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Geschichten & Bilder von unterwegs     

Irland, mit dem Motorrad entlang der Westküste

Es gibt Momente im Leben, die zaubern einem ein Lächeln ins Gesicht.
Und dies war definitiv so ein Moment...

 Anreise 

Der Start

Gestern Morgen waren wir gestartet. Bei wechselhaftem Wetter sind wir mit unseren Maschinen nach Holland gefahren. Immer wieder gab es zwischendurch Regenschauer. In der Hafenstadt Ijmuiden angekommen, hatten wir uns in die lange Schlange der vor der Fähre wartenden Maschinen eingereiht. Einige der Motorradfahrer wollten auf die Isle of Man, alle anderen nach Schottland. Wir waren die einzigen, die es bis nach Irland zog.

Quer durch England

Die überfahrt nach Newcastle verlief problemlos, aber die Einreise nach England erwies sich als recht langwierig, da die Engländer eine äußerst penible Grenzkontrolle durchführten. Unserer Fahrt von der Ost- zur Westküste war dann geprägt von Autobahnfahrten und gut ausgebauten Landstraßen sowie einigen Regenschauern. Aber wir hatten keine Wahl: Die Fähre von Cairnryan nach Larne in Irland war gebucht und wir wollten sie nicht verpassen. Zum Abschied überprüften und durchsuchten die englischen Grenzbeamten meine Mitstreiter Johannes und Markus noch einmal ausgiebig. Keine Ahnung, was die bei den beiden finden wollten, auf jeden Fall sind sie nicht fündig geworden :-)

Am P&O Fährbüro im englischen Cairnryan
Warten auf die Fähre nach Irland:
Am P&O Fährbüro im englischen Cairnryan

Auf nach Irland

Endlich konnten wir mit der P&O Fähre hinüber nach Irland fahren. Unterwegs saßen wir an Deck und der Himmel klarte ein wenig auf. Und dann, als wir bei der Ankunft in Larne unten im Bauch des Schiffes auf unseren Maschinen saßen, und die Laderampe sich vor uns und einigen finnischen Motorradfahrern langsam nach unten senkte, da schien die Sonne mit Macht hier hinein auf das Fahrzeugdeck. Und als ich schließlich langsam von der Rampe des Schiffes hinab auf irischen Boden fuhr und dabei in die vom wolkenlosen blauen Himmel scheinenden Sonne blinzelte, da war mein Grinsen so breit, dass ich kaum das Visier meines aufgeklappten Helmes schließen konnte.

Auf dem Autodeck der Fähre
Die Sonne, ähh ich meine, die Klappe geht auf ...

Und mit diesem Lächeln im Gesicht beginnt nun auch die Geschichte dieser Irlandreise...



Failte go heirinn - Willkommen in Irland

Passkontrollen gibt es nicht, als wir langsam aus dem kleinen Hafen des irischen Städtchens Larne hinaus in den Ort fahren. Wir halten kurz am Straßenrand, um uns zu beratschlagen. Eigentlich wollten wir direkt nach Bushmills in die dortige Jugendherberge fahren. Dort haben wir uns bereits von Deutschland aus ein Zimmer reserviert. Aber das Wetter ist einfach zu gut, daher beschließen wir, noch zu den "Dark Hedges" zu fahren. Bei diesen "Dunklen Hecken" handelt es sich eigentlich nur um eine Straße, oder besser gesagt ein Stück einer Straße. Genau 101 Buchen sollen es sein, die da rechts und links an der Bregagh Road in der Nähe des Ortes Ballymoney am Wegesrand stehen, und die ein so ungewöhnliches Bild abgeben, dass sie schon als Drehort für eine Szene in der erfolgreichen Fantasyserie Games of Thrones hergehalten haben.

Die 'Dark Hedges'
"Dark Hedges" auf der Bregagh Road unweit des Örtchens Ballymoney

Die 'Dark Hedges'
Gut 100 Buchen stehen entlang dieser Straße

Rund 250 Jahre alt sind diese Buchen, und aus Sicherheitsgründen sollten schon einige Dutzend von ihnen gefällt werden. Aber die Iren wehrten sich vehement dagegen: Sie wollen ihre "Dark Hedges" behalten. Und bisher durften Sie das auch.

Richtig voll ist es hier: Autos fahren im Schritttempo, die Beifahrer(innen) filmen den ganzen Weg. Fotografen haben mitten auf der Straße ihr Stativ aufgebaut, um ein Foto zu machen. Andere stehen am Wegesrand und machen Bilder oder sehen sich das ganze Schauspiel einfach nur an. Es ist nicht leicht, ein Foto zu machen, auf dem nur die Straße zu sehen ist. Und so bleiben wir eine ganze Weile hier, bis wir endlich zufrieden mit unserer Fotoausbeute sind und uns auf dem Weg nach Bushmills machen.

Die 'Dark Hedges'
(Un) Bekannte Fahr-Objekte auf dem Weg nach Bushmills

Die Uhr zeigt fast halb neun, als wir schließlich an der Jugendherberge eintreffen. Das einchecken ist ein wenig problematisch, da zunächst niemand am Empfang ist. Lautes rufen und läuten mit der Glocke, die auf dem Empfangstresen steht, nutzen nichts. Fast eine Viertelstunde lang dauert es, bis endlich ein Mitarbeiter kommt. Er war im nahegelegenen Supermarkt einkaufen, hatte offensichtlich nicht mehr mit uns gerechnet. Dafür bekommen wir ein großes, geräumiges acht-Bett-Zimmer für uns allein. Unsere Maschinen können wir in dem Innenhof direkt am Haus abstellen, der nachts verschlossen wird. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gehen wir noch kurz in den Ort, decken uns im Supermarkt mit essbaren ein und nutzen dann die Selbstversorgerküche in der Herberge. Außer uns haben wir gerade mal vier andere Gäste gesehen. Wegen Überfüllung muss hier anscheinend nicht geschlossen werden.

Wir besprechen noch die Pläne für Morgen. Eine Unterkunft vorgebucht haben wir nicht, sondern wollen uns einfach treiben lassen. Und so ist es fast zwölf Uhr, als wir den Tag beschließen, und schlafen gehen.


 Tag 1 

Die Herberge befindet sich zwar an der Durchgangsstraße mitten in Bushmills, unser Zimmer liegt jedoch nach hinten hinaus, mit Blick auf einen kleinen Garten. So bekommen wir nichts von dem Straßenlärm mit. Daher habe ich in meiner ersten Nacht auf irischem Boden durchweg gut geschlafen. Schon recht früh sitzen wir bei unserem selbst zubereiteten Frühstück, dann packen wir unsere Sachen, und starten gegen halb neun in den Tag.

Jugendherberge in Bushmills
Der kleine Garten unserer Herberge

Jugendherberge in Bushmills
Die Motorräder haben wir in einem abgeschlossenen Innenhof geparkt

Der Giant's Causeway

Es sind nur ein paar Kilometer (oder hier in Nordirland Meilen) bis zum "Giant's Causeway", dem "Damm der Riesen". Dabei handelt es sich um rund 37.000 Basaltsäulen, die vier- bis achteckig hier an der Küste des County Antrims verstreut stehen. Manche sind bloß wenige Zentimeter hoch, andere dagegen mehrere Meter. Zusammen ergeben sie eine ziemlich bizarren Gesteinsformationen mit dem Namen "Giant's Causeway".

Fußweg zum Giant's Causeway
Fußweg zum Giant's Causeway

Basaltsäulen in unterschiedlichen Größen
Basaltsäulen in unterschiedlichen Größen

Die größten sind mehrere Meter hoch
Die größten sind mehrere Meter hoch

Es gibt Menschen, Wissenschaftler genannt, die behaupten, dieses Naturdenkmal wäre durch eine vulkanische Eruption der Erdkruste entstanden. Dabei wurde eine große Menge flüssiger Lava an die Oberfläche geschleudert, die auskühlte und dabei diese Landschaft hinterließ... blah blah blah ... und so weiter ... und so weiter ...

Das ist natürlich totaler Quatsch!

Die Iren hier aus der Gegend wissen, dass dieses Naturschauspiel bei der überstürzten Flucht des Riesen Fionn Gall nach Schottland entstanden ist. Und darum will ich Euch hier nun die wahre Geschichte erzählen:

  Der Riese Fionn Gall war von Schottland hier an die Küste Antrim's gekommen, um den einheimischen Riesen Finn MacCumhaill herauszufordern. Der verkroch sich jedoch in einer Kinderwiege und harrte ängstlich der Ankunft Fionn Galls. Als dieser erschien, erklärte ihm MacCumhaills Frau Una scheinheilig, ihr Mann sei nicht zu Hause - nur sein kleiner Sohn liege dort in der Wiege. Una fragte Fionn Gall, ob er vielleicht warten und etwas essen wolle. Der schottische Gigant nahm einen Pfannkuchen und biss sich auf der Stelle zwei Zähne aus, weil Una ein paar Backbleche in den Pfannkuchen eingebacken hatte. Sie fragte ihren Gast, ob er sich nicht zu viel zugemutet habe, gegen Finn anzutreten, wenn er nicht mal die Pfannkuchen vertrage, die Finns Sohn regelmäßig esse. Mit diesen Worten reichte sie einen Pfannkuchen in die Wiege - natürlich ohne Backbleche. Aber er könne doch wenigstens Saft aus einem Stein pressen, meinte Una zu Fionn Gall. Er konnte es nicht, dafür aber Finns Sohn, der allerdings einen frischen Cheddar-Käse verwendete. Als Fionn Gall das sah, ergriff er überstürzt die Flucht und brachte dabei die Küstenlandschaft durcheinander. So entstand der Giant's Causeway.

 


Und um auch den restlichen Zweifel auszuräumen, befindet sich der letzte Beweis für die Richtigkeit dieser Geschichte übrigens in Schottland, der Heimat des geflüchteten Fionn Gall. Dort, wo er die Schottische Küste erreichte, findet sich ebenfalls so ein Gestein, wie hier im irischen Antrim.

Basaltstrand am Giant's Causeway
Der "Basaltstrand" ist ein beliebtes Fotomotiv

Obwohl es gerade mal neun Uhr morgens ist, sind bereits sehr viele Menschen hier. Es ist kaum möglich, ein Foto von der Küste zu machen, ohne das andere Touristen darauf zu sehen sind. Ein Grund dafür mag auch das richtig gute Wetter sein: Der Himmel ist strahlend blau, und die Temperaturen bringen uns in unserer Motorradbekleidung bereits mächtig ins Schwitzen.

