Dänemark/Südschweden


1. Tag: Freitag, 31.05.13

Blauer Himmel, Sonne satt, ein gutes Frühstück im Magen, und ein Grinsen im Gesicht – mit diesen Voraussetzungen starten wir vor der Jugendherberge Neumünster unsere Maschinen. Wir wollen in Richtung Nordsee fahren, und dort über den westlichsten Grenzübergang nach Dänemark einreisen.





Motor und Reifen sind noch kalt, und so lenken wir unsere Maschinen auf kleinen Straßen zunächst gemütlich bis Rendsburg. Die dortige Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal hat mich schon während meiner Bundeswehrzeit in Flensburg beeindruckt. Seinerzeit bin ich an jedem Wochenende zweimal darüber gefahren: Freitags Richtung Heimat, und sonntags dann wieder zurück.





Jetzt stehen wir am Fuß dieser gigantischen Stahlträger, die die Eisenbahnhochbrücke tragen. Ich bin immer noch fasziniert darüber, dass diese quasi in den Vorgärten von schmucken Einfamilienhäusern verankert sind.





Mal ganz ehrlich, so ein Teil möchte ich nicht neben meiner Garage stehen haben. Aber hier sieht man mal wieder: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Gib ihm ein wenig Zeit, und er findet sich immer wieder mit allen Dingen ab…

Wir fahren weiter, und nehmen statt der Autobahnbrücke die Schwebefähre über den Kanal. Das ist eine wirklich interessante Sache: Die Fähre fährt nicht über das Wasser, sondern wird von vier 35 Meter langen Trageseilen unter der Eisenbahnbrücke über den Kanal gezogen, und zwar in ca. vier Metern Höhe. Sechs Autos und 60 Fußgänger passen da drauf, und ungefähr 90 Sekunden dauert die Überfahrt. Und das Ganze ist sogar kostenlos. In diesem Jahr im Dezember feiert die Schwebefähre übrigens ihren hundertjährigen Geburtstag. Das sage noch mal jemand, dass es damals keine Leute mit Ideen gab…







Ein Schild gibt übrigens Auskunft darüber, dass die Schwebefähre Teil einer „deutschen Fährstraße“ ist. Davon habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört. Aber vielleicht wäre das ja auch mal eine schöne Tour wert, je nachdem, wie weit die einzelnen Fähren so auseinander liegen. Da werde ich zu Hause gleich mal im Netz wegen weiteren Infos recherchieren.





Wir aber stehen jetzt nach dem Übersetzen auf einem kleinen Parkplatz, und meine beiden Begleiter lassen ihre Navi‘s glühen: Wir suchen eine schöne Route für unsere Weiterfahrt, und das Ergebnis ist dann doch überraschend: Das eine Navi schlägt eine Tour mit 56 KM Länge vor, das andere eine mit 106 KM. Gut, dass ich nicht auch so ein Gerät habe. Wer weiß, was dass dann errechnet hätte :-)





Wir haben Zeit, das Wetter ist Klasse, also entscheiden wir uns für den längeren Weg. Und werden nicht davon enttäuscht: Wir fahren auf kleinen und kleinsten Nebenstraßen, entlang von schmalen Bächen und durch schattige Alleen. Wie aus dem Nichts kommen wir dann plötzlich an einem kleinen Gewerbegebiet vorbei, mit Aldi, Lidl und Kik. Ich fühle mich nach Hause versetzt, aber es gibt wohl Dinge, die sind überall gleich. Wirklich störend sind zwischendurch immer nur einige Baustellen, sowie einzelne Autofahrer mit Kennzeichen aus NRW. Die schleichen so vor sich hin, und beanspruchen die ganze Breite der schmalen Straßen für sich, wollen sich partout nicht überholen lassen. Aber das Wetter ist zu gut, um sich von solchen Typen ärgern zu lassen, und so fahren wir munter weiter. Eine kurze Pause machen wir zwischendurch am Deich mit Blick auf die Husumer Bucht.







Dann geht es weiter direkt hinein nach Husum. Dort am Hafen gibt es Motorradparkplätze, die wir dankend nutzen. Bei strahlenden Sonnenschein gönnen wir uns ein Fischbrötchen, und werfen einige Blicke auf die vielen anderen Maschinen, die hier stehen. Wir machen noch ein paar Fotos vom Hafen, und setzen uns noch ein bischen in die Sonne, bevor wir schließlich weiterfahren.





Über Niebüll führt uns der Weg hinein nach Dänemark, vorbei an Tøndern auf die Insel Rømø. Die erreichen wir durch einen langen Deich. Schnurgeradeaus ist er, und es wäre sehr langweilig, hier zu fahren, wäre da nicht der starke Seitenwind, der permanent versucht, uns nach rechts zu drücken.





Da es mittlerweile schon recht spät geworden ist, fahren wir gleich durch in den Westen der Insel, um auf dem dortigen Campingplatz eine Hütte zu mieten. Dort ist aber alles ausgebucht (oder die wollen da keine Motorradfahrer), und so fahren wir in den Südteil von Rømø, um unser Glück auf dem dortigen Campingplatz zu versuchen. Und es klappt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man von „Glück“ reden kann bei der Bruchbude, die wir da bekommen haben. Noch nicht einmal der Strom funktioniert.





Und so laufe ich die rund 200 Meter zurück bis zur Rezeption, wo man mir verspricht, einen Elektriker zu schicken. Der kommt auch, kann aber das Problem nicht lösen. Also noch einmal bis zur Rezeption laufen, diesmal aber bereits mit einem leichten Grummeln im Bauch. Dort ist man allerdings schon per Handy von dem Techniker informiert worden. Ich bekomme den Schlüssel für die Nachbarhütte, die deutlich größer und komfortabler ist, ohne dass wir dafür einen Aufpreis zahlen müssen. Und dann drückt mir die Frau noch einen Korb mit Obst in die Hand, als Entschuldigung für unsere Unannehmlichkeiten. Sogar zwei kleine Flaschen Piccolo entdecke ich darin. Ein wenig unbeholfen nehme ich den Korb entgegen. Wir sind drei Männer auf Motorradtour, was sollen wir denn mit Sekt? Haben die keinen Sixpack Tuborg für uns??? ;-) Zurück an der Hütte bin ich dann aber recht erstaunt, das Markus sich über den Sekt freut: Diese „prickelnde Seite“ kannte ich an ihm noch gar nicht…

Das Tuborg haben wir uns dann im naheliegenden Supermarkt schließlich selbst besorgt, zusammen mit Pølsern, diesen Würstchen mit der unglaublich gesund aussehenden roten Haut. Aber die sind einfach nur lecker.

So findet ein abwechslungsreicher Tag für uns mit vollem Magen einen versöhnlichen Abschluss. Ich bin gespannt, wie es weitergeht…



Gefahrene Strecke: Neumünster -> Insel Rømø: 263 KM


Weblinks zum Tag:

JH Neumünster
Rendsburger Hochbrücke mit Schwebefähre
Deutsche Fährroute
Stadt Husum
Campingplatz Rømø
Tuborg Brauerei
Pølser






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