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Geschichten & Bilder von unterwegs     

Auf Klostersuche in der Lüneburger Heide

Sechs aktive evangelische Frauenklöster gibt es in der Lüneburger Heide. "Heideklöster" werden diese im Volksmund genannt. Das älteste von ihnen, das Kloster in Walsrode, blickt auf eine rund 1.000-jährige Geschichte zurück, die anderen sind nur wenig jünger.

Alle sechs Heideklöster werden heute noch von Konventualinnen bewohnt. Diese wählen, wie schon vor Jahrhunderten, ihre Äbtissin aus ihren eigenen Reihen selbst, die dann die Klöster leiten. Die Konventualinnen kümmern sich um die vielen großen und kleinen Kunstwerke und Schätze, die die jeweiligen Klöster besitzen und versuchen, sie für die Nachwelt zu erhalten. Und sie bieten Führungen an, die den interessierten Besuchern das jeweilige Kloster und dessen Kunstwerke näher bringen.

   
Die Heideklöster: Zusätzlicher Halt: Fazit

   


Kloster Lüne in Lüneburg

Lüneburg - die Hansestadt auf dem Salz. Gelegen zwischen Hamburg und Hannover ist die Stadt Namensgeber für die Region "Lüneburger Heide".

Ein wenig außerhalb des Zentrums wurde im Jahre 1172 das Kloster Lüne gegründet. Seit dem Mittelalter ist es bekannt für die edlen Textilien, die die Benediktinernonnen hier anfertigten: Kostbare Altartücher, farbenfrohe Bildteppiche und bemalte Prozessionsfahnen. Viele der damals hergestellten wertvollen Stücke sind noch heute in dem 1995 gegründeten Textilmuseum des Klosters zu sehen. Auch als das Kloster nach zwei Bränden Ende des 14. Jahrhunderts im Stil der Backsteingotik neu erbaut und später dann im Zuge der Reformation evangelisch wurde, stellten die Stiftsdamen weiter die hochwertigen Textilien her.

Kloster Lüne in Lüneburg
-> Das Kloster Lüne in Lüneburg

Kloster Lüne in Lüneburg
-> Das Kloster Lüne in Lüneburg

Treffpunkt für eine Führung durch die Anlage ist die Brunnen-Halle direkt am Eingang. Dort befindet sich der sogenannten Handstein. Das ist ein Brunnen, aus dem seit mittlerweile rund 600 Jahren Wasser fließt. Weitere Höhepunkte bei dem Rundgang sind die Kreuzgänge mit ihren Buntglasfenstern aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, die "Uhlenflucht" mit den ehemaligen Nonnenzellen sowie die 1410 geweihte Kirche samt Propststuhl, Barockorgel, Taufbecken und gotischen Altaraufsatz.

Innerhalb des Gebäudes ist es verboten, zu fotografieren. Daher können hier leider keine Bilder dazu gezeigt werden. Aber auch außen läßt sich rund um das Kloster einiges entdecken.

Eingang zum Klosterhof Lüne
-> Eingang zum Klosterhof

Friedhof am Kloster Lüne
-> Der kleine Friedhof des Klosters, auf dem die Äbtissinnen beerdigt werden

Impressionen Kloster Lüne
-> Rund um das Kloster Lüne

Am Ende des gut 90 minütigen und sehr interessanten Rundganges gibt es dann noch eine unverhohlene Einladung an die Teilnehmerinnen: Auch heute noch gibt es nämlich ein Konvent für die Stiftsdamen. Und Nachwuchs ist hier gerne gesehen.

Wohngebäude der Konventualinnen im Kloster Lüne
-> Das Wohngebäude der Konventualinnen

Wer noch ein wenig länger in Lüneburg bleiben und sich die Stadt auch abseits des Kloster ansehen möchte, der findet hier einige Tips für einen Rundgang durch diese wirklich sehenswerte Stadt
-> Lüneburg - Ein Spaziergang durch die Salz- und Hansestadt



Kloster Medingen in Bad Bevensen 

In dem Kurort Bad Bevensen liegt das Kloster Medingen. Gegründet wurde es im Jahre 1228, ihre erste Bleibe fanden die Nonnen jedoch erst 1237, als ihnen das Kloster Rastede Besitzungen im rund 15 KM nördlich gelegenen Bohndorf überließ.