Bushmills Whiskey-Destillery

Wir fahren wieder zurück nach Bushmills. Schließlich soll die örtliche und auch ziemlich bekannte Whiskey-Destillery die älteste der Welt sein. Die öffnet allerdings erst um zehn Uhr, daher haben wir zunächst den Abstecher zur Küste gemacht. Nun stehen wir auf dem Parkplatz der Brennerei, haben die Maschinen im Schatten eines großen Baumes abgestellt, und gehen hinüber zu den Gebäuden.

Die 'Old Bushmills Destillery'
Die "Old Bushmills Destillery"

Die 'Old Bushmills Destillery'
Ob die wohl alle voll sind?

Eine Führung, geschweige denn eine Verköstigung, wollen wir nicht machen. Nur einmal einen Blick auf die Anlage werfen und, natürlich, dem Whiskeyshop einen Besuch abstatten. Die Iren schreiben übrigens Whiskey mit "e", die Schotten Whisky ohne "e". Das ist allerdings nicht der einzige Unterschied. In Schottland wird das "Wasser des Lebens" zweimal gebrannt, in Irland sogar dreimal. Und während es in Schottland noch mehr als einhundert produzierende Destillieren gibt, sind es in Irland noch gerade mal drei. Und vor einer dieser dreien, Bushmills eben, stehen wir nun. Die Anlage macht von außen auf mich einen etwas vernachlässigten Eindruck. Nicht schmutzig oder kaputt, eher so wie ein ehemaliges Lieblingsspielzeug, dass schon seit Monaten unbeachtet in der Ecke liegt. Wirklich enttäuscht bin ich dann von dem Shop. Der ist einfach nur klein und mickrig. Wenn ich da an die schottischen Destillieren denke, da könnten die Leute von Bushmills so einiges lernen.

Recht schnell sind wir da wieder raus, schwingen uns auf unsere Maschinen und verlassen nun endgültig die Stadt Richtung Westen.

Dunluce Castle

Weit kommen wir allerdings nicht, denn schon nach wenigen Meilen legen wir den nächsten, nicht unbedingt eingeplanten Stopp ein. Wir hatten zwar gehört, dass die Ruinen von Dunluce Castle einen Besuch wert sein sollen. Aber als wir auf der Fahrt entlang der Küste um eine Ecke biegen, und plötzlich diese Anlage auf einem Basaltfelsen thronen sehen, da können wir uns der Faszination, die von ihr ausgeht, kaum entziehen. Also rauf auf den Parkplatz, und näher ansehen.

Die Ruine von Dunluce Castle
Sehenswert: Dunluce Castle

Der Begriff "Dunluce Castle" bedeutet übersetzt so viel wie "starke Festung", und genau diesen Eindruck macht dieses Gebäude auf mich, auch wenn es sich mittlerweile nur noch um Ruinen handelt. Wie um fast alles in Irland ranken sich auch um diese Festung unzählige Sagen und Legenden. Wechselnde Besitzverhältnisse, ein auf Grund gelaufenes Schatzschiff der Spanischen Armada, eine neu angebaute Küche, die mitsamt Personal ins Meer abgerutscht ist - alles Geschichte, wie die Iren sie mögen. Endgültig aufgegeben wurde das Schloss in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Lage auf dem Felsen, wodurch der Zugang nur über eine schmale Brücke möglich ist, erschwert zwar einerseits die Eroberung. Andererseits war und ist die Burg dort den Elementen recht schutzlos ausgeliefert. Selbst an einem sonnigen und recht warmen Tag wie heute ist es sehr windig. Wie ungemütlich mag es hier wohl erst im Winter sein - ohne Zentralheizung und fließend warmen Wasser?

Nachdem die Burg aufgegeben wurde, verfiel sie langsam vor sich hin, aber der richtige Verfall begann erst im letzten Jahrhundert, nachdem bei einem Sturm das Dach abgedeckt wurde. Heute ist Dunluce Castle eine der größten Ruinen einer mittelalterlichen Burg in Irland. Und, wenn ich mich so umsehe, immer noch ein Anziehungspunkt für Touristen wie mich :o)

Die Ruine von Dunluce Castle
Selbst die mächtigen Mauern konnten Wind und Wetter nicht trotzen

Nach diesem kleinen Ausflug in die Geschichte lenken wir unsere Maschinen an der Küste entlang weiter Richtung Westen. "Mussenden Temple", ein Gebäude, dass der Bischof von Derry Ende des 18. Jahrhunderts hier hat errichten lassen, und das ihm u.a. als Bibliothek diente, nehmen wir quasi nur aus dem Augenwinkel wahr. Es ist mehr ein Turm als ein Tempel, und mir persönlich erscheint der dazugehörige Garten wesentlich repräsentativer zu sein. Aber so genau möchte ich da nicht urteilen, denn mehr als einen Mini-Stopp vor dem Parkeingang machen wir nicht.

Stattdessen fahren wir weiter auf der Küstenstraße, die allerdings nichts Spektakuläres oder gar Einzigartiges bietet. Aber sie bringt uns bis in das Städtchen Magilligan. Von dort fährt eine Fähre über die "Lough Foyle" genannte Bucht hinüber nach Greencastle, einem kleinen Ort in der Nähe von Moville. Und damit verbunden ist auch ein Wechsel des Landes, nämlich von Nordirland in die Republik Irland. Und das bedeutet für uns Urlauber in erster Linie wieder "Kilometer statt Meilen" und "Euro statt Pfund".

Auf der Fähre von Magilligan nach Greencastle
Auf der Fähre von Magilligan nach Greencastle, und somit von Nordirland in die Republik Irland

Nun fahren wir also durch die Republik Irland, genauer gesagt durch das County Donegal. Diese Bezeichnung kommt aus dem gälischen (Dun na nGall), und bedeutet "Festung der Fremden". Mit den Fremden waren die Wikinger gemeint, die ungefähr ab dem Jahr 800 hier auftauchten. Wir sind hier zwar auch Fremde, aber das man nach uns gleich ein ganzes County, also eine Grafschaft, benennt, ist doch eher unwahrscheinlich. Aber darum sind wir ja auch nicht hier. Wir fahren weiter, und die Straßen werden dabei immer kleiner und schmaler, bis es irgendwann sehr eng wird, wenn uns auch nur ein Auto entgegen kommt.

Kleine Strassen in Irland
Unterwegs auf kleinen Strassen

So erreichen wir schließlich "Malin Head", den nördlichsten Punkt auf dem irischen Festland.

Malin Head

Als erstes fällt mir auf, wie voll es hier ist. Wieder einmal zeigen sich die Vorteile einer Reise mit dem Motorrad, denn einen Parkplatz findet man damit immer und überall. So fahren wir bis nach ganz oben, bis es nicht mehr weiter geht. Allerdings ist die Aussicht hier nichts Besonderes. Keine spektakulären Klippen, keine bizarren Felsformationen - einfach nur Wasser, auf das wir hier von einer Anhöhe hinabschauen.

Am Malin Head
Die Aussicht am Malin Head, dem nördlichsten Punkt des irischen Festlands

Ein wenig enttäuscht bin ich ehrlich gesagt schon. Gegen diese Enttäuschung hilft ein Kakao oder ein Cappuccino. Beides, und noch ein wenig mehr, bekommt man hier an einem mobilen Verkaufsstand. Rick, der Inhaber (wenn ich den Namen richtig verstanden habe), fährt jeden Morgen mit seinem Wagen hier hinauf, und verkauft den Touristen neben heißen und kalten Getränken auch Kuchen und Süßigkeiten, sowie kleinere Andenken. Er hat nichts dagegen, dass ich ein Foto von ihm mache, vielleicht sieht er das ja als Werbung. Seinen Kakao kann ich jedenfalls uneingeschränkt empfehlen :o)

Am Malin Head
Erst einmal stärken ... :o)

Mit dem heißen Becher in der Hand sehe ich mich hier oben noch ein wenig um. Hier stehen auch die überreste eines Turmes. Ein paar Schautafeln informieren darüber, dass er ab Anfang des 19. Jahrhunderts bis in den Zeiten des zweiten Weltkrieges als Wach- und Aussichtsturm gedient hat. Außerdem fällt mir erst jetzt auf, dass etwas tiefer das Wort EIRE auf dem Boden geschrieben steht. Während des zweiten Weltkrieges wurde damit den gegnerischen Flugzeugen angezeigt, dass sie nun neutrales Gebiet überfliegen.

Am Malin Head
Eine von mehreren Infotafeln, die am Malin Head aufgestellt sind

Am Malin Head
Die Turmruine...

Am Malin Head
... und hier, in der oberen Bildmitte gerade noch zu erkennen, das Wort "EIRE"

Mittlerweile ist es Nachmittag geworden, und wir machen uns auf, verlassen "Malin Head" und damit den nördlichsten Punkt des irischen Festlandes. Ein paar Kilometer wollen wir noch fahren, und uns dann eine Unterkunft suchen. Die Straßen sind überwiegen immer noch recht schmal, aber zum Glück ist es hier nicht besonders voll. Je weiter südlich wir kommen, desto besser und breiter werden sie, allerdings nimmt auch die Zahl der Autos zu.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir schließlich Buncrana, die zweitgrößte Stadt der Grafschaft Donegal. Viel zu sehen gibt es hier nicht, und wir sind schon fast aus dem Ort wieder heraus, als wir ein "B&B"-Schild entdecken. Kurz zögern wir, entschließen uns dann aber doch, nachzufragen, ob dort noch Platz für drei Leute ist. Und tatsächlich: Alle Zimmer sind frei, und so beschließen wir, das wir für heute genug gefahren sind und quartieren uns dort ein. Praktisch ist auch, dass es genau gegenüber auf der anderen Straßenseite ein Pub gibt, dessen Speisenkarten wir für gut befunden haben. Und genau dort kehren wir auch ein, allerdings erst, nachdem wir die Maschinen entladen, die Zimmer bezogen, geduscht und saubere Sachen angezogen haben. Zwischendurch bemerken wir, das unser Vermieter aus dem Haus geht, und wenig später mit einer prall gefüllten Einkaufstasche wieder zurückkehrt. Da hat er wohl unser Frühstück für Morgen früh besorgt ...

B&B in Buncrana
Übernachtung in Buncrana

Das Essen in dem Pub ist gut, wir sind satt und zufrieden, und machen anschließend noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch den Ort. Viel los ist hier nicht, daher fällt die Runde recht klein aus. Zum Abschluss des Tages treffen wir auf dem Flur vor unseren Zimmern noch einmal unseren Vermieter. Der allerdings hat nicht so schöne Nachrichten für uns: Morgen soll es regnen. Da wollen wir doch mal sehen, ob er Recht behält.


