Dänemark/Südschweden


7. Tag: Donnerstag, 06.06.13

Heute ist es fast acht Uhr, als ich mich mit dem Fotoapparat auf dem Weg hinunter zum Meer mache. Außer mir ist noch niemand unterwegs. Na ja, das stimmt jetzt nicht so ganz: Einige Schwäne schwimmen auf dem Wasser, ignorieren mich aber komplett. Dafür geben Sie mit der Ölandbrücke im Hintergrund ein schönes Motiv für ein Foto. Genau wie die Palme, die einsam und verlassen in einem großen Blumentopf in der Nähe der Anlegestelle der Fähre über den Kalmarsund steht. Einige Bilder mache ich, dann laufe ich zurück zu unserer Hütte.









Duschen, Frühstücken, Sachen packen … OK, ich will hier niemanden langweilen, denn unsere allmorgendliche Routine kennt ihr ja mittlerweile schon zu Genüge. Gegen zehn Uhr starten also wir die Maschinen, verlassen den Campingplatz und über die Kalmarsundbrücke auch Öland. Hier kommen uns so einige Oldtimer entgegen, sowohl Autos als auch Motorräder. Mir fällt ein, dass einmal im Jahr eine Oldtimerrallye auf Öland stattfindet. Ob das heute ist? Immerhin ist heute auch Nationalfeiertag in Schweden. Viele Autos haben geflaggt und die gelben Kreuze auf blauem Grund wehen stolz im Wind. Auch der schwedische König Carl Gustaf soll manchmal bei dieser Wettfahrt mitmachen. Immerhin ist Öland ja Sommerresidenz der Königlichen Familie, und wenn er sowieso gerade hier ist…

In Kalmar machen wir einen kurzen Stopp am Geldautomat. Die Schwedenkronen sind fast alle, und Markus organisiert Nachschub. Dann nehmen wir die „25“ Richtung Westen, raus aus der Stadt. Diese „25“ ist recht langweilig, teilweise auch zweispurig, aber ich bin heute gut drauf: Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, ich habe die Sonnenbrille auf der Nase, und es ist einfach nur ein gutes feeling, bei so einem Wetter über die Straße zu cruisen. Trotzdem freue ich mich, als wir auf die „120“ wechseln. Die bietet, je mehr wir uns von der Küste entfernen, immer mehr Abwechslung. Sowohl was die Straße selbst angeht, als auch die Ausblicke rechts und links des Asphalts. In Urshult wechseln wir auf die „119“ Richtung Ryd. Auf ungefähr halber Strecke zwischen diesen beiden Orten entdecken wir auf der rechten Seite eine schöne Brücke.





Sie überspannt den Fluss Mörrum, und wir machen einen kurzen Fotostopp. Als ich dann direkt am Wasser stehe, kommen zwei Kanus angefahren. Ich höre, dass sich die Paddler auf Deutsch unterhalten. Sie halten kurz an, bevor sie sich daran machen, durch die enge Fahrt unter der Brücke weiter zu paddeln. „Soll ich anschieben?“ frage ich auf Deutsch. „Nein, Danke, geht schon“ bekomme ich zur Antwort, bevor sich der hintere der beiden Fahrer umdreht, und mich überrascht ansieht. „Ein deutscher! Hier, mitten in der Pampa!“ sagt er, und grinst dabei. Ich grinse zurück, und dann wünschen wir uns noch schnell gegenseitig einen guten Weg, bevor die Kanuten auch schon hinter der Brücke verschwinden.









Auch wir verschwinden von hier, schwingen uns auf die Maschinen, und fahren weiter. Allerdings nicht weit. In Ryd gönnen wir uns ein zweites Frühstück. Mittlerweile ist es schon so warm, das wir dankbar sind über den Schattenplatz, den wir hier gefunden haben. Lange bleiben wir allerdings nicht, denn wir wissen, dass wir bereits kurz hinter Ryd den nächsten Stopp machen wollen. Und richtig: Einige Kilometer, nachdem wir das Ortsausgangsschild hinter uns gelassen haben, weist uns auf der linken Seite ein Schild den Weg nach rechts auf einen kleinen Parkplatz.





Und wenn ihr dieses Schild seht, so solltet ihr dort auch unbedingt abfahren und einen Halt einlegen. Denn was es hier zu sehen gibt, zeigt gleich das nächste Schild.





