Harzrunde
Der Wettergott meint es nicht wirklich gut mit uns. Der Himmel trägt grau, als wir in Herzberg am Harz unsere Motorräder starten und uns auf den Weg machen, um den Harz auf möglichst kurvenreichen Straßen zu erkunden. Und dabei einige bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten anzusteuern.Die ersten Kilometern führen uns aus dem Ort heraus und recht schnell fahren wir durch Wälder. Oder besser gesagt das, was einmal Wälder waren. Hier haben Trockenheit, Hitze und der Borkenkäfer dafür gesorgt, das die Fichten ihre Nadeln verloren haben und nur noch die Stämme übrig geblieben sind. Das alleine sieht vor dem grauen Himmel schon traurig genug aus, aber heute mischt sich noch Nebel dazu und gibt dem Ganzen fast schon eine apokalyptische Atmosphäre. Aber die Harzer Baum-Experten sind optimistisch, daß sich der Wald im Harz wieder erholt. Das braucht allerdings seine Zeit.
Wir folgen der Straße und gelangen über Sankt Andreasberg nach Torfhaus. Hier liegt direkt an der Straße der Harzturm. Mit seinen 65 Metern Höhe ist er nicht zu übersehen und lädt uns zu einer ersten kurzen Pause ein.

Harzturm in Torfhaus
„Das hier ist nur für Motorradfahrer. Du mußt mit Deinem Auto da vorne parken. Und auch dafür bezahlen“ ruft ihm einer der Motorradfahrer zu und alle, die das hören, lachen.
„Dafür sitze ich hier im Auto aber auch warm und trocken“ erwidert der Autofahrer und fährt weiter zum PKW-Parkplatz.
Wir schlendern hinüber zum Harzturm. Der scheidet hier die Geister. Von imposant bis häßlich und überflüßig gibt es zu ihm wohl keine Meinung, die es nicht gibt. Auf ungefähr halber Höhe befindet sich ein gläserner Skywalk für den besonderen Kick. Und wer mag, kann den Weg von ganz oben herunter über eine 110 Meter lange Erlebnissrutsche nehmen. Heute, bei dem diesigen Wetter, ist allerdings nicht viel los hier. Günstig ist der Besuch des Turmes nicht und wer dafür bezahlt, möchte natürlich auch schöne Sicht haben.
Hier von Torfhaus aus starten auch Wanderwege hoch zum Brocken, dem höchsten Berg des Harzes. Leider ist heute wegen dem schlechten Wetter auch von ihm nicht viel zu sehen. Trotzdem machen sich nicht wenige Menschen auf, ihn von hier aus zu erwandern. Die meisten hier aber sind Motorradfahrer, und die trinken einfach nur einen Kaffee, essen eine Wurst und unterhalten sich mit anderen Fahrern.

Start des Wanderwegs zum Brocken

Parkplatz in Torfhaus
Schierke ist Haltepunkt der Brockenbahn. Aber als wir den Bahnhof erreichen, ist diese jedoch gerade abgefahren. Wirklich schade, wir hätten die Dampflokomotive, die den Zug zieht, gerne gerne in Aktion gesehen. Aber selber Schuld, wir hätten uns über die Abfahrtszeiten ja im Vorfeld informieren können. Am Rand von Schierke machen wir noch einen kurzen Stopp. Ein Schild mit der Aufschrift „Loipeneinstieg Elbingerode“ zeigt, daß hier auch im Winter durchaus Betrieb sein wird. Und auch, daß das Wetter sich vermutlich nicht so schnell bessern wird.

Loipeneinstieg

Schlechte Wetteraussichten

Hängebrücke „Titan RT“

Turm des Katapult "Ultrashot"