 Tag 2 

Mit einen "Full irish breakfast" starten wir um 8:00 Uhr in den Tag. Naja, mit einem fast "full", denn auf die "Baked Beans" habe ich verzichtet. So liegen Spiegeleier, Speck, Würstchen, Tomaten, Pilze sowie Black and White Pudding nebst getoastetem Brot vor mir auf dem Teller. Ja, ich weiß, dass ist nicht jedermanns (und jederfraus) Geschmack. Und ehrlich gesagt, habe ich die Pilze dann doch liegen lassen. Wer weiß, wo unser Vermieter die her hat...

Besonders fit fühle ich mich sowieso nicht. Unsere Unterkunft liegt auch hier wieder direkt an der Hauptstraße. Durch das offene Fenster waren die Motorengeräusche des vorbeifahrenden Verkehrs diesmal aber leider recht gut zu hören, und sorgten bei mir für einen unruhigen Schlaf. Zum Glück haben wir heute Sonntag, und somit nicht ganz so viel Verkehr. Und auch das Wetter passt sich meiner müden Stimmung an: Der Himmel ist Wolkenverhangen, ganz in grau, und pünktlich, als wir gegen viertel nach neun starten, fängt es an zu regnen.
Na Klasse :-(

Trotzdem lassen wir uns nicht abschrecken, und nehmen wieder Kurs auf die Küste. Unser erstes Ziel ist "Horn Head", ein Tipp, dem ich aus einem Motorradforum im Internet bekommen habe. Dazu fahren wir auf der N56, noch nicht ahnen, dass diese für heute unsere ständige Begleiterin wird.

Unterwegs auf der N56
Unterwegs auf der N56

Am Horn Head

Wie gestern auf dem Weg nach Malin Head ist auch hier die Straße zunächst recht gut ausgebaut, und wird dann umso schmaler, je näher wir der Küste kommen. Diesmal allerdings wird sie auch steil und kurvig. Teilweise geht es recht heftig bergauf, mit unübersichtlichen, engen Kurven. Bei entgegenkommenden Fahrzeugen muss ich mich zwingen, dabei immer schön an den Linksverkehr zu denken! So "kämpfen" wir uns Meter für Meter weiter, bis wir schließlich Horn Head erreichen. Ein Schild gibt Auskunft, dass wir da sind, aber auch ohne diesen Hinweis hätte ich hier gehalten. Die Aussicht ist einfach schön, viel besser als gestern beim Malin Head.

Am Horn Head
Am Horn Head

Bis zu 180 Meter steigen die Klippen nahezu senkrecht aus dem Meer. Das hört sich nach nicht besonders viel an, ist aber verbunden mit dem Ausblick, der sich hier bietet, auf jeden Fall sehenswert. Daher hält uns auch der Regen nicht davon ab, hier ein paar Fotos zu machen.

Aussicht am Horn Head
Aussicht am Horn Head

Einen kleinen Parkplatz gibt es auch, und dort stehen außer uns nur zwei Autos. Aus einem der beiden steigt ein Mann, und kommt auf uns zu. Mit einem lauten "Hallo" begrüßt er uns. Er ist gemeinsam mit seiner Frau aus Deutschland hier herüber nach Dublin geflogen und hat sich einen Leihwagen gemietet. Nun erkunden die beiden Irland mit dem PKW. Kurz darauf gesellt sich auch seine Frau zu uns. "Schöne Grüße aus Recklinghausen" ruft sie uns zu. "Meine Schwester wohnt auch dort, und ich habe gerade mit ihr telefoniert". Dabei zeigt sie auf unsere Nummernschilder, die mit "RE" für Recklinghausen beginnen. Da sieht man mal wieder: Die Welt ist ein Dorf :o) Wir halten noch ein wenig Small talk, aber es ist zu nass und ungemütlich, um zwanglos zu plaudern. So verschwinden die beiden recht bald wieder in ihr Auto, und auch wir steigen auf unsere Maschinen, und fahren weiter. Schade, dass wir hier nicht ein so schönes Wetter wie gestern hatten. Dann wäre die Aussicht bestimmt noch um einiges besser. Aber auch so würde ich diesen Punkt "Horn Head" dem gestrigen "Malin Head" immer vorziehen.

Obwohl - gegen den heißen Kakao von Rick hätte ich gerade auch nichts einzuwenden...

Weiter geht es, an der Westküste entlang Richtung Süden. Der Regen hat mittlerweile aufgehört, und auch wenn die Sonne noch nicht durchgekommen ist, ziehen wir die Regenkombis aus. Ohne diese "Gummipelle" macht das fahren ja auch einfach viel mehr Spaß.

Wir folgen weiter der N56, deren graues Band sich an der Küste entlang schlängelt, und durchaus Fahrspaß für uns bereit hält. Immer wieder legen wir kleine Pausen ein. Dabei finde ich auch ein gutes Beispiel für die etwas unorthodoxe Festlegung der Höchstgeschwindigkeiten hier in Irland:

Strassenschild
Ich geb Gas, ich will Spaß...

Aber mit solchen "Kleinigkeiten" halten wir uns nicht lange auf. Zum Glück bleibt es trocken, und wir fahren weiter auf den schmalen Straßen, deren Mitte zumeist aus einem schmalen Band aus Gras und Unkraut besteht. Immer wieder sehen wir Verkehrsschilder, die anzeigen, das wir uns auf dem "WAW" befinden, dem "Wild Atlantic Way". Diese Tafeln mit dem weißen Zeichen auf blauem Grund findet man hier fast an jeder Kreuzung.

Logo des 'Wild Atlantic Way'
Logo des "Wild Atlantic Way"

Die Slieve League

Unser nächstes Ziel sind die Klippen von Slieve League. Diese Bezeichnung leitet sich aus dem irischen Sliabh Liag ab, was so viel wie "Steinberge" bedeutet. Ich bin gespannt, ob sie diesem Namen gerecht werden.

Aber zunächst einmal müssen wir dort hin kommen. Ausgeschildert ist hier nichts, und so finden wir den Weg zunächst nur dank des Navi vom Markus. Am Ortsrand des kleinen örtchens Teelin entdecken wir endlich Hinweisschilder, die uns den Abzweig zu den Slieve League zeigen. Von dort aus brauchen wir eigentlich nur der recht gut ausgebauten Straße folgen. Wobei "gut ausgebaut" nicht unbedingt auch "gut zu befahren" bedeutet. Im Gegenteil, der Weg führt recht steil und kurvig nach oben, teilweise ist es zwischen den Felsen sehr unübersichtlich. Das größte Problem sind hier allerdings die Schafe, die rechts und links am Wegesrand stehen, und bei denen wir nie wissen, ob sie nun ganz friedlich so da stehen bleiben, oder doch plötzlich auf die Straße springen, um die Seite zu wechseln.

Schafe rechts und links der Straße
Schafe rechts und links der Straße

So befinden wir uns quasi in Alarmbereitschaft und sind ständig bremsbereit. Trotzdem werfen wir unterwegs immer wieder einen Blick auf unsere Umgebung, die wirklich sehr schöne Aussichten und Ausblicke bietet.

Auf dem Weg zu den Slieve League
Auf dem Weg zu den Slieve League

Kurz darauf befindet sich auf der linken Seite ein Parkplatz, auf dem auch schon viele Autos stehen ("Carrigan Head"). Allerdings führt die Straße noch weiter hinauf, nur getrennt durch ein Metallgatter. Markus, der vorweg fährt, zögert nicht lange, sondert öffnet das Gatter, so das Johannes und ich hindurch fahren können. Dann kommt er selber hinterher und verschließt das Tor anschließend wieder sorgfältig. Ich kann jedem nur empfehlen, es genauso zu machen, und nicht am ersten Parkplatz stehen zu bleiben, um den Rest zu Fuß zu gehen. Denn die nächsten Meter haben es wieder in sich, insbesondere was die Steigung angeht. Durch die Absperrung sind hier zwar keine Schafe mehr, dafür aber all jene Menschen, die den Fehler gemacht haben, vor dem Gatter zu parken. Und manche von denen benehmen sich leider auch nicht anders als die wolligen Vierbeiner.

Schließlich erreichen wir einen weiteren Parkplatz, und ab hier geht es dann endgültig nur noch zu Fuß weiter. "Bunglass Point", wie das kleine und mit Geländern und Absperrungen recht gut abgesicherte Plateau hier genannt wird, befindet sich auf rund 300 Metern Höhe, und von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die steil ins Meer abfallenden Klippen.

An den Slieve League
An den Slieve League

Mit ihren 601 Metern Höhe sind sie die größten Klippen in Irland, und gehören mit zu den höchsten in ganz Europa. Nur die Klippen auf Achill Island und einige Klippenformationen in Skandinavien sind noch höher. Mehrere Wanderwege führen hier entlang. Ein "One Man's Pass" ist ausgeschildert, ebenso ein "Pilgrim's Pass". Wir aber wollen nicht wandern, sondern begnügen uns mit der Aussicht, die wir hier haben.

An den Slieve League
An den Slieve League

Auch hier steht ein mobiler Verpflegungswagen, und wir gönnen uns ein Eis. Dann machen wir einige Fotos. Besonders Johannes kann gar nicht genug Bilder von sich und seiner BMW vor dieser Kulisse bekommen :-) Bei klarem Himmel, den wir heute leider nicht haben, soll die Weitsicht hier spektakulär sein. Außerdem werden Bootstouren zum Fuß der Klippen angeboten, und ich nehme mir vor, dass ich, wenn ich noch einmal nach Irland komme, auch einen Tag für eine kombinierte Wander- und Schiffstour einplane.

Aber alles hat ein Ende, so auch unser heutige Aufenthalt hier oben. Wir steigen auf unsere Maschinen, rollen die Straße hinab, am "Carrigan Head" mit seinem Gatter vorbei, weiter bis zu unserer alten Bekannten, der N56. Ab hier fahren wir Richtung Donegal. Zum Glück ist es immer noch trocken, und wir rollen zufrieden dahin, bis wir die Stadt erreichen, die diesem County seinem Namen gegeben hat. Trotzdem ist Donegal weder die Hauptstadt dieser Grafschaft (das ist Lifford), und auch nicht die größte Stadt (Letterkenny). Uns ist das aber herzlich egal, als wir zunächst tanken, und dann im örtlichen Hostel nach einem Zimmer fragen. Obwohl das Haus laut "Andi", der hier alles managt, recht voll ist, bekommen wir ein sechs-Bett-Zimmer für uns. Markus "opfert" sich, fährt noch einmal in den Ort, und besorgt etwas zu essen und zu trinken. Dann nutzen wir die Selbstversorgerküche, kochen uns das Abendessen, und lassen dann beim gemütlichen beisammensitzen den Tag noch einmal Revue passieren.