Das ist doch nichts Besonderes, meint ihr? Dann schaut Euch das mal genauer an: Autos, Traktoren, Busse stehen hier Mitten im Wald, und werden mehr und mehr von der Natur überwuchert. Ein Privatmann hatte im Laufe vieler Jahre jede Menge Fahrzeugen gesammelt und hier abgestellt. Als er verstarb, gab es keine Verwandten, die sich um seine Hinterlassenschaften gekümmert haben. Also rostet und verfällt hier alles nach und nach, und die Natur holt sich ihren Lebensraum immer mehr zurück. Auch eine Werkstatt gibt es hier, allerdings werfe ich nur einen Blick hinein. Wirklich eintreten möchte ich da nicht, wer weiß, wann das alles hier zusammenfällt. Es ist wirklich ein skurriler Ort, und bestimmt ein Tummelplatz für den ambitionierten Fotografen mit viel Zeit.

Wenn bloß die vielen Mücken nicht wären …











Die vielen Mücken sind es auch, die uns schließlich vertreiben. Aber diesen „Skrotbilar“ werde ich wohl so schnell nicht vergessen...

Wir rollen weiter auf der gut zu fahrenden „119“ bis Lönsboda. Dort wechseln wir auf die „15“ bis Osby. Hier stoppen wir an einem Supermarkt. Währen Markus und Johannes durch die gut klimatisierten Gänge schlendern, stehe ich draußen auf dem Parkplatz bei unseren Maschinen und versuche, mich irgendwie in den Schatten zu drücken, was mitten auf einem Parkplatz nicht ganz so einfach ist. Nur der Schuppen, in dem die Einkaufswagen stehen, bietet ein wenig Sonnenschutz und zum Glück haben wir unsere Maschinen direkt daneben abgestellt. So lungere ich also dort herum und warte auf meinen beiden Partner. Zwischendurch spricht mich eine Schwedin auf Englisch an und erzählt mir etwas über die Überschwemmungen im Süden Deutschlands. Sie hat die Bilder im Fernsehen gesehen und berichtet mir ganz aufgeregt darüber, weil sie meint, ich hätte es noch nicht mitbekommen. So vergeht dann auch die Zeit recht schnell und als die Frau mit ihrem Volvo vom Parkplatz fährt, tauchen auch Johannes und Markus endlich , ähh, ich meine natürlich schon wieder auf. Als ich das Eis in ihrer Hand sehe, verkneife ich mir die Frage, was man so lange in einem Supermarkt machen kann, sondern freue mich über die willkommene Erfrischung.

Mittlerweile ist es so heiß, das wir es eigentlich nur mit ausreichenenden Fahrtwind aushalten können. Und so machen wir uns, sobald das Eis vertilgt ist, wieder auf den Weg. Heute sind auch viele schwedische Motorradfahren unterwegs. Sie grüßen alle, hier scheint es keine „Grüß-Muffel“ zu geben, wie ich es in Deutschland in der letzten Zeit immer mehr beobachte. Wir folgen zunächst weiter der „15“, später dann der „23“ bis Höör, wo wir auf die „13“ wechseln, und bis Röstanga fahren. Nachdem uns die dortige Jugendherberge zu teuer ist (400 schwedische Kronen pro Person im Mehrbettzimmer), mieten wir uns auf dem ebenfalls vorhandenen Campingplatz eine Hütte. Deren Preis konnten wir von 900 (das war wirklich zu viel) auf 700 schwedische Kronen herunterhandeln. Und das ist immer noch genug.





Immerhin haben wir an diesem Platz eine Premiere: Zum ersten Mal auf unseren Touren durch Skandinavien liegt eine Hütte nicht am Wasser. Es gibt tatsächlich weder das Meer noch einen See. Noch nicht einmal ein Fluss fließt hier. Dafür wurde ein richtig großes Schwimmbecken gebaut. Ohne See wird dann der Spaziergang, den wir nach dem Abendessen starten, eine ziemlich kurze Angelegenheit. Aber das macht nichts: Wir sitzen auf der Terrasse noch zusammen, und überlegen, wie und vor allem wo wir die restlichen Tage unserer Tour verbringen wollen. Morgen wollen wir von Helsingborg nach Dänemark übersetzen, und dann sehen wir weiter. Das ist das schöne, wenn nichts gebucht ist: Alles kann spontan entschieden werden.



Gefahrene Strecke: Färjestaden / Öland -> Röstanga: 283 KM


Weblinks zum Tag:

Kalmar
Autoschrottplatz
JH in Röstanga
Camping Röstanga






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