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Geschichten & Bilder von unterwegs     

Radtour entlang des Dortmund-Ems-Kanals

 Tag eins: Von Dortmund nach Datteln 

Wo beginnt eigentlich der Dortmund-Ems-Kanal? In Dortmund, das ist doch klar, oder? Laut Wikipedia gibt es aber gleich zwei Startpunkte:

"Der Dortmund-Ems-Kanal beginnt einerseits im Hafen Dortmund bei Km 1,44 und andererseits im unteren Vorhafen des alten Schiffshebewerks Henrichenburg am Ende des Rhein-Herne-Kanals" (Wikipedia).


Ja, wo denn nun...?

Offizielle Beschilderung des DEK

Wer mit dem Zug in Dortmund ankommt und den Hauptbahnhof Richtung Norden verlässt, findet recht schnell die Beschilderung des Dortmund-Ems-Kanal-Radwegs (DEK-R). Diese führt zum Fredenbaumpark. Von hier aus sind auch Abstecher zum Dortmunder Hafen möglich, aber wir wollen möglichst bald zum Kanal und weiter Richtung Norden fahren.

Durch den Fredenbaumpark
-> Durch den Fredenbaumpark

Durch den Fredenbaumpark
-> Durch den Fredenbaumpark

Ein wenig Geschichte

Es war genau am 11. August 1899, als Kaiser Wilhelm II nach nur siebenjähriger Bauzeit den Dortmund-Ems-Kanal und somit den ersten der großen Binnenschifffahrtskanäle eröffnete. Die Gründe für den Bau waren seinerzeit vielfältig: Die Kohle aus dem Ruhrgebiet sollte schnell Richtung Norden transportiert werden. Auf dem Rückweg wurden ausländische Erze in das Ruhrgebiet gebracht. Die Eisenbahn allein war nicht mehr in der Lage, diese stetig wachsende Warenmenge zu transportieren und sollte mit dem Kanal entlastet werden. Ursprünglich war geplant, dass auf dem Wasserweg rund 4,5 Mio. Tonnen Güter transportiert werden. Aber bereits 1943 wurde diese Menge mit ca. 18 Mio. t im Jahr deutlich überschritten. Und stieg in den Folgejahren noch weiter an. Dazu beigetragen haben insbesondere der Wechsel von der langsamen Schleppschifffahrt zu den schnelleren Gütermotorschiffen und auch der Verkehr mit Schubverbänden. Dafür wurde der Kanal an vielen Stellen ausgebaut, verbreitert. Für einen Radweg war da zunächst keine Zeit und so dauerte es genau hundert Jahre, bis 1999 endlich der durchgehende Dortmund-Ems-Kanal-Radweg (DEKR) fertiggestellt und freigegeben war.

Und weitere 17 Jahre, bis wir ihn endlich fahren :o)

Von Dortmund bis Henrichenburg

Wir verlassen den Fredenbaumpark, folgen kurz einer wenig befahrenen Straße, queren den Dortmund-Ems-Kanal über eine Brücke, hinter der wir bequem über einen Zuweg direkt das Ufer des Kanals erreichen. Bei schönem, sonnigen Wetter fahren wir auf dem Uferweg dahin, den Kanal rechts von uns, links zumeist weitläufige Wiesen und Felder. Auf der gegenüberliegenden Seite ist zunächst noch ein Teil des Dortmunder Hafens zu sehen, bevor die Landschaft auch dort grün wird. Einmal müssen wir auf unserer Seite das Ufer des Kanals verlassen und ein kleines Industriegebiet umfahren. Aber das ist schnell erledigt und gleich darauf folgen wir wieder dem Weg direkt am Wasser.

Blick auf einen Teil des Dortmunder Hafens
-> Blick auf einen Teil des Dortmunder Hafens

Fahrt entlang des Dortmund-Ems-Kanals
-> Fahrt entlang des Dortmund-Ems-Kanals

Fahrt entlang des Dortmund-Ems-Kanals
-> Fahrt entlang des Dortmund-Ems-Kanals

Wir radeln gemächlich dahin, machen zwischendurch immer wieder einen kurzen Stopp für ein Foto und erreichen nach rund zwei Stunden den Schleusenpark Waltrop Hier in diesem Gebiet kann man sich durchaus etwas länger aufhalten. Das alte Schiffshebewerk Henrichenburg, der Hafen Waltrop und ein Cafe laden zum entdecken und verweilen ein. Da wir jedoch erst am späten Mittag in Dortmund gestartet sind und heute noch bis Datteln fahren wollen, begnügen wir uns mit einigen Fotos und fahren dann weiter.

Am Schleusenpark Waltrop
-> Am Schleusenpark Waltrop

Am Schleusenpark Waltrop
-> Am Schleusenpark Waltrop

Am Schleusenpark Waltrop
-> Am Schleusenpark Waltrop

Radweg am Kanal entlang Richtung Datteln
-> Radweg am Kanal entlang Richtung Datteln

Endspurt nach Datteln

Was nun allerdings folgt, ist alles andere als schön und idyllisch. Am Kanal versperren das Kraftwerk Datteln auf der einen und das Gelände der mittlerweile geschlossenen Firma Ruhrzink auf der anderen Seite den Weg. Daher folgen wir der Beschilderung des DEK-R und gelangen so zur B 235. Diese vielbefahrene Bundesstraße verfügt zwar über einen Radweg. Dieser liegt zumeist jedoch genau neben der Fahrbahn und so rauschen die Fahrzeuge oft recht knapp an uns vorbei. Laut unserem Fahrradführer müssen wir der B 235 nun einige Kilometer folgen. Aber kurz hinter dem Kraftwerk führt rechts eine Straße Richtung Kanal und wir versuchen unser Glück. Und siehe da, es funktioniert. Bald darauf rollen wir wieder direkt am Kanal entlang, am Abzweig des Datteln-Hamm-Kanals vorbei bis zum Dattelner Hafen. Wir fahren am Schiffermast vorbei, bis wir den Wesel-Datteln-Kanal erreichen. Auf der anderen Seite führt der DEK weiter Richtung Norden nach Olfen. Wir aber verlassen an dieser Stelle den Kanal und fahren nach Datteln hinein, wo wir übernachten. Morgen werden wir von hier aus über die Schleuse Datteln die Kanalseite wechseln und unsere Tour fortsetzen.

Abzweig des Datteln-Hamm-Kanal
-> Abzweig des Datteln-Hamm-Kanal

Schiffermast in Datteln
-> Schiffermast in Datteln

Da geht es weiter Richtung Norden
-> Da drüben geht es Morgen weiter Richtung Norden


 Tag zwei: Von Datteln nach Münster 

Wir starten unsere Fahrt gegen halb zehn und stehen nach überquerung der Schleuse Datteln kurz darauf auch schon am "Dattelner Meer". Nach Nordwesten zweigt hier der Wesel-Datteln-Kanal Richtung Rhein ab, nach Nordosten führt links die "Alte Fahrt", rechts daneben die "Neue Fahrt" des Dortmund-Ems-Kanals. Ein wenig weiter südlich, wir sind gestern daran vorbeigefahren, zweigt hier in Datteln auch der Datteln-Hamm-Kanal Richtung Osten ab. Nimmt man nun noch den Rhein-Herne-Kanal hinzu, der kurz vor Datteln in den DEK mündet, so machen all diese vielen künstlichen Wasserwege das kleine Datteln zum größten Kanalknotenpunkt Europas.