Hostel in Donegal
Vor dem Hostel in Donegal

Kurze Zeit später sitze ich allein im Aufenthaltsraum. Markus und Johannes holen Karten und Navi, damit wir überlegen und planen können, wo wir Morgen langfahren wollen. Da spricht mich ein junger Mann an, und beginnt, mir seine Lebensgeschichte zu erzählen. Er kommt aus Frankfurt, hat sich hier ein Auto geliehen, und will nun Irland erkunden. Sein Redefluss ist kaum zu stoppen, selbst als zuerst Markus, später dann auch Johannes zurückkommen. Schließlich retten wir uns unter einen Vorwand nach draußen auf die überdachte Veranda. "Na, der sucht aber Anschluss" grinst Markus. Dann machen wir uns daran, den morgigen Tag zu planen.

Als ich zum Abschluss des Tages die Kilometerzahlen notiere, fällt mir auf, dass wir heute zwar 268 Km gefahren sind, es auf direktem Weg aber nur 70 gewesen wären.
Aber der wäre ja auch nicht so schön und interessant gewesen ...


 Tag 3 

Aus der Dusche kommt nur eiskaltes Wasser, unsere Frühstücksteller haben wir dreimal gespült, bevor wir sie benutzt haben (Ekelfaktor lässt grüßen), und dann fängt es auch noch an zu regnen. Ganz ehrlich, ich bin nicht traurig, als wir gegen 9:30 Uhr dem Hostel und auch Donegal dem Rücken zukehren. Andi's mürrischer Blick begleitet uns noch bis zum Ausgang, dann sitzen wir auf und machen, dass wir hier fort kommen. Zugegeben: Das Schloss hier in Donegal soll recht schön sein. Aber nach so einem Start in den Tag habe ich keine große Lust auf Besichtigungen.

Stattdessen fahren wir auf der N15 Richtung Süden. Es dauert zum Glück nicht lange, dann hört der Regen auf. Es ist zwar bewölkt und grau, aber wenigstens trocken. Und heute haben wir alle drei so richtig Lust aufs fahren. Es sind nur ganz kurze Pausen, die wir machen, während wir Richtung Süden fahren.

Unterwegs in Richtung Süden
Unterwegs in Richtung Süden

Vorbei an Ballyshannon und Sligo (der Hauptstadt der irischen Grafschaft Sligo), wo wir kurz danach auf die N59 abbiegen, eine kleine Straße, die Spaß macht. Gegen Mittag erreichen wir Ballina, und machen dort eine etwas längere Pause. Direkt am River Moy und vor der St. Muredach's Cathedral schlürfen wir unseren Tee, und naschen ein paar Kekse.

Pause in Ballina am River Moy
Pause in Ballina, direkt am River Moy

Die St. Muredach's Cathedral in Ballina
Die St. Muredach's Cathedral in Ballina

Anschließend folgen wir der R319 bis auf die Insel Achill Island. Eigentlich merken wir fast gar nicht, das wir auf einer Insel sind. Wir überqueren eine kleine Klappbrücke, und schon sind wir da. Und doch ist es mit 146 qkm die größte Insel Irlands.

Über die Brücke nach Achill Islands
Über die Brücke nach Achill Islands

Wir folgen weiter der R319, und erreichen schließlich einen Ort Namens Dooagh. Eigentlich könnte dieses Städtchen auch irgendwo in Norwegen liegen, zumindest sieht es vom Panorama her fast so aus. Als wir aber durch den Ort rollen, bemerken wir einen gravierenden Unterschied: Hier laufen jede Menge Schafe durch die Straßen. Mitten in einer Stadt habe ich so etwas auch noch nicht gesehen.

Dooagh auf Achill Islands
Die Ortschaft Dooagh auf Achill Islands

Wir fahren weiter, aus dem Ort heraus, bis zum Ende der Straße. Dort liegt "Keem Bay", eine sehr schöne kleine Bucht, links und rechts eingerahmt von Felsen. Hier machen wir eine Pause, naschen ein Eis, und sehen den wenigen mutigen zu, die sich in das Wasser wagen. Andere Motorradfahren sind hier nicht. Überhaupt sehen wir nur sehr wenige andere Biker. Vielleicht ist in den Sommermonaten Juli und August hier mehr los.

Blick auf Keem Bay
Blick auf Keem Bay

An der Keem Bay
An der Keem Bay

An der Keem Bay
An der Keem Bay

Wir fahren wieder zurück, folgen der R319 bis kurz hinter Dooagh. Dort biegen wir nach rechts ab auf den "Atlantic Drive", eine 19 km lange Küstenroute mit teilweise atemberaubenden Ausblicken und tollen Kurven. Einfach nur Klasse und absolut empfehlenswert!

Auf dem Atlantic Drive
Fahren auf dem Atlantic Drive

Auf dem Atlantic Drive
Fahren auf dem Atlantic Drive

Wir folgen einer Ministraße bis auf die Spitze des Minaun Berges, von wo aus wir trotz des nicht gerade schönen Wetters eine richtig gute Aussicht haben. Dann fahren wir weiter bis zu einer kleinen Bucht bei Camport Bay. Hier spüren wir hautnah den wilden Atlantik, der seine Wellen immer wieder mit Macht an die Küste wirft. Der Anblick ist einfach Klasse, und wir können uns kaum davon losreißen.

Anfahrt auf den Minaun Mountain
Anfahrt auf den Minaun Mountain

Anfahrt auf den Minaun Mountain
Anfahrt auf den Minaun Mountain

Blick vom Minaun Mountain auf Achill Island
Blick vom Minaun Mountain auf Achill Island

Brandung am Atlantic Drive
Brandung am Atlantic Drive


Brandung am Atlantic Drive
Brandung am Atlantic Drive

Es ist schon früh am Abend, als wir Achill Island schließlich wieder über die kleine Klappbrücke verlassen. Die Insel hat mächtig Eindruck bei mir hinterlassen. Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal hier her zu kommen. Zu Hause habe ich auch eine sehr schöne private Seite auf deutsch gefunden:

www.goachill.com

Bei Interesse einfach mal klicken.

Wir fahren weiter auf unserer alten Bekannten, der N59, und erreichen via Mulrany und Newport schließlich Westport. In dem dortigen Hostel "The Old Mill Hostel" quartieren wir uns ein. Es ist in einer ehemaligen Mühle untergebracht, und richtig urig. Wir nehmen uns ein 4-Bett-Zimmer, und der Weg dorthin ist sehr verwinkelt, führt über Holz- und Metalltreppen nach oben. WC und Dusche befinden sich zwar eine Etage tiefer, dafür gibt es aber eine richtig große Küche mit Einbaumöbel, inklusive Spülmaschine(!).

The Old Mill Hostel in Westport
Eingang zum The Old Mill Hostel in Westport

Das Hostel befindet sich mitten im Ortskern von Westport, und ist somit ein idealer Ausgangspunkt für einen abendlichen Spaziergang. Knapp 5.200 Einwohner zählt der Ort, und der Fluss Carrowbeg River fließt durch die Innenstadt. Wir werfen einen Blick in die St. Mary's Catholic Church, und schlendern auch kurz durch die Fußgängerzone.

Spaziergang durch Westport
Spaziergang durch Westport

Spaziergang durch Westport
Spaziergang durch Westport

St. Mary's Catholic Church in Westport
In der St. Mary's Catholic Church, Westport

St. Mary's Catholic Church in Westport
In der St. Mary's Catholic Church, Westport

Es ist wirklich nett hier, trotzdem sind wir froh, als wir später in den Betten liegen. Gleichzeitig freuen wir uns auf Morgen: Das Wetter soll besser werden, sogar die Sonne soll sich sehen lassen. Wir sind gespannt...


 Tag 4 

Ja, so eine Spülmaschine ist schon praktisch. Wenn man weiß, dass man anschließend nicht von Hand spülen muss, macht das frühstücken gleich doppelt Spaß ... :-)

Trotzdem trödeln wir nicht herum, sondern sind gegen 9:30 Uhr wieder "on the road". Den irischen Segen, der neben unserer Zimmertür hängt, nehmen wir in Gedanken dabei gerne mit auf unserem Weg.

Irischen Segenswünsche
Irischen Segenswünsche

Wir folgen der A59, und das macht mal wieder richtig Spaß. Nicht nur, weil sich mehr und mehr die Sonne durchsetzt und die Wolken vom Himmel vertreibt. Auch Straße und Landschaft sind einfach nur schön. Der schnelle Wechsel zwischen Wald und Flur, dazu das Spiel der Wolken... all das zaubert interessante Kontraste vor uns auf die Straße: Licht und Schatten, Hell und Dunkel; Bunt und Schwarz/Weiß. Wir lassen uns treiben, machen immer wieder Fotostopps, und genießen einfach den Tag.

Unterwegs in Richtung Süden
Unterwegs in Richtung Süden

Unterwegs in Richtung Süden
Unterwegs in Richtung Süden

Unterwegs in Richtung Süden
Unterwegs in Richtung Süden

Clifden und die "Sky-Route"

Gegen Mittag erreichen wir Clifden. Das ist ein recht beliebter Touristenort mit rund 2.600 Einwohnern, unweit der Küste gelegen. Um diese Jahreszeit ist allerdings noch nicht so viel los hier, wie wir bei einem Bummel durch die Stadt feststellen. Viele Geschäfte gibt es hier, dazu Bars, Restaurants und Cafes. Und Eisdielen. So eine steuern wir nämlich an und gönnen uns die eine oder andere Kugel. Genau das richtige bei dem mittlerweile sonnigen und warmen Wetter.
Ja, hier lässt es sich aushalten.

Ein Spaziergang durch Clifden
Ein Spaziergang durch Clifden

Ein Spaziergang durch Clifden
Ein Spaziergang durch Clifden

Wegweiser in Clifden
Wegweiser in Clifden

Aber wir wollen ja hier keine Wurzeln schlagen. Also steigen wir auf unsere Maschinen, und suchen uns einen Weg hinaus aus der Stadt, und fahren auf die "Sky-Route". Das ist eine 15 Kilometer lange Straße, die an mehreren Buchten vorbei an der Atlantikküste entlang führt. Sie startet hier in Clifden, und schon nach wenigen Metern wissen wir, woher der Name "Sky-Route" kommt: Die Steigerungen der Straße sind teilweise enorm. Dazu kommt die felsige und zerklüftete Küste, die gemeinsam mit der umliegenden Landschaft ein "himmlisches" Bild abgibt. Immer wieder sind unterwegs kleinere Parkplätze angelegt, die wir auch gerne nutzen, und die Aussicht genießen.

