Dänemark/Südschweden


6. Tag: Mittwoch, 05.06.13

Um 4:00 Uhr bin ich hellwach. Ich drehe mich nach rechts, ich drehe mich nach links, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also stehe ich leise auf, ziehe Jogginghose, Pullover und Schuhe an, greife nach meiner Kamera, und gehe leise aus dem Haus. Es ist bereits hell, und Nebel liegt über den See. Ich gehe an seinem Ufer entlang, blicke fasziniert über das Wasser, und bleibe immer wieder stehen, um Fotos zu machen. Der See ist spielgelglatt, und zwischen den einzelnen Nebelschwaden reflektieren sich die Wolken. Eine halbe Stunde lang bin ich draußen, bevor ich wieder zurück zur Hütte gehe, und mich in mein Bett lege. Kaum habe ich meinen Kopf auf das Kissen gelegt, schlafe ich auch schon ein.











Es ist kurz nach sieben, als ich zum zweiten Mal an diesem Tag aufstehe, und hinunter zum See gehe. Die Wasseroberfläche ist immer noch glatt, aber der Nebel ist verschwunden. Stattdessen strahlt die Sonne vom fast ganz blauen Himmel. Ja, so kann ein Tag starten :-)











Da auch die Temperaturen bereits sehr angenehm sind, frühstücken wir draußen. Anschließend folgen dann die üblichen Morgenbeschäftigungen wie Sachen packen, Motorräder beladen, und Hütte räumen. Wir lassen uns Zeit, nur keine Hektik aufkommen lassen, schließlich haben wir Urlaub.

Es ist fast zehn Uhr, bis wir schließlich starten. Zuerst fahren wir in den kleinen Ort, um unsere Maschinen zu betanken, dann geht unsere Reise weiter Richtung Osten. Kalmar heißt unser nächstes Etappenziel, genauer gesagt das Kalmar Schloss. Nach rund einer halben Stunde Fahrt unterbrechen wir jedoch die Tour für einen kurzen Fotostopp. Am Straßenrand steht ein Haus, das zu verkaufen ist, und ich frage mich, wie lange wohl schon…





Gegen Mittag erreichen wir Kalmar, und fahren direkt durch bis zum Schloss, das sehr gut ausgeschildert ist. Wir parken fast direkt davor, und machen uns dann zu Fuß auf, die Anlage zu erkunden.





Allerdings nur von außen: Ein Besuch vom inneren des Schlosses kostet 120 Kronen. Und ehrlich gesagt gefällt mir vieles von außen schon nicht so wirklich. Die Wände sind teilweise mit bedruckter Folie verhangen, andere wurden direkt bemalt. Beides soll wohl die alten Mauerstrukturen nachzeichnen, sieht aber in meinen Augen wirklich nicht besonders gut aus.





Also begnüge ich mich damit, um die Anlage herum zu laufen, einige Außenfotos zu machen, und dabei ein wenig in dem kleinen Heftchen zu lesen, das ich an der Information mitgenommen habe. Darin steht ein wenig über die Geschichte des Schlosses.

Bereits im Jahre 1180 wurde an dieser Stelle ein Verteidigungsturm erreichtet. Erst Ende des 13. Jahrhunderts entstand dann hier eine Burganlage rund um diesen Turm. Das größte historische Ereignis war die Bildung der Kalmarer Union im Jahre 1397. Diese bestand aus den Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark, und sollte ein Gegengewicht zur deutschen Hanse darstellen. Der schwedische König Gustav Wasa löste diese Union aber 1523 wieder auf, und das Schloss verlor danach mehr und mehr seine Bedeutung. Als Verteidigungsanlage gegen Dänemark, dessen Grenze bis Mitte des 17. Jahrhundert südlich von Kalmar verlief, wurde es nicht mehr gebraucht, und so verkümmerte die Anlage im Laufe der Zeit ein wenig. Sie wurde in der Folgezeit als alles Mögliche genutzt, zum Beispiel als Getreidespeicher und als Gefängnis, sogar die königliche Schnapsbrennerei war hier eine Zeitlang untergebracht. In den 1850 Jahren schließlich begann man damit, das Schloss zu renovieren, eine Aufgabe, die bis in die Gegenwart andauert.