Am Dattelner Meer
-> Am Dattelner Meer

Entlang der "Alten Fahrt" bis Olfen

Hier ab Datteln können wir nun nicht direkt dem (neuen) DEK folgen, sondern müssen entlang der "Alten Fahrt" weiterradeln. Das ist ein stillgelegter Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals. Ursprünglich fuhren die Schiffe hier entlang, allerdings wurde der Kanal an dieser Stelle mit zunehmenden Verkaufsaufkommen und mit immer größeren Schiffstypen zu klein. Eine Verbreiterung wäre zu aufwendig gewesen, da dieses Teilstück aus vielen Brücken besteht und mit besonderen, teils neun Metern hohen Dämmen versehen ist. So wurde von 1929 bis 1937 von Datteln aus Richtung Lüdinghausen eine neue Streckenführung für den Dortmund-Ems-Kanal errichtet, die "Neue Fahrt". Damit wurde ein schnellerer Warentransport gewährleistet. Die "Alte Fahrt" ist heute nicht mehr schiffbar, aber landschaftlich ist es recht schön hier. Und da auch das Wetter passt, treten wir gutgelaunt in die Pedalen.

Alte Fahrt von Datteln nach Olfen
-> Entlang der "Alten Fahrt" von Datteln nach Olfen

Alte Fahrt von Datteln nach Olfen
-> Entlang der "Alten Fahrt" von Datteln nach Olfen

Von Olfen bis Senden

Bis an den Rand von Olfen führt uns dieser Weg, dort dann ein wenig durch den Ort, bis wir am Ortsausgang wieder auf die "Alte Fahrt" treffen. Hier finden wir einen kleinen Jachthafen, an dessen Rand wir gemächlich entlangradeln, bis wir schließlich auf den "richtigen" DEKR treffen.

Jachthafen an der 'Alten Fahrt' in Olfen
-> Jachthafen an der "Alten Fahrt" in Olfen

Einmündung der 'Alten Fahrt' in den Dortmund-Ems-Kanal
-> Einmündung der "Alten Fahrt" (von rechts) in den Dortmund-Ems-Kanal

Nun führt der Radweg über Lüdinghausen weiter bis nach Senden. Zunächst lässt es sich hier gut fahren. Direkt am Kanal entlang macht es Spaß, einfach so dahin zu rollen und nebenbei auf das Wasser zu gucken und die Schiffe zu beobachten. Die letzten Kilometer vor Senden allerdings sind dann leider eine extrem schlechte Wegstrecke. Recht große Steine liegen auf dem Radweg, es ist eine einzige Rüttelpartie. Spaß macht das wirklich nicht und wir sind froh, als wir endlich Senden erreichen und der Weg wieder besser wird. Hier verlassen wir den Radweg und machen einen Abstecher in die Stadt. Wir finden eine Eisdiele, wo wir uns ein wirklich leckeres Eis schmecken lassen.

Münster, die Fahrradstadt

Der Himmel hat sich zuletzt immer mehr bedeckt, es sieht so aus, als könnte es noch Regen geben. Wir lassen uns aber nicht abschrecken und fahren gut gestärkt weiter auf dem DEKR bis nach Münster. Dort checken wir in der Jugendherberge ein. Schön gelegen ist sie, direkt am Aasee, einem künstlich angelegten Stausee, der für die Münsteraner ein beliebtes Naherholungsziels nahe dem Stadtzentrum ist.

An der Jugendherberge in Münster
-> An der Jugendherberge in Münster

Die Nähe zum Aasee ist vermutlich auch der Grund für den meiner Meinung nach für eine Jugendherberge recht hohen Übernachtungspreis: Ein "Standard-Doppelzimmer" kostet 39,- Euro pro Person und Nacht, ein "Komfort-Einzelzimmer" sogar 79,- Euro. Hinzu kommt noch eine Touristensteuer, die 4,5 % vom Übernachtungspreis beträgt. Mit welcher Berechtigung die erhoben wird, kann ich allerdings nicht sagen.

Das Wetter ist wieder besser geworden, die Sonne scheint vom mittlerweile fast blauen Himmel. Wir gehen in die Stadt, die wirklich einen recht netten Eindruck macht. Allerdings ist es hier ziemlich chaotisch mit den Fahrradfahrern. Die dürfen anscheinend alles, sind teilweise recht rücksichtslos. Vorfahrt? Egal! Jeder fährt kreuz und quer, es herrscht ein ziemliches Durcheinander, an das man sich als Ortsansässiger vielleicht im Laufe der Zeit gewöhnt. Für mich Tagestourist ist es allerdings ziemlich ätzend. Wir sind froh, als wir ein Restaurant finden, bei dem wir uns draußen hinsetzen können und genießen dort unser Abendessen. Anschließend schlendern wir noch ein wenig am Aasee entlang, bis wir gegen 22:30 Uhr den Tag beschließen.

In Münster
-> In Münster

In Münster
-> In Münster


 Tag drei: Von Münster nach Rheine 

Nach einen guten und ausgiebigen Frühstück holen wir unsere Räder aus dem Fahrradkeller. Es ist fast halb zehn, als wir von der JH starten und den Weg Richtung DEK suchen. Aber wir finden keine Beschilderung, keinen Wegweiser. Wir fahren auf "gut Glück" in die Richtung, wo der Kanal in etwa ist, fragen zwischendurch Passanten und benötigen so eine gute halbe Stunde, bis wir endlich wieder den Radweg gefunden haben. Das hebt nicht gerade die Stimmung und trägt gemeinsam mit dem Radfahrerchaos und der Touristensteuer nicht gerade dazu bei, hierher wiederkommen zu wollen.

Start an der JH in Münster
-> Start an der JH in Münster

Kurz darauf erreichen wir die Schleuse Münster und auch hier gibt es Irritationen: Wo geht es hier eigentlich weiter? Wir finden den Weg hinab auf den Radweg nicht. Auch ein anderer Radfahren, den wir ansprechen, zuckt nur mit den Schultern. Schließlich, nach einem Fehlversuch, der uns fast wieder zurück Richtung Stadt bringt, finden wir endlich einen Radfahrer, der uns den richtigen Weg weisen kann.

Die Schleuse in Münster
-> Die Schleuse in Münster

Die Schleuse in Münster
-> Die Schleuse in Münster

Adieu chaotisches Münster.
Endlich!

Wir folgen dem Kanal Richtung Norden. Das Wetter ist recht gut, unsere Laune entsprechend auch. Der Weg führt immer direkt am Wasser entlang, nur wenn wir die Kanalseite wechseln, müssen wir über ein kurzes Stück Straße fahren. Unsere Begleiter sind Schiffe und Enten, die auf dem Kanal dahin ziehen. Und es sind nicht nur große Kanalschiffe, die wir hier zu sehen bekommen. Auch kleine und große Jachten schippern hier entlang. An Abwechslung mangelt es uns also nicht :o)

Radweg entlang des Kanals
-> Radweg entlang des Kanals

Idylle am Kanal
-> Idylle am Kanal

Idylle am Kanal
-> Idylle am Kanal

Unsere Fahrt führt uns vorbei an Gelmer und Schmedehausen, kurz dahinter fahren wir unter der Autobahnbrücke der A1 hinweg. Oben Geschwindigkeit und Hektik, unten Langsamkeit und Entschleunigung. Ich bin ehrlich gesagt froh, im Augenblick unten zu sein. Apropos Brücke: 160 Eisenbahn-, Straßen-, Wege- und Fußgängerbrücken sowie 6 Rohr-/Kabelbrücken überqueren den DEK. Hinzu kommen noch Unterquerungen, nämlich 59 Durchlässe und Düker sowie 139 Rohr- und Kabeldüker. Bei einem Kanalbau muss man also nicht ßnurß dafür sorgen, dass Wasser in die Rinne kommt. Sondern auch, dass man darüber hinweg bzw. darunter her kommt.
Es ist schon interessant, was unserer Radführer alles so weiß...

