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Mini-Kreuzfahrt Amsterdam -> Newcastle

 1. Tag: Anreise nach Ijmuiden / Start der Schiffstour 

Eigentlich wollte ich mit diesem Bericht an der Stelle beginnen, an der wir an Bord des Schiffes gehen. Aber es gibt da doch zwei Dinge, die ich vorab erwähnen möchte.

Wir sind mit dem Zug angereist und als wir am Hauptbahnhof in Amsterdam aus unserem Waggon steigen, schaue ich doch einigermaßen verblüfft auf die Bahnhofsuhr. Wir sind auf die Minute pünktlich!! Als täglicher Pendler mit dem Zug hatte ich alles erwartet, aber nicht, dass wir nach mehr als zwei Stunden Fahrzeit mit dem Zug fahrplanmäßig am Ziel ankommen. Ist das vielleicht ein gutes Omen für die Tour?

Aber ich habe mich zu früh gefreut, denn sofort stehen wir einem Problem gegenüber: Wo hält der Shuttlebus der Fährgesellschaft "DFDS Seaways", der uns vom Hauptbahnhof zum Hafen bringen soll? Wir finden weder Schilder noch Hinweise. Auch unsere Nachfragen in dem in Bahnhofsnähe befindlichen Touristenbüro weist uns nur ganz vage die Richtung. Die richtige Antwort weiß dann der Kellner eines Cafes: Der Bus hält direkt vor dem Haupteingang des Victoria Hotels, welches sich in ungefähr 150 Meter Luftlinie vom Bahnhof entfernt befindet. Als das endlich geklärt ist, können wir schließlich in Ruhe noch einen Cappuccino trinken.

Um 16:00 Uhr bringt uns der Bus zum Hafen und weiter direkt bis zum Kai von "DFDS Seaways". Eine gute halbe Stunde dauert diese Fahrt, das anschließende einchecken ist Formsache und dauert nur wenige Minuten. Und so stehen wir kurz darauf bereits an Deck und beobachten mit vielen anderen das Ablegemanöver der "KING SEAWAYS", wie unser Schiff heißt. Nicht, das die Ausfahrt aus dem Hafen von Ijmuiden ein optischer Leckerbissen wäre, eher im Gegenteil. Aber die vorbeiziehenden Fabrikhallen und rauchenden Schornsteine zeigen uns an, das es nun wirklich losgeht: Wir sind unterwegs nach England!



Und das Ganze wird sogar musikalisch untermalt. Marschmusik vom Band dröhnt uns um die Ohren und wir wissen nicht so recht, ob wir darüber lachen oder uns doch lieber die Ohren zuhalten sollen.

Aber egal, wir fahren. Bald schon ist die niederländische Hafenskyline kaum noch zu erkennen und unser Blick geht nach vorn. Das Wetter ist gut, wir sitzen fast allein an Deck und picknicken. Später, als Wind aufkommt und es ein wenig kühler wird, suchen wir uns einen windgeschützten Platz.



Der Himmel bietet einen schönen Sonnenuntergang und so sind wir fast bis Mitternacht draußen an Deck, bevor wir uns in unsere Kabinen zurückziehen.







 2. Tag: Ankunft in Newcastle / Unser Tag in der Stadt / Beginn der Rückreise 

Ab acht Uhr ist das Frühstücksbuffet geöffnet und das ist wirklich nicht schlecht. Es spricht mit allem, was zu einem "All-english-breakfirst" gehört, zwar eher den englischen Geschmack an, aber auch wir Festlandeuropäer kommen nicht zu kurz. So lassen wir uns schmecken, was die Küche hergibt.

Um zehn Uhr legt die "KING SEAWAYS" in Newcastle an. Vorher beobachten wir natürlich von Deck aus, wie unser Schiff in die Hafeneinfahrt gleitet und nach kurzer Fahrt über den Fluss Tyne schließlich anlegen. Hier ist die Aussicht um einiges schöner als Tags zuvor in Ijmuiden.







