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Geschichten & Bilder von unterwegs     

Schottland "on the road"
Mit dem Auto durch Schottland

Schottland - zum zweiten Mal mache ich mich auf in den Norden des britischen Festlandes. Nachdem wir beim letzten Mal mit dem Motorrad auf reisen waren, sind wir dieses Mal mit dem Auto unterwegs.

Und so rollen wir also auf vier statt auf zwei Rädern von der Rampe der Fähre "Princess Seaways", die uns vom holländischen IJmuiden über Nacht hierher nach Newcastle gebracht hat. Und ein Vorteil, mit dem PKW unterwegs zu sein, wird uns sehr schnell bewusst, als wir uns bei sonnigen Wetter und recht hohen Temperaturen durch Newcastle mit seinen vielen Ampeln und den zählflüssigen Verkehr quäle: Dank Klimaanlage herrschen angenehm kühle Temperaturen hier im inneren des Autos. Ganz anders, als wenn wir nun mit dicker Mopedkluft auf dem Motorrad vor einer Ampel stehen würden. Später, als wir die Stadt verlassen haben und Richtung Norden fahren, denke ich auch an das nicht vorhandene Gepäckproblem, das die Fahrt mit dem Auto mit sich bringt. Anstatt jedes Ding dreimal umzudrehen und viermal zu überlegen, ob das wirklich mit muss, habe wir diesmal jede Menge Zeug dabei, von dem wir entweder hoffen, es zu brauchen (Badesachen und Sonnencreme) oder hoffe, es NICHT zu brauchen (extra dicke Pullover und Regenzeug).

Wir werden sehen, was die nächsten Tage bringen.

Erster Stopp ist der kleine Parkplatz an der "Scottish Border", der Grenze zwischen England und Schottland. Auch wenn es kitschig klingt (und wohl tatsächlich auch ist), aber ein Stopp und ein Foto hier ist einfach ein MUSS! Wobei wir darauf verzichten, dem hier auf Touristen "lauernden" Mann in seinem Schottenrock einige Münzen in die aufgestellte Blechdose zu legen, damit er Dudelsackmusik vom Band abspielt und mit uns vor dem Stein posiert. Sooo weit geht unser Kitschgefühl dann doch nicht.


An der 'Scottish Border'
An der 'Scottish Border'


Von der schottischen Grenze aus geht die Fahrt weiter bis nach Melrose. Uns interessiert das dortige Abbey, also das Kloster. überraschenderweise bekommen wir einen kostenlosen Parkplatz am Straßenrand fast direkt vor dem Eingang. Wow, das hatte ich nicht erwartet. Auf den wenigen Metern, die wir vom Auto aus noch laufen muss, kommen wir an dem Eingang zu einem kleinen Garten vorbei, "Priorwood Garden". Der Eintritt ist frei, also werfen wir einen kurzen Blick hinein.


Übersicht 'Priorwood Garden'
Schild "Priorwood Garden"


Teile des Gartens sollen bereits im 12. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Melrose angelegt worden sein. Im späten 18. Jahrhundert wurde er geschlossen, Mitte des 19. Jahrhunderts aber wieder neu kultiviert. Der "National Trust for Scotland" kümmert sich seit 1976 um diese Anlage. Wirklich groß ist der Garten nicht und auch nicht überragend schön. Aber es tut gut, nach der Autofahrt mal wieder einige Meter zu Fuß zu gehen.


Im 'Priorwood Garden'
Spaziergang durch den "Priorwood Garden"

Im 'Priorwood Garden'
Spaziergang durch den "Priorwood Garden"

Im 'Priorwood Garden'
Spaziergang durch den "Priorwood Garden"


Der "National Trust for Scotland", kurz: NTS, ist übrigens eine private, gemeinnützige Stiftung, die sich die Bewahrung des kulturellen, historischen und des Naturerbes Schottlands zur Aufgabe gemacht. Gegründet 1931 in Glasgow, kümmert er sich heute um rund 130 Liegenschaften. Darunter fallen nicht nur Burgen, Schlösser und Herrenhäuser, sondern auch Parks sowie Naturreservate und ganze Landschaftsbereiche. Und eben auch Gärten. Wie dieser "Priorwood Garden".
Wer Mitglied im NTS ist, hat für einen Jahresbeitrag von aktuell 53 Pfund freien Eintritt zu allen Liegenschaften. Ob sich das für den einzelnen lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die einzelnen Eintrittspreise der Sehenswürdigkeiten betragen aktuell bis zu 15,50 Pfund.

Melrose Abbey

Nach dem Garten wenden wir uns dann dem Kloster zu. Oder besser gesagt, der Klosterruine. Wir betreten die Anlage, nachdem wir in einer Art "Kassenhäuschen" 6 Pfund Eintritt pro Person bezahlt haben. Wobei "Kassenhäuschen" ein wenig untertrieben ist. Auch Andenken kann man hier kaufen: Vom Kühlschrankmagneten über die Postkarte bis hin zu bilderreichen Bücher wird hier alles rund um das "Melrose Abbey" angeboten, was das Touristenherz begehrt.

Melrose Abbey wurde ab dem Jahr 1136 von Zisterziensermönchen errichtet und war damit das erste Zisterzienserkloster in Schottland. Rund 60 Jahre dauerte es, bis die Abtei fertiggestellt war. Während dieser Zeit wuchs rund um die Anlage auch eine kleine Stadt heran.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kloster dann mehrmals angegriffen, überwiegend zerstört und im Anschluss von den Mönchen wieder neu aufgebaut: In den Jahren 1322, 1385 und schließlich 1544 wüteten die englische Truppen sowohl im Kloster als auch im Ort Melrose. 1544 wurde die Anlage dabei so schwer beschädigt, dass sie nie wieder vollständig restauriert wurde. Der letzte Abt, der hier lebte, verstarb im Jahr 1559.


Die Ruine von Melrose Abbey
Die Ruine von Melrose Abbey

Die Ruine von Melrose Abbey
Die Ruine von Melrose Abbey

Die Ruine von Melrose Abbey
Die Ruine von Melrose Abbey

Die Ruine von Melrose Abbey
Die Ruine von Melrose Abbey


Ganz vergessen wurde Melrose Abbey aber nie. Immerhin wurden hier einige schottische Könige und Adelige beerdigt. Und die Legende sagt, das auch das einbalsamierte Herz von "Robert the Bruce" hier auf dem Klostergelände begraben worden sein soll. Der war von 1306 bis zu seinem Tode 1329 der König von Schottland, führte sein Land in die Schottischen Unabhängigkeitskriege gegen England und gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Schottlands.

Ab dem Jahre 1610 wurde ein intakter Teil des Klosters als Pfarrkirche für den Ort Melrose genutzt. Und dass immerhin 200 Jahre lang. So lange dauerte es nämlich, bis mitten im Zentrum des Ortes eine neue Kirche gebaut wurde.

Mehr als eine Stunde lang laufen wir durch die Anlage, gehen Treppen hinauf auf Aussichtsplattformen und schlängeln uns an diversen Grabsteinen vorbei. Aber so sehr wir auch suchen: Das Herz von "Robert the Bruce" finden wir nicht ;-)

Stattdessen entdecken wir einige Informationstafeln, die etwas über das Kloster und der Leben der Mönche berichten. Zum Beispiel diese hier:


Infotafel Mönchsleben
Infotafel
(ein Klick auf das Bild öffnet es in groß in einem neuen Fenster)


Interessant war es hier. Wir haben viel gesehen und auch gelernt. Nun ist es Zeit für eine Pause. Ein Cappuccino oder ein Eis wäre jetzt genau das richtige. Daher verlasse wir Melrose Abbey (wieder durch das "Kassenhäuschen") und schlendern durch den Ort. Sehr touristisch ist es hier. Die Stadt ist mit vielen Cafes, Restaurants und kleinen Geschäften, die zum Bummeln einladen, offensichtlich sehr gut eingestellt auf die vielen Besucher, die tagtäglich hier erscheinen. So ist es für uns auch kein Problem, ein Eis zu bekommen.

Und eine echte Lebensweisheit erhalten wir noch gratis dazu:


Spruch
"Lebensweisheit" vor einer Bäckerei in Melrose


Leib und Seele sind also gut gestärkt, als wir in das Auto steigen und weiter Richtung Norden steuern. Wir fahren zwischen Edinburgh und Glasgow hindurch, wo wir wegen Stau und zähfließenden Verkehr teilweise nur recht langsam vorankommen. Unser heutiges Ziel ist Sterling. Die Stadt, gelegen am Fluss "Forth", gilt bei vielen als eine der Hauptattraktionen Schottlands. Hier befindet sich eine Vielzahl an historischen Gebäuden, die gerne von Touristen besucht werden. Auch wir wollen uns einen Ort der Geschichte ansehen, nämlich das "Stirling Castle". In der wechselhaften Geschichte Schottlands, insbesondere im Kampf der Schotten gegen die Engländer, spielte das Schloss aufgrund seiner strategischen Lage eine wichtige Rolle. Fast immer wurde die Burg von dem, der sie gerade nicht besaß, belagert.

Heute allerdings findet so eine Belagerung nur noch durch die Touristen statt. Der Parkplatz von "Stirling Castle" ist sehr voll mit Autos, Bussen, Wohnmobilen und Motorräder aus ganz Europa. An der Kasse zum Schloss merken wir dann, dass wir in Melrose zu viel Zeit gelassen haben: Wir sind spät dran, das Schloss schließt bereits in gut einer halben Stunde. Zwar könnten wir uns während dieser kurzen Zeit noch etwas umsehen, müßten aber dafür den vollen Eintrittspreis in Höhe von 15,- Pfund bezahlen. Und das wollen wir dann doch nicht. So bleibt es bei einem Blick von außen, bevor wir zu unserer Unterkunft fahren, der Jugendherberge von Sterling.


