Schottland "on the road"


-> 11. Tag

Hatte ich nicht von dem sehr guten Frühstück von Rose in dem „The Gables B&B“ in Dufftown geschwärmt? Ich muss sagen, dass, was Graham hier auftischt, steht dem in nichts nach. Sehr, sehr lecker!

Beim Frühstück lernen wir ein deutsches Ehepaar kennen. Sie kommen aus Borken im Münsterland. Hier, vom Süden Schottlands aus gesehen, könnten wir uns fast alles Nachbarn bezeichnen :o) Sie sind vorgestern Morgen mit der Fahre in Newcastle angekommen und sind dann gemächlich hier her gefahren, wo sie nun für zwei Nächte geblieben sind. Gestern haben sie sich Stranraer und die Umgebung angesehen, heute Mittag nehmen sie die Fähre hinüber nach Irland. Sie haben ihren Urlaub also noch vor sich, während unserer nun leider unaufschiebbar zu Ende geht.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen. Noch einen kurzen Eintrag in das Gästebuch von Sylvia und Graham, dann verabschieden wir uns von den beiden. Ja, hier würde ich, genau wie in Rose‘ „The Gables“ in Dufftown, und im „Tigh-nan-saor“ in Plockton jederzeit wieder übernachten.




-> Das „Glenotter B&B“ in Stranraer


Von hier aus führt uns der Weg geradewegs gen Osten. Ein wenig wehmütig blicke ich auf die Landschaft um mich herum. Es sind unser letzten Kilometer durch Schottland in diesem Urlaub. Kleine Ortschaften wie Creetown und Kirkpatrick säumen den Weg, rund um Dumfries gibt es etwas zähfließenden Verkehr. Für die rund 160 Kilometer lange Strecke bis Gretna Green benötigen wir gut zwei Stunden. Gretna Green? Der Name ist vermutlich vielen Menschen bekannt als der Ort, in dem früher viele Minderjährige heirateten. Wobei mit "früher" die Zeit ab Mitte des 18. Jahrhunderts gemeint ist. Der Ort liegt direkt hinter der englischen Grenze auf schottischen Boden und hier sah das Gesetz vor, dass Mädchen ab 12 und Jungen ab 14 Jahren ohne Einwilligung ihrer Eltern heiraten konnten. Das sprach sich recht bald auch außerhalb von England herum und so kamen immer mehr junge Paare aus ganz Europa hierher, um hier zu heiraten. Ohne oder auch gegen den Willen der Eltern. Erst ab 1856 wurde das schottische Gesetz dahingehend geändert, dass sich heiratswillige Paare vor ihrer Eheschließung mindestens 21 Tage in Schottland aufgehalten haben müssen.

Bekannt und etabliert als Heiratsort hatte sich die Schmiede von Gretna Green. Der Schmied nutzte den Umstand für sich aus, dass nach schottischem Recht beinahe jeder eine Trauung vollziehen konnte. Lediglich zwei Zeugen mussten bei der Zeremonie anwesend sein. Die Schmiede wurde zu einem beliebten Treffpunkt der heiratswilligen jungen Menschen und der Schmied ging als "Amboss-Priester" in die Geschichte ein, da er die Trauung am Ende mit einigen Hammerschlägen auf den Amboss bekräftigte.

Heute sind die gesetzlichen Regelungen natürlich ganz anders. Trotzdem werden hier jährlich etwa 5.000 Ehen geschlossen. Und das nun ganz legal. Geschätzt jede sechste schottische Ehe wird hier in Gretna vollzogen.




-> Gretna Green, Tummelplatz für Hochzeitswillige




-> Gretna Green




-> Gretna Green, Trauzimmer in der ehemaligen Schmiede


Trotz der Bekannt- und Beliebtheit dieses Ortes waren wir allerdings nicht darauf gefasst, dass so viele Menschen hier sind. Gretna Green wird jeden Tag von mehreren hundert Touristen besucht. Die alte Schmiede ist schon lange zu einem Museum umgebaut worden, mehrere Souvenirshops und ein Selbstbedienungsrestaurant dürfen natürlich auch nicht fehlen. Gretna Green lebt, so scheint es uns, von den Touristen. Und das wohl auch nicht schlecht, wenn ich mir die Menschenmassen hier so ansehe.

Lange mögen wir nicht hier bleiben. Wir kaufen uns noch zwei Flaschen Wasser, denn es ist wieder sehr warm heute. Dann verlassen wir Gretna Green und fahren weiter gen Osten. Zwei kurze Trinkpausen legen wir ein, ansonsten fahren wir gemütlich Richtung Ostküste nach Newcastle, das wir nach gut 100 Kilometern ohne Probleme erreichen. Die Stadt kommt uns nach den knapp zwei Wochen Ruhe fast wie eine Millionenmetropole vor. Zwei- und dreispurige Fahrbahnen, Ampeln, zähfließender Verkehr – all diese Dinge waren in den letzten Tagen Fremdwörter für uns. Zum Glück finden wir den Weg zur Fähre Dank Navi recht gut. Rund zwei Stunden vor dem Ablegen sind wir dort und stehen dann mitten in einem Pulk von Oldtimern mit niederländischen Kennzeichen. Die Frauen und Männer, denen diese Schmuckstücke gehören, haben eine Tourenfahrt durch Schottland gemacht. Sogar einen eigenen Fotografen haben sie dabei, der in einem BMW Z3 Cabriolet unterwegs ist. Alles ein kleines bisschen exklusiv.




-> Am Fähranlagen in Newcastle. Es geht wieder nach Hause ...


Bald darauf steuere ich den Wagen auf die Fähre, wir beziehen die Kabine und gehen dann auf das Sonnendeck, wo wir uns von unseren letzten englischen Pfund etwas zu trinken kaufen. Als wir ablegen, stehen wir an der Reling und beobachten, wie wir langsam den Hafen verlassen und Richtung Kontinent fahren. Knapp zwei Wochen Schottland ohne Regen, wow, so hatte ich das nicht erwartet. Überhaupt fällt unser Fazit (abgesehen vom King Knoll Hotel in Oban) sehr, sehr gut aus. Ich glaube nicht, dass dies meine letzte Tour in das Land des Whisky und des Dudelsacks war.


Auf einer Leinwand im Kino würde jetzt wohl stehen:


… Fortsetzung folgt ...



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