In der Nähe von Ladbergen gibt es ein Schuhmachermuseum. Auch das weiß unserer "schlaues Buch". Was es aber nicht weiß, ist, dass es nur nach Absprache geöffnet hat. Daher biegen wir kurz darauf voller freudiger Erwartung von dem Kanal ab und folgen den Schildern zum Museum. Wir wollen uns dort nicht nur das Schuhmacherhandwerk im Wandel der Zeit ansehen. Vielmehr lockt uns auch eine Pause in einem Cafe, das sich ja eigentlich bei jedem Museum befindet. Es ist mittlerweile fast halb zwei, beste Zeit also für eine Stärkung. Umso größer die Enttäuschung, als wir vor verschlossenen Türen stehen. Wirklich schade. Sowohl Museum als auch Cafe wären jetzt eine willkommene Abwechslung gewesen.

Das Schuhmachermuseum bei Ladbergen
-> Das Schuhmachermuseum bei Ladbergen

Also fahren wir weiter am Kanal entlang Richtung Dörenthe. Und verfahren uns kolossal. Der Weg führte ein Stück lang nicht direkt am DEK entlang, sondern durch Wiesen und Felder. Dann haben wir anscheinend den Abzweig zurück auf den Weg verpasst und stehen kurz darauf im Wald. Der ohnehin sehr schlechte Weg hört plötzlich ohne Vorwarnung auf und uns bleibt nichts anderes übrig, als umzukehren. Kurze Zeit später stehen wir vor einem großen Tor, an dem wir zuvor vorbei gefahren sind. Nun sehen wir uns das Schild darauf genauer an. Darauf steht, dass wir es nach der Durchfahrt wieder gewissenhaft schließen sollen. Dies soll den Wildwechsel eindämmen. Na toll, wir hatten gedacht, hier wäre die Durchfahrt verboten. Also Tor auf, hindurchfahren und Tor wieder zu. Und schon treffen wir wieder auf den Kanal und seinen Radweg. Trotzdem bessert sich unsere Laune nicht wesentlich. Wir sind seit heute Morgen unterwegs, haben nur Wasser und einen Müsliriegel als Verpflegung gehabt. Die Cafes, an denen wir bisher vorbei kamen, hatten entweder Ruhetag oder Ferien oder waren komplett geschlossen. So dauert es bis Dörenthe, bis wir endlich eine Pause mit Kaffee und Kuchen machen können. Mittlerweile ist es halb vier, diese Stärkung ist auch dringend nötig.

Auf dem Radweg abseits des Kanals
-> Auf dem Radweg abseits des Kanals

Pause in Dörenthe
-> Pause in Dörenthe

Gestärkt und zufrieden radeln wir bald darauf weiter. Nach Dörenthe führt der Radweg wieder direkt am Kanal entlang, so habe ich das sowieso am liebsten. Hier stehen zum Teil sehr schöne Häuser direkt am Kanal, es macht bestimmt Spaß, hier zu wohnen.

So macht das Radfahren Spaß
-> So macht das Radfahren Spaß

Wohnen am Dortmund-Ems-Kanal
-> Wohnen am Dortmund-Ems-Kanal

Hinter Riesenbeck kommt das "Nasse Eck", wo der Mittellandkanal in den DEK fließt. Hier könnte man gut eine Pause machen, wir aber fahren weiter, an Bevergern mit seiner Schleuse vorbei immer schön am Kanal entlang, bis wir schließlich Rheine erreichen.

Das „Nasse Eck“. Der Mittellandkanal fließt in den DEK
-> Das "Nasse Eck". Hier fließt der Mittellandkanal in den DEK

An der Schleuse Bevergern
-> An der Schleuse Bevergern

Die Schleuse Bevergern
-> Die Schleuse Bevergern

Mittlerweile ist es fast halb sechs. Wir verlassen den DEKR und suchen in Rheine die Jugendherberge. Dort beziehen wir die Zimmer, duschen und machen uns dann auf in den Ort. Der Weg führt uns zunächst durch den Stadtpark und dann weiter in die Stadt. Dabei kommen wir auch an eine überraschend grofließte, dreischiffige Basilika vorbei. Davor steht die Statue des heiligen Antonius von Padua. Der ist auch Namensgeber für diese Basilika, sie heifließtt nämlich "St.-Antonius-Basilika". Im Reiseführer lese ich, dass sie erst zwischen 1899 und 1905 erbaut wurde. Ich habe sie, ehrlich gesagt, für wesentlich älter gehalten.

Im Stadtpark von Rheine
-> Im Stadtpark von Rheine

Die „St.-Antonius-Basilika“ in Rheine
-> Die "St.-Antonius-Basilika" in Rheine

Statue des heiligen Antonius von Padua
-> Statue des heiligen Antonius von Padua

Rheine selber oder zumindest das, was ich davon sehe, haut mich nun nicht gerade aus den Schuhen. Wir folgen zunächst der Strafließte, überqueren dann die Ems auf einer kleinen Fufließtgängerbrücke, entdecken kurz dahinter im Schatten einer weiteren Kirche, St. Dionysius, ein Lokal, wo wir draufließten sitzen können. Dort geniefließten unser Abendessen im letzten Sonnenschein des Tages. Auf dem anschliefließtenden Gang zurück zur JH decken wir uns in einem Supermarkt noch mit Wasser und Keksen für Morgen ein. Gegen 22:00 Uhr ist dann Feierabend für heute.


 Tag vier: Von Rheine nach Meppen 

Das Wetter ist wirklich prima heute Morgen. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und die Temperaturen sind immerhin schon so angenehm, dass wir uns dazu entschließen, draußen auf der Terrasse zu frühstücken. Wir sind die ersten hier, aber nach und nach kommen auch die wenigen anderen Gäste der Jugendherberge. Da ist ein Pärchen mittleren Alters, das wir gestern Morgen auch schon beim Frühstück in der JH Münster gesehen haben, genauso wie vier die Mädchen, die anscheinend die Sommerferien für eine Tour nutzen. Hinzu kommt noch ein älterer Mann mit einem kleinen Mädchen, vermutlich seiner Enkelin. Und ein Soloradfahrer sowie ein Paar mit drei kleinen Kindern. Alle frühstücken draußen, aber jeder setzt sich für sich allein. Außer ein "Guten Morgen" bekommt niemand ein Wort heraus. Es ist wohl zu früh, um Konversation zu betreiben. Oder das Koffein fehlt noch :o)

Die JH in Rheine
-> Die JH in Rheine

Bis wir schließlich starten, ist es fast zehn Uhr. Auf unseren Rädern suchen wir den Weg zum Kanal und finden ihn dank guter Ausschilderung auch sehr schnell. Unsere Fahrt gestaltet sich zunächst recht einfach: Wir fahren Richtung Norden immer in Fahrtrichtung links vom Kanal. Es sind kaum Schiffe unterwegs, andere Radfahrer oder Fußgänger auch nicht. So strampeln wir vor uns hin, unterhalten uns oder genießen einfach nur die Ruhe um uns herum.

Radfahren direkt am Kanal entlan
-> Radfahren direkt am Kanal entlang

Aber wie es so ist, lange währt dieses entspannte dahinrollen leider nicht. Nach knapp einer Stunde zeigt der Wegweiser des DEKR vom Kanal weg. Die Strecke direkt am Wasser entlang ist nicht mehr befahrbar und führt stattdessen durch Wald, Feld und Wiese. Echt blöd, das habe ich zu Hause auch, dafür muss ich hier nicht langfahren.

Hier geht es nur sehr ungemütlich weiter ...
-> Hier geht es nur sehr ungemütlich weiter ...