Blick auch 'Stirling Castle'
Blick auf "Stirling Castle"


Nach dem einchecken machen wir uns zu Fuß auf in die Innenstadt von Sterling. Der Ort ist nicht groß, schafft es gerade mal unter die ersten zwanzig der einwohnerstärksten Städte Schottlands. Aber hier weht eine besonderes "Flair": An der Universität Sterling studieren momentan ca. 9.000 Stunden aus aller Welt. Sie machen knapp ein Viertel der Einwohner aus und erwecken trotz der vielen historischen Gebäuden den Anschein einer jungen Stadt.


Spaziergang durch Sterling
Spaziergang durch Sterling

Spaziergang durch Sterling
Spaziergang durch Sterling

Spaziergang durch Sterling
Spaziergang durch Sterling

Spaziergang durch Sterling
Spaziergang durch Sterling

Spaziergang durch Sterling
Spaziergang durch Sterling


Wir finden ein nettes Lokal, wo wir zu Abend essen. Anschließend gehen wir noch einmal in Richtung Schloss. Ganz in der Nähe von Sterling Castle befindet sich die "Church of the Holy Rude". Diese ist nicht nur von außen recht eindrucksvoll. Sie ist neben Westminster Abbey in London auch die einzige noch aktive britische Kirche, in der eine Königskrönung stattgefunden hat. Im Jahre 1567 wurde hier Jacob VI. zum König von Schottland gekrönt. Er war der Sohn von Maria Stuart, jener Frau, die zwanzig Jahre nach der Krönung auf Befehl von Elisabeth I. von England enthauptet wurde.

Leider hat die Kirche bereits geschlossen und wir können sie uns nur von außen ansehen. Aber auch das ist interessant, zumal sie inmitten eines großen Friedhofes liegt. Uralte Grabsteine stehen hier direkt neben solchen, die erst vor wenigen Jahren aufgestellt wurden.


Kirche in Stirling
Die "Church of the Holy Rude"

Kirche in Stirling
Die "Church of the Holy Rude"

Kirche in Stirling
Friedhof an der "Church of the Holy Rude"


Gerade, als wir zurück zu unserer Unterkunft gehen wollen, beginnt ganz in der Nähe, am Rande des Friedhofs, ein Dudelsackspieler zu spielen. Wir folgen den Tönen, setzen uns auf eine Bank ganz in der Nähe und hören dem Spiel eine Zeitlang zu. Als ich zwischendurch applaudiere, ruft er uns auf Englisch zu:
"Danke, aber ich übe hier nur."
Uns gefällt das, was er spielt, trotzdem, also sitzen wir noch eine ganze Weile hier, bevor wir uns gegen zehn Uhr auf den Weg zu unserer Unterkunft machen.


2. Tag

Wir haben gut geschlafen, trotzdem stehen wir heute Morgen früh auf. Das Frühstück fällt in der Selbstversorgerküche der Jugendherberge recht karg aus, aber dadurch sind wir früh unterwegs und fahren Richtung Osten. Zunächst noch auf den breiten Straßen, führt uns der Weg über Perth nach Dundee, wo wir die A90 verlassen und von nun an auf kleineren Wegen der Ostküste Richtung Norden folgen. Vorbei an Orten wie Carnoustie, Montrose und Inverbervie halten wir uns immer in Richtung Stonehaven. Ca. drei Kilometer südlich davon befindet sie die Burgruine von Dunnottar Castle. Wie eigentlich um alle schottischen Schlösser ranken sich auch um dieses wilde Sagen und Legenden. Weil es aber in diesem Fall auch um die schottischen Kronjuwelen geht und darüber hinaus die Lage des Schlosses sehr spektakulär ist, kennt Dunnottar Castle in Schottland praktisch jedes Kind.

Was natürlich auch bedeutet, dass es hier recht voll ist.

Dunnottar Castle

Vom Parkplatz aus führt zunächst ein recht bequemer Weg in Richtung Schloss. Zu erkennen ist es bereits vom weiten, seine besondere Lage auf den Klippen bemerkt man allerdings erst, wenn man relativ dicht davor steht.


Dunnottar Castle
Auf dem Weg nach Dunnottar Castle


Ab hier führt nun ein recht steiler Weg zunächst hinab und später wieder hinauf zu dem schmalen Eingang der Burganlage. Diese besondere, strategisch günstige Lage machte Dunnottar Castle zu einer recht leicht zu verteidigende Anlage. Das war auch der Grund, warum um das Jahr 1650 herum hier die schottischen Kronjuwelen vor den Engländern versteckt wurden. über die Art und Weise, wie sie hierher gelangten und wie sie anschließend wieder fortgeschafft wurden, ranken sich viele, teils abenteuerliche Geschichten. Fakt ist, dass sie nicht mehr aufzufinden waren, als Sir George Ogilvy of Barras und seine Frau sich nach sechsmonatiger Belagerung ergaben. Die Engländer waren seinerzeit wohl "not amused".


Dunnottar Castle
Dunnottar Castle

Dunnottar Castle
Dunnottar Castle


Durch den Besuch von Melrose Abbey gestern haben wir heute allerdings keine große Lust, wieder durch Ruinen zu stöbern, also begnügen wir uns mit der Außenansicht des Schlosses. Ein Wanderweg führt hier an der Küste entlang, dem wir ein kleines Stück folgen und so Dunnottar Castle auch von der Seite zu sehen bekommen.

Im "Epizentrum" des Whiskys:
Unterwegs in der Speyside-Region


Bald darauf machen wir uns wieder auf den Weg. Wir verlassen die Küste, halten uns stattdessen Nordwestlich und fahren Richtung "Malt Whisky Trail". Dieser befindet sich links und rechts des Flusses "Spey", der der "Speyside-Region" ihren Namen gab und in dessen Nähe eine sehr hohe Dichte an Whisky-Destillieren zu finden ist. Etwas außerhalb von Dufftown, das als "Hauptstadt des Whiskys" gilt, haben wir in einem B&B ein Zimmer gebucht. Sehr nett finde ich einen Spruch der Einheimischen, mit dem die Stadt zum Teil sogar Werbung in eigener Sache macht: "Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills". Während Rom also auf sieben Hügeln erbaut wurde, gab es in Dufftown früher sieben Destillieren (Mortlach, Glenfiddich, Balvenie, Convalmore, Destillerie Dufftown, Glendullan und Parkmore). Heute sind es zwar nicht mehr so viele, aber ein netter, einprägsamer Slogan ist das auf jeden Fall. Und auch eine der bekanntesten aller schottischen Whiskybrennereien, nämlich Glenfiddich, hat hier ihr Zuhause. Eine Führung durch die Anlage lässt sich problemlos durchführen und ist einschließlich des anschließenden kleinen Probierumtrunks sehr zu empfehlen. Ich hatte das bei meiner letzten Reise nach Schottland bereits gemacht und verzichte daher diesmal darauf (Besuch der Glenfiddich-Destillerie). Stattdessen machen wir einen kurzen Spaziergang durch den kleinen Ort, gönnen uns ein Stück Kuchen und einen Cappuccino und fahren dann zu unserer Unterkunft.



In Dufftown
In Dufftown


Wir haben Glück und können unser Zimmer schon beziehen. Anschließend machen wir uns auf den Weg in das nicht weit entfernte Aberlour. An eine Besichtigung der dortigen Aberlour-Destillerie haben wir durchaus Interesse, allerdings sind alle Führungen für die nächsten drei Tage bereits ausgebucht. So bleibt mir nur, hier die vorher bereits fest eingeplante Flasche Whisky zu kaufen, was natürlich auch ganz schön ist :o)


Vor der Whiskybrennerei in Aberlour
Freude in Aberlour


Von Aberlour aus fahren wir weiter nach Rothes. Der Name des kleinen Ortes sagt vermutlich nicht vielen etwas, aber die dortige Destillerie von "Glen Grant" ist bestimmt so manchem ein Begriff. Uns zieht allerdings weniger der Whisky dorthin. Vielmehr ist es der zur Destillerie gehörende Garten, der von Reisenden immer wieder als sehr sehenswert bezeichnet wird. Und genau den möchten wir uns auch ansehen.

Im Garten der Glen Grant Destillerie

Der Weg zur Destillerie ist im Ort sehr gut ausgeschildert. Und so rollen wir bald darauf auf den Parkplatz und gehen zu Fuß die wenigen Meter bis zum Eingang der Brennerei.


Eingang zur Glen Grant Destillerie
Der Eingang zur Glen Grant Destillerie


Durch den Verkaufsraum hindurch führt der Weg dann in den Garten. Ich muss sagen, hier gefällt es mir auf Anhieb recht gut. Offene Rasenflächen, von Blumen und Sträuchern eingerahmt, dazu ein Bachlauf, über den mehrere Holzbrücken verlaufen, verschiedene Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen - hier kann man es aushalten. Vielleicht ein geschickter Einfall der Destilleriemanager: Während die Herren sich bei einem Tasting in der Destillerie vergnügen, flanieren die Damen durch den Garten. Oder auch umgekehrt ;-) Ein wenig wundern wir uns allerdings, dass hier außer uns niemand ist, um sich diese schöne Anlage anzusehen. Aber umso mehr genießen wir die Ruhe, die wir dadurch haben.


Im Garten der Glen Grant Destillerie
Im Garten der Glen Grant Destillerie

Im Garten der Glen Grant Destillerie
Im Garten der Glen Grant Destillerie

Im Garten der Glen Grant Destillerie
Im Garten der Glen Grant Destillerie

Im Garten der Glen Grant Destillerie
Im Garten der Glen Grant Destillerie

Im Garten der Glen Grant Destillerie
Im Garten der Glen Grant Destillerie


Nach einem ausgedehnten Spaziergang gehen wir zurück zum Parkplatz und fahren wieder zurück nach Dufftown. Dort finden wir ein kleines Restaurant, in dem wir uns unser Abendessen schmecken lassen. Den Tag beschließen wir dann auf der Terrasse unseres B&B, von dem aus wir eine wirklich schöne Aussicht haben.


