Dänemark/Südschweden


4. Tag: Montag, 03.06.13

Es ist 9:15 Uhr und wir stehen in Frederikshavn am Schalter der Stena Linie, um uns Fahrkarten für die Überfahrt nach Schweden zu kaufen. Wir wollen mit der Stena Line Express fahren, genauer gesagt, mit der Stena Carisma. Diese Schnellfähre braucht statt der standartmäßigen drei Stunden gerade mal 120 Minuten hinüber nach Göteborg. Und das klappt auch problemlos. Ein wenig wundere ich mich allerdings, dass unsere Motorräder als Fahrräder gekennzeichnet werden. Beim Preis jedoch macht sich das nicht bemerkbar, da sind wir mit rund 45,- Euro pro Person dabei.





Während wir bei bestem Wetter warten, dass wir auf die Fähre dürfen, treffen immer mehr Fahrzeuge ein. Aus einem dieser Fahrzeuge, einem PKW mit Wohnwagen dahinter, steigt ein älterer Mann aus, und stellt sich zu uns. Anders als unser Besucher gestern hält er keinen Monolog, sondern fragt uns nach unserer Tour, und wohin wir noch so wollen. Und so entwickelt sich bald ein recht lebhaftes Gespräch zwischen ihm und uns. Schon seit 1960 fährt er jedes Jahr nach Norwegen zum Polarkreis. Zunächst noch mit seiner Frau, später dann, nachdem diese verstorben ist, fährt er allein. Mittlerweile hat er Freunde hier in Dänemark, die er auf seiner Tour besucht, und auch in Bergen an der Westküste Norwegens. Er erzählt Geschichten darüber, wie die E6 vor 50 Jahren ausgesehen hat, und wir erzählen ihm dafür von unseren Skandinavienerlebnissen. So vergeht die Zeit recht schnell, bis uns ein Mitarbeiter der Stena-Line zuwinkt, und wir auf das Schiff fahren können. Wobei ich mit „wir“ uns Motorradfahrer meine. Unser Gesprächspartner mit dem Wohnwagen steht immer noch in der Warteschlange, als wir drei bereits oben an Deck stehen, und unsere Blicke über Frederikshavn schweifen lassen. Kurz vor zehn Uhr werden die Schiffsmotoren angeworfen, und pünktlich legen wir ab. Und bis dahin hat es auch „unser“ Norwegenfahrer bis auf die Fähre geschafft. Kurz nachdem wir den Hafen verlassen haben, geht ein Ruck durch das Schiff: Jetzt wird der „Turbo“ gestartet, und wir sausen über das Meer. Nicht umsonst spart diese Schnellfähre ein Drittel der Zeit gegenüber der regulären Verbindung.





Fast auf die Minute genau um zwölf Uhr legen wir in Göteborg an. Vorher haben wir noch die Fahrt durch die Schären genossen, diese vielen vorgelagerten Felsen und Inselchen, die vor der schwedischen Küste liegen.





Das Schöne am Motorradfahren ist, dass man nicht nur als erster AUF das Schiff fahren darf, sondern auch wieder HINUNTER. So rollen wir mit einem lauten „Yippie“ die Rampe hinab auf schwedischen Boden, und fahren ohne weitere Kontrollen aus dem Hafengebiet hinaus in die Stadt. Eine kurze Orientierung, dann nehmen wir zielstrebig den Weg Richtung Osten aus Göteborg hinaus aus. Ein es dauert keine 45 Minuten, dann haben wir Göteborg verlassen, und rollen ganz allein über die Straßen. Sofort fühle ich mich wieder wohl. Es sind zwar keine Serpentinen, die uns hier geboten werden, aber das fahren macht deutlich mehr Spaß als in Dänemark. Auch die Aussichten rechts und links der Straße sind um einiges schöner. Und so trällere ich fröhlich ein Liedchen in meinen Helm. Hier kann mich ja keiner hören :-)





Der Weg führt uns jetzt über kleine Straßen Richtung Ostküste. Wie fahren durch Orte wie Lerum und Vänga, machen hin und wieder ein Pause, und lassen uns einfach treiben. Es ist wenig Verkehr auf der Straße, es gibt einige Kurven und ein paar Kuppen. Und immer wieder blitzt ein See zwischen den Bäumen hindurch, oder laden kleine Rastplätze am Straßenrand zur Pause ein.





So fahren wir einfach ohne festes Ziel dahin, bis wir am Nachmittag schließlich einen Ort namens Ulricehamn erreichen. Er liegt direkt am Nordufer des Sees Åsunden. Hier suchen und finden wir auch einen Campingplatz mit Hütten, und mieten uns dort ein.







Das Wetter ist warm und sonnig, und zu Fuß schlendern wir in den nahegelegenen Ort, um im dortigen Supermarkt unser Abendessen einzukaufen. Aber war das wohl keine so wirklich gute Idee, denn bis zum nächsten Geschäft ist es viel weiter als gedacht. Und so kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Außerdem müssen wir uns umstellen, was das Bier angeht: Wir sind nicht mehr in Dänemark, und so finden wir auch kein Tuborg, sondern müssen mit einer bekannten deutschen Biermarke vorlieb nehmen. Nun gut, es gibt schlimmeres…
Zurück in unserer Hütte kochen wir, und lassen uns dann das Essen schmecken. Markus wird allerdings immer ruhiger. Er fühlt sich nicht gut, und so gehen Johannes und ich nach dem Essen alleine zum dem See, an dem der Campingplatz liegt. Weit brauchen wir nicht zu laufen, und am Ufer stehend wird uns dann auch klar, wie groß der See ist. Zumindest für deutsche Verhältnisse, hier in Schweden ist er wohl nicht mehr als eine Pfütze. Wir laufen noch einige Zeit am Ufer entlang, und machen dabei jede Menge Fotos, bis wir uns schließlich auf den Rückweg machen.









Mittlerweile hat Markus ein wenig geschlafen, und fühlt sich auch um einiges besser. Gemeinsam werfen wir noch einen Blick auf die Karte. Morgen wollen wir weiter Richtung Osten fahren, die Insel Öland ist unser Ziel. Das werden wir morgen zwar nicht schaffen, aber das macht ja nichts. Dafür kommen wir auf unserem Weg auch an Jönköping vorbei. Das dortige Husqvarna Fabrikmuseum hatten wir 2009 besucht, und ich hatte mich seit dem des öfteren ein wenig geärgert, dass ich mir dort nicht irgendein Mitbringsel gekauft hatte. Das lässt sich nun ja nachholen.

Zufrieden, Dänemark den Rücken gekehrt zu haben, und nun durch Schweden zu brausen, schlafe ich an diesem Abend ein.

Es lebe die Flexibilität … :-)



Gefahrene Strecke: Sulbæk -> Ulricehamn: 163 KM


Weblinks zum Tag:

Stena Line
Göteborg
Ulricehamn
Campingplatz Ulricehamn






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