse den Rest den vielen Möwen, die hier ständig über die Köpfe der Gäste kreisen und kreischen. Die stürzen sich auch sofort auf meinen Teller.

Ich befürchte, Morgen ist denen allen schlecht.

Nur ein paar Meter weiter befindet sich „The Pokey Hat“, eine Eisdiele, in der ich mir ein großes Eis kaufe. Und das ist recht lecker. Damit schlendere ich die Straße entlang, vorbei am „Oban War & Peace Museum“ sowie an der „Oban Chocolate Company“ (oh, die muss ich mir für Morgen merken!) und folge einfach dem Weg, der am Meer entlang führt.




-> Spaziergang in Oban




-> Spaziergang in Oban




-> Oban: Blick auf das Meer


Dabei erreiche ich bald darauf die St. Columba’s Cathedral. Da sie offen ist, gehe ich dort hinein und sehe sie mir von innen an. Recht groß ist die, bietet jede Menge Platz für viele Besucher. Um diese Zeit bin ich aber allein und die Ruhe tut nach der Hektik und dem Lärm Oban’s recht gut.




-> Die St. Columba’s Cathedral in Oban




-> Hier stehen Kirchenstühle statt -bänke




-> Taufbecken in der St. Columba’s Cathedral


Anschließend folge ich dem Weg am Wasser entlang noch etwas weiter, bis er schließlich zu Ende ist. Ab hier müsste ich auf der Straße laufen. Nicht weit entfernt befindet sich die Ruine des „Dunollie Castle“. Dort in dem „History of Building“ kann man der Geschichte des MacDougall's Clan folgen, eine Weberei besichtigen oder sich die Schlossruine ein wenig näher ansehen.




-> Blick auf die Ruine des „Dunollie Castle“




-> Blick auf die Ruine des „Dunollie Castle“


Für all das ist es heute aber bereits zu spät. Daher gehe ich langsam wieder den Weg zurück und biege dann ab Richtung meiner Unterkunft. Der Tag war lang und abwechslungsreich. Und auf mein morgiges Programm freue ich mich auch schon.







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