Dänemark/Südschweden


3. Tag: Sonntag, 02.06.13

Wie immer geht am Morgen der erste Blick nach draußen: Der Himmel ist blau, die Sonne ist auch schon da – sehr schön. Nicht, dass wir Schönwetterfahrer sind. Ich denke, diese Vermutung haben wir spätestens bei unserer Tour zum Nordkap wiederlegt (siehe Reisebericht "Skandinavien 2009"). Aber wenn es trocken ist und die Sonne scheint, macht das Motorradfahren einfach viel mehr Spaß. Wie viele andere Dinge ja auch.

Wir frühstücken, und dann machen Johannes und ich nochmal einen Abstecher zum Strand. Es ist ein schöner Anblick, der sich uns hier bietet. Und den möchten wir einfach noch einmal genießen. Außer uns ist keine Menschenseele zu sehen, und ich mache noch einige Fotos, bevor wir dann langsam zu unserer Hütte zurück gehen.





Wir verpacken und verzurren unser Gepäck, dann heißt es „aufsitzen“, und wir fahren weiter Richtung Norden. Weit kommen wir allerdings nicht, denn schon bald darauf stehen wir bereits in einem Örtchen namens Slettestrand. Die Straßenkarte hat uns einen Abzweig der Küste entlang angezeigt, den es in Wirklichkeit allerdings überhaupt nicht gibt. Aber wenn wir schon mal hier sind, können wir auch ein paar Fotos machen. Zum Beispiel von dem wirklich schönen Strand, oder von den Fischerbooten, die dort liegen, und natürlich auch von der überdimensionalen Krabbe aus Metall, die dort errichtet wurde.







Während wir anschließend unsere Fotoapparate wieder in den Tankrucksäcken verstauen, nähert sich eine dänische Familie. Sie ist auf dem Weg zum Strand, und die kleine, höchstens zwei Jahre alte Tochter zeigt deutliches Interesse an unseren Motorrädern. Die Mutter zögert einen Augenblick, und spricht dann Johannes an, ob ihre Tochter wohl mal auf seiner Maschine sitzen dürfe, die Kleine liebe Motorräder. Kein Problem für Johannes, und so sitzt das Mädchen auch schon auf der Sitzbank. Sie kann zwar kaum über den Tankrucksack hinweg gucken, freut sich aber sichtlich. Auch eine Art von Nachwuchsförderung.

Wir fahren weiter immer nahe der Küste entlang nach Norden. Das Wetter ist richtig gut, Sonne pur. Nur die Straßen sind weiterhin sehr langweilig. Immer geradeaus, ohne Abwechslung, so fahren wir stumpf dahin. Wo sind die Kurven zum schwindelig fahren?? Dafür sind wir wohl eindeutig in der falschen Region.

Gegen Mittag erreichen wir Løkken. Ich weiß nicht, wie oft ich hier schon gewesen bin. Als Kind war für meine Eltern ein Dänemarkurlaub das Größte. Und ich „durfte“ immer mit. Allerdings ist mein letzter Besuch schon etliche Jahre her (OK, ich gebe zu: es sind Jahrzehnte…), und es hat sich hier einiges verändert. Wir schlendern durch die Stadt, und ich erkenne nicht allzu viel wieder. Nur der Strand ist noch so, wie ich ihn in Erinnerung habe: Sehr breit, und am Rand stehen kleine, weiße Badehäuser. Die dänische Variante des Strandkorbes sozusagen. Auch ein paar Fischerboote liegen hier in der Nähe des langen Steges, der weit hinaus in die Nordsee führt.









Hier habe ich als Kind geangelt und gebadet. Meinen beiden Mitfahrer grinsen: „Das ist ja so was wie eine Revival-Tour für Dich“ meint Markus. Ja, ein wenig ist es das schon. Wir gehen zurück in den Ort, setzen uns draußen vor ein Lokal und essen eine Kleinigkeit. Danach noch ein Softeis auf die Hand, und dann verlassen wir den „Ort meiner Kindheit“ auch schon wieder … :-)

Die Richtung bleibt die gleiche, die Langeweile auf der Straße bleibt es auch. In Hirtshals machen wir den nächsten Stopp. Dieser Ort ist wohl den meisten Menschen ein Begriff, die Urlaub in Skandinavien machen wollen. Von hier fahren die Fähren ab in Richtung Norwegen, Island und den Färöer Inseln. Daher, sozusagen zum Fernweh schüren, hier ein kleiner Appetithappen:





Mehr als den Hafen sehen wir uns von Hirtshals allerdings nicht an. Stattdessen folgen wir weiter der Küstenstraße Richtung Norden, bis sie zu Ende ist, und es nicht mehr weiter geht: Wir sind in Grenen angelangt, dem nördlichsten Punkt Dänemarks.





Manche nennen es auch „das kleine Nordkap“. Aber wenn ich an die gewaltigen Felsen im Norden Norwegens denke, und gleichzeitig auf die langegestreckte, flache Sandlandschaft vor mir blicke, finde ich diesen Vergleich jedoch maßlos übertrieben. Immerhin: Nord- und Ostsee fließen hier ineinander, und dadurch hat auch dieser Ort seinen Reiz. Allerdings nicht für Johannes. Der bleibt lieber zurück in den Dünen, während Markus und ich uns tapfer auf dem Weg Richtung Wasser machen. Der Marsch dauert länger als gedacht. In der dicken Motorradkluft macht es auch nicht wirklich Spaß, in der prallen Sonne über den weichen Sand zu marschieren. Aber wenn wir schon mal hier sind… An der Spitze machen wir dann noch ein paar Fotos, bevor wir den Rückweg antreten.