Etwas umständlich wird es nun aber, als wir das Schiff verlassen und zu den wartenden Shuttle-Bussen wollen, die uns in das Zentrum Newcastles bringen sollen. Die Kontrollen bei der Einreise nach England sind strenger, als wir es vom Festland her kennen. Die anschließende Fahrt mit dem Bus in die Innenstadt dauert dann knapp 45 Minuten und es ist bereits 11:30 Uhr, bis der DFDS Seaways Shuttle uns in der City von Newcastle, genauer gesagt an der Central Station absetzt. Nun machen wir uns zu Fuß auf den Weg, um die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Wir laufen Richtung Norden und kommen zunächst an China-Town vorbei. Neben der schmalen Straße ist es vor allem das große, bunte Tor mit seinen Drachenköpfen und vielen Verzierungen, das uns auffällt.





Direkt dahinter, nur einen Steinwurf entfernt, befindet sich der St. James' Park, die sportliche Heimat des "Newcastle United F.C.". Dieser Club ist in der obersten Liga des englischen Fußballs vertreten. Gerne hätten wir einen Blick auf den Rasen geworfen. Das ist aber nur im Rahmen einer geführten Tour möglich. Die kostet zehn britische Pfund und findet zu festgesetzten Zeiten statt. Darauf wollen wir aber nicht warten, sondern verabschieden uns von Mister Bobby Robsen, dem der Club ein Denkmal gesetzt hat, dass sich direkt vor dem Stadion befindet. Der 2009 verstorbene Robsen gilt als einer der weltweit angesehensten Trainer und hat von September 1999 bis August 2004 auch Newcastle United trainierte. Praktischerweise gibt es hier gleich um die Ecke auch einen Fanshop, in dem der begeisterte Anhänger vom Trikot über den Eierbecher bis hin zum Babystrampler alles in den Farben seines Lieblingsvereins kaufen kann.





Wir wenden uns nun nach Osten, am Eldon Square, einem großen Einkaufscenter vorbei, bis wir schließlich vor "Greys Monument" stehen. Und diese Denkmal ist wirklich nicht zu übersehen: Auf einer 40 Meter hohen Säule thront Charles Grey, der zwischen 1830 und 1834 britischer Premier Minister war. Während dieser Zeit hat er unter anderem auch die Wahlkreiseinteilung für die Wahl des britischen Parlaments neu organisiert, was für mehr Gerechtigkeit bei der Stimmenverteilung sorgen sollte. In Anerkennung dieser für die britische Demokratie wichtigen Entscheidung wurde ihm dieses Denkmal errichtet.



Kleine Notiz am Rande: Genau hier an diesem Wahrzeichen startete am 30.1.2007 Newcastles erster offizielle "Flash-Mob": Über 500 Menschen trafen sich hier, um dann in einer Polonaise durch die Stadt zu ziehen.

Wir fassen uns zwar nicht an den Schultern, gehen aber trotzdem weiter und zwar in südlicher Richtung die Fußgängerzone hinunter. Wir gehen am Theater vorbei, das im Februar 1837 eröffnet wurde und in dem unter anderem Stücke von so berühmten Autoren wie William Shakespeare aufgeführt wurden.



Kurz darauf stehen wir vor der "Cathedral Church of Saint Nicholas". Hier hat der Bischof von Newcastle seinen Sitz. Errichtet wurde sie im Jahr 1091, bereits 1216 wieder zerstört und im Jahr 1359 wieder neu aufgebaut. Saint Nicholas, ihr Namensgeber, ist übrigens der Schutzpatron der Seeleute. Sehr passend für eine Hafenstadt, finde ich.



Das Wetter ist übrigens meistens besser, als es auf dem Bild aussieht. Es ist durchgehend trocken und im Laufe des Tages lässt sich sogar die Sonne sehen.

Sehen, das können wir auf unserem Weg zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten auch noch so einiges anderes. Zum Beispiel diesen Roller. Ob der Besitzer ein überhöhtes Sicherheitsbedürfnis hat oder die Lampen- und Spiegelanzahl britischer Standard ist, kann ich allerdings nicht genau sagen :-)



Fast direkt hintere der Kathedrale befindet sich das "Castle Keep". Dies gab der Stadt auch ihren Namen: "Neue Burg über den Fluss Tyne", "New Castle upon Tyne" hat hier an dieser Stelle seinen Wurzeln. Die "neue Burg" wurde im Jahre 1080 gegenüber einer verfallenen römischen Festungsanlage gebaut. Zunächst waren die Mauern aus Holz, doch sie wurden nach und nach durch Steinmauern ersetzt. Der heute hier noch stehende Bergfried (genau dieses "Castle Keep") ist der einzige Überrest der Burg, die im 12. Jahrhundert vollendet wurde.