Wegweiser zum Kloster Medingen
-> Hier geht es lang ...

Das Kloster Medingen
-> Kloster Medingen

Bereits 1264 sicherte sich das Kloster die Rechte an der Lüneburger Saline. Das führte zu einem nicht unbeträchtlichen Wohlstand, der sich in einigen wertvollen und wichtigen Kunstschätzen wiederspiegelt. So findet man hier einen Äbtissinnen-Krummstab aus dem Jahre 1494, eine goldene Reliquienstatue des Heiligen Mauritius aus dem 15. Jahrhundert sowie ein Gobelin aus dem 16. Jahrhundert. Hinzu kommen noch Silber und Porzellan sowie kostbare, mittelalterliche Schränke und Truhen.

Seit 1336 befindet sich das Kloster hier in Bad Bevensen. 1559 wurde es im Zuge der Reformation in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Und das ist es bis heute.

Das Kloster Medingen
-> Kirchturm von Kloster Medingen

1781 wurden fast alle Klostergebäude durch ein Feuer vernichtet und in spätbarocker Architektur wieder neu aufgebaut. Durch diesen Baustil ist das Kloster Medingen bei den norddeutschen Klöstern eine Rarität.


Kloster Ebstorf

Das Kloster Ebstorf
-> Kloster Ebstorf

Das Kloster Ebstorf
-> Kloster Ebstorf

Im Jahre 1150 gegründet, war es zunächst ein Doppelstift für Männer und Frauen. Nach einem Brand ungefähr im Jahre 1197 verließen die Männer das Kloster.
Denen ging es da wohl zu heiß her:o)

Das hinderte die Nonnen aber nicht daran, ihr Kloster zu einem bedeutenden Wallfahrtsort auszubauen. Eine mittelalterliche Legende besagt nämlich, dass dort mehrere Märtyrer begraben waren, die im 9. Jahrhundert ganz in der Nähe bei einer Schlacht gegen die Normannen den Tod gefunden hatten. Dies verhalf dem Kloster zu einer hohen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte, während der auch viele bedeutende Kunstschätze entstanden. Mehrere Madonnenstatuen aus dem 13. und 14. Jahrhundert gehören ebenso dazu wie die um 1400 geschaffenen Glasfenster im Kreuzgang oder die lebensgroße Statue des Heiligen Mauritius, die ungefähr im Jahre 1300 entstand.

Leider reicht für eine Besichtigung heute nicht die Zeit. Wir begnügen uns daher mit der Außenansicht des Klosters sowie den Infos aus einigen Schaukästen, die entlang dem eigens angelegten Klosterweg aufgestellt sind. Diesem "Rundweg rund um den Klosterflecken Ebstorf", folgen wir zwar nicht, lesen aber die Informationen, die wir in Klosternähe finden.

Infotafel Klosterweg
-> Infotafel am Klosterweg

Die größte Sehenswürdigkeit des Klosters ist die "Ebstorfer Weltkarte". Dabei handelt es sich um eine etwa 13 Quadratmeter große mittelalterliche Landkarte, die um das Jahr 1300 angefertigt wurde. Zu der Zeit war die Erde noch eine Scheibe und Jerusalem der Mittelpunkt der Welt. Alle damals bekannten Gegenden der Welt sind dort aufgemalt, ganz oben befindet sich dem damaligen Glauben nach das Paradies.

Ebstorfer Weltkarte
-> Die "Ebstorfer Weltkarte", abfotografiert aus einem der Schaukästen

Die Karte wurde 1830 zufällig in einer Abstellkammer des Klosters gefunden. Die Lücke, die auf dem Bild oben rechts zu sehen ist, wurde nach der Wiederentdeckung herausgeschnitten. Die Gründe dafür sind bis heute ungeklärt.
Seinerzeit wurde von der Karte eine Kopie erstellt. Zum Glück, denn das Original verbrannte 1943 während eines Bombenangriffs auf Hannover, wo es zu der Zeit im niedersächsischen Staatsarchiv aufbewahrt wurde.