... also weichen wir auf die Strasse aus
-> ... also weichen wir auf die Strasse aus

Eine knappe halbe Stunde später treffen wir auf die Schleuse Hesselte. Hier wollen wir eigentlich die Kanalseite wechseln und wieder direkt am Wasser entlang fahren. Aber eine Radlerin kommt uns genau von dort entgegen.
"In ungefähr einen Kilometer wird die Strecke unpassierbar. Ich musste leider umdrehen" erzählt sie uns. So ein Mist. Also wieder weg vom Kanal, wieder durch Wald und Feld, wieder nichts mit entspannt am Wasser entlang radeln.

An der Schleuse Hesselte
-> An der Schleuse Hesselte

An der Schleuse Hesselte
-> An der Schleuse Hesselte

Apropos Schleuse: Genau zehn davon befinden sich entlang des DEK: In Henrichenburg, Münster, Bevergern, Rodde, Altenrheine, Venhaus, Hesselte, Gleesen, Varloh und Meppen. Außerdem gibt es noch fünf Ems-Staustufen in Hüntel, Hilter, Düthe, Bollingerfähr und Herbrum. Und am Emswehr Hanekenfähr gibt es eine Sperrschleuse, die bei Ems-Hochwasser in Betrieb genommen wird. Also nicht nur Brücken und Tunnel sind beim Bau des Kanals zu berücksichtigen, auch genügend Schleusen für den Höhenausgleich werden benötigt. Ziemlich umfangreich, so ein Kanalbauprojekt.

Von Hesselte bringt uns eine recht kurze Fahrt zur Schleuse Gleesen. Direkt dahinter fließt von Westen kommend die Ems in den DEK, der jetzt nicht mehr als künstliches Wasserbett dahinfließt, sondern den natürlich Verlauf des Flusses nutzt. Von der anderen Seite kommt auch noch die "Große Aa" dazu. Über eine Holzbrücke queren wir das Wasser und müssen direkt danach zum ersten Mal eine richtige Steigung bewältigen. Nur kurz zwar, aber selbst im kleinsten Gang ist es eine Herausforderung.

Hinter der Schleuse Gleesen fließt die Ems in den Dortmund-Ems-Kanal
-> Hinter der Schleuse Gleesen fließt die Ems in den Dortmund-Ems-Kanal

Eine kleine, aber feine Steigung direkt am Kanal
-> Eine kleine, aber feine Steigung direkt am Kanal

Ab hier folgen wir dem Wasserlauf mal direkt, mal in unmittelbarer Nähe bis zum Ort Hanekenfähr, wo der DEK wieder von der Ems abzweigt und seinen eigenen Weg geht. Oder besser, fließt. Wobei, so ganz "eigen" ist der Weg nicht. Vielmehr folgt der DEK als Seitenkanal der Trasse des 1828 gebauten Ems-Hase-Kanals. Uns ist das egal, wir radeln in Fahrtrichtung links direkt am Ufer entlang und erreichen bald darauf Lingen. Fast halb zwei ist es und wir beschließen, in dem Ort nach einem Cafe zu suchen, um uns mit Kaffee bzw. Tee und Kuchen zu stärken.

Nach dieser kleinen Auszeit fahren wir zurück zum Kanal. Und sehen uns gleich darauf irritiert an. Laut Wegweiser sind es noch 34 Kilometer bis Meppen, laut Karte sollen es aber nur rund zwanzig sein. Wir entschließen uns, einfach am Kanal entlang weiter zu fahren und abzuwarten, wie weit es tatsächlich wird.

Möwen
-> Reden die etwa über uns?

Kurz nach einer Abzweigung zu einem Ort namens "Biene" wird der Weg aber quasi unpassierbar. Eine Brücke zum wechseln der Kanalseite ist weit und breit nicht in Sicht. So bleibt uns leider nichts weiter übrig, als auf der direkt neben dem Kanal gelegenen B70 zu fahren. Schnurgerade wie an einer Linie gezogen führt die gen Norden. Zum Glück gibt es hier einen Radweg, der durch einen breiten Grünstreifen von der Straße getrennt ist. Trotzdem: Schön ist das nicht und so hatten wir uns das auch nicht vorgestellt.

Gegen 16:00 Uhr erreichen wir schließlich Meppen. Unser erster Weg führt uns zur Touristeninformation. Dort lassen wir uns eine Unterkunft vermitteln. Hier in Meppen wollen wir zwei Nächte bleiben und den morgigen Tag für eine Stadterkundung nutzen. Unser Hotel liegt sehr zentral, direkt am Marktplatz und ist somit der ideale Ausgangspunkt für unser Vorhaben.

Hotel in Meppen
-> Unser Hotel in Meppen, direkt am Marktplatz

Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt und die Räder in der hauseigenen Garage eingeschlossen haben, gönnen wir uns ein leckeres Abendessen im hoteleigenen Restaurant. Anschließend noch ein kleiner Spaziergang, dann beschließen wir den heutigen Tag.


 Tag fünf: Ein Tag in Meppen 

Unsere Gefühle sind ein wenig zwiespältig heute Morgen. Nach vier Fahrtagen nun also mal eine Pause. Eigentlich haben wir nicht das Gefühl, diese Unterbrechung nötig zu haben. Trotzdem wird ein wenig Abwechslung vielleicht nicht schaden. Und so sitzen wir am Tisch und genießen ein wirklich gutes Frühstück. Schade nur, dass wir nicht draußen sitzen können. Das Wetter würde es momentan nämlich zulassen.

Prospekt 'Meppen erkunden'Nach dem Frühstück gehen wir zur Touristeninformation und fragen nach einem Reiseführer.

"Meppen in 24 Stunden oder so etwas in der Art" erkläre ich der jungen Frau, die mich ein wenig ratlos ansieht.

"Nein, so etwas haben wir nicht" erklärt sie mir.

Ich bleibe hartnäckig und schließlich gibt sie mir eine kleine Broschüre mit dem Titel "Meppen erkunden auf TIMs Pättken". Ich blättere kurz durch, es ist genau das, was ich gesucht habe. Eine Anleitung für einem Stadtrundgang auf eigener Faust, sozusagen. Einen Euro muss ich dafür auf den Tresen legen und schon kann es losgehen.

TIMs Pättken - Was bedeutet das eigentlich? TIM steht für "Tourist Information Meppen". Und Pättken bedeutet so viel wie Wege bzw. Weg. Und dieser Weg beginnt nicht weit von hier entfernt am Rathaus von Meppen. Das wurde 1408 erbaut und das Untergeschoß besteht aus ziemlich großen Findlingen. Das sieht schon mal recht ungewöhnlich aus. Erweitert wurde es dann 1605. Auf die Spitze wurde seinerzeit ein kleines Schiff gesetzt, um die Verbindung Meppens zur Hanse zu dokumentieren. Und wer sich über das Relief im oberen Bereich wundert: Früher wurde hier im Rathaus auch Gericht gehalten. Und das dort immer alles ehrlich und fair zuging, sollte diese Darstellung des biblischen Urteils Salomon bezeugen.

Na, dann konnte ja nichts mehr schief gehen...

Heute ist im Untergeschoß ein Cafe zu Hause. Der obere, historische Ratssaal wird aber noch gerne für Empfänge genutzt. Und auch trauen kann man sich hier. Nämlich ßJaß zu seiner/seinem Liebsten zu sagen: Hier finden die standesamtlichen Trauungen statt.