Wir gehen weiter und stehen dann vor dem Fluss Tyne. Sieben Brücken führen hinüber auf die andere Uferseite, wobei es nicht überliefert ist, ob es diese sieben Brücken waren, die die Gruppe "Karat" zu ihren bekannten Lied inspiriert haben :-) Alle sieben haben natürlich einen Namen und wir laufen zunächst über die "High Level Bridge" hinüber auf die andere Seite des Flusses und kehren dann über die "Swingbridge" wieder zurück. Am bekanntesten ist heute wohl die "Gateshead Millennium Bridge", eine reine Fußgängerbrücke. Sie wurde im Jahr 2001 eröffnet und weist eine Besonderheit auf: Sie verfügt über einen Kippmechanismus, mit dem die Brücke im Bedarfsfall aufgeklappt werden kann, damit Schiffe sie passieren können. Bestimmt ein spektakuläres Schauspiel, das aber leider nicht vorgeführt wurde, während wir an dem Ufer des Tyne entlang gehen.





Es ist höchste Zeit für eine Stärkung und nicht weit entfernt finden wir den Pub "Waterlinebar". Dort essen und trinken wir wirklich gut und machen uns anschließend auf den Rückweg zum Hauptbahnhof. Dort, an der Central Station, werden wir um 15:45 Uhr wieder abgeholt und zurück an Bord der "KING SEAWAYS" gebracht.

Am Abend stehen wir an Deck und beobachten die Ausfahrt aus dem Hafen von Newcastle. Natürlich wird das ganze wieder von Marschmusik untermalt. Aber das kennen wir nun ja schon ;-)



Und wieder haben wir Glück und der Himmel bietet uns einen sehr schönen Sonnenuntergang. Er ist sozusagen der würdige Abschluss eines wirklich erlebnisreichen Tages.











 3. Tag: Ankunft in Ijmuiden / Heimfahrt 

Wir lassen uns wieder das Frühstück an Bord schmecken. Die See ist so ruhig, wie sie es auf der ganzen Tour war. Aus dem Fenster heraus beobachten wir einige Schiffe, die in der Ferne vorbei ziehen und das Spiel der Möwen, die unsere Fähre umschwärmen. Unaufhaltsam nähern wir uns Ijmuiden, dem Ende unserer Minikreuzfahrt. Die Einfahrt ist leider immer noch so unansehnlich, wie sie es vorgestern bei der Ausfahrt auch schon gewesen ist.



Das auschecken klappt reibungslos und kurz darauf sitzen wir auch schon in dem Bus, der uns zum Hauptbahnhof nach Amsterdam bringt. Dort haben wir noch etwas Zeit für einen Cappuccino, bevor uns der ICE wieder in Richtung Heimat bringt.

Fazit:
Wir sind uns einig, dass sich diese Tour gelohnt hat. Newcastle's kompakte Innenstadt kann bequem zu Fuß erlaufen und dabei viele Sehenswürdigkeiten erreicht werden. Um einen ersten Eindruck von der Stadt zu erhalten, war es genau der richtige Rahmen. Ob jemand mehr sehen möchte, das kann nun jeder für sich selbst entscheiden.




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Wer schreibt hier?

  1. Detlev, Jahrgang '61
  2. Motorradfahrer - Wanderer - Radfahrer
  3. Hobbyfotograf
  4. Unterwegs immer mit Kamera, Block und Stift "bewaffnet"
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Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mir auf meinen Touren Notizen zu machen, mal mehr und mal weniger ausführlich. Diese "TourNotizen" kannst Du Dir auf den Seiten "Motorradfahren" und "Reisen ohne Motorrad" ansehen.

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Die schönsten Reisezitate

"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nicht angeschaut haben."

Nicht nur der berühmte deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt wusste, dass Reisen den Horizont erweitert :o)



Hier stelle ich einige Zitate über das Reisen vor, die mir besonders gut gefallen.



 
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