Im Zuge der Reformation wurde das Kloster Ebstorf evangelisch. Und noch heute leben hier in dem überwiegend im 14. und 15. Jahrhundert entstandenen Klostergebäude einige Stiftsdamen.



Kloster Isenhagen in Hankensbüttel

Kloster Isenhagen in Hankensbüttel
-> Am Kloster Isenhagen in Hankensbüttel

Im Jahre 1243 von der Herzogin Agnes von Meißen und Landsberg (einer Schwiegertochter von Heinrichs des Löwen) gestiftet, stand das Kloster zunächst in Alt-Isenhagen. Zu der Zeit war es ein reines Mönchskloster. Aber bereits nach 16 Jahren brannte es ab und wurde drei Jahre später im Jahr 1262 als Nonnenkloster wieder aufgebaut. 1327 wurde es dann in Hankensbüttel neu gebaut. Bereits 1336 brannte es wieder ab, und um 1345 erbaute man es am heutigen Standort wieder neu auf. Kleines Kuriosum dabei: Kirche und Kreuzgang bleiben seinerzeit ohne Gewölbe, was mit dem Ausbruch der Pest während der Bauzeit erklärt wird. Erst nach 1500 wurde im Ostkreuzgang ein Kreuzgewölbe eingefügt.

Kloster Isenhagen in Hankensbüttel
-> Am Kloster Isenhagen in Hankensbüttel

Klostergarten am Kloster Isenhagen in Hankensbüttel
-> Kleiner Klostergarten des Kloster Isenhagen

1540 wurde das Kloster in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Und das ist es unter Aufsicht der Klosterkammer Hannover auch noch bis heute. Und ebenfalls bis heute kann man im inneren der alten Backsteingebäude verschiedene Schätze bewundern: Mittelalterliche Möbel und Kunstwerke; geschnitzte und bemalte Altäre; verschiedene Skulpturen sowie gestickte Altartücher und Antependien, die teilweise mit goldenen Reliefs und Perlen besetzt sind.



Kloster Wienhausen

Gegründet wurde Kloster Wienhausen als Zisterzienserinnenkloster um 1230 herum von Agnes von Meißen und Landsberg (einer Schwiegertochter von Heinrichs des Löwen...) Moment mal, kennen wir die nicht schon? Das war doch die, die auch das Kloster Isenhagen gestiftet hat. Das muss ja eine gottesfürchtige, aber auch reiche Frau gewesen sein. Die um 1692 geschriebene Chronik des Klosters bringt ein wenig Licht in diese Sache. Herzogin Agnes war 1225 Witwe geworden und "obgleich sie annoch im blühenden Alter, so ... gedachte [sie] ... ein geistliches Jungfrauen Kloster zu Gottes Ehren aufzubauen."

Aha, so war das also ...

Kloster Wienhausen
-> Blick auf das Kloster Wienhausen

Kloster Wienhausen
-> Zum Eingang des Klosters

Bereits 1233 bestätigte der Hildesheimer Bischof Konrad II. die Gründung des Klosters und stattete es mit zahlreichen Gütern und großzügigen Schenkungen aus. Das erlaubte es den Nonnen, prachtvolle Gebäude zu errichten und diese auch opulent auszustatten. So ist heute noch die holzgetäfelte Äbtissinnenzelle zu bewundern, deren Wände reich mit ornamentgeschmückten Bibelsprüchen verziert sind.

Im Zuge der Reformation wurde Kloster Wienhausen, wie die anderen Heideklöstern auch, evangelisch. Sehr zum Leidwesen der Wienhausener Klosterfrauen: Sie wehrten sich vehement dagegen, den protestantischen Glauben anzunehmen. Erst als Herzog Ernst der Bekenner im Jahr 1531 Teile des Klosters abreißen ließ und auch einen Teil des klösterlichen Besitzes einzog, gaben die standhaften Klosterfrauen nach. Sie sollen aber noch viele Jahre lang heimlich ihre katholischen Gottesdienste abgehalten haben.