Rathaus von Meppen
-> Rathaus von Meppen

Rathaus von Meppen
-> Rathaus von Meppen

Salomon-Relief am Rathaus
-> Salomon-Relief am Rathaus

Das Haus direkt hinter dem Rathaus sieht unscheinbar aus und würde hier auch keine Erwähnung finden, wenn, ja wenn nicht "Stadtverwaltung" daran stehen würde. Im Jahr 1816 erbaut und zunächst als Arztpraxis genutzt, befindet sich hier seit 1936 die Meppener Stadtverwaltung. Und laut unserem Reiseführer "TIM" befinden sich darin neben verschieden Wechselausstellungen auch Bilder aus dem Besitz der Herzöge von Arenberg. Die kennen wir zwar nicht, trotzdem wollen wir uns das anschauen und gehen einfach mal hinein. Die derzeitige Wechselausstellung besteht anscheinend aus Bilder von Kindergartenkindern. Bunt, schrill und mit größtenteils unerkennbaren Motiven hängen sie da, ein Stolz für jede Mami und jeden Papi. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin ja auch einer :o) Im kleinen Treppenhaus finden wir dann die erwähnten Gemälde, auch die im Reiseführer angepriesene "sehenswerte Kopie des berühmten Gemäldes "Die Gesandten" von Hans Holbein d. J. von 1533". Schnell ein Foto, dann verlassen wir das Gebäude. Ich nehme mir vor, später zu recherchieren, was es mit diesem Bild eigentlich auf sich hat. Und in diesem Stadium der Forschung befinde ich mich momentan immer noch ;-)

Haus der Stadtverwaltung
-> Haus der Stadtverwaltung

Das Gemäldes „Die Gesandten“ im Treppenhaus der Meppener Stadtverwaltung
-> Das Gemäldes "Die Gesandten" im Treppenhaus der Meppener Stadtverwaltung

Die nächste Sehenswürdigkeit nehmen wir dagegen ernster. Nach einem kleinen Fußmarsch (und ein wenig suchen) stehen wir vor der recht unscheinbaren jüdischen Gedenkstätte. 1996 wurde sie errichtet, unweit einer Synagoge, die 1938 niedergebrannt worden ist. Im Davidstern auf dem rechten der beiden Steine stehen die Namen all der jüdischen Familien, die zwischen 1933 und 1945 hier in Meppen wohnten. Besonders beeindruckend oder gar imposant finde ich diese Gedenkstätte nicht. Muss sie aber auch nicht sein. Manchmal sagen Worte mehr als große Monumente und mich beeindruckt die Inschrift des kleinen Rechteckes auf dem linken der beiden Steine dafür umso mehr.

n der jüdischen Gedenkstätte von Meppen
-> An der jüdischen Gedenkstätte von Meppen

n der jüdischen Gedenkstätte von Meppen
-> An der jüdischen Gedenkstätte von Meppen

Im Reiseführer steht außerdem, dass sich am Rande von Meppen noch ein kleiner jüdischer Friedhof befindet. Einen Hinweis darauf direkt hier an der Gedenkstätte wäre sicher auch nicht schlecht.

Wir gehen weiter, uns lockt die Straße "Im Sack". Ich habe keine Ahnung, was ich mir darunter vorstellen kann, aber immerhin soll hier das älteste Bürgerhaus Meppens stehen. Von 1561 ist es und hat damit sogar den 30-jährigen Krieg überstanden. Als wir schließlich davor stehen, bin ich schon ein wenig enttäuscht. Dieses Alter sieht man dem Gemäuer nun wirklich nicht an. Im Gegenteil, hier scheint kräftig renoviert worden zu sein. Ein nochmaliges lesen unseres Reiseführers bringt Licht in die Sache. Dort steht, dass die Bauhölzer "teilweise" aus der Zeit von 1561 stammen. Aha, daher sieht von außen alles so neu aus. Auch der Brunnen, der am Straßenrand steht, ist "aufgehübscht". Früher stand hier zwar auch schon einer, aber mit niedrigerem Dach.

Der Name "Im Sack" soll sich übrigens daraus ableiten, dass diese Straße zu einer Sackgasse geworden ist. Klingt fast schon zu einfach...

Haus in der Straße „Im Sack“
-> Haus in der Straße "Im Sack"

Straße „Im Sack“ mit Brunnen
-> Straße "Im Sack" mit Brunnen

Von hier aus ist es nicht weit bis zur Propsteikirche St. Vitus. Eine erste, kleine Taufkirche soll hier bereits um 780 gestanden haben. Das jetzige Gebäude allerdings stammt aus dem Jahr 1225, Umbauten erfolgten 1463 und 1870. Innen gefällt mir der Flügelaltar. Im Reiseführer lese ich, dass er von dem "Petroleumkönig" Wilhelm Anton Riedemann gestiftet wurde. Der Name sagt mir ehrlich gesagt nichts, aber die Auflösung steht weiter hinten in meinem Heftchen, wir kommen später noch dazu. Wir setzen uns ein wenig in eine der Bankreihen und genießen wir die Ruhe, die hier herrscht.

Meppens Propsteikirche St. Vitus
-> Meppens Propsteikirche St. Vitus

Meppens Propsteikirche St. Vitus
-> Meppens Propsteikirche St. Vitus

Meppens Propsteikirche St. Vitus
-> Meppens Propsteikirche St. Vitus

Auf unserem weiteren Weg auf "TIMs Pättken" kommen wir an einem Denkmal vorbei. In einer kleinen Grünanlage steht es und zeigt uns Ludwig Windthorst (1812-1891). Er war Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Meppen und setzte sich für soziale Gerechtigkeit und für Religionsfreiheit ein. Dafür wurde er 1888 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Das Denkmal steht direkt neben einem Gebäude, das nach seinem Bau 1726 bis 1729 die Lateinschule des Jesuitenordens war. Natürlich wurde zwischenzeitig fleißig renoviert und heute ist es ein durchaus ansehnliches Gebäude, in dem das örtliche Gymnasium untergebracht ist.

Denkmal für Ludwig Windthorst, Ehrenbürger von Meppen
-> Denkmal für Ludwig Windthorst, Ehrenbürger von Meppen

Meppens Gymnasium
-> Meppens Gymnasium

Mittlerweile ist es Mittag, Zeit für eine kleine Pause. Daher gehen wir Richtung Fußgängerzone, machen dabei allerdings einen Schlenker und kommen an das Stadtmuseum von Meppen vorbei. Das ehemalige Kaufmannshaus aus dem Jahre 1835 wird durch den örtlichen Heimatverein seit 1990 als Museum genutzt. Die öffnungszeiten sind immer nachmittags. Da die Wolken am Himmel deutlich zugenommen haben und es stark nach Regen aussieht, wäre ein Besuch hier nach unserer Pause durchaus eine Alternative. Durch den Regen laufen wollen wir nämlich nicht.

Das Stadtmuseum von Meppen
-> Das Stadtmuseum von Meppen

Apropos Regen: Wir schaffen es gerade noch bis in die Fußgängerzone, da fallen auch schon die ersten Tropfen. Wir flüchten uns in ein Cafe, an dem wir gerade vorbeikommen und trösten uns mit Kaffee und Kuchen. Oder, in meinem Fall, mit Kakao und einem riesigen Stück Apfelkuchen mit noch mehr Schlagsahne obendrauf. Bis ich das vertilgt habe, hat sogar der Regen aufgehört :o)
Anschließend setzen wir uns noch mit einem Eis in der Hand auf eine Sitzbank, die an einem Wasserspiel steht. Da mittlerweile sogar die Sonne vorsichtig wieder zwischen den Wolken hindurch guckt, sind wird rundum zufrieden.