Auf der Sky-Route rund um Clifden
Auf der Sky-Route rund um Clifden

Auf der Sky-Route rund um Clifden
Auf der Sky-Route rund um Clifden

Auf der Sky-Route rund um Clifden
Auf der Sky-Route rund um Clifden

In den Sommermonaten soll hier ein starker Urlauberverkehr herrschen. Jetzt, Anfang Juni, ist es aber recht leer hier, so dass wir die Straße fast für uns allein haben.

Aber auch die schönsten 15 Kilometer sind irgendwann einmal zu Ende. Apropos: Am Ende führte die Sky-Route dann fast nur noch durch das Landesinnere, und ist dort nicht mehr ganz so spannend wie zu Beginn. Trotzdem kann ich wirklich nur empfehlen, sie zu fahren.

Am Ende der Sky-Route
Am Ende der Sky-Route

Doolin und die "Cliffs of Moher"

Wir fahren auch, nämlich weiter Richtung Süden, immer an der Küste entlang. über Roundstone kommen wir nach Galway. Dort haben wir wohl einen Abzweig verpasst, denn plötzlich sind wir mitten im Ort, und quälen uns durch den dichten Stadtverkehr. Schön ist was anderes. Daher machen wir am Hafen eine kleine Pause, bestehend aus Tee, Müsliriegel und fotografieren :-)

Pause im Hafen von Galway
Pause im Hafen von Galway

Pause im Hafen von Galway
Pause im Hafen von Galway

Dermaßen gestärkt und versorgt fahren wir weiter, hinaus aus Galway und biegen kurz darauf ab auf die 67. Hier fahren wir nun über Kinvara bis Doolin. Mit etwas Geduld finden wir dort auch ein Hostel, das "Flanagan's Village Hostel", um genau zu sein. Das wird geleitet durch Gerald, mit dem wir uns später noch etwas ausführlicher unterhalten werden.

Flanagan's Village Hostel in Doolin
Flanagan's Village Hostel in Doolin, hier übernachten wir heute

Zunächst aber bringen wir nur das Gepäck auf unser Zimmer, und machen uns dann auf zu den in der Nähe gelegenen Cliffs of Moher. Diese Klippen sind die bekanntesten in Irland und erstrecken sich über ungefähr acht Kilometer hier an der Küste entlang. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke wurde ein Besucherzentrum eingerichtet, auf dessen kostenpflichtigen Parkplatz wir unsere Maschinen abstellen. Oder, um genau zu sein, abstellen müssen. Eine andere Möglichkeit zum parken gibt es hier nämlich nicht. Das Zentrum befindet sich dann auf der anderen Straßenseite. Wir halten uns dort aber nicht lange auf. Mehrere Bauarbeiter sind mit schwerem Gerät dabei, einen Teil des Zentrums umzugestalten, was mit erheblichen Lärm verbunden ist. Und vor dieser Geräuschkulisse macht eine Besichtigung einfach keinen Spaß.

Vom Besucherzentrum aus führt ein ungefähr 200 Meter langer Besucherweg bis zum O'Brien's Tower, einem 1835 erbauten Wachturm. Entlang des Weges wurden bis zu 1,40 Meter hohe Steinplatten aufgestellt. Dadurch ist leider die Sicht auf die Klippen eingeschränkt, die hier nahezu senkrecht aus dem Wasser ragen, und deren Höhe zwischen 120 und 214 Meter beträgt. Dafür können die Besucher nun aber auch nicht mehr direkt bis an das Kliff herantreten, was in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen geführt hatte.

Die Cliffs of Moher
An den Cliffs of Moher

Die Cliffs of Moher
Der O'Brien's Tower an den Cliffs of Moher

Obwohl die Cliffs of Moher eine der bekanntesten Touristenattraktionen in Irland sind, gefällt es mir hier nicht so wirklich gut. Zu schlecht ist die Sicht auf die Klippen, und selbst jetzt, außerhalb der Saison und am frühen Abend, ist es ist sehr voll. Auch die Tatsache, dass dies ein beliebter Drehort für Filme ist, ändert nichts an meiner Meinung. So entstanden hier unter anderem Szenen für Harry Potter und der Halbblutprinz. Was mich viel mehr fasziniert sind die vielen Vögel, die die Klippen als Brutstätte nutzen. So sehen wir unter anderem die bunten Papageitaucher, aber auch Möwen, Falken und viele andere Vogelarten.

An den Cliffs of Moher
An den Cliffs of Moher

An den Cliffs of Moher
An den Cliffs of Moher

Wir haben genug gesehen, außerdem ziehen sehr dunkle Wolken auf, und kündigen Regen an. Wir fahren zurück zum Hostel, und kümmern uns in der Selbstversorgerküche um unser Abendessen. Gerald, der Besitzer des Hostels kommt hinzu, und erzählt uns ein wenig über den Ort Doolin. So gibt es hier drei Pubs, in denen fast täglich live die traditionelle irischer Musik gespielt wird. Allgemein ist Doolin recht bekannt für gute Folk-Festivals. So erzählt Gerald uns von einem Festival mit knapp 60.000 Besuchern, das hier auf den umliegenden Wiesen stattgefunden hat. Mit dabei waren so bekannte Musiker wie Sting, Emmylou Harris und viele andere. Gerald erinnert sich, dass er noch monatelang den Müll aus den Wiesen geholt hat.

Irgendwann machen wir Schluss für heute. Zum Abend hin hatte die Bewölkung zugenommen und später gab es auch etwas Regen. Aber zum Abschluss des Tages bietet uns der Himmel dann ein farbenprächtiges Schauspiel.

Abendstimmung in Doolin
Abendstimmung in Doolin

Abendstimmung in Doolin
Abendstimmung in Doolin

 Tag 5 

Beim Frühstück lernen wir ein Paar aus Deutschland kennen. Die beiden waren schön des öfteren hier bei Gerald, haben unter anderem auch ihre Hochzeitsreise hier verbracht. Spät gestern Abend ist auch noch eine Jugendgruppe aus Norwegen mit ihren Betreuern hier angekommen, und auch die scheinen nicht das erste Mal hier zu sein. Zumindest begrüßen sie Gerald wie einen alten Bekannten, und sind recht schnell in einem lautstarken Gespräch vertieft.

Wir bringen das übliche morgendliche Prozedere hinter uns, bevor wir uns auf die Maschinen setzen und starten. Gemächlich fahren wir auf der N67, und machen eine erste Pause in einem Ort Namens Kilkee. Dort halten wir an einer sehr schönen Bucht mit herrlichem Sandstrand. Im Reiseführer lese ich, dass diese Bucht Horseshoe Bay, also "Hufeisenbucht" genannt wird. Ein treffender Name, wie ich finde. Landschaftlich erinnert mich die Aussicht hier übrigens ein wenig an Cornwall. Dort habe ich ähnlich schöne Strände gesehen.

Horseshoe Bay in Kilkee
Horseshoe Bay in Kilkee

Horseshoe Bay in Kilkee
Dreimal lächeln bitte: (von rechts) Johannes, Markus und ich :o)

Horseshoe Bay in Kilkee
Schöner Vordergrund vor fast so schönem Hintergrund :o)

Eine Tasse Tee und einige Fotos später fahren wir weiter, allerdings nicht lange: Rund dreißig Kilometer sind es von Kilkee aus zur Spitze der kleinen Halbinsel und zum dortigen Leuchtturm, dem Loop Head. Dafür fahren wir auf der 487, die immer an der felsigen Klippe entlang führt. Der Leuchtturm, 1854 erbaut und 23 Meter hoch, steht am Ende der Straße und kann besichtigt werden. Kurz überlegen wir, ob wir uns das ansehen wollen, entscheiden uns aber dagegen.

Am Leuchtturm Loop Head
Am Leuchtturm Loop Head

Am Leuchtturm Loop Head
Am Leuchtturm Loop Head

Stattdessen gehen wir zum Rand der Klippen, an denen der Leuchtturm steht, den Cliffs of Doneen. Sie erreichen ein Höhe von bis zu 80 Metern, und da es hier keine Absperrung gibt, kann man direkt bis an den Rand der doch recht beeindruckende Felsformationen gehen. Hier geht es ziemlich steil bergab, und das Brausen des Meeres ist bis hier oben zu hören. Alles sehr eindrucksvoll, finde ich.

Die  Cliffs of Donee
Die Cliffs of Donee

Die  Cliffs of Donee
Direkt bis an den Rand der Klippen

Vom Loop Head fahren wir zunächst zurück bis Kilkee, von dort aus dann weiter über Kilrush bis nach Killimer. Hier haben wir die Möglichkeit, unseren Fahrt mit einer Fähre über den Shannon abzukürzen, uns also auf dem Weg Richtung Süden die Route über Limerick zu sparen. Der Shannon ... mir kommt da immer als erstes der Traum meines Vater in den Sinn, der einmal mit dem Hausboot über eben diesen Shannon fahren wollte. Heute ist es allerdings kein Hausboot, sondern ein Schiff der "Shannon Ferry", das uns über den mit 370 Kilometer längsten und auch wasserreichsten Fluss nicht nur von Irland, sondern aller Britischen Inseln bringt.

Mit der Fähre über den Shannon
Mit der Fähre über den Shannon

Mit der Fähre über den Shannon
Mit der Fähre über den Shannon

Auf der anderen Seite des Flusses erreichen wir Tarbert. Ab hier folgen wir immer der 551 bis Trallee. Dort wechseln wir auf die 86, und fahren auf die Halbinsel Dingle. Diese ist rund 50 Kilometer lang und durchschnittlich neun Kilometer breit. Und wird, ungefähr zur Mitte, von einem Pass durchzogen, der den Norden mit dem Süden der Halbinsel verbindet, dem Connor-Pass. Mit einer Höhe von 456 Metern ist er der höchste Pass Irlands, und es ist wirklich ein Muss, ihn mit dem Motorrad zu befahren. Steil bergauf windet sich die sehr schmale Straße nach oben, teilweise sind hohe Felswänden auf der einen, und ein tiefer Abgrund auf der anderen Seite des Weges. Fast jeder Gegenverkehr hier wird zum Adrenalinkick, aber die Aussichten sind wirklich eindrucksvoll. Ungefähr auf Hälfte des Passes befindet sich ein Parkplatz, und wir nehmen dieses Angebot zum Pause machen und vor allem zum fotografieren gerne an. Zum Norden hin hat man eine schöne Aussicht auf die Strände Brandon Bay und Mount Brandon, im Süden liegt die Stadt Dingle, unser Ziel für heute.