Abendstimmung in unserem B&B in Dufftown
Abendstimmung in unserem B&B in Dufftown

3. Tag

Rose, die Inhaberin unseres B&B, hat ein wirklich gutes Frühstück gemacht. Wir sitzen am Tisch mit einem schwedischen Paar und wir unterhalten uns über das, was wir bisher in Schottland erlebt haben. Und natürlich auch über das, was wir noch geplant haben. Die beiden sind mit einer Woche Zeit im Gepäck mit dem Flugzeug aus Stockholm angereist, haben sich einen Wagen gemietet und sind ein wenig "durch die Gegend" gefahren. Heute wollen sie den Spuren des Whisky-Trails folgen, bevor sie Morgen nach Edinburgh fahren, von wo aus sie übermorgen wieder nach Hause fliegen. Wir dagegen freuen uns, dass wir noch ein wenig länger hier in Schottland sind und erzählen davon, dass wir heute noch hier bleiben werde, ab Morgen dann zunächst hoch bis ganz in den Norden und anschließend weiter zur Westküste fahren wollen.

"Die Laterne des Nordens"

Gut gestärkt starten wir also in den Tag. wir fahren Richtung Norden nach Elgin in der Grafschaft Moray. Der Ort, rund 30 Kilometer von Dufftown entfernt, gehört zu den ältesten in Schottland. Bereits im 12 Jahrhundert wurde Elgin erwähnt. Uns interessiert heute aber weniger die Stadt selbst, sondern die dortige Ruine der Kathedrale. 1224 wurde sie erbaut und in ihrer Blütezeit war sie die zweitgrößte Kathedrale von ganz Schottland. Doch es kam zum Streit zwischen dem Bischof von Moray und Alexander Stewart, dem Sohn von König Robert II, der wegen seiner Brutalität auch "Der Wolf von Badenoch" genannt wurde. Letzterer wurde von Bischof exkommuniziert. Daraufhin wütete der "Wolf" in der ganzen Grafschaft Moray und brannte in seiner Wut auch die Kathedrale von Elgin nieder. Die Kirche jedoch ließ das Gebäude wieder errichten. "The lantern of the north" wurde sie auch gerne genannt, "Die Laterne des Nordens". Aber mit Beginn der Reformation begann auch der Niedergang des stolzen Baus. Die Kathedrale wurde verlassen und sich selbst überlassen. Anfang des 18. Jahrhunderts schließlich brach der mittlere und höchste Turm zusammen und zerstörte dabei auch große Teile des Kirchenschiffs.


Die Kathedrale von Elgin
Die Kathedrale von Elgin

Die Kathedrale von Elgin
Die Kathedrale von Elgin

Die Kathedrale von Elgin
Die Kathedrale von Elgin

Die Kathedrale von Elgin Die Kathedrale von Elgin
Die Kathedrale von Elgin


Anfang des 19. Jahrhundert begann man damit, die Reste der Anlage nicht nur zu erhalten, sondern auch zu restaurieren. Eng verbunden ist diese Arbeit mit dem Schumacher von Elgin, John Shanks. Von 1824 bis zu seinem Tod 1841 war er maßgeblich an den Erhalt der Kathedrale beteiligt. Das brachte ihm viel Ansehen in und um Elgin ein.

Rund 1,5 Stunden wandern wir durch die Ruine, lesen uns verschiedene Infotafeln durch, steigen die Türme hinauf und sehen uns die dort untergebrachten Ausstellungen an. Wir finde es hier sehr interessant, der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.


Die Kathedrale von Elgin
Auf einen der Türme der Kathedrale von Elgin

Auf dem Weg zurück zu unserem Auto entdecken wir den "Biblical Garden", einen Garten, in dem alle Pflanzen zu finden sein sollen, die in der Bibel erwähnt werden. Das können wir hier und jetzt zwar nicht nachprüfen, halten das Ganze aber für eine nette Idee. Und so ein Spaziergang durch viel Grün tut nach den vielen Steinen in der Ruine auch recht gut.


Der 'Biblical Garden' in Elgin
Der "Biblical Garden" in Elgin

Der 'Biblical Garden' in Elgin
Der "Biblical Garden" in Elgin

Der 'Biblical Garden' in Elgin
Der "Biblical Garden" in Elgin


Nur die lebensgroßen Statuen von Personen, die in der Bibel vorkommen, finde ich an dieser Stelle eher etwas kitschig. Aber letztendlich ist das ja alles eine Geschmacksache.

Ausflug ans Meer

Jetzt steht uns der Sinn allerdings nach etwas Abwechslung. Daher fahren wir von Elgin rund zehn Kilometer weiter Richtung Norden nach Lossiemouth, einem Ort direkt am Meer. Unsere Hoffnung, ein wenig im Sonnenschein am Strand entlang zu laufen, zerschlägt sich aber recht schnell. An der Küste ist es diesig, die Sonne kann sich hier einfach nicht durchsetzen. Trotzdem gehen wir eine gute Stunde lang am Strand entlang. Eine Holzbrücke führt über den Fluss "Lossie" hinüber zum Oststrand, der über kleine Dünen und einen schönen Sandstrand verfügt. Bei Sonnenschein wird es hier vermutlich recht nett sein, aber auch so genießen wir die frische Seeluft, sammeln einige Muscheln und Steine.


Am Strand von Lossiemouth
Am Strand von Lossiemouth

Am Strand von Lossiemouth
Am Strand von Lossiemouth

Blick auf Lossiemouth
Blick auf Lossiemouth


Über Burghead, Forres und Dallas fahren wir anschließend nach Upper Knockando und in die dortige Cardhu-Destillerie. Dort möchten wir ein wenig im Shop stöbern, doch der ist sehr klein und übersichtlich. Außerdem empfinden wir die dortige Angestellte als sehr nervig. Gleich dreimal fragt sie uns, ob wir nicht an einer Führung teilnehmen möchten, die gleich beginnt. Daher bleiben wir nur recht kurz, kaufen auch nichts und fahren schon bald weiter zu unserer Unterkunft. Dort genießen wir etwas Tee und machen uns gegen 18:00 Uhr wieder auf den Weg nach Aberlour, um dort in einem Pub zu Abend zu essen. Anschließßend machen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Flusses "Spey". Mittlerweile ist der Himmel blau und es macht Spaß, hier entlang zu spazieren.


Spaziergang entlang de Flusses 'Spey'
Spaziergang entlang de Flusses "Spey"

Spaziergang entlang de Flusses 'Spey'
Spaziergang entlang de Flusses "Spey"


Es ist kurz nach 21:00 Uhr, als wir uns auf den Weg zurück zum B&B mache, wo wir, draußen auf der Terrasse sitzend, mit der Planung der Route für den nächsten Tag einen wirklich schönen Tag ausklingen lassen.


4. Tag

Heute heißt es Abschied nehmen von "The Gables", unserem B&B. Das Frühstück war wieder Klasse, wir können mit gutem Gewissen sagen, hier bei Rose gefällt es uns wirklich ausgesprochen gut.

Trotzdem brechen wir bereits gegen 9:00 Uhr auf. Heute wollen wir ganz hoch in den Norden nach John o'Groats. Zunächst fahren wir die bereits von gestern bekannte Strecke bis Elgin, ab dort dann an der Küste entlang weiter Richtung Westen bis Inverness, wo wir eine kurze Pause mache. Die Stadt liegt zwar am nördlichen Ende des Loch Ness, aber von "Nessie" können wir nirgendwo ein Anzeichen entdecken. Also fahren wir weiter und machen immer nur kleine Pausen. Teilweise bieten sich unterwegs recht schöne Aussichten, insbesondere auf die Brücken, die sich über den "Moray Firth" und den "Cromrty Firth" spannen.


Brücke über den 'Moray Firth'
Brücke über den "Moray Firth"


Eine etwas längere Pause machen wir gegen Mittag in einem kleinen Ort namens Tain. Im dortigen Mansfield Castle Hotel sitzen wir auf der Terrasse und schlürfen einen wirklich leckeren Cappuccino. Das Haus macht einen sehr ordentlichen Eindruck, hier kann man bestimmt auch gut übernachten.

Stipvisite am Dunrobin Castle

Nach diesem Stopp fahren wir weiter Richtung Norden. Die nächste schöne Brücke lässt nicht lange auf sich warten, auf ihr überqueren wir den "Dornoch Firth" und folgen der A9 bis kurz vor dem Ort Golspie. Dort liegt, gut ausgeschildert, Dunrobin Castle. Dieses Schloss ist der Stammsitz des Clan Sutherland. Während des späten 18. und des gesamten 19. Jahrhunderts wurde für die Landbesitzer das Geschäft mit Schafs-Wolle um einiges lukrativer als die Verpachtung des Landes an Bauern. Daher vertrieben viele "Landlords" die Bauern und siedelten stattdessen Schafe an. Und während dieser sogenannten "Highland Clearances" erwiesen sich die Sutherlands als besonders erbarmungslos. Sie vertrieben die Bauer nicht nur, sondern brannten auch deren Hütten nieder, damit sie wirklich endgültig verschwinden. Und den höheren Erlös, den sie durch diese "Umstrukturierung" erzielten, investierten sie dann, unter anderen, in dieses Schloss.