Wasserspiel in der Fußgängerzone
-> Wasserspiel in der Fußgängerzone

Nach dieser Stärkung beschließen wir, lieber weiter draußen auf Tour zu sein als durch ein Museum zu stöbern. Wir machen uns auf Richtung Nordosten, verlassen den Innenstadtbereich. Kurz vor der Hase-Hub-Brücke, die über den DEK führt, biegen wir rechts ab auf den Festungswall. Ausschilderung zum Festungswall So zumindest steht es auf einem Schild. Aber von einem mächtigen Wall, wie ich mir das vorgestellt hatte, ist hier weit und breit nichts zu sehen. Hier ist nur ein Fußweg, gesäumt von einem schönen, alten Baumbestand. Der Reiseführer weiß zu berichten, dass der ursprünglich hier verlaufene Wall 1762 geschleift wurde. Jetzt ist hier nur noch eine kleine Erhöhung, auf der wir nun entlang spazieren. Bald darauf führt eine Fußgängerbrücke über den DEK hinüber auf die andere Kanalseite. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf den Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal. Auf der Landzunge dazwischen steht eine Windmühle, die Höltimgmühle. Vermutlich 1639 in Friesland erbaut, wurde sie 1960 anlässlich der 600 Jahr Feier der Stadt Meppen dort abgebaut und an dieser Stelle neu errichtet. Optisch ist das alles sehr schön. Der Slogan von Meppen "Stadt am Wasser - Stadt im Grünen" finde ich hier an dieser Stelle besonders passend. Fast ist es schon schade, dass wir vor kurzem erste unsere Pause gemacht haben. In der Mühle befindet sich nämlich ein Cafe. Und dort zu sitzen und auf das Wasser zu schauen, hat bestimmt auch etwas. Aber nach ein paar Fotos gehen wir weiter.

Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal.
-> Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal

Die Höltimgmühle in Meppen
-> Die Höltimgmühle

Unser Ziel ist die Koppelschleuse. Das ist eine ganz besondere Bauform einer Schleuse. Sie besteht aus zwei hintereinanderliegenden Kammern. Dadurch können Höhenunterschiede in zwei Schleusengängen überwunden werden, ohne dabei mit hohem Aufwand eine einzelne, riesige Schleuse zu bauen. Dieses Prinzip wird zum Beispiel auch auf dem Panamakanal genutzt. Hier allerdings ist die Anlage erheblich kleiner. Zwischen 1824 und 1828 wurde sie erbaut, um den Schiffen auf ihrer Fahrt über dem ehemaligen Ems-Hase-Kanals in die Hase zu ermöglichen. Dazu musste die Schleuse manuell von Männern, den "Schleusenknechten", per Hand mit großem Kraftaufwand geöffnet und geschlossen werden.

Die Koppelschleuse in Meppen
-> Die Koppelschleuse

Die Koppelschleuse in Meppen
-> Die Koppelschleuse

Noch heute ist die Schleuse hier in Meppen in ihrem ursprünglichen Zustand.

Quasi direkt neben der Koppelschleuse hat der Meppener Kneipp-Vereins eine Kneipp "Wohlfühloase" errichtet. Ein Wassertrettbecken , ein Barfußgang und ein Kräutergarten befinden sich hier. Eine Anleitung zum richtigen "Kneippen" steht auf einer Tafel neben dem Becken. Wer möchte, kann hier alles unentgeltlich nutzen. Wir allerdings sehen uns lediglich den Kräutergarten ein wenig näher an, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Innenstadt machen.

Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins
-> Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins

Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins
-> Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins

Unser Weg zurück führt uns nun auch über die Hase-Hub-Brücke. Und dort, an dem Gitter, sind viele Schlösser befestigt von (Ehe-) Paaren, die hier ihre Unzertrennlichkeit dokumentieren wollen. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch eine Brücke, auf der solche Schlösser nicht zu finden sind. Bis sie es, siehe Hohenzollernbrücke in Köln, wegen dem Gewicht sogar bis in die Zeitung schaffen. Das ist ja dann auch eine Art Publicity für eine Stadt.

Die Hase-Hub-Brücke in Meppen
-> Die Hase-Hub-Brücke in Meppen

Keine Brücke ohne Schlösser
-> Keine Brücke ohne Schlösser

Einen Punkt aus unserem kleinen Reiseführer haben wir allerdings noch nicht gefunden: Die Gedenktafel für den "Petroleumkönig" Wilhelm Anton Riedemann. Genau, das ist der, der den Flügelaltar für die Propsteikirche St. Vitus gestiftet hat. Laut Heftchen soll sich diese ganz in der Nähe des Rathauses befinden. Also machen wir uns noch einmal auf, umrunden das Rathaus mehrfach, schauen auf die umliegenden Gebäude und werden dann tatsächlich doch noch fündig. Klein und unscheinbar ist an einem der Häuser eine kleine Tafel angebracht, auf der neben dem Konterfei Riedemanns auch ein wenig Text steht. Aus dem erfahren wir unter anderem, dass Riedemann 1832 in Meppen geboren wurde und Mitbegründer der "Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft" war, dem Vorläufer der heutigen ESSO-AG. So haben wir zum guten Schluss auch dieses Rätsel gelöst.

Die Wilhelm Anton Riedemann-Gedenktafel

-> Die Wilhelm Anton Riedemann-Gedenktafel

Es ist zwar noch nicht sehr spät, trotzdem suchen wir uns in einem Lokal am Marktplatz einen Platz und lassen uns dort ein leckeres Abendessen schmecken. Dabei sprechen wir auch über unseren Tag hier in Meppen. Und sind uns einig, dass ein halber Tag Stadterkundung auch gereicht hätte.


 Tag sechs: Von Meppen nach Leer 

Nach dem Frühstück starten wir gegen 9:30 Uhr. Der Himmel ist bewölkt, aber es ist trocken. Und wir sind guter Dinge, dass es auch so bleibt. Der Weg zum Kanal führt uns wie gestern über die Hase-Ems-Brücke, kurz dahinter dann links auf einen kleinen Zuweg, bis wir schließlich wieder am Wasser entlang radeln. Kurz darauf queren wir auf einer Holzbrücke den Ems-Altarm Roheide Ost. Auf und an dem Kanal ist noch nicht viel los und wir strampeln guten Mutes dahin.

Holzbrücke über den Ems-Altarm Roheide Ost
-> Holzbrücke über den Ems-Altarm Roheide Ost

Rund eine halbe Stunde nach unserem Start in Meppen erreichen wir die Schleuse Hüntel. Hier wechseln wir nicht nur die Kanalseite, ab hier führt der Weg auch nicht mehr am Wasser entlang, sondern zunächst über eine recht gut zu befahrene Landstraße, anschließend über einen asphaltierten Weg durch den Wald. Schön finden wir das nicht, sind aber froh, dass es noch trocken ist. Der Himmel wird immer dunkler, die Wolken immer grauer und innerlich haben wir uns bereits auf einen Regenguss eingestellt, der allerdings bisher noch auf sich warten lässt.

Schleuse Hüntel
-> Die Schleuse bei Hüntel

Schleuse Hüntel
-> Die Schleuse bei Hüntel

Auch das ist der DEK-Radweg
-> Auch das ist der DEK-Radweg

Kurz bevor wir gegen 11:00 Uhr Haren an der Ems erreichen, führt uns der Weg wieder direkt an den Kanal heran. In Haren biegen wir dann ab Richtung Innenstadt, wo wir uns eine kleine Pause gönnen. Der heiße Kakao kommt gerade recht, denn es ist nicht nur stark bewölkt, es ist auch recht kühl. Später, auf dem Weg zurück zum Kanal, kommen wir an der St.-Martinus-Kirche vorbei. Diese wird im Volksmund auch gerne "Emslanddom" genannt und wurde erst 1908 - 1911 erbaut. Mit ihrer 58 Meter hohen, grünen Kuppel überragt sie die Stadt. Nach unserem Sightseeingtag gestern in Meppen haben wir allerdings keine Lust auf Besichtigungen, daher fahren wir nach einem kurzen Fotostopp zurück zur Ems und radeln weiter gen Norden.