Auf dem Connor-Pass
Auf dem Connor-Pass

Blick von Connor Pass auf den Norden der Halbinsel Dingle
Blick von Connor Pass auf den Norden der Halbinsel Dingle

Blick von Connor Pass auf die Stadt Dingle
Blick von Connor Pass auf die Stadt Dingle

Tenere mit Aussicht
Tenere mit Aussicht

Es fällt uns nicht leicht, uns von diesem Ausblick loszureißen, aber irgendwann müssen wir ja weiter. Der weitere Weg ist dann leider nicht mehr ganz so spektakulär, und bald erreichen wir Dingle, dessen Name aus dem irischen "An Daingean" übersetzt so viel bedeutet wie "die Festung". Davon ist allerdings nichts zu spüren, als wir durch die knapp 1.800 Einwohner zählende Stadt fahren. Im Gegenteil, wir finden jede Menge Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants, Kneipen, Cafes und einfach alles, was einen modernen Touristenort ausmacht. Und das ist Dingle auf jeden Fall. Nicht zuletzt Dank dem berühmtesten "Einwohner" der Stadt, dem Delfin "Fungi". Dieser lebt seit dem Jahr 1984 in der Bucht um Dingle, und zeigt sich gerne und oft den Touristen. Mittlerweile ist er eine der touristischen Hauptattraktionen Dingles. Zahlreiche Fischer bieten Ausflüge zu "Fungi" an, und in jeden Geschäft kann man Fungi-Figuren aus Stoff, Hartplastik, Holz, Metal und was es sonst noch alles so gibt kaufen. Sogar ein Denkmal hat man ihm errichtet, direkt neben der Touristeninformation.

Abendstimmung in Doolin
"Fungi", die touristische Hauptattraktion Dingles

Allerdings wird die ganze Sache langsam eng: Fungi soll Mitte der 70-er Jahre geboren worden sein. Er ist ein "Großer Tümmler" , und diese werden üblicherweise 25 bis 30 Jahre alt. Es ist also zu befürchten, das seine Tage gezählt sind.

Wir suchen uns aber zunächst einmal eine übernachtungsmöglichkeit, und werden bei "Russell's B&B" fündig. Mary, die Besitzerin, zeigt mir nicht nur das Zimmer, sondern gibt uns auch den Tipp, das in einem Pub ganz in der Nähe heute Abend Livemusik gespielt wird. Na, das hört sich doch gut an.

'Russell's B&B' in Dingle
"Russell's B&B", unsere Unterkunft in Dingle

Zunächst aber gehen wir etwas essen, und erkunden anschließend den Ort. Richtig schön ist es hier, besonders der kleine Hafen gefällt mir sehr gut, auch wenn heute keine Fahrt mehr hinaus aufs Meer und zu "Fungi" angeboten wird.

Der Hafen von Dingle
Am Hafen von Dingle

Der Hafen von Dingle
Am Hafen von Dingle

Spaziergang durch Dingle
Spaziergang durch Dingle

Spaziergang durch Dingle
Schade, dass der schon geschlossen hat

Spaziergang durch Dingle
Schaufenstergestaltung

Dafür besuchen wir später dann "O'Sullivans", einen Court House Pub, den Mary uns für heute Abend empfohlen hat. Drei Musiker sind dort am Werk: Einer spielt Gitarre und singt dazu, ein zweiter Mann bläst in einen irischen Dudelsack. Unterstützt werden die beiden von einer Frau, die auf einem kleinem Akkordeon musiziert. Die drei machen gute Stimmung, spielen diese typisch irische Volksmusik, aber auch langsame und gefühlvolle Balladen. Fast interessanter finde ich allerdings die anderen Besucher hier im Pub. Viele sind Urlauber vom britischen Festland, aber es sind auch einige Besucher aus Kanada und Brasilien hier. Ach ja, und auch drei aus Deutschland :-)
Ob auch ein paar Einheimische hier vor Ort sind, weiß ich allerdings nicht...

Aber egal, bis kurz vor Mitternacht spielen die drei Musiker, dann hören sie auf, und packen auch gleich ihre Instrumente ein. Eine Zugabe gibt es nicht. Also trinken auch wir aus, und machen uns auf den Weg Richtung B&B.


 Tag 6 

Hätte ich zu Beginn dieser Irlandtour schon gewusst, dass mich heute Morgen hier in Dingle DIESES Frühstück erwartet, dann hätte ich mich mit Sicherheit all die Tage darauf gefreut. Gestern ließ uns Mary aus einer Menükarte unser Wunschfrühstück auswählen. Es waren Fisch- und Fleischgerichte zur Auswahl, sowie vegetarische Menüs. Markus und Johannes haben sich für Lachs entschieden, und ich mich für die Makrelen-Variante. Und als wir um 8:00 Uhr am Frühstückstisch sitzen, bekommen wir unser Wunschmenü vorgesetzt, und das ist nicht nur optisch ein Leckerbissen. Mary's Mann ist Fischer, und fangfrischer geht Fisch nicht. Einfach nur super-lecker! Sogar schon zum Frühstück :o)

Frühstück im 'Russell's B&B' in Dingle
Schmackofatz zum Frühstück

Derart gestärkt verabschieden wir uns gegen 10:00 Uhr von Mary und ihrem "Russell's B&B", und fahren Richtung Westen zum Ende der Halbinsel Dingle, genauer gesagt zum "Slea Head". Das ist ein ca. 30 Kilometer langer und recht kurvenreicher Rundkurs, der natürlich auch zum "Wild Atlantic Way" gehört.

Einstieg zum 'Slea Head', einem Rundkurs in der Nähe von Dingle
Einstieg zum "Slea Head", einem Rundkurs in der Nähe von Dingle

Diese Gegend ist auch bekannt als eine Art Fundgrube für steinerne, prähistorische Zeitzeugen. Und so machen wir bereits nach wenigen Minuten den ersten Stopp an einem Parkplatz, von dem aus ein Weg zu einer dieser Ausgrabungsstätten führt.

Parkplatz mit Blick auf die Basket Islands
Parkplatz mit Blick auf die Basket Islands

Blick auf die Basket Islands
Blick auf die Basket Islands

Während Markus bei den Motorräder bleibt, und die Aussicht auf die dem Festland vorgelagerten Basket Islands genießt, machen Johannes und ich uns auf dem Weg, um uns eine alte Wohnstätte anzusehen. Dafür klettern wir einen Pfad an dem recht steilen Hang neben der Straße hinauf, allerdings nicht, ohne vorher zwei Euro Eintritt bezahlt zu haben. Oben werden noch weitere Teile der Anlage freigelegt, und das Gelände ist teilweise abgesperrt. Aber das, was zu sehen ist, gibt schon einen guten Eindruck darüber, wie die Iren hier zu prähistorischer Zeit gelebt haben. Außerdem ist die Aussicht von hier oben noch einen Tick besser als unten vom Parkplatz.

Aussicht von der Ausgrabungsstätte
Aussicht von der Ausgrabungsstätte

Ausgegrabene Hütte, angeblich von 1.200 vor Christus
Ausgegrabene Hütte, angeblich von 1.200 vor Christus

Johannes und ich gehen schließlich zurück zum Parkplatz. Markus hatte mittlerweile so viel Langeweile, dass er sogar schon Möwen fotografiert, die sich in den Stromleitungsmasten verfangen haben.
Also Kollege: Das nächste mal kommst Du doch lieber mit uns :-)


Die fliegt nicht mehr ...

Wir fahren weiter, und ich muss sagen, dieser "Slea Head" gefällt mir um einiges besser als der viel gelobte Sky Loop. Wir machen jede Menge Pausen, um Fotos zu schießen. An einem dieser Stopps, an einem herrlichen Strand, lernen wir ein Paar aus Leer kennen, das auch mit Motorrädern unterwegs sind. Ein kurzer und netter Plausch zeigt, dass die beiden zunächst eine Woche lang auf der Isle of Men waren, dann via Dublin nach Irland gekommen sind. Nun machen sie einen Rundkurs Richtung Süden an der Küste entlang, fast so wie wir. Nur das sie mehr Zeit haben.

Strand am Slea Head
Strand am Slea Head

Kleine Pause am Straßenrand
Kleine Pause am Straßenrand

Slea Head: Blick auf die Küste
Slea Head: Blick auf die Küste

Wir fahren weiter und irgendwann bringt einen so ein Rundkurs zurück an den Ausgangspunkt. So stehen wir am frühen Mittag wieder in Dingle. Diesmal halten wir uns aber nicht lange auf, sondern fahren direkt weiter am Südufer der Halbinsel entlang Richtung Osten. Zunächst auf der 86 bis Annascaul, dort biegen wir ab auf die 561 bis Castlemaine. Ab hier fahren wir weiter über Killorglin und Killarney, von wo aus wir zunächst ein Stück auf der gut ausgebauten 22 folgen, bevor wir auf die 70 abbiegen, und dieser bis Kenmare folgen.

Irische Landschaft
Richtung Süden, teils der Küste entlang ...

Irische Landschaft
... teilweise durch das Landesinnere

Diese Route bedeutet, dass wir um den Ring of Kerry einen Bogen gemacht haben. Das hatten wir uns im Vorfeld so überlegt. Zum einem stehen die Meinungen, ob nun Kerry oder Beara der schönere Ring ist, bei 50:50. Zum anderen gefällt uns, das der Ring of Beara für Reisebusse zu schmal, und generell für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 2,8 Tonnen gesperrt ist.

In Kenmare, oder besser gesagt, an der Kenmare Bay, machen wir zunächst eine kleine Pause, und steigen dann direkt in den Ring of Beara ein. Gleich zu Beginn machen wir dabei Bekanntschaft mit der irischen Variante einer Baustellenampel. Die besteht aus zwei Männern, die jeweils ein Schild in der Hand halten, auf dessen einen Seite "STOP" steht, auf der anderen "GO". In der anderen Hand halten beide ein Walkie Talkie . Sie stehen jeweils zu Beginn und am Ende der Baustelle, und über Funk verständigen sie sich, wer von beiden den Verkehr stoppt, und wer ihn freigibt. Einfach, aber effizient.

Der Ring of Beara, auch Teil des WAW
Der Ring of Beara, auch Teil des Wild Atlantic Way.