Kloster Wienhausen
-> Kloster Wienhausen

Relief an der Außenmauer von Kloster Wienhausen
-> Relief an der Außenmauer des Klosters

Ansichten rund um das Kloster Wienhausen
-> Rund um das Kloster Wienhausen

Wer möchte, kann hier an einer von mehreren (Themen-) Führungen teilnehmen. "Mit allen Sinnen" heißt eine davon und sie verspricht "Sehen Sie, hören Sie, riechen Sie, tasten Sie, schmecken Sie, wie sich Kloster anfühlt!". Wer diese Führung mitmachen möchte, sollte sich vorher anmelden, denn sie wird nur ein bis zweimal pro Jahr angeboten. Entsprechend groß ist unsere Gruppe, die sich im Garten des Klosters eingefunden hat und nun die Beeren von den Sträuchern probiert, die gerade reif sind. Und an den Blumen riecht, die hier stehen und die in den früheren Jahren sowohl als Duft- als auch als Heilkräuter genutzt wurden.
Damit haben wir dann die Punkte "riechen" und "schmecken" also schon mal erledigt :o)

Wir gehen in das Kloster hinein und als erstes wird uns gesagt, dass das Fotografieren hier im Inneren des Gebäudes absolut verboten ist. Die Äbtissin führt diesbezüglich wohl ein äußerst strenges Regiment.

Das Klosterleben früher und heute

In den nächsten knapp 90 Minuten bekommen wir Einblicke in das Klosterleben früher und heute. Wir sehen die ehemaligen Schlafsäle der jungen Mädchen, die früher von ihren Eltern in das Kloster gegeben wurden. Ihr gesamtes Hab und Gut fand Platz in jeweils einer Holztruhe, die neben den Türen zu ihren kleinen Schlafräumen standen. Ich kann mir vorstellen, dass es seinerzeit für die jungen Mädchen nicht einfach war, die Familie und das Zuhause zu verlassen, um Konventualin zu werden. Sie kamen ja nicht immer freiwillig hier her.

Wir bewundern die Sammlung gotischer Bildteppiche, die hier im Kloster zwischen 1300 und 1480 entstanden sind. Diese sind teilweise so groß, dass es mehrere Generationen von Konventualinnen brauchte, bis eines fertig war. Diese auf Leinen hergestellten Teppiche sind heute der kostbarste Schatz des Klosters. Bemerkenswert finde ich, dass nicht nur christliche Motive verwoben wurden. Auch weltliche Themen sind hier zu finden. Unsere Gastgeberin zeigt uns zum Beispiel einen Teppich mit Motiven aus der Tristan-Sage.

Sehr beeindruckend finde ich das Nonnenchor. Wände und Decke sind komplett ausgemalt mit Szenen aus der Schöpfungsgeschichte sowie aus dem Leben Jesu. In zwei Sitzreihen sitzen sich die Konventualinnen gegenüber und singen im Wechselgesang biblische Texte. Die Akustik hier ist bestimmt sehr gut. Wir sind ca. 15 Personen und stimmen gemeinsam ein Lied an. Obwohl wir alle recht zurückhaltend bei der Lautstärke sind, hört es sich hier wirklich prima an.

Zum Abschluß der Führung gehen wir in den Klosterhof. Hier können die Konventualinnen (oder auch wir Besucher) einfach so umher gehen, die Gedanken ordnen oder über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenken. Hier draußen ist das Fotografieren wieder erlaubt. Sehr gerne hätte ich auch einige Bilder von innen gemacht. Das Fotografieverbot finde ich sehr schade. Die Bilder, die ich auf meinen Reisen mache, helfen mir Zuhause immer wieder, mich an Einzelheiten zu erinnern, holen mir Erinnerungen von meinem Aufenthalt zurück. Aber als Gast muss ich solche Entscheidungen natürlich akzeptieren.