Hängebrücke und Stausee
Unser nächstes Ziel ist der Kyffhäuser. Knapp 70 Kilometer sind es bis dort. Wir fahren durch Orte wie Stiege, Breitenstein, Hayn (Harz) und Agnesdorf. Dazwischen haben wir immer wieder schöne Ausblicke auf die Wälder und die typische Landschaft des Harzes. Und auch das Wetter wird jetzt tatsächlich besser. Die dunklen grauen Wolken verschwinden und machen Platz für weiße Schäfchenwolken. Und immer wieder gibt es einzelne blaue Abschnitte, durch die sich erfolgreich die Sonne kämpft. Gleichzeitig nimmt auch die Anzahl der Motorradfahrer zu. Ob einzeln oder in Gruppen, immer mehr kommen uns entgegen und immer öfter geht die linke Hand hoch zum Gruß. Ich mag diese Ritual des Bikergrußes und wer mehr dazu lesen möchte, findet hier einen Artikel dazu.
In Kelbra machen wir eine Pause. Ein Cappuccino und ein Stück Kuchen sind jetzt genau die richtige Stärkung, bevor wir die Serpentinen hoch zum Kyffhäuser-Denkmal in Angriff nehmen. Dafür fahren wir auf der B85 Richtung Süden aus Kelbra hinaus. Kurz vor dem „Biker Oase Cafe 36“ überqueren wir die Grenze von Sachsen-Anhalt nach Thüringen, dann nehmen wir die Kurven hoch zum Kyffhäuser unter die Räder. 36 Kurven sollen es sein und die haben es wirklich in sich. Für Motorradfahrer ist das hier natürlich ein besonderer Anziehungspunkt und dementsprechend voll ist es hier. Auch einige Autos fahren den Weg hinauf und für die „Profis“ unter den Motorradfahrern, die hier anscheinend jede Kurve im Schlaf kennen, bilden die kein Hindernis. Selbst in den Kurven überholen sie und werden dabei von Zuschauern laut johlend angespornt, die sich immer wieder am Straßenrand positioniert haben. Viele Fahrer scheinen das cool zu finden und prügeln ihre Maschinen die Serpentinen hinauf auf der Jagd nach neuen Bestzeiten.
Nun ja, wer es mag...
Oben angekommen werden wir auf einen Motorradparkplatz geleitet. Auch der ist kostenlos und ich muß sagen, es ist schon bemerkenswert, welche Sonderstellung Motorradfahrer beim parken hier im Harz haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Blitzer hier und vermutlich werden die fehlenden Parkgebühren auf diese Weise problemlos wieder hereingeholt :o)
Wir wiederstehen den Lockungen des Kyffhäuser-Grill zunächst und machen uns zu Fuß auf dem Weg zum Kyffhäuser Denkmal. Ein wenig geht es bergauf, dann stehen wir vor dem Eingang zur Reichsburg Kyffhausen. Hier gibt es leider keine Sonderregelung für Motorradfahrer. Wer weiter will, muß bezahlen und das auch nicht gerade wenig. Wir begnügen uns daher mit dem Blick von hier aus auf das "Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser", wie das Kyffhäuser Denkmal eigentlich vollständig heißt. Und machen uns anschließend auf den Weg zurück zum Parkplatz.

Motorradparkplatz am Kyffhäuser

Eingang zur Reichsburg Kyffhausen

Am Kyffhäuser Denkmal
Rund 70 Kilometer liegen nun bis zu unserem nächsten Ziel vor uns. Die abwechslungs- und kurvenreiche Strecke macht Spaß. Der Verkehr hält sich hier in Grenzen und wir kommen gut voran. Immer wieder durchqueren wir kleine Orte wie Niedersachswerfen oder Bad Sachsa. Zumeist führt der Weg aber durch schöne Landschaften. Und das macht bei dem mittlerweile sogar sonnigem Wetter richtig Spaß.
Schließlich erreichen wir Bad Lauterberg. Hier in der Stadt mit seinen rund 10.000 Einwohnern wartet noch ein besonderer Programmpunkt auf uns: Der Besuch der Harz Distillery. Ich hatte mich sehr auf den Besuch gefreut, werde aber recht schnell von der Realität eingeholt. Whisky gibt es hier (noch) nicht. Der ist gerade erst in Fässer abgefüllt und benötigt nun einige Jahre zum reifen. Daher werden hier aktuell Gin, Brände und Liköre angeboten. Alles nichts, was uns wirklich interessiert, daher werfen wir nur einen einen kurzen Blick in die Runde und verlassen dann die Distillery auch schon wieder. Wobei die Mitarbeiter dort wirklich freundlich sind und das Gebäude inklusive dem Shop auch optisch durchaus ansprechend ist.

Die Harz Distillery
Parken mit dem Motorrad
Das Parken mit dem Motorrad kann schnell Fragen aufwerfen: Zwei Tickets kaufen, auch wenn beide Motorräder auf einem Parkplatz stehen? Wo und wie soll das Ticket befestigt werden? Kann ich mich als Motorradfahrer auch einfach an den Straßenrand oder auf dem Bürgersteig stellen? Hier gibt es Antworten.
Zum Artikel "Motorradparkplätze"
Wer schreibt hier?
- Detlev, Jahrgang '61
- Motorradfahrer - Wanderer - Radfahrer
- Hobbyfotograf
- Unterwegs immer mit Kamera, Block und Stift "bewaffnet"

Mehr über mich findest Du hier.
Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mir auf meinen Touren Notizen zu machen, mal mehr und mal weniger ausführlich. Diese "TourNotizen" kannst Du Dir auf den Seiten Deutschland und Europa ansehen.
Viel Spaß dabei!
Tipps zum Motorrad fotografieren
Wer Motorrad fährt, möchte auch schöne Fotos von sich und seiner Maschine haben. Hier findest Du einige Hinweise und Tipps für Deine ersten Motorrad-Bilder mit dem Smartphone.

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