Wir folgen trotz Baustelle der 572 in Richtung Castletownbere. Diese führt zunächst kilometerlang durch Wälder, und mir fällt ein, in Zusammenhang mit Beara auch schon vom "Garten Irlands" gehört zu haben. Eine schöne Fernsicht gibt es hier nicht, nur Bäume und hohe Sträucher, die sich wie ein Tunnel über die kleine und kurvenreiche 572 legen. Irgendwann aber wechselt die Landschaft, die Bäume werden weniger, dafür wird es nun steinig. Der Weg führt durch Schluchten und über Berge, folgt dabei aber zumeist der Küstenlinie. So ergeben sich für uns immer wieder schöne Ausblicke auf das Meer. So auch an dem Aussichtspunkt "Dooneen", an dem wir einen kleinen Fotostopp einlegen.

Unterwegs auf dem Ring of Beara
Straßenführung auf dem Ring of Beara

Unterwegs auf dem Ring of Beara
Ring of Beara, Aussichtspunkt Dooneen

Unterwegs auf dem Ring of Beara
Ring of Beara, kleiner Stopp an der Küste

Anschließend folgen wir der Straße bis zu einem Ort Namens Allihies. Dort nehmen wir uns ein Zimmer im Allihies Hostel. Nach dem einchecken schlendern wir durch den Ort. Hier ist es sehr bunt, die Häuser sind farbenfroh angemalt. Auch ein Museum finden wir, das Allihies Copper Mine Museum. Leider hat es geschlossen. Stattdessen statten wir dem örtlichen Tankwart einen Besuch ab, der auch einen kleinen Supermarkt betreibt, und uns neben Lebensmittel auch ein paar Bier "schwarz" unter der Hand verkauft. Er hat nur eine Lizenz zum Weinverkauf, die für Bier ist teurer, daher hat er darauf verzichtet. "Die sind privat, aus meinem eigenen Vorrat" sagt er, und zwinkert uns dabei zu.

Hostel in Allihies
Hier gehts zum Hostel in Allihies

Spaziergang durch Allihies
(Bunte) Hauptstraße von Allihies

Spaziergang durch Allihies
Benzin und Lebensmittel und Bier :o)

Zurück in unserer Unterkunft kümmern wir uns um das Abendessen, und kommen dabei auch mit Michael, dem Besitzer des Hostels, ins Gespräch. Eigentlich ist er mir ganz sympathisch, aber nur so lange, bis er sagt, dass es Morgen den ganzen Tag sehr ausgiebig regnen soll. Dauerregen, sozusagen. Wie war das noch im Mittelalter: Der überbringer schlechter Nachrichten wurde zumeist gefoltert.... ;-) Aber wir dürfen ja unsere Motorräder im abgeschlossenen Innenhof abstellen, und damit sammelt Michael gleich wieder ein paar Pluspunkte.
Trotz der schlechten Wettervorhersage wollen wir Morgen natürlich weiter fahren. Daher machen wir es uns nach dem Essen im großen Aufenthaltsraum gemütlich und überlegen, welche Route wir einschlagen könnten. Und lassen uns dabei das "Schwarzbier" schmecken ...

Aufenthaltsraum in unserem Hostel in Allihies
Aufenthaltsraum in unserem Hostel

 Tag 7 

In der Nacht kommt starker Wind auf, und der bringt den Regen mit. Mein Bett steht direkt am Fenster und mehr als einmal werde ich wach, weil die Tropfen gegen das Glas klatschen und der Wind durch das gekippte Fenster zieht. Draußen werden die Gartenstühle von eine Ecke in die andere gepustet, ein aufgespannter Sonnenschirm fällt um und ein Tisch wird ebenfalls umgeworfen. Zum Glück stehen unsere Motorräder etwas abseits, mit ihnen geschieht nichts.

Am Morgen hat der Wind nachgelassen, aber es regnet immer noch sehr stark. Kurz überlegen wir, hier in Allihies zu bleiben und eine weitere Nacht zu verbringen. Aber Michael hat uns gestern schon gesagt, dass an diesem Wochenende im ganzen Ort kein Bett mehr frei ist. Ab heute findet hier drei Tage lang ein großes Folkfestival statt, mit Musikern und Besuchern aus ganz Europa. Daher ist alles ausgebucht. Wir könnten natürlich darauf spekulieren, dass einige Besucher wegen des schlechten Wetters ihren Reservierung noch absagen. Aber darauf wollen wir uns nicht verlassen. Daher beschließen wir beim Frühstück, auf direkten Weg nach Cork zu fahren, und dort den Tag und die Nacht zu verbringen.

Bei strömenden Regen beladen wir die Maschinen, sitzen auf und fahren zunächst in südlicher Richtung nach Kilkinnihan, ab dort wenden wir uns Richtung Osten. Der Regen verhindert leider, das wir Dursey Island besuchen, eine kleine Insel am Ende der Beara-Halbinsel. Dort hinüber gelangt man nämlich mit Irlands einzige Seilbahn, und das hätten wir sehr gerne einmal ausprobiert. Aber bei strömenden Regen macht das nun mal keinen Spaß.

Wir fahren ohne Pause, zunächst weiter auf dem Ring of Beara, über Castletownbere und Adrigole weiter bis Glengarriff. Bei diesem Wetter ist die Sicht auf die Landschaft natürlich eine ganz andere als gestern bei Sonnenschein. Dunst und Nebel hängen in den Bergen, und lassen die Umgebung durchaus etwas geheimnisvoll, bisweilen auch unheimlich aussehen. Ein wenig verstehe ich die Geschichten über Riesen und Gespenster, die sich die Menschen in den früheren Jahren erzählt haben.

Der Dauerregen erinnert mich auch daran, was ich zu Hause im Vorfeld der Tour über das irische Wetter gelesen hatte: Am häufigsten waren diese beiden Weisheitem:

"Der Sommer fiel in diesem Jahr auf einen Montag"

"Auf zwei Tage im Jahr freut sich der Ire besonders: Auf Weihnachten und auf den Sommer"

Ganz so schlimm finde ich das Wetter hier aber nicht. Von so starken und ausgiebigen Regen sind wir bisher auf unsere Tour verschont geblieben. Es gab nur einige kurze Schauer, aber die waren zu ertragen.

Einen dritten Spruch möchte ich Euch in Zusammenhang mit dem irischen Wetter aber nicht vorenthalten:

"Die Temperaturen sind in Irland im allgemeinen sehr warm.
So lange man im Bett bleibt..."


Dies alles hatte mich veranlasst, einen Pullover mehr einzupacken und in diesem Augenblick bin ich durchaus froh darüber. Ich habe ihn nämlich gerade an :o)

Bei Glengarriff verlassen wir den Ring und fahren über Ballingeary und Coachford weiter bis Cork. Dort finden wir Dank dem Navi von Markus recht schnell das Sheila-Hostel.

Das Sheila-Hostel in Cork
Das Sheila-Hostel in Cork

Da es immer noch regnet, gehen wir alle drei hinein und fragen an der Rezeption nach freien Betten. Der junge Mann dort bemerkt ganz richtig, dass wir mit Motorrädern unterwegs sind und fragt mich, welche Maschine ich fahre.
"A Yamaha" antworte ich.
"Wich Yamha?" fragt er.
"A Tenere"
"OK, and the other two guys?"
"They ride BMW"
"OK" sagt er und lächelt mir zu. "So we have one motorcycle and two tractors...".

Ich grinse noch immer, als wir ein paar Minuten später unsere Sachen auf unser Zimmer bringen. Wir haben mal wieder ein 4-Bett-Zimmer für uns allein bekommen, mit Dusche und WC. Der Mann an der Rezeption hat uns außerdem angeboten, unsere nassen Sachen im Heizungskeller zum trocknen aufzuhängen, was wir auch dankend annehmen. Trotzdem können Johannes und Markus ihn nicht so recht leiden. Ich weiß auch nicht, warum ... :o)

Nach einer kleinen Auszeit im Aufenthaltsraum mit Tee, Müsliriegeln und Keksen nutzen wir eine Regenpause, um ein wenig Cork zu erkunden. Im Vergleich zu den Orten, in denen wir in den letzten Tage übernachtet hatten, ist das hier fast eine Großstadt. Mit rund 120.000 Einwohnern ist Cork nach Dublin immerhin auch die zweitgrößte Stadt der Republik Irland. Und so finden wir hier nicht nur viele Geschäfte direkt an der Hauptstraße, es gibt auch eine richtige Fußgängerzone hier, und die ist gar nicht mal so klein.

Ein Spaziergang durch Cork
Ein Spaziergang durch Cork

Ein Spaziergang durch Cork
Ein Spaziergang durch Cork

Ein Spaziergang durch Cork
Ein Spaziergang durch Cork

Zwischendurch, als es wieder ein wenig regnet, gönnen wir uns in einem kleinem Schnellimbiss Fish & Chips bzw. Chicks & Chips, dann gehen wir zurück ins Hostel.

Ein Spaziergang durch Cork
Auf dem Weg zurück zum Hostel

Dort setzen wir uns mit der Irlandkarte in den Aufenthaltsraum, und überlegen, welche Route wir Morgen fahren wollen. Das Ziel ist klar: In Rosslare, im Südosten Irlands, haben wir uns ein Zimmer in einem B&B reserviert. übermorgen früh fährt von dort unsere Fähre hinüber nach Fishguard in Wales. Weit ist das nicht, auf direktem Weg gerade mal 200 Kilometer, aber wir wollen uns unterwegs ja durchaus noch etwas ansehen.

Später am Abend gehen wir noch in die Stadt in einem Pub, und trinken noch ein Bierchen. Es ist recht leer hier, und die Gäste, die anwesend sind, starren auf einen Fernseher. Daher bleiben wir nicht wirklich lange dort. Es ist noch keine elf Uhr, als wir schließlich in den Kojen liegen.


 Tag 8 

Heute Morgen ist es trocken. Damit meine ich nicht nur das Wetter draußen. Nein, auch unsere Sachen, die wir gestern in den Heizungskeller aufgehangen haben, sind nicht mehr nass. Nach dem Frühstück verstauen wir alles in die Gepäcktaschen. Dann verabschiede ich mich noch von dem jungen Mann an der Rezeption, der auch heute wieder Dienst hat, und der sich sooo gut mit Motorrädern auskennt :o) Dann heißt es "aufsitzen", und wir folgen der 25, hinaus aus der Stadt Richtung Osten.

Es sind nur rund zwanzig Kilometer bis Midleton, und dort legen wir gleich wieder eine Pause ein. Wir besuchen das Jameson Heritage Centre, das Museum der Irish Distillers Limited, die aus der Fusion von mehreren lokalen Destillerien entstanden ist (u.a. Jameson und Power's). Whiskey wird hier nicht mehr hergestellt, es ist lediglich Museum und Shop. Es ist noch nicht besonders voll, kein Wunder, wir haben ja auch noch nicht einmal zehn Uhr.