Heute ist das Schloss ein beliebter Ort für Ausstellungen, Messen, Theatervorstellungen und andere kulturelle Ereignisse. Auch geheiratet wird hier gerne. Und das die rund um die Anlage legenden Wiesen von den Bewohnern Kalmars gerne auch zum sonnenbaden genutzt wird, das können wir an den vielen Sonnenanbetern erkennen, die sich in Badehose und Bikini auf den Rasen verteilten. Aber das Wetter ist auch einfach zu schön, um irgendwo drinnen zu hocken.

Damit auch wir wieder ein wenig abkühlen, schwingen wir uns auf unsere Maschinen, und fahren aus der Stadt heraus über die Brücke, die den Kalmarsund überspannt, hinüber auf die Insel Öland. Seit 1973 verbindet diese Brücke die Insel mit dem Festland, vorher war hier ein reger Fährbetrieb.





Auf Öland nehmen wir den ersten Abzweig nach rechts, und stehen dann direkt vor dem Touristenbüro. Dort erhalten wir uns eine Karte von der Insel, sowie den Tipp, uns die Burganlage Eketorp sowie die Mühlen von Lerkaka anzusehen. Und so lenken wir die Motorräder Richtung Süden, der rekonstruierten Wallburg Eketorp entgegen. Am Besucherzentrum stellen wir unsere Maschinen ab, und gehen zu Fuß die letzten Meter zu der recht großen Burg.





Das erste, was mir auffällt, ist die imposante Mauer, die wie ein Ring um die Anlage liegt. Sie ist fünf Meter hoch und sechs Meter breit. Im Inneren dieses Mauerrings befinden sich mehrere Gebäude, darunter Wohn- und Vorratshäuser sowie Schmiede und ein Viehstall. Im Zentrum befindet sich ein Museum. Von 1964 bis 1976 wurde die Burg archäologisch untersucht, und Teile der dabei ausgegrabenen rund 26.000 Fundstücke werden hier ausgestellt. Das heutige Aussehen verdankt die Burg einem Projekt, das im Jahr 1978 begann. In den Sommermonaten ist die Anlage hier übrigens „bewohnt“. Viele freiwillige und ehrenamtliche Menschen ziehen sich historische Kleidung an, und leben dann, wie es zur Zeit des Mittelalters üblich war. Und der Tourist kann sogar mitmachen. Ob beim Bogenschießen, bei verschiedenen Handwerkstätigkeiten wie schmieden – aktives "Mit-Erleben" ist erlaubt und sogar ausdrücklich erwünscht. Eigentlich schade, das wir dafür noch zu früh hier sind, ich hätte gerne mal das eine oder andere ausprobiert.











Von Eketorp aus fahren wir wieder Richtung Norden bis zu den "Windmühlen von Lerkaka". Windmühlen an sich sind auf Öland nichts besonderes, immer wieder steht eine am Straßenrand. Geschätzte 300 bis 400 dieser Mühlen soll es heute hier noch geben. Ihren Höchststand hatte sie um 1850 herum, als es noch ca. 2.000 davon gab. Bei den fünf, die hier am Rande des Dorfes Lerkaka stehen, handelt es sich um Bockwindmühlen, dem ältesten Windmühlentyp in Europa. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes gelten diese fünf als die schönsten Mühlenreihen der Insel. Auch das Innere der Mühlen kann man sich ansehen. Eine einfache Zeichnung gibt einige Informationen über Aufbau und Funktion, allerdings nur auf Schwedisch.







Es ist spät geworden mittlerweile, fast halb sechs, und wir brauchen noch eine Unterkunft für die Nacht. In der Nähe der Brücke haben wir einen Campingplatz gesehen, und dorthin fahren wir jetzt. Eine freundliche Dame an der Rezeption bietet uns verschieden Hütten an, es ist anscheinend noch nicht viel los hier.





Nachdem wir uns dort häuslich eingerichtet haben, gehen wir in den nahegelegenen Ort Färjestaden, um etwas zu essen und zu trinken einzukaufen. Zurück am Campingplatz kochen wir, und nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang. Der Platz liegt direkt am Meer, und so machen wir wieder einige Landschaftsfotos.







Später am Abend geht die Sonne dann genau über die Brücke hinüber zum Festland unter. Ein schönes Bild, das einen wirklich interessanten Tag gebührend abschließt…








Gefahrene Strecke: Braås -> Färjestaden: 210 KM


Weblinks zum Tag:

Schloß Kalmar
Öland
Eketorp
Eketorp (schwedisch)
Windmühlen
Campingplatz Talludden






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