Die St.-Martinus-Kirche in Haren
-> Die St.-Martinus-Kirche in Haren

Der Weg führt nun teilweise direkt am Wasser entlang, teilweise aber leider auch wieder durch Feld, Wald und Flur. Wirklich schade, so hatte ich mir den "Dortmund-Ems-Kanal-Radweg" nicht vorgestellt. Wir passieren Schleuse Hilter und fahren ohne große Unterbrechungen weiter bis Lathen. Hier zweigt die Ems nach links ab, wir aber folgen weiter geradeaus dem DEK. An der Schleuse in Düthe würden wir gerne eine Pause mache, allerdings ist dortige Gasthaus leider geschlossen.

Schleuse bei Hilter
-> Schleuse bei Hilter

Schleuse bei Hilter
-> Die warten wohl auf schönes Wetter ...

Schleuse Düthe
-> Schleuse bei Düthe

So fahren wir weiter bis Steinbeck und kehren im dortigen "Marinapark Emstal" ein. Das Areal hier ist schon beeindruckend groß. Jede Menge Wohnwagen und -mobile stehen hier, aber auch Ferienhäuser sind hier zu finden. Da der Himmel mittlerweile ein wenig freundlicher aussieht, setzen wir uns draußen vor dem kleinen Gasthof und stärken uns mit einem Erdbeereisbecher. Immerhin ist es schon fast zwölf Uhr, da haben wir uns diese Pause verdient. Es sind nicht viele Radfahrer, die hier vorbeifahren, aber wenn, haben sie alle Gepäck dabei, scheinen wie wir eine Tour entlang des DEK zu machen.

Eine gute halbe Stunde sitzen wir hier, dann fahren wir weiter. Am Kanal ist jetzt ein wenig mehr los. Das eine oder andere Schiff kommt uns entgegen, ein paar Fußgänger sind auch unterwegs, die meisten mit Hund. Das fahren direkt am Kanal entlang macht auf jeden Fall wesentlich mehr Spaß als durch die Felder. Wir passieren die Schleuse Bollingerfähr, fahren vorbei an Lehe bis Aschedorf.

Ab Aschedorf verlassen wir den Kanal mal wieder und folgen dem Weg durch Feld und Wiese. Nicht zum ersten Mal ärgere ich mich darüber. Es heißt doch "Dortmund-Ems-Kanal-Radweg" und nicht "Nähe-Dortmund-Ems-Kanal-Radweg". Spaß macht das hier wirklich nicht.

Mit dieser Aussicht macht das radeln Spaß
-> Mit dieser Aussicht macht das radeln Spaß

Schleuse Bollingerfähr
-> Schleuse Bollingerfähr

Radweg zwischen Lehe bis Aschedorf
-> Radweg zwischen Lehe bis Aschedorf

Gegen drei Uhr erreichen wir die Meyer Werft in Papenburg. Wir hatten darüber nachgedacht, dort zu versuchen, noch kurzfristig einen Besichtigungstermin zu bekommen. Allerdings habe ich gerade ein Problem. Oder besser, mein Rad hat eins: Der Mantel an meinem Hinterreifen beginnt sich aufzulösen. An mehreren Stellen ist er bereits ausgefranst, der Schlauch drückt sich durch. Davon war zu Hause beim Start der Tour noch nichts zu sehen. Also fahren wir statt zur Meyer Werft direkt nach Papenburg hinein und fragen uns durch bis zum "Radhaus". In diesem kleinen Fahrradladen wird uns schnell und kompetent geholfen. Und während mein Rad einen neuen Mantel bekommt, stärken wir uns gleich um die Ecke bei einem kleinen Bäcker mit einem Stück Kuchen. Kurz überlegen wir, uns hier in Papenburg eine Unterkunft für die Nacht zu suchen, aber wir haben noch Lust auf Fahrradfahren. Ein Blick auf die Karte zeigt Leer als nächsten größeren Ort an und mit einem Telefonanruf reservieren wir uns Plätze in der dortigen Jugendherberge. Es ist schon fast viertel vor fünf, als wir mein Fahrrad abholen können und es mit neuem Mantel und gut gestärkt weiter gen Norden geht.

Die Meyer Werft in Papenburg
-> Die Meyer Werft in Papenburg

Die Meyer Werft in Papenburg
-> Die Meyer Werft in Papenburg

In der Innenstadt von Papenburg
-> In der Innenstadt von Papenburg

Nur recht kurz allerdings währt unsere Freude, wieder am Wasser entlang zu fahren. Schon bald verabschiedet sich der Weg nämlich wieder von der Ems und führt neben einem Deich entlang. Zwar gibt es unterwegs auch hier die eine oder andere kleine Abwechslung, wie die Mühle in Mitling Mark oder auch die vielen Schafe, die auf dem Deich stehen und durch einen Zaum von unserem Weg getrennt sind. Aber wir würden doch viel lieber direkt am Wasser entlang radeln. Erst zum einhundertsten Geburtstag, im Jahr 1999, wurde diese Radroute eröffnet. Schade, dass man zu der Zeit und auch später nicht in der Lage war, einen Weg durchgängig am Ufer entlang zu führen. überhaupt habe ich das Gefühl, dass hier vieles Stückwerk ist. Anscheinend sind für jeden Abschnitt des DEKR immer verschiedene Personen verantwortlich. Vermutlich wäre es besser, wenn es eine Art Oberaufsicht gäbe, die diesbezüglich den Hut aufhat und koordiniert. Und den Weg auch selber einmal fährt. Dann würden diese Fahrten abseits des Kanals vielleicht weniger.

Hier und heute kommt es aber leider noch schlimmer: Auf den letzten ungefähr zehn Kilometer bis Leer ist es dann sogar kein eigener Radweg mehr, sondern wir fahren direkt auf der Straße. Die ist zwar nicht übermäßig viel befahren, trotzdem macht es uns überhaupt keinen Spaß, ständig auf Autos zu achten, die uns überholen wollen. Da wir eigentlich nebeneinander fahren möchten, müssen wir dann immer Platz machen. Nein, Fahrspaß ist definitiv etwas anderes. Kurz vor Leer biegen wir schließlich vom Radweg ab und fahren Richtung Innenstadt.

Mühle in Mitling Mark
-> Mühle in Mitling Mark

Schafe am Deich neben dem Radweg
-> Schafe am Deich neben dem Radweg

Auf der Eisenbahnbrücke über die Ems in Richtung Leer
-> Auf der Eisenbahnbrücke über die Ems in Richtung Leer

Es ist mittlerweile schon nach 18:00 Uhr, als wir an der JH Leer eintreffen. Wir checken nur kurz ein und machen uns dann sogleich auf den Weg in den Ort. Im letzten Jahr waren wir mal an einem Wochenende hier (siehe Reisebericht Ein Wochenende in Leer/Ostfriesland), daher kennen wir uns noch ein wenig aus und finden sogleich ein nettes Lokal für ein kleines Abendessen. Anschließend setzen wir uns noch vor der Jugendherberge und lassen den Tag Revue passieren. Mit 102 Kilometer war dies heute unsere "Mammutetappe", trotz der Reparatur in Papenburg. Und obwohl es zwischendurch nicht danach aussah, so ist es doch den ganzen Tag lang trocken geblieben. Wir hoffen, dass das auf unserer letzten Etappe Morgen auch so bleibt.


 Tag sieben: Von Leer nach Emden 

Was mich in der JH Münster schon gewaltig störte, ist auch hier in Leer ein ärgernis: Das Fenster im Zimmer läßt sich nur kippen, nicht richtig öffnen. So kommt kaum frische Luft in den Raum hinein. Und das bisschen, was hindurch kommt, wird von den dunklen, sehr schweren Vorhängen gestoppt. Daher ist es sehr warm im Zimmer und ich habe richtig schlecht geschlafen. Meine Laune ist deshalb zunächst nicht die allerbeste an diesem Morgen. Und daran ändert auch das recht gute Frühstück nichts. Erst ein Blick nach draußen, der zeigt, dass es trocken ist, hebt meine Stimmung ein wenig. Schließlich ist es die recht gute Wettervorhersage, die mich "erträglich" werden lässt :o)

Um neun Uhr starten wir von der Jugendherberge. Der Weg zum DEKR ist ausgeschildert und führt uns zunächst aus Leer hinaus. Dann überqueren wir über eine Brücke die Ems und biegen schließlich auf den Radweg ab. Der führt nun ständig an einem Deich entlang, hinter dem allerdings nicht die Ems liegt. Die ist ca. 100 bis 200 Meter weiter im Landesinneren. Oben auf dem Deich können wir nicht fahren, wir müssen den Weg unten neben dem Deich nehmen. Und den teilen wir uns mit unzähligen Schafen. Die sind hier nicht durch einen Zaun vom Radweg getrennt, sondern blöken und liegen hier mitten auf dem offiziellen Radweg. Sie gehen auch nicht zur Seite, wenn wir angeradelt kommen, selbst wenn wir mit vehemenz klingeln. Also fahren wir in Schlangenlinie an ihnen vorbei, wobei die Schafe sich nicht im Mindesten durch uns stören lassen. Dafür liegen ihre Haufen überall auf dem Weg. Diese "Schiete" klebt am Reifenmantel fest, türmt sich dann am Schutzblech auf, so dass wir zwischendurch anhalten und alles reinigen müssen, damit wir weiterfahren können. Für einen höchst offiziellen Radweg ist das ein Unding, finde ich!

über die Emsbrücke aus Leer hinaus zurück auf den Radweg
-> über die Emsbrücke aus Leer hinaus zurück auf den Radweg

Dortmund-Ems-Kanal-Radweg? Oder Highway der Schafe?
-> Dortmund-Ems-Kanal-Radweg? Oder Highway der Schafe?

Über Jemgum führt uns der Weg bis Ditzum. Dort sehen wir endlich auch das Wasser wieder. Die Ems ist hier schon recht breit. Kein Wunder, schließlich fließt sie nur ein paar hundert Meter weiter zunächst in den Dollart, dann in die Nordsee. Von Ditzum aus fährt eine Fähre hinüber nach Petkum. Als wir oben am Deich stehen und den Ausblick auf den hübschen, kleinen Hafen genießen, sehen wir sie auch schon dort stehen. Die ersten Passagiere gehen bereits an Bord des kleinen Schiffes. Wir schauen auf die Uhr, es ist kurz vor zwölf. Sie wird wohl gleich ablegen, daher beeilen wir uns, hinunter in den Ort und zum Hafen zu kommen. Und diese Eile wird mir fast zum Verhängnis, als ich mit dem Reifen an einen Bordstein entlang schleife und heftig ins Schleudern gerate. Mit Mühe und viel Glück kann ich einen Sturz verhindern. Puh, gerade nochmal gutgegangen. Wir fahren auf die Fähre, direkt hinter uns sind noch zwei weitere Radfahrer und schon starten wir die Überfahrt.

Blick auf den Ort Ditzum
-> Blick auf den Ort Ditzum

Hafen von Ditzum
-> Der kleine Hafen von Ditzum

Die Fahrt mit der Fähre dauert rund zehn Minuten und kostet 3,- Euro pro Person inklusive Rad. Eigentlich ist hier das Ende des Dortmund-Ems-Kanal-Radweg, denn hier endet auch der Dortmund-Ems-Kanal. Im Reiseführer verläuft der Radweg allerdings noch weiter bis Norden/Norddeich. Warum, kann ich nicht sagen, aber wir verspüren keine Lust, weiter durch die Felder und entlang von Deichen zu fahren. Wir werden weiterfahren bis Emden und dort die Tour beenden. Schließlich ist Emden die Stadt, bei der der DEK in die Nordsee mündet.

Nachdem das geklärt ist, genieße ich die verbleibenden Minuten der kurzen überfahrt. Wir haben Glück mit dem Wetter, hier an Deck ist es gerade sogar ein wenig sonnig, auch wenn sich im Hintergrund schon die dunklen Wolken aufschichten.

Blick in das Steuerhaus der kleinen Fähre
-> Blick in das Steuerhaus der kleinen Fähre

Auf dem Weg von Ditzum nach Petkum
-> Auf dem Weg von Ditzum nach Petkum

Auf dem Weg von Ditzum nach Petkum
-> Auf dem Weg von Ditzum nach Petkum

In Petkum angekommen, folgen wir der Beschilderung des DEKR Richtung Emden. Leider ist der richtige Radweg wegen Bauarbeiten schon nach wenigen hundert Metern gesperrt. Die Umleitung führt an einer Hauptstraße entlang, neben der es zwar einen Radweg gibt, was aber trotzdem nicht besonders viel Spaß macht.

Ankunft der Fähre in Petkum
-> Ankunft der Fähre in Petkum

Endspurt nach Emden
-> Endspurt nach Emden

In Emden ist es sehr voll. Kein Wunder, schließlich ist es Samstag und es ist Hauptsaison. Mit ein wenig Glück finden wir am Rand der Fußgängerzone einen Tisch in einem Restaurant und lassen uns ein kleines Mittagessen schmecken. Und dabei auch unsere Tour entlang des Dortmund-Ems-Kanales ausklingen.

Emden
-> Wir sind am Ziel: Emden


 Mein ganz persönliches Fazit:

"Die Rad-Route Dortmund-Ems-Kanal ... vom Pott bis zur Waterkant"

Diesen Satz habe ich mal irgendwo gelesen. Wobei "Pott" recht negativ klingt, "Waterkant" dagegen nach Urlaub und Erholung. Ich habe den Weg ehrlich gesagt genau anders herum empfunden. Im südlichen Bereich, im "Pott", hat das fahren Spaß gemacht. Fast immer führte die Route direkt am Wasser entlang, wenn mal Industrie den Weg versperrte, wurde einfach die Seite gewechselt. Je weiter wir nördlich und somit zur "Waterkant" kamen, umso mehr führte uns der Radweg vom Wasser weg, durch Wiesen und Felder, durch Wälder und teils auch über Landstraßen. Und am Schluss, kurz vor dem Ziel, war dann vom Kanal bzw. der Ems überhaupt nichts mehr zu sehen. Nur Deich und Schafe.

So hatte ich mir das im Vorfeld nicht vorgestellt. Und mit diesem Wissen würde ich die Tour auch nicht noch einmal so machen. Irgendwo zwischen Meppen und Papenburg würde ich umdrehen.

Aber hinterher ist man ja immer schlauer :o)





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Wer schreibt hier?

  1. Detlev, Jahrgang '61
  2. Motorradfahrer - Wanderer - Radfahrer
  3. Eifriger Hobbyfotograf
  4. Unterwegs immer mit Kamera, Block und Stift "bewaffnet"
that's me

Mehr über mich findest Du hier.

Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mir auf meinen Touren Notizen zu machen, mal mehr und mal weniger ausführlich. Diese "TourNotizen" kannst Du Dir auf den Seiten Deutschland und Europa ansehen.

Viel Spaß dabei!


Die schönsten Reisezitate

"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nicht angeschaut haben."

Nicht nur der berühmte deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt wusste, dass Reisen den Horizont erweitert :o)



Hier stelle ich einige Zitate über das Reisen vor, die mir besonders gut gefallen.




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Hier findest Du alle Artikel rund um das Radfahren.



 
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