Das Jameson Heritage Centre in Midleton
Das Jameson Heritage Centre in Midleton

Museum und Shop der Irish Distillers Limited
Museum und Shop der Irish Distillers Limited

Als wir das Gebäude betreten, fällt uns gleich die recht originelle Lampe auf, die da von der Decke baumelt. Da muss ein alter Seemann lange für trinken, bis er genug leere Flaschen zusammen hat.

Dekorative Deckenbeleuchtung
Dekorative Deckenbeleuchtung

Gleich danach gehe ich in den Shop. Aber der ist, wie schon der in Bushmills, eher klein. Trotzdem würde ich gerne ein kleines Fläschchen kaufen, wenn ich schon mal hier bin. Leider wird Alkohol erst ab 10:30 Uhr verkauft, warum, finde ich leider nicht heraus. Neben mir steht ein Ehepaar aus Nürnberg, dass diese Regelung ebenso wenig versteht wir ich. Wir unterhalten uns ein wenig, tauschen unsere Irlanderfahrungen aus. Die beiden sind mit einem Leihwagen unterwegs, wie so viele andere Deutsche auch.

Ein bisschen bin ich nun in der Zwickmühle: Einerseits würde ich gerne den Whiskey kaufen, andererseits ist es erst kurz nach zehn, und ich möchte meinen beiden Mitfahrern nicht zumuten, hier solang herum zu stehen, auch wenn beide sagen, dass das für sie OK wäre. Aber wie es so ist: Manchmal kommt einem der Zufall zu Hilfe, und dieser Zufall besteht in diesem Fall aus einem Bus. Ja wirklich, ein Bus. Der hält nämlich direkt vor uns auf dem Parkplatz, und jede Menge junge Frauen steigen aus ihm heraus. Sie stellen sich rund um den Eingang zum Museum, und dann werden Fotos gemacht. Hier läuft anscheinend irgendeine Promotion, und alle, die gerade hier sind, machen fleißig Bilder. So auch wir :o)

Fotoshooting vor dem Museum
Bitte recht freundlich ...

Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, ist es schon nach halb elf. Also nichts wie hinein in den Shop und ein Fläschchen gekauft. Auch die beiden Nürnberger sind gerade da, sie haben wohl die Zeit auch mit fotografieren überbrückt...

Da der Himmel so aussieht, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen, beschließen wir, bis Rosslare durchzufahren, und dort zumindest unser Gepäck schon einmal abzugeben. Das klappt ohne Probleme, auch wenn die recht frühe Ankunft unsere Vermieterin etwas überrascht. Aber wir wollen ja lediglich "Ballast" abwerfen, und sind dann auch schon wieder weg.

'Clover Lawn B&B' in Rosslare
Vor "Clover Lawn", unserem B&B in Rosslare

Als erstes fahren wir zu Johnston Castle, gerade mal rund zehn Fahrminuten von unserem B&B entfernt. Dieses Schloss wurde 1945 dem irischen Staat geschenkt, und der hat ein Landwirtschaftsforschungszentrum dort untergebracht. Das Gebäude selber ist für den Publikumsverkehr gesperrt, aber der 20 ha große Garten mit den vielen alten Baumarten sowie den Seen kann besichtigt werden. Zugänglich sind auch die alten Wirtschaftsgebäude. Sie beherbergen heute ein Museum über die irische Landwirtschaft und ihre Geschichte. Und auch eine nette Teestube finden wir hier, in der wir uns mit Tee und Kuchen stärken.

Blick auf Johnston Castle
Blick auf Johnston Castle. Von vorne ...

Blick auf Johnston Castle
... und von hinten

Von Johnston Castle ist es nicht weit bis zum "Irish National Heritage Park". Hier werden Häuser, Bauernhöfe, Kult- und Grabstätten aus Irlands Vergangenheit gezeigt. Allerdings handelt es sich dabei um Nachbauten, manchmal noch nicht einmal besonders liebevoll gemacht. Insgesamt sind es 16 Etappen, die hier zu bewältigen sind, allerdings werfen wir nach der zwölften das Handtuch. Das hier ist einfach nicht unser Ding.

Im Irish National Heritage Park
Steinkreis im Irish National Heritage Park

Im Irish National Heritage Park
Kreuz vor einem nachgebildeten Kloster

Wir steigen lieber auf unsere Maschinen, und fahren Richtung Rosslare. Ziel ist der dortige Strand, wir hoffen, dort ein Eis zu bekommen. Allerdings geht kurz vor dem Strandparkplatz plötzlich der Motor meiner Tenere aus. Nach einigen Versuchen startet er zwar wieder, aber kaum stehen wir auf dem Parkplatz, geht er wieder aus. Die Ursache ist schnell gefunden: Das Öl ist fast alle. Die Warnleuchte hat wohl den Dienst eingestellt und daher habe ich vorher nichts bemerkt. Johannes und Markus fahren los, um an einer der Tankstellen hier im Ort mineralisches öl zu besorgen. Allerdings kommen sie nach einer guten halben Stunde mit leeren Händen wieder. Es gibt hier nur synthetisches öl. Zum Glück haben die beiden noch einen Restvorrat, den wir bei der Tenere einfüllen. Bis zu unserem B&B reicht das auf jeden Fall und auch Morgen früh bis zur Fähre im Hafen von Rosslare. Morgen in Wales werde ich gleich an der ersten Tankstelle versuchen, neues zu bekommen. Bei der ganzen Aufregung geht ein wenig unter, das der Strand hier in Rosslare eigentlich ganz nett ist.

Am Strand von Rosslare
Am Strand von Rosslare

Am Strand von Rosslare
Am Strand von Rosslare

Wir fahren zurück zu unser B&B, wo wir nun auch unser Zimmer beziehen können. Erst duschen, dann umziehen, anschließend machen wir uns auf in das Dorf. Zwei Pubs gibt es dort und von unserer Vermieterin wissen wir, dass in dem einem heute Abend Live-Musik gespielt wird. Wir gehen zunächst in den anderen, in "Kilrane Inn", um dort in Ruhe zu Essen. Und das ist hier wirklich gut. Satt und zufrieden gehen wir noch kurz auf unser Zimmer, da Johannes seinen Fotoapparat holen möchte, dann gehen wir ins "Culleton's". Und dort ist wirklich eine Menge los. Mehr als zehn Musiker sitzen im Kreis und spielen gemeinsam irische Lieder. Es ist sehr laut hier, nicht nur wegen der Musik, sondern auch, weil die Gäste wild durcheinander reden oder auch mitsingen. Als die Musiker aufhören zu spielen, wollen wir schon gehen, als plötzlich rund ein Dutzend Männer den Raum betreten und eine Vorführung machen. Das Publikum johlt, klatscht und singt mit, es ist richtig viel los hier. Anschließend setzen sich wieder die Musiker zusammen und spielen weiter.

Livemusik im 'Culleton's'
Livemusik im "Culleton's"

Irischer Volkstanz
Irischer Volkstanz

Livemusik im 'Culleton's'
Musik kennt keine Altersgrenzen

Im 'Culleton's'
Es wird spät ...

Wow, hier ist richtig Stimmung. Zum Glück hat Johannes die Kamera mitgenommen und macht jede Menge Fotos. Auch wenn es uns richtig schwer fällt, so brechen wir doch gegen Mitternacht auf in Richtung Unterkunft. Morgen müssen wir wegen der Fähre früh aufstehen und der Tag wird lang mit vielen Kilometern.
Trotzdem, dieser Abend war für mich eines der Highlights unseres Irlandurlaubs.


 Heimfahrt 

Beim Frühstück erzählt uns Carmel, unsere Vermieterin, das die Musiker gestern aus der ganzen umliegenden Region kommen. Diese Art von Festival findet hier nur einmal im Jahr statt. Und den Tanz, den die Männergruppe aufgeführt hat, den hat sie selber auch noch nicht gesehen. Und sie wohnt nun schon seit acht Jahren hier in dem Ort...

Um 9:00 Uhr legt unsere Fähre der Stena Line ab und bringt uns Richtung Fishguard in Wales. Ein wenig wehmütig stehe ich an Deck und werfe einen letzten Blick zurück auf Irland.

Abschied: Ein letzter Blick auf Irland
Abschied: Ein letzter Blick auf Irland

Zu kurz, viel zu kurz war unsere Tour hier und ich weiß, dass ich sehr gerne wieder kommen möchte. Wenigstens wird das Wetter besser: Nachdem wir am Hafen noch ein wenig Regen abbekommen haben, setzt sich nun mehr und mehr die Sonne durch.

Auf der Fähre
Motorräder klarmachen, wir erreichen Wales

Wir erreichen Fishguard in Wales und gleich an der ersten Tankstelle kaufe ich Öl für meine Tenere. Dann fahren wir Richtung Osten, quer durch Wales und später England. In Wales fallen mir immer wieder diese unaussprechlichen Ortsnamen auf. Gerne hätte ich das eine oder andere Schild fotografiert, aber wir fahren auf der Autobahn und da möchte ich nicht einfach so anhalten.

Nachdem wir uns rund um London einmal verfahren und somit ein paar extra Kilometer abgespult haben, nehmen wir uns in Maidstone, ca. 70 Kilometer vor Dover, ein Zimmer in einem B&B. Im Ort essen wir noch eine Kleinigkeit, dann gehen wir schlafen.

Am nächsten Morgen sitzen wir um 7:00 Uhr am Frühstückstisch, um acht Uhr fahren wir los. Gegen neun sind wir dann in Dover.

Die weißen Küste von Dover
Vor der weißen Küste von Dover: Warten auf die Fähre

Es ist zwar nicht voll, trotzdem dauert es, bis wir endlich unsere Tickets haben und auf das Schiff dürfen. Leider verspätet sich unsere Abfahrt, statt um 10:15 Uhr starten wir erst um 11:00 Uhr. Da auf dem europäischen Festland die Uhr um eine Stunde vorgestellt werden muss, ist es bereits 13:30 Uhr Ortszeit, als wir endlich in Calais ankommen. Nun heißt es "fahren - fahren - fahren". Durch Frankreich, Belgien und Holland fahren wir bis nach Deutschland. Es ist recht voll, immer wieder haben wir Stau und zähflüssigen Verkehr, dazu fallen einige Schauer. Wir machen wenige Pausen und sind gegen 19.30 Uhr endlich zu Hause.



Hier die gesamte Tour im Überblick (3.611 KM):





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