Neben dem Parkplatz, wo wir unsere Maschinen abgestellt haben, gibt es auch einen kleinen Kiosk. Johannes sitzt da schon, und wartet auf uns. Und da uns gerade sowieso die Socken qualmen, legen auch Markus und ich eine kleine Erholungspause ein, und besprechen dabei unsere Weiterfahrt.





Und dabei kommt es auch zu einem kleinem Missverständnis: Wir fahren ja von nun an Richtung Süden, immer an der Ostseeküste entlang. Da es mittlerweile schon recht spät geworden ist, wollen wir recht bald einen Campingplatz ansteuern, es muss ja nicht gleich der erste sein. Und genau dieses „es muss ja nicht gleich der erste sein“ hat Johannes, der nun vorfährt, anscheinend falsch verstanden. Er rauscht an dem ersten Campingplatz vorbei, am zweiten, am dritten. Eine Jugendherberge lässt er ebenfalls links liegen, genau wie den Hafen- und Künstlerort Skagen oder die „tilsand kirke“, also die versandete Kirche, die durchaus sehenswert sein soll. Johannes fährt und fährt, und hätten Markus und ich nicht beim gefühlt hundertsten Campingplatz den Blinker gesetzt, wäre er wohl bis nach Hause durchgefahren :-) So aber landen wir schließlich auf dem Campingplatz Sulbæk, ein paar Kilometer südlich von Frederikshavn, der großen Hafenstadt an der Ostküste Dänemarks. Dort nehmen wir uns eine Hütte.





Noch während wir die Maschinen entladen, und unsere Sachen auspacken, hören wir eine laute Stimme: „Hallo, darf ich kurz stören? Ich wollte doch mal meine Landsleute begrüßen!“. Ein Mann, etwas älter als wir es sind, steht vor unserer Hütte, und stellt sich vor als jemand, der bei der Justiz tätig ist, und aus Lage in der Nähe von Detmold kommt. Aha, sehr interessant. Es folgt ein Monolog über diesen Campingplatz („einfach nur Klasse“), über das Motorradfahren („ich fahre auch“) und über die freundlichen Dänen im Allgemeinen („hier passiert nichts, hier ist alles sicher“). Gut, das wir nun Bescheid wissen.

Nachdem wir diesbezüglich auf dem laufenden sind, machen wir einen Abstecher zum Strand. Die Ostsee ist deutlich ruhiger als die Nordsee, und der Sandstreifen ist auch viel schmaler. Richtung Süden erkennen wir Sæby, den Ort, an dem wir als nächsten vorbei gefahren wären, hätten wir unseren Vorfahrer nicht ausgebremst :-)









Kurze Zeit später stehen Johannes und ich dann in dem kleinen Supermarkt, der zum Campingplatz gehört. Wir müssen noch etwas zu essen einkaufen, aber keiner hat mehr Lust, mit dem Motorrad in den nächsten Ort zu fahren. Also nutzen wir diese Einkaufsmöglichkeit. Pizza, Pølser und Tuborg landen in unserem Einkaufskorb. In der Zwischenzeit hat Markus in der Hütte den Fernseher in Beschlag genommen. Er findet mehrere deutsche Sender, nur das dänische Wetter, das findet er nicht. Dafür aber die Liveübertragung des Fußballländerspiels USA gegen Deutschland. Das allerdings verläuft anders als gedacht: Früh gehen die Amerikaner mit 1:0 in Führung, dann folgt das 2:0, sogar das 3:0 fällt noch vor der Halbzeitpause. Wir haben gar nicht so viel Tuborg, um all unseren Frust zu ertränken ;-)

In der Halbzeit schalten wir dann den Fernseher aus, und überlegen, wie wir weiter fahren wollen. Die Straßen in Dänemark gefallen uns überhaupt nicht. Es kann ja sein, das sie im Landesinneren besser sind, aber wer weiß das schon. Hier vom Campingplatz aus ist es nicht weit bis Frederikshavn, und von dort fahren Fähren hinüber nach Göteborg in Schweden. Ich rufe meine Tochter Nina an, damit sie im Internet nachsieht, wie der Fahrplan dieser Fähre für Morgen aussieht. Kurz darauf ruft Nina zurück: Um 10:00 Uhr fahrt eine Schnellfähre in zwei Stunden hinüber. Der Rest ist für uns Formsache: Wir beschließen, diese Fähre zu nehmen, und unsere Tour drüben in Schweden fortzusetzen. Alle drei haben wir sofort bessere Laune, leider aber kein Tuborg mehr, um darauf anzustoßen. Und der Supermarkt hier hat auch schon zu. Nun gut, dann holen wir das eben Morgen nach.

Und die deutschen Kicker? Die haben am Ende „nur“ mit 4:3 verloren…



Gefahrene Strecke: Hanstholm -> Sulbæk: 261 KM


Weblinks zum Tag:

Løkken
Hirtshals
Hirtshalshafen
Grenen
Skagen
Versandete Kirche
Campingplatz Sulbæk






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