Im Klosterhof von Kloster Wienhausen
-> Im Klosterhof von Kloster Wienhausen

Heute leben hier in dem Konvent aktuell 13 Konventualinnen und eine Äbtissin. Sie leben in kleinen Wohnungen und haben sich bewusst zu dem Gang in das Kloster entschieden. Die Gründe dafür sind sicher individuell und vielschichtig, aber es ist ein freiwilliger Weg. Sie pflegen hier die zahlreichen Kunstschätze und bieten Führungen an. Seit 1952 ist übrigens eine Besonderheit an Schätzen hinzu gekommen. Um elektrische Leitungen zu verlegen, entfernte man damals die Eichenbohlen unter dem Gestühl der Nonnen. Und dabei wurden seltene und wertvolle Alltagsgegenstände aus dem 14. und 15. Jahrhundert entdeckt. Insbesondere einige Nietbrillen stellen ein echtes Kuriosum dar und gehören zu den ältesten der Welt.

Nach der Führung durch das Kloster schlendern wir noch ein wenig um das Kloster herum und durch den kleinen Garten. Und nehmen die Stille und die Ruhe mit auf unseren weiteren Weg.



Kloster St. Johannes in Walsrode

Wir betreten das Gelände des Klosters durch ein schmiedeeisernes Tor und folgen dann einem Schild mit der Aufschrift "Führungen". Das führt zu einem kleinen Haus, dessen Tür verschlossen ist und vor der eine Bank steht. Heute soll laut Internet um 15:00 Uhr eine offene Führung stattfinden. Jetzt ist es kurz vor drei, also setzen wir uns und warten.

Es wird drei Uhr, es wird fünf nach drei, es wird zehn nach drei... Endlich kommt mit forschem Schritt eine Frau, die, wie sich später herausstellt, zwar eine Konventualin ist, die aber gar nicht wie eine Konventualin aussieht.
"Entschuldigung, ich habe verschlafen" sagt sie und augenscheinlich ist ihr das ein wenig unangenehm. Sie setzt sich ebenfalls auf die Bank und beginnt dann sofort zu erzählen: Welche Voraussetzungen Frauen erfüllen müssen, um Konventualin zu werden; welchen Beschäftigungen die Konventualinnen hier im Kloster nachgehen; wie es kam, dass sie selbst Konventualin wurde; das von den elf Plätzen hier im Kloster derzeit nur sieben besetzt sind, vier weitere Konventualinnen also noch gesucht werden und noch einiges mehr. Langweilig scheint diese Tour mit dieser Frau jedenfalls nicht zu werden.

Schließlich gehen wir los und sehen uns das Kloster von innen an. 986 gegründet, ist das Kloster Walsrode das älteste der "Heideklöster". Und hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: 1482 durch einen Blitzschlag fast vollständig niedergebrannt, 1626 während des Dreißigjährigen Krieg geplündert durch Soldaten Tillys, dem oberster Heerführer sowohl der Katholischen Liga als auch der kaiserlichen Armee, 1812 von den Truppen Napoleons besetzt und wiederum geplündert - Die Konventualinnen habe durch die Jahrhunderte hindurch so einiges durchgemacht. Ach ja, und zwischendurch, ab 1528, erfolgte die Konversion zum lutherischen Glauben. Dieser stieß, wie in den anderen Heideklöstern auch, auf heftigen Wiederstand des Konvents, so dass es immerhin bis 1570 dauerte, bis das Kloster endgültig als evangelisches Damenstift geführt werden konnte.

Heute ist das Leben der Konventualinnen hier zum Glück wesentlich entspannter.

Die Führung führt zunächst durch den Wohntrakt, in dem jede Konventualin eine eigene kleine Wohnung hat. Dann geht es weiter durch die gesamt Anlage. Besonders beeindruckend finde ich die kleine Klosterkirche, die direkt an die "große" Stadtkirche angelehnt und auch mit einer Tür und mehren Fenstern mit ihr verbunden ist. Mit den bunten Fenstern und der schönen Deckenbemalung ist sie wirklich ein Hingucker. Ebenfalls sehr schön finde ich den Remter, also den Speisesaal des Klosters. Der ist heute eine Außenstelle des Standesamtes der Stadt Walsrode und steht für zivile Trauungen zur Verfügung.

Kloster Walsrode
-> Gang im Wohntrakt

Klosterkirche Walsrode
-> Die Klosterkirche im Kloster Walsrode

Remter im Kloster Walsrode,
-> Remter im Kloster Walsrode, heute Aussenstelle des Standesamt Walsrode

Mehr als 90 Minuten dauert die Führung und gefällt uns wirklich gut. Das Fotografieren ist hier eigentlich nicht erlaubt, aber unsere Konventualin drückt hin und wieder mal ein Auge zu ;-) Auch das macht sie, macht den ganze Rundgang hier, so sympathisch.

Im Anschluß an die Führung sehen wir uns noch ein wenig auf dem Gelände um. Das die Konventualin, die hier für den Garten zuständig ist, ihr Handwerk versteht, ist nicht zu übersehen. Es grünt und blüht überall. Das Kloster mit seinem Gelände ist wirklich ein Ruheort inmitten der Stadt.

Im Garten des Klosters Walsrode
-> Im Garten des Klosters

Im Garten des Klosters Walsrode
-> Im Garten des Klosters

Im Garten des Klosters Walsrode
-> Im Garten des Klosters



Stadtkirche Walsrode:

Direkt neben dem Kloster liegt übrigens die Stadtkirche von Walsrode. Von außen sieht sie recht nett aus und da wir Zeit haben, gehen wir hinein und sehen sie uns auch von innen an.

Stadtkirche Walsrode
-> Die Stadtkirche von Walsrode

Hell ist es hier drin und sofort fallen im Innenraum die zweigeschossigen "Balkone" auf, die rundherum verlaufen. Das sieht fast wie in einem Konzertsaal aus. Platz für viele, viele Gläubige ist hier auf jeden Fall.

Erbaut wurde die Kirche in den Jahren 1845 bis 1850. älter sind der Turm (1786) sowie die Marienglocke (1437), die noch von Vorgängerkirchen stammen, die hier einst gestanden haben.

Auf unserem Rundgang entdecken wir Holzskulpturen der vier Evangelisten, ein Holzkreuz ungefähr aus dem Jahr 1500 (Walsroder Kruzifix) sowie ein Taufbecken. Hoch oben über der Eingangstür steht die Orgel aus dem Jahre 1849.

Ebenfalls nahe der Eingangstür befinden sich zwei Epitaphe, nämlich die der Pastoren Gabriel Meyer (Pastor ab 1640) und die des Superintendenten Rudolphus Lodemann, der das Amt 1680 von Gabriel Meyer übernahm. Besonders letzterer machte recht penibel Notizen über die Walsroder Kirchengemeinde, was heute natürlich eine wahre Schatzkiste an Wissen aus dieser Zeit ist.

Stadtkirche Walsrode
-> In der Stadtkirche von Walsrode

Stadtkirche Walsrode
-> In der Stadtkirche von Walsrode, hier die Holzskulpturen der vier Evangelisten

Stadtkirche Walsrode
-> In der Stadtkirche von Walsrode
Im Vordergrund das Taufbecken, links an der Wand hängt das 'Walsroder Kruzifix'

Stadtkirche Walsrode
-> In der Stadtkirche von Walsrode

Stadtkirche Walsrode
-> In der Stadtkirche von Walsrode
Pastor Meyer (links) <--> Pastor Lodemann (rechts)



Kloster Loccum in Rehburg-Loccum

Das Kloster Loccum wird zwar nicht zu den "Heideklöstern" gezählt, es lag aber quasi auf unserem Weg. Und da wir gerade passend zu einer Führung dort eine Pause machen wollten, haben wir uns auch dort umgesehen.

Kloster Loccum in Rehburg-Loccum
-> Kloster Loccum in Rehburg-Loccum

Im Jahre 1163 stiftete Graf Wulbrand von Hallermund das Gebiet um die alte Burg Lucca mit den umliegenden Dorfschaften, um ein Kloster zu erbauen. Bereits drei Monate später trafen zwölf Mönche und ein Abt aus dem Zisterzienserkloster Volkenroda in Thüringen ein. Erste Gebäude wurden errichtet, Bäche umgelegt, Wasser für den Antrieb von Maschinen gestaut und damit unter anderem eine Getreidemühle, eine Gerberei und eine Schmiede betrieben. Somit stieg und wuchs die wirtschaftliche Kraft des Klosters. Aufgrund der Ernsthaftigkeit des geistlichen Lebens und der Bescheidenheit der Mönche fand das Kloster recht schnell Anerkennung und wuchs beständig.

Alle heute noch sichtbaren Klostergebäude wurden nach 1200 erbaut. So auch die Klosterkirche, die in den Jahren 1220 bis 1277 entstand, und die von 2010 - 2012 für das 850-jährige Klosterjubiläum umfassend renoviert wurde.

Am Kloster in Loccum
-> Am Kloster in Loccum

Am Kloster in Loccum
-> Am Kloster in Loccum

1593 wurde das Kloster evangelisch. Und weil dort keine Mönche mehr eintreten konnten, wurden stattdessen künftige Pastoren, die auf ihre Pfarrstelle warteten, als "Mönche auf Zeit" aufgenommen. Aus dieser Praxis entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts das neue Predigerseminar. Auch heute noch werden Theologinnen und Theologen, die ihren Universitätsabschluss erlangt haben, hier im Kloster Loccum auf die praktischen Tätigkeiten im Pfarramt vorbereitet. Das Kloster ist damit das einzige Predigerseminar der Hannoverschen Landeskirche.

Führung durch das Kloster

Wir wollen jetzt unter sachkundiger Anleitung auch das innere der Anlage erkunden. Daher schließen wir uns einer öffentlichen Führung ein, zu der man sich nicht extra vorher anmelden muß. Entsprechend groß ist Anzahl der interessierten Besucher, die wie wir geduldig darauf warten, dass der Rundgang beginnt.

Um 15:00 Uhr geht es los. In den nächsten rund 60 Minuten erfahren wir Geschichte und Geschichten rund um das Kloster, sehen Räume und Schätze der Zisterzienser, lassen uns von dem Leben der Mönche und von der Teilnahme an Predigerseminar erzählen. Kurzweilig und informativ ist das, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, hierher zu kommen.

Kreuzgang im Kloster Loccum
-> Kreuzgang des Kloster Loccum

Rundgang im Kloster Loccum
-> Rundgang im Kloster Loccum

Rundgang im Kloster Loccum
-> Rundgang im Kloster Loccum

Rundgang im Kloster Loccum Rundgang im Kloster Loccum
-> Rundgang im Kloster Loccum

Rundgang im Kloster Loccum
-> Rundgang im Kloster Loccum

Zum Abschluß unseres Aufenthalts darf natürlich der Besuch des Kloster-Shops nicht fehlen, der im Torhaus des Klosters untergebracht ist. In diesem Weltladen wird all das angeboten, was man allgemeinhin von so einem Laden erwartet: Kunsthandwerk, Lebensmittel, Geschenke für Groß & Klein, Bücher und Karten sowie Accessoires.



Fazit:

Mir hat es viel Spaß gemacht, die verschiedenen Klöster anzufahren und etwas über ihre Geschichte zu erfahren. Und auch die Führungen haben mir gut gefallen. Wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben, werde ich mir auch die restlichen Klöster sehr gerne einmal von innen ansehen.



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Hier die Internetseiten der besuchten Klöster in der von uns besuchten Reihenfolge:

Kloster Lüne

Kloster Ebstorf

Kloster Medingen

Kloster Isenhagen

Kloster Wienhausen

Kloster Walsrode

Kloster Loccum

Eine schöne Zusammenfassung der sechs Heideklöster bietet ein Artikel auf der Seite des NDR:

Auf Entdeckertour in den Heideklöstern

 
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