Dunrobin Castle von vorne
Dunrobin Castle von vorne


Ich kenne Dunrobin Castle von vielen Fotos als das "weiße Schloss". Weiß ist aber nur die dem Meer zugewandte Seite. Und genau damit haben wir heute Pech. Vom Meer her kommt Nebel auf und verhüllt sowohl das Schloss als auch den zwischen Schloss und Meer liegenden Garten. Und auch der soll sehr schön sein, inspiriert von dem im französischen Versailles. Leider ist davon aber so gut wie nichts zu sehen.


Dunrobin Castle von hinten
Dunrobin Castle von hinten mit Nebel


Eintritt bezahlen, um dann durch den Nebel zu irren, ist nicht so unser Ding. Da wir also sowieso so gut wie nichts zu sehen bekommen, halten wir uns hier auch gar nicht lange auf, sondern fahren weiter Richtung Norden. Rund hundert Kilometer sind es noch bis zu unserm heutigen Ziel John o'Groats. Und darauf sind wir wirklich gespannt. Schließlich gewann der Ort im Jahre 2010 den Preis als "Trostlosester Ort des Jahres". Es gibt sicher schönere Auszeichnungen zu gewinnen.

Ganz oben in Schottlands Norden: John o'Groats

John o'Groats ist das geographische Gegenstück zu Land's End, das ganz am Südwest-Ende Großbritanniens in knapp 1.400 Kilometer Entfernung liegt. Eine Radtour von "End to Enders" ist bei den Briten recht beliebt. Auch hier und jetzt sehen wir mehrere Radfahrer, teils allein, teils in Gruppen, die sich entweder aufmachen Richtung Land's End im Süden oder gerade von dort hier eintreffen. Sektflaschen werden geöffnet, um Start oder Ziel zu feiern, einige haben sogar extra dafür T-Shirts drucken lassen.


In John o'Groats
End of the (Tourist) Road...

Wegweiser in John o'Groats
Wegweiser zu fernen Zielen


John o'Groats nennt sich gerne "der nördlichste Punkt Schottlands". Das stimmt zwar nicht so ganz, denn das ca. 25 Kilometer weiter westlich gelegene "Dunnet Head" liegt noch weiter nördlich. Aber auch beim norwegischen Nordkap sieht man ja gerne über solche Kleinigkeiten hinweg.

Wir finden den kleinen Ort zwar touristisch, aber doch recht hübsch. Hier gefällt es uns auf jeden Fall viel besser als in "Land's End", dem südlichen Gegenpart. Wir schlendern an den Andenkenläden vorbei, kaufen uns ein Eis, setzen uns an dem kleinen Hafen auf die Mauer und schauen auf das Meer.
Herrlich...


In John o'Groats
John o'Groats ist auch bunt

In John o'Groats
Von "End to Enders": Von John'o'Groats nach Land's End


Kurz darauf läuft die "Pentland Venture" ein, eine reine Passagierfähre. Sie bringt von hier aus jeden Morgen zumeist Touristen hinüber zu den nahegelegenen Orkney-Inseln. Dort machen sie dann eine Rundtour mit dem Bus und kommen jetzt am Abend wieder mit der Fähre zurück. Zufrieden sehen sie aus und wir überlegen, ob wir Morgen nicht auch so eine Tour machen sollen. Aber unsere Nachfrage im nahegelegenen Touristencenter ergibt, dass die Fahrt leider bereits ausgebucht ist.


Der kleine Hafen von John'o'Groats
Leichte Schieflage: Die Fähre von den Orkney-Inseln


Für uns wird es Zeit, in unserer Unterkunft einzuchecken. Wir haben uns ein Zimmer im B&B-Bereich des Seaside-Hotels reserviert. Besonders schön finden wir es hier aber nicht: Ein winziges Zimmer mit ebenso kleinem Bad, nur ein kleiner Teil des Fensters lässt sich öffnen und das Haus ist sehr hellhörig. Hier würden wir wohl nicht noch einmal absteigen. Aber vielleicht sind wir ja auch zu verwöhnt von Rose und ihrem B&B in Dufftown.

Unser Abendessen nehmen wir aber trotzdem im Restaurant des Seaside-Hotels zu uns und werden dabei Glücklicherweise nicht enttäuscht. Das Essen ist gut und auch die Bedienung sehr freundlich. So versöhnen wir uns ein wenig mit der Unterkunft, was auch gut und richtig ist, denn auch die nächste Nacht werden wir hier verbringen. Wir machen noch einen kleiner Spaziergang am Meer entlang, dabei besprechen wir unsere Pläne für Morgen: Unter anderem wollen wir ein Schloss besichtigen und eine kleine Wanderung machen - dass wird nach der vielen Fahrerei heute bestimmt ganz schön. Mit diesen guten Aussichten beschließen wir dann auch den Tag.


5. Tag

Nach einem guten Frühstück starten wir Richtung Westen. Unser erstes Ziel ist ein Ort namens "Canisbay", in dem die "Canisbay Church of Scotland" steht. Dort befindet sich zum einem der Grabstein des Holländers John de Groot, nachdem der Ort John o'Groats benannt wurde. Im Jahre 1496 hat er die erste Fährverbindung zu den Orkneys eingerichtet. Zum anderen ist dies die Kirche, in die Queen Mum regelmäßig ging, wenn sie ihre Ferien in dem nahegelegenen Castle of Mey verbracht hat.


Die 'Canisbay Church of Scotland'
Die "Canisbay Church of Scotland"

Die 'Canisbay Church of Scotland'
Der Friedhof an der "Canisbay Church of Scotland"


Canisbay einen "Ort" zu nennen, ist dann doch etwas übertrieben. Es ist eine Ansammlung von recht weit zerstreut liegenden Häusern. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist die Kirche einfach zu finden. Und sie ist sogar offen. Der Innenraum ist schlicht gehalten, aber das ist ja auch kein Wunder, so wirklich groß ist die Gemeinde hier ja nicht. Was uns angenehm überrascht, ist, dass auf einen kleinen Tisch im Vorraum mehrere Schnellhefter liegen. In verschiedenen Sprachen, auch auf Deutsch, wird dort jeweils kurz die Geschichte der Kirche beschrieben. So erfahren wir unter anderem, dass dies auf dem schottischen Festland der nördlichste Ort ist, an dem Gottesdienste gefeiert werden. Hier in dem Vorraum steht auch aufrecht der Grabstein von John o'Groats bzw. John de Groot. Früher, so steht es in dem Infoblatt, lag dieser unter dem Fußboden der Kirche. Erst im Jahre 1898 wurde er dort weggeholt und hier aufgestellt.
Das wird den alten John wohl freuen :-)


Die 'Canisbay Church of Scotland'
Im inneren der"Canisbay Church of Scotland"

Die 'Canisbay Church of Scotland'
Im inneren der"Canisbay Church of Scotland"

Die 'Canisbay Church of Scotland'
Im inneren der"Canisbay Church of Scotland"

Die 'Canisbay Church of Scotland'
Der Grabstein von John de Groot steht direkt im Vorraum der Kirche


Zu Besuch bei der Queen: Im "Castle of Mey"

Von "Canisbay" aus fahren wir weiter Richtung Westen. Unser nächstes Ziel ist das "Castle of Mey". Das ist gut ausgeschildert und so rollen wir schon bald darauf auf den sehr großen Besucherparkplatz. Unser erster Gang führt uns in das Besucherzentrum, wo wir erfahren, dass das Schloss nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist. In fünf Minuten startet die nächste und kurz entschlossen kaufen wir uns Tickets und gehen dann schnellen Schrittes zum Eingang des Schlosses, dem Treffpunkt für die Führung.


Das 'Castle of Mey'
Blick auf das "Castle of Mey"


Begrüßt werden wir von einer Frau mittleren Alters, die als erstes darauf hinweist, dass das Fotografieren innerhalb des Gebäudes strengstens verboten ist und alle Besucher ihre Fotoapparate und Handys in die Taschen verstauen sollen.
"Das geht ja gut los" denke ich bei mir, während wir Besucher, eine kleine Gruppe von acht Personen, ihrer Aufforderung nachkommen. Was dann allerdings folgt, ist eine ungefähr 50 minütige sehr kurzweilige und informative Führung. Queen Mum kam über mehr als 50 Jahre hinweg häufig für 4 Wochen im August und noch einmal für zwei Wochen im Oktober hierher. Das meiste in den Räumen ist so belassen worden, wie es die Queen bei ihrem letzten Abschied hier hinterlassen hat. Gummistiefel und Regenjacke liegen so im Foyer, als ob sie jeden Moment durch die Tür hineinkommen und die Sachen anziehen würde. Viele formelle und informelle Bilder gibt es zu sehen und so manche Anekdote haben wir gehört. So thront zum Beispiel in einem der Zimmer ein billiges Nessi-Plüschtier auf einem sehr teuren Wandteppich. Kinder hatten ihr das kitschige Geschenk mitgebracht und zwei Bedienstete hatten es aus Spaß dort oben in mehr als zwei Metern Höhe abgesetzt. Die Queen ließ es dort und nutze es gerne als eine Art "Eisbrecher", wenn sie Besuch hatte, der vor lauter Schüchternheit kaum ein Wort herausbekam. Selbst wenn jemand, so wie ich, nicht so wirklich an dem britischen Königshaus interessiert ist, so ist dies doch eine sehr kurzweilige Führung.

Nur, dass das Fotografieren hier strengstens verboten ist, bedauere ich. Kameras überwachen die Räume, so dass sich auch jeder an dieses Verbot hält. So wirklich verstehen kann ich das nicht, ändern aber leider auch nicht.

Nach der Führung gehen wir dann noch durch den Garten. Ich bin überrascht, dass es überwiegend ein Nutzgarten ist. Obst und Gemüse dominieren eindeutig vor dem Ziergarten.


Das 'Castle of Mey
Übersicht von Schloss und Garten

Das 'Castle of Mey
Im Garten des Schlosses

Das 'Castle of Mey
Im Garten des Schlosses


Von Castle of Mey aus fahren wir weiter zum Dunnet Head. Es ist, wie schon erwähnt, der wirklich nördlichste Punkt der britischen Hauptinsel. Trotzdem ist hier weniger los als in John o'Groats. Der Leuchtturm, der hier steht, wurde 1831 errichtet und immerhin bis 1989 manuell bedient. Die dort angebrachten Infotafeln sprechen davon, dass der Job des Leuchtturmwächters nicht ungefährlich war. Bei Sturm sollen die Wellen manchmal bis zum Leuchtfeuer hochgeschlagen haben, immerhin 105 Meter hoch. Die Steine, die dabei von den Wellen mit hochgetragen werden, haben dabei durchaus schon mal die Fensterscheiben durchschlagen. Wenn ich hier so stehe, mag ich das kaum glauben. Zu tief unten liegt das Meer, zu ruhig schaukelt es vor sich hin. Aber gerade das, also dieses Unterschätzen der Naturgewalten, ist wohl genau das gefährliche.


Der Leuchtturm am Dunnet Head
Der Leuchtturm am Dunnet Head

Der Leuchtturm am Dunnet Head
Am nördlichsten Punkt des britischen Festlands


Während wir hier stehen und auf die Felsen gucken, kommen plötzlich große Nebelschwaden auf, so dass wir bald darauf kaum noch das Meer und die Klippen erkennen können. Auch dieser plötzliche Nebel war und ist sicher eine der Gefahren, mit denen die Seeleute hier schon immer zu kämpfen haben.


Am Dunnet Head
Am Dunnet Head

Am
Am Dunnet Head


Wir machen uns auf den Weg und fahre zurück nach John o'Groats. Der Nebel lichtet sich und bald haben wir wieder klare Sicht. Am Hafen, mit einem Eis in der Hand, legen wir eine kleine Pause ein. Wieder sind mehrere Radfahrer hier, die Briten scheinen eine richtige Radfahrnation zu sein. Aber bei meinem letzten Besuch in Schottland habe ich genau das ja bereits erfahren. Es muss nicht gleich die "End-to-Enders"-Tour sein. Viele setzen sich im Urlaub auf das Rad und fahren einfach los. Am Ende des Urlaubs steigen sie dort, wo sie gerade sind, in den Zug und fahren wieder nach Hause.

So gesehen, finde ich es fast schon ein wenig merkwürdig, dass die Briten nicht die "Tour-de-France" dominieren...

Die "Stacks of Duncansby"

Nach unser kleinen Mittagspause fahren wir zum 1924 errichteten Leuchtturm von John o'Groats. Über einen schmalen Weg erreichen wir den Turm mit seinem Parkplatz davor. Wir sind überrascht, wie viele Autos bzw. Wohnmobile hier stehen. Dafür, dass wir hier ja "end of route" sind, ist hier einiges los. Wir finden einen Platz für unseren Wagen und starten dann eine kleine Wanderung an den Klippen entlang. Als erstes kommen wir dabei an einigen Vogelfelsen vorbei. Viele Vögel, besonders natürlich Möwen, brüten hier und veranstalten einen Heidenlärm. Beeindruckend sind die Aussicht und das Spektakel aber auf jeden Fall.


Vogelfelsen an der Küste bei John o'Groats
Vogelfelsen an der Küste bei John o'Groats


Wir gehen weiter, denn wir wollen zu den "Stacks of Duncansby". Das sind zwei Felsnadeln aus rotem Sandstein, die wie Zipfelmützen aus dem Meer herausragen. In der Ferne können wir sie schon erkennen, aber urplötzlich kommt wie aus dem Nichts Nebel auf. Innerhalb weniger Minuten können wir kaum noch die Hand vor Augen erkennen, geschweige denn die Klippen oder das Meer. Wir hören die Brandung und auch das schreien der Seevögel, aber sehen können wir so gut wie nichts mehr. Wir kehren sofort um und sind letztendlich sogar froh, in diesem dichten Nebel den Parkplatz überhaupt gefunden zu haben.


Die 'Stacks of Duncansby'
Blick auf die "Stacks of Duncansby"

Die 'Stacks of Duncansby'
Blick auf die "Stacks of Duncansby"

Küste im Nebel
Küste im Nebel


Auf dem Weg zurück in den Ort lichtet sich der Nebel, je weiter wir uns vom Meer entfernen. So hat uns der Nebel bereits ein viertes Mal einen Strich durch unsere (Urlaubs-) Rechnung gemacht. Zunächst vorgestern in Lossiemouth am Strand, gestern am Dunrobin Castle, heute morgen am Dunnet Head und jetzt schließlich an den Stacks of Duncansby. Ein wenig sind wir daher froh, dass wir Morgen den Norden Schottlands verlassen und Richtung Westküste fahren. Dort ist es hoffentlich weniger nebelig.

Zum Tagesabschluss kaufen wir uns am Hafen eine Portion Fish & Chips, die wir auf der Hafenmauer sitzend essen und dabei gegen die gierigen Möwen verteidigen. Die Sonne lacht und wir genießen durchaus angenehme Temperaturen sowie die Tatsache, dass wir bisher hier in Schottland noch nicht einen einzigen Tropfen Regen abbekommen haben. So kann es gerne bleiben!


Hafen von  John o'Groats
Am Abend ist nicht viel los am kleinen Hafen

6. Tag

Als wir heute nach dem Aufstehen aus dem Fenster schauen, können wir nicht wirklich viel erkennen. Nebel hat sich über den ganzen Ort gelegt und wir können sogleich unseren Plan vergessen, heute nach dem Frühstück noch einen zweiten Anlauf zu den "Stacks of Duncansby" zu machen. Sehr gerne hätten wir diese Felsnadeln, die ich schon auf vielen Fotos im Internet bewundert habe, einmal in echt und aus der Nähe gesehen. Aber bei diesen Wetterverhältnissen hat so ein Versuch überhaupt keinen Zweck. Also packen wir unsere Sachen zusammen, werfen alles in das Auto und machen uns auf den Weg Richtung Süden. Dabei fahren wir zunächst die gleiche Strecke hinunter, die wir vorgestern auch hierher hinauf genommen haben. Auch an Dunrobin Castle kommen wir wieder vorbei. Aber da der Nebel uns fast die ganze Zeit gefolgt ist, haben wir unsere insgeheime Hoffnung, diesmal das "weiße Schloss" auch tatsächlich zu sehen, ganz schnell begraben.

Wir sind bereits kurz vor Inverness, wo wir Richtung Westen abbiegen, da setzt sich endlich die Sonne durch.

Eine Pause machen wir unterwegs in einem kleinen Ort namens Contin im dortigen "Coul-Houese-Hotel", wohin es uns eher zufällig verschlägt. Wir folgen einer unscheinbaren Ausschilderung zu einem Hotel, denn dort, so unsere Hoffnung, befindet sich sicherlich auch eine Möglichkeit, einen Cappuccino zu bekommen. Wir fahren durch ein kleines Tor und folgen dann lange Zeit einem Schotterweg durch einen Wald. Gerade, als wir schon umkehren wollen, stehen wir plötzlich vor dem Gebäudekomplex des Hotels, dass schon von außen recht edel aussieht. Wir parken unseren Opel neben all den Jaguars, Mercedes und BMW und gehen in die Hotelhalle, wo sofort eine Angestellte auf uns zueilt und nach unseren Wünschen fragt.
"Einen Cappuccino hätten wir gerne" antworte ich. Sie führt uns mit einem freundlichen Lächeln nach draußen auf die Terrasse, wo wir Platz nehmen dürfen. Kurz darauf bringt uns ein Kellner nicht nur unsere bestellten Getränke, sondern auch einen kleinen Teller mit Keksen.

Wie benimmt sich hier eigentlich ein echter englischer Gentlemen: Isst er alle Kekse auf oder lässt er ein "Anstandsplätzchen" auf dem Teller liegen?

Beides, Cappuccino und Kekse sind sehr lecker. Angenehm und auffällig ist auch das durchweg sehr freundliche Personal, das sich, ohne übertrieben freundlich zu wirken, dem angenehmen Ambiente anpasst. Da werde ich Zuhause doch mal nachschauen, was hier eine Übernachtung so kostet.


Pause im 'Coul-Houese-Hotel' in Contin
Pause im "Coul-Houese-Hotel" in Contin

Pause im 'Coul-Houese-Hotel' in Contin
Pause im "Coul-Houese-Hotel" in Contin


Nach diesem kleinen Intermezzo fahren wir weiter Richtung Westküste. Die Straße schlängelt sich durch sattes Grün, links und rechts stehen Bäume und Sträucher, hin und wieder blitzt ein See zwischen den Blättern hindurch. An einem kleinen Parkplatz halten wir an und genießen die Aussicht. So sieht das Ganze doch viel schöner aus als im Nebel.


Auf dem Weg zur Westküste
Auf dem Weg zur Westküste

Auf dem Weg zur Westküste
Auf dem Weg zur Westküste

Auf dem Weg zur Westküste
Auf dem Weg zur Westküste


Herrliches Plockton

Am späten Mittag erreichen wir Plockton. Das ist ein kleiner Ort an der Westküste, unweit der Skye-Bridge, die hinüber zur Insel Skye führt. Hier in Plockton nehmen wir uns ein Zimmer im B&B "Tigh-nan-saor". Es ist eine wirklich schöne Unterkunft in einem kleinen B&B, das über drei Zimmer verfügt. Martin, der Besitzer, macht einen etwas distanzierten Eindruck, ganz anders als Rose in Dufftown. Aber unfreundlich ist er dabei nicht.

Der Ort Plockton gefällt uns auf Anhieb sehr. Direkt am Meer liegt er, auch unser Zimmer hat einen wunderbaren Blick auf das Wasser. Wir schlendern an der Straße entlang, blicken zwischen Palmen hindurch auf das Wasser und genießen draußen vor einem Cafe eine Tasse Tee. Ein kurzer Spaziergang bringt uns danach dank Ebbe trockenen Fußes auf eine kleine Insel nahe der Straße. Dort sitzen wir dann auf einer Bank in der Sonne und schmiede Pläne für Morgen.


Plockton an der schottischen Westküste
Plockton an der schottischen Westküste

Plockton an der schottischen Westküste
Plockton an der schottischen Westküste

Plockton an der schottischen Westküste
Plockton an der schottischen Westküste

Plockton an der schottischen Westküste
Plockton an der schottischen Westküste

Plockton an der schottischen Westküste
Blick aus unserem Zimmer im B&B "Tigh-nan-saor"


Als es Zeit ist zum Abendessen machen wir uns auf in das Restaurant des Plockton Hotel. Dabei beobachten wir, wie die Flut langsam immer näher kommt. Ein junges Pärchen hat die einsetzende Flut wohl unterschätzt und watet nun von der kleinen Insel durch das Wasser zurück bis zur Straße. Da haben die Einheimischen natürlich ihren Spaß. Bald darauf platscht das Wasser gegen die Wand, die das Meer von der Straße trennt. Es ist Flut und wer nun auf die kleine Insel möchte, muß wohl schwimmen.

Im Restaurant setzt sich ein asiatisches Pärchen neben uns. Die Frau guckt nach rechts und links zu den Gerichten, die die anderen Gäste bestellt haben und zeigt dann mit den Fingern auf das, was sie haben möchte. Zu trinken bestellt sie Cola für sich und Bier für ihren Begleiter. Dann huscht sie durch den gesamten Raum, fotografiert wirklich jeden Winkel. Bald darauf werden essen und trinken auf ihren Tisch gestellt. Die Frau trinkt ihre Cola "auf Ex" und dreht dann weiter ihre Fotorunde durch das Restaurant. Der Mann schneidet sich mit Messer und Gabel ein Stück von der Zitronenscheibe ab, die seinen Fisch verziert und steckt sie sich in den Mund. Sein Gesichtsausdruck ist fast schon den Preis für mein Essen wert. Anschließend kippt er die restlichen Eiswürfel aus dem Colaglass in sein Bier und trinkt das dann in einem Zug aus. Mittlerweile hat die Frau wohl alles, was es zu fotografieren gab, auf ihre Speicherkarte verewigt. Sie legt einen Geldschein auf den Tisch, dann verlässt sie, gefolgt von dem Mann, das Restaurant.

Ich überlege, wie ich mich wohl in Asien verhalten würde, wenn ich die Sprache weder sprechen noch lesen kann. Zumindest würde ich im Restaurant nicht allen anderen Gästen ständig meine Kamera unter die Nase halten. Aber vielleicht ist das im fernen Osten ja ein Zeichen der Wertschätzung? Wenn dem so wäre, dann hätte diese Frau wirklich einen RIESEN-Respekt vor uns gehabt.

Nach dem Essen setzen wir uns draußen direkt an die Wasserkante und genießen ein "Tages-Abschluss-Bierchen". Plockton gefällt uns und wir freuen uns darauf, Morgen noch einen Tag hier zu sein. Zunächst möchten wir zwar mit dem Auto in einen nicht weit entfernten Garten fahren, aber ab Mittag sind wir hier im Ort. Und da auch die Wetteraussichten richtig gut sind, kann Morgen doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?


Abendidylle in Plockton
Abendidylle in Plockton

7. Tag

Als wir heute morgen den Frühstücksraum betreten, fühle ich mich sofort wohl: Zwei der Wände sind komplett bis unter die Decke mit Bücherregalen zugestellt. Eine kleine Bibliothek, die Martin sich hier aufgebaut hat. Ich als Bücherwurm stöbere direkt durch die Titel und wechsle dann einige Worte mit Martin, der nach uns den Raum betreten habe. Als ich ihm erzähle, dass ich im letzten Jahr in Wales das Bücherdorf "Hye-on-Wire" besucht habe und er meine Begeisterung spürt, taut er ein wenig auf, lässt seine Distanziertheit etwas nach. Lange unterhalten können wir uns aber nicht, denn recht bald kommen die anderen Gäste hinzu und wir setzen uns an den Frühstückstisch.


Der Frühstücksraum
Der Frühstücksraum


Wir frühstücken gemeinsam mit Douglas aus Schottland und mit Steve sowie seiner Frau Alisa aus Oregon/USA. Douglas und Steve sind bereits seit sage und schreibe fünfzig Jahren befreundet. Damals ist Douglas als Betreuer mit einer Jugendfußballmannschaft aus Schottland in die USA gereist. Steve war sein Kontaktmann dort und die beiden haben sich auf Anhieb verstanden und Freundschaft geschlossen. Damals blieben sie noch per Brief in Kontakt, was so eine Sache natürlich nicht einfacher macht. Aber ihre Freundschaft hat gehalten und noch heute besuchen sie sich des öfteren gegenseitig. Respekt!

Douglas ist in Elgin aufgewachsen und wir erzählen von unserem Besuch der dortigen Kathedrale. So haben wir genug Gesprächsthemen und unterhalten uns auch noch, als das "Scottish Breakfirst" längst aufgegessen und der Tee bereits alle ist. Sehr nett und sehr angenehm, diese drei.

Während die drei von hier aus auf die Insel Skye weiterfahren und die nächste Nacht dort in Portree verbringen werden, machen wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Attadale. Das sind zwar nur knapp 20 Kilometer, aber die haben es Dank der Single-Track-Road in sich. Rechts und links der sehr kurvigen Straße stehen Bäume und Gebüsche, es ist nicht zu erkennen, ob uns jemand auf diesem engen Weg entgegen kommt. Aber unsere Sorge ist unbegründet. Die anderen Autofahren sind hier ebenso vorsichtig unterwegs wie wir. Mal sind wir es, die ein wenig zurück bis zu einem der vielen Ausweichpunkte setzen, mal ist es unser Gegenüber. Eigentlich recht entspannt, das Ganze.

Der "Attadale Garden"

Unser Ziel ist aber nicht der Ort Attadale selbst, sondern der südlich davon gelegene "Attadale Garden". Das ist ein rund 20 Hektar großes Grundstück mit vielen Bäumen und Sträucher, Teichen und Wasserläufen, Grünflächen und Pflanzen, versteckten Skulpturen und einer großen Sonnenuhr. Am Eingang werden wir von einem ganz reizenden, älteren Paar empfangen, mit denen wir eine ganze Zeitlang plaudern. Sie erzählen uns, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der Anlage dieses Gartens begonnen wurde. 1980 fegten dann heftige Stürme über das Land und verwüsteten die Anlage schwer. Der Eigentümer nutze diesen Umstand und legte den Garten komplett neu an, wodurch er sein heutiges Aussehen erhielt. Nach diesem "Plauderstündchen", das wohl nur dadurch beendet wird, dass neue Gäste kommen, gehen wir durch die Anlage. Viel gibt es zu entdecken, quasi an jeder Ecke findet sich etwas Neues. Es gibt einige Themenbereiche, wie den Rhododendron-Park, den versunkenen Garten oder den Küchengarten. Und schöne Aussichtspunkte finden sich auch immer wieder.


Im 'Attadale Garden'
Im "Attadale Garden"

Im 'Attadale Garden'
Im "Attadale Garden"

Im 'Attadale Garden'
Im "Attadale Garden"

Im 'Attadale Garden'
Im "Attadale Garden"

Im 'Attadale Garden'
Im "Attadale Garden"


Das mitten im Park stehende "Attadale House" ist für Besucher allerdings nicht geöffnet, so dass nur ein Blick von außen auf das schöne Gebäude möglich ist.

Nachdem wir rund zwei Stunden durch den Garten gelaufen sind, machen wir uns auf den Weg zurück nach Plockton. Das Wetter ist wieder sehr schön heute, daher wollen wir eine kleine Bootstour machen.

"Calum's Seal Trip": Ein Ausflug mit dem Boot

Um 14:00 Uhr startet von den Pontons in Plockton "Calum's Seal Trip". Ungefähr 60 Minuten dauert die Fahrt, auf der Seehunde und auch Otter zu sehen sein sollen. Viel mehr freuen wir uns allerdings auf die frische Seeluft und den Blick vom Wasser aus auf Plockton. Und so sind wir pünktlich vor Ort, kaufen uns Fahrkarten und schon geht es los.


Werbung für 'Calum's Seal Trip'
Plakat und Schiff für "Calum's Seal Trip"


Nicht nur Seehundsbänke bekommen wir zu sehen. Wir passieren mehrere kleine Inseln sowie einen alten Leuchtturm und haben auch einen sehr guten Blick auf das Duncraig Castle, das momentan zu einen exklusiven Hotel umgebaut wird. Wer möchte, kann hier an Bord auch einen kleinen Imbiss oder etwas zu trinken bekommen. So vergeht die Zeit recht schnell, zumal Bootsführer Calum jede Menge Anekdoten zu erzählen weiß.


Blick vom Bootsanleger auf Plockton
Blick vom Bootsanleger auf Plockton

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"

Auf See mit 'Calum's Seal Trip'
Auf See mit "Calum's Seal Trip"


Es ist eine kurzweilige und interessante Tour, die wir auch wieder machen würden. Jetzt aber ist es Zeit für eine kleine Pause, die wir im Ort bei einem Cappuccino und einem Stück Kuchen machen.

Am "Carn na Frith-aird Viewpoint"

Nach dieser Stärkung sehen wir uns den Ort selbst noch ein wenig an. Mehr als die "Hauptstraße", die direkt am Meer liegt, haben wir hier nämlich noch nicht gesehen. Daher folgen wir der Straße, die bald darauf einen scharfen Linksknick macht und ein wenig bergan führt. Auch hier befinden sich einige Häuser, es ist aber wesentlich ruhiger als vorne direkt am Wasser. Rechterhand entdecken wir einen Abzweig, der als "Viewpoint" ausgeschildert ist und folgen dem Weg, der mal mehr, mal weniger steil bergauf führt. Teilweise besteht der Weg nur aus großen Steinen, über die wir klettern müssen, aber oben angelangt, werden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt. Dieser "Viewpoint" hat seinen Namen wirklich verdient.


Wegweiser und Abzweig zum Aussichtspunk
Wegweiser und Abzweig zum Aussichtspunk

Steiler Anstieg Steiler Anstieg
Teilweise geht es recht steil hinauf

Aussicht auf das Meer
Aussicht auf das Meer

Aussicht auf das Meer
Aussicht auf das Meer

Aussicht auf das Hinterland
Aber auch die Aussicht auf das Hinterland ist nicht übel


Nachdem wir die Aussicht gebührend genossen haben, machen wir uns auf den Rückweg. Uns ist am Ortseingang von Plockton eine kleine Kirche aufgefallen, die wir noch besuchen möchten. Die "Plockton Free Church" ist von außen klein und von innen schlicht. Ich setze mich in einer der Bänke und freue mich über die Ruhe, die hier herrscht.


Die 'Plockton Free Church'
Die "Plockton Free Church"

Die 'Plockton Free Church' ist innen recht schlicht gehalten
Die "Plockton Free Church" ist innen recht schlicht gehalten

Die 'Plockton Free Church' ist innen recht schlicht gehalten
Die "Plockton Free Church" ist innen recht schlicht gehalten


Heute Abend gehen wir nicht in ein Restaurant essen, sondern kaufen uns an der kleinen Bude am Hafen Fish & Chips. Wir setzen uns auf der Mauer am Ponton, also dort, von wo heute auch Calum's Seetour startete und essen unsere Mahlzeit. Uns schmeckt's und diesmal müssen wir unser Essen auch nicht gegen hungrige Möwen verteidigen. Das Essen spülen wir anschließend mit einem Bierchen im Biergarten des "Plockton Inn" herunter. Direkt am Wasser, bei angenehmen Temperaturen und in den letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Einfach Klasse!


Abend in Plockton
Ruhe und herrliche Aussicht am Abend in Plockton

8. Tag

Ich weiß nicht warum, aber am frühen Morgen wache ich plötzlich auf. Das erste Licht des Tages dringt durch den Fenstervorhang, ich stehe auf und schaue hinaus. Die Sonne geht gerade über einen Felsen auf und taucht die Landschaft in ein warmes Licht. Schön sieht das aus und ich bleibe eine Weile am Fenster sitzen und genieße dieses Schauspiel.


Sonnenaufgang in Plockton
Sonnenaufgang in Plockton


Es heißt Abschied nehmen von Plockton. Am Frühstückstisch sitzen heute zwei ältere Damen aus England. Die beiden haben es eilig, sie werden gleich von einer Reisegesellschaft abgeholt und mit dem Bus nach Edinburgh gebracht. Von dort aus fahren sie übermorgen wieder nach Hause. Außerdem am Tisch sitzt ein junges Paar aus England, das mit dem Motorrad unterwegs ist. Mit dem Motorrad? Da haben wir sogleich genug Gesprächsthemen. Wir sitzen noch und plaudern, als Martin längst den Tisch abgeräumt hat. Ich gebe den beiden den Namen meiner Webseite.
"Wenn ihr mal nach Deutschland kommt, schreibt mir doch eine E-Mail. Vielleicht können wir uns dann ja mal treffen."
Ich bin gespannt, ob das was wird.

Nach dem auschecken und der Verabschiedung von Martin und seiner Frau machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel heute ist die Hafenstadt Oban, circa 200 Kilometer entfernt. Den ersten Stopp machen wir allerdings bereits nach knapp 20 Kilometern. "Eileen Donan Castle", besser bekannt als das "Highlander-Schloss" lädt zu einer kurzen Pause ein. Ausgiebig besichtigt habe ich es bereits bei meinem letzten Besuch hier in Schottland (Besuch des "Eilean Donan Castle"), aber einen kleinen Fotostopp ist es auf jeden Fall auch heute wert.


Eileen Donan Castle
Kurzer Stopp am Eileen Donan Castle


Nach diesem kurzen Zwischenhalt fahren wir weiter. Immer wieder haben wir rechts und links der Straße schöne Aussichten. Und an einer halten wir gegen Mitte unseres Weges auch an. Durch ein kleines Stück Wald gehen wir zu Fuß bis zum River Garry, einem kleinen Fluss, der den Loch Garry mit dem Loch Oich verbindet. Sehr ruhig und idyllisch ist es hier. Wir setzen uns auf einen großen Stein direkt am Wasser, essen ein paar Kekse, trinke dazu Mineralwasser und freuen uns, dass wir die Zeit und die Muße haben, hier entspannt zu sitzen und einfach "nichts" zu tun.


Pause am Wegesrand
Pause am Wegesrand

Pause am Wegesrand
Pause am Wegesrand

Pause am Wegesrand
Pause am Wegesrand


Irgendwann fahren wir aber dann doch weiter. Oban empfängt uns laut, fast schon ein wenig hektisch. Zumindest empfinden wir das so, nachdem wir in den letzten Tagen doch eher ruhig und beschaulich gewohnt haben. Unsere Unterkunft, das "King Knoll Hotel" ist schnell gefunden. Ich erwähne den Namen hier allerdings als Warnung: Das nächste Mal würden wir eher unter einer Brücke schlafen, als noch einmal hier abzusteigen. Schlafraum und Badezimmer, aber auch der Frühstücksraum, den wir erst morgen früh sehen werden, sind recht schmuddelig. Ich bin nicht wirklich empfindlich, was meine Übernachtungen angeht, aber das hier ist selbst mir zu viel. Dabei ist dies unsere teuerste Unterkunft auf dieser Tour durch Schottland. Und auf den Parkplatz stehen jede Menge teure Autos. Aber vielleicht haben die Briten ja ein anderes Verständnis von Sauberkeit. Jedenfalls lassen wir die Dame von der Rezeption kommen und bestehen darauf, dass das Zimmer gründlich gereinigt wird. Das ist dann anschließend zwar immer noch nicht wirklich sauber, aber immerhin schon mal besser als vorher.

Einen Vorteil hat "King Knoll" dann aber doch: Die Innenstadt ist bequem fußläufig erreichbar. Und so machen wir uns auf den Weg mitten hinein in den quirligen Ort. Unser erstes Ziel ist die Oban-Distillery, die mitten in der Stadt liegt. Hier können wir sofort an einer Führung teilnehmen, was wir auch gerne machen. Auch hier ist das Fotografieren mal wieder verboten. Wir sind nur zu viert, werden durch die verschiedenen Räume geführt und bekommen die unterschiedlichen Produktionsstufen erklärt. Das Ganze ist, wie ich finde, bis zu einem gewissen Grad dem bierbrauen nicht unähnlich, auch wenn ein Distillerry-Manager das wohl ein wenig anders sehen wird. Olivia, unsere Führerin durch diese Anlage, spricht leider sehr schnell. Auch nach meiner Bitte, ein wenig langsamer zu reden, ändert sie daran leider nichts.

Am Ende der Führung machen wir dann ein kleines Tasting. Das Glas, das jeder dafür benutzt, dürfen wir anschließend mit nach Hause nehmen. Auch nett. Dabei werden wir gebeten, diese Führung auch auf Facebook zu bewerten.
"If you like it, my name is Olivia. If not my name is Jane" sagt Olivia mit einem Augenzwinkern. Ich tendiere, ehrlich gesagt, ein wenig mehr zu der "Jane-Variante", denn ich finde es schade, dass sie trotz meiner Bitte nicht zumindest etwas langsamer gesprochen hat.

Zum Schluss werden wir dann in den Shop geführt. Mit der fünf Pfund teuren Eintrittskarte erhält man einen Rabatt von zehn Prozent ab einen Einkauf von mindestens 30 Pfund. Nun gut, zehn Prozent darf man doch nicht einfach so verfallen lassen... Und so wandert eine Flasche guten Oban-Whisky in meinen Rucksack :o)


Die Whisky-Distillery in Oban
Die Whisky-Distillery in Oban

Die Whisky-Distillery in Oban
Die Whisky-Distillery in Oban


Von der Destillerie aus ist es nur ein kurzer Fußweg zur Touristeninformation. Dort buchen wir für den morgigen Tag eine Tour mit dem Offshoreboat durch die Oban vorgelagerte Inselwelt. Neben dem Besuch des McCaig's Tower steht das Programm für Morgen damit fest.

Aber jetzt haben wir Hunger, es ist auch sowieso Zeit zum Abendessen. Direkt gegenüber der Touristeninformation liegt "The Oban Inn". Wir bestellen uns am Tresen etwas zu essen und zu trinken und setzen uns dann nach draußen an einem Tisch, der gerade frei wird. Als der Kellner unsere Bestellung bringt, kümmert er sich allerdings nicht um das Geschirr, das noch von unseren Vorgängern hier auf dem Tisch steht. Er schiebt es nur ein wenig zur Seite, stellt unsere Teller vor uns hin und verschwindet dann sofort wieder. Ist schon ein wenig komisch hier in Oban. Und nicht nur die Bedienung bzw. der Service hier ist recht mau, auch das Essen passt sich diesen Umständen an. Nicht einmal die Hälfte unseres Gerichtes mögen wir essen, dann stehen wir auf und überlasse den Rest den vielen Möwen, die hier ständig über die Köpfe der Gäste kreisen und kreischen. Die stürzen sich auch sofort auf unsere Teller.

Ich befürchte, Morgen ist denen allen schlecht.,,

Nur ein paar Meter weiter befindet sich "The Pokey Hat", eine Eisdiele, in der wir uns ein großes Eis kaufe. Und das ist recht lecker. Damit schlendern wir die Straße entlang, vorbei am "Oban War & Peace Museum" sowie an der "Oban Chocolate Company" (oh, die muss ich mir für Morgen merken!) und folgen einfach dem Weg, der am Meer entlang führt.


Spaziergang in Oban
Spaziergang in Oban

Spaziergang in Oban
Spaziergang in Oban

Oban: Blick auf das Meer
Oban: Blick auf das Meer


Dabei erreichen wir bald darauf die St. Columba's Cathedral. Da sie offen ist, gehen wir dort hinein und sehen sie uns von innen an. Recht groß ist die, bietet jede Menge Platz für viele Besucher. Um diese Zeit sind wir aber allein und die Ruhe tut nach der Hektik und dem Lärm Oban's recht gut.


Die St. Columba's Cathedral in Oban
Die St. Columba's Cathedral in Oban

Hier stehen Kirchenstühle statt -bänke
Hier stehen Kirchenstühle statt -bänke

Taufbecken in der St. Columba's Cathedral
Taufbecken in der St. Columba's Cathedral


Anschließend folgen wir dem Weg am Wasser entlang noch etwas weiter, bis er bald darauf zu Ende ist. Ab hier müßten wir auf der Straße laufen. Nicht weit entfernt befindet sich die Ruine des "Dunollie Castle". Dort, in dem "History of Building", kann man der Geschichte des MacDougall's Clan folgen, eine Weberei besichtigen oder sich die Schlossruine ein wenig näher ansehen.


Die Ruine des 'Dunollie Castle'
Blick auf die Ruine des "Dunollie Castle"

Die Ruine des 'Dunollie Castle'
Blick auf die Ruine des "Dunollie Castle"


Für all das ist es heute aber bereits zu spät. Daher gehen wir langsam wieder den Weg zurück und biegen dann ab Richtung unserer Unterkunft. Der Tag war lang und abwechslungsreich. Und auf das morgige Programm freuen wir uns schon.


9. Tag

Ab acht Uhr gibt es Frühstück und bereits wenige Minuten später betreten wir den Speiseraum. Was wir hier allerdings sehen, verdirbt uns den Appetit. Die Tapeten rollen sich an den Decken teilweise bereits auf, die Farbe der Holzfensterrahmen ist spröde, Regenwasser scheint sich durch die undichten Fensterrahmen seinen Weg gebahnt zu haben und hinterließ dabei seine feuchte Spur auf der Wand, die Tischdecke hat mehr Flecken als Blumen in dem Muster, Geschirr und Besteck haben einen stumpfen "Glanz" - Nein, essen werden wir hier nichts!

Wir drehen uns um und verlassen den Raum. Dabei bemerke ich ein Pärchen mittleren Alters, das jeweils einen hoch mit Essen angehäuften Teller vor sich stehen hat und sich das mit viel Begeisterung in dem Mund schaufelt. Gerade so, als ob es die größte Delikatesse wäre, die sie jemals bekommen habe. Später werden wir die beiden auf den Parkplatz des Hotels in ihren neu- und hochwertigen Mercedes mit britischen Kennzeichen steigen sehen. Anscheinend ist die Meinung über Sauberkeit bei den beiden ein wenig anders als bei uns.

Wir gehen zurück auf unser Zimmer und packen den Rucksack. Wir haben noch einige Kekse und eine Flasche Mineralwasser, dass wird dann heute unser Frühstück werden. Auch Sonnenbrille und Cap nehme ich mit. Das Wetter soll Heute nämlich, so ganz anders als dieses Hotel, richtig gut werden. Wir hatten gestern Abend noch kurz überlegt, bereits heute hier auszuchecken. Aber in Oban eine Unterkunft zu bekommen, ist nicht ganz einfach. "No vacancies" stand in allen Fenster der B&B's, die wir gestern gesehen hatten. Auch die Option, Oban zu verlassen und weiter zu fahren, haben wir verworfen. Die Tour mit dem Offshoreboat war nicht günstig. Da wir den Preis gestern bereits bei der Buchung bezahlen mußten, wäre das Geld futsch. Und das möchten wir auch nicht. Also haben wir uns zu der Variante "Augen zu und durch" entschieden. Außer zum Schlafen werden wir uns in diesem Hotel aber nicht aufhalten.

Der McCaig's Tower

Nun machen wir uns auf den Weg zum McCaig's Tower. Dieser thront hoch oben über Oban und ist eigentlich von jedem Punkt der Stadt aus gut zu sehen.


Oben rechts steht der McCaig's Tower
Dort ganz oben rechts wollen wir hin: Der McCaig's Tower


Die Geschichte dieses Turmes ist recht schnell erzählt:
Der erfolgreiche Bankier John Stuart McCaig aus Oban wollte sich selbst ein Denkmal setzen. Ihm gefiel das Kolosseum in Rom, so etwas in der Art wollte er auch haben. Also ließ er im Winter 1897 die einheimische Arbeiter mit dem Bau eines Turmes beginnen. Für die war diese Arbeit ein Segen, war der Winter doch seit eh und je eine Zeit ohne viel Arbeit und somit ohne viel Lohn.

Die Arbeiten an dem Turm fanden ein Ende, als John Stuart McCaig im Jahre 1902 starb. Ab hier sind sich die Geschichtsbücher dann uneinig: Einmal wird gesagt, dass seine Nachfahren alle Arbeiten sofort einstellen ließen, um das Erbe unter sich aufzuteilen. Die andere Version der Geschichte erzählt, dass die Familie nach seinem Tod verarmte und somit kein Geld mehr für den Weiterbau hatte.

Wie auch immer, heute steht von dem ehrgeizigen Bauprojekt lediglich die Außenfassade. Aber auch die ist schon recht imposant. Immerhin wird das innere des Turmes heute als Park gepflegt. Und es gibt eine kleine Plattform, die bestiegen werden kann und von der aus sich eine wunderbare Aussicht auf den Ort und das Meer bietet.

Aber zunächst einmal muss man dort hinauf gelangen. Und das ist trotz der frühen Uhrzeit schon eine recht schweißtreibende Sache. Der Stadtplan, den wir gestern in der Touristeninformation bekommen haben, hilft uns dabei, so dass wir irgendwann endlich vor dem Turm stehen. Wow, wirklich imposant.


McCaig's Tower
Blick auf den McCaig's Tower

McCaig's Tower
Blick auf den McCaig's Tower


Wir gehen in das Innere der Anlage und nutzen eine Bank für eine kleine Pause. Und für unser karges Frühstück, das wir uns nun endlich gönnen. Wir sind noch fast alleine hier, nur ein asiatisches Paar, ein junger Mann und eine ältere Lady sind hier oben.

Nach unserem "Festmahl" drehen wir dann eine Runde durch die kleine Anlage. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wie der Turm wohl aussehen würde, wenn er fertiggestellt worden wäre. Für all die nun offenen Fensteröffnungen waren ursprünglich mal Fensterscheiben geplant. Und das wären ganz schön viele geworden. Also müsste auch ein Dach für diesen Turm geplant gewesen sein. Leider finden wir auch auf den hier aufgestellten Infotafeln keine Informationen darüber.


Im Inneren des McCaig's Tower
Überraschend groß: Das innere des Turmes

Im Inneren des McCaig's Tower
Das innere des Turmes wird heute als Park gepflegt

Im Inneren des McCaig's Tower
Das innere des Turmes wird heute als Park gepflegt


Schließlich gehen wir hinaus auf die Aussichtsplattform. Der Blick hinunter auf die Umgebung ist wirklich sehr schön. An der Wand ist eine Sitzbank befestigt und wir setzen uns eine Weile hier hin und genießen die Aussicht. Wirklich einen wunderbaren Platz hatte sich John Stuart McCaig für sein geplantes Monument ausgesucht. Schade, dass er seinen Traum nicht bis zum Ende verwirklichen konnte. Aber wer weiß, wie es dann heute hier aussehen würde. Vielleicht wäre es zu einem exklusiven Hotel umgebaut worden. Oder zu einem Edel-Restaurant. So gesehen ist es vielleicht am besten so, wie es ist.


Blick vom McCaig's Tower auf Oban
Blick von der Aussichtspalttform auf Oban

Blick vom McCaig's Tower auf Oban
Blick von der Aussichtspalttform auf Oban

Blick vom McCaig's Tower auf Oban
Blick von der Aussichtspalttform auf Oban


Es wird Zeit für uns, wieder hinunter in den Ort zu gehen. Vor der Bootstour möchten wir noch etwas trinken. Also machen wir uns auf den Weg und sitzen bald darauf in einem Cafe in Hafennähe und lassen uns Kaffee bzw. Cappuccino schmecken.

Eine Tour mit dem Offshoreboat

Zeitig machen wir uns auf den Weg Richtung Pier, von dem aus unsere Bootstour starten soll. Es ist ein kleines Boot, gerade mal acht Leute passen neben dem Bootsführer hier drauf. Und diese acht Plätze sind auch komplett ausgebucht. Pünktlich legen wir ab und fahren zunächst gemächlich aus dem Hafenbecken hinaus. Dabei kommen wir auch an der St. Columba's Cathedral und an Dunollie Castle vorbei. Jetzt können wir auch vom Wasser aus mal einen Blick darauf werfen.


Offshoreboat
Klein aber fein: das Offshoreboat

St. Columba's Cathedral
Die St. Columba's Cathedral vom Wasser aus gesehen

Dunollie Castle
Blick auf Dunollie Castle


Bald darauf nimmt das Boot Fahrt auf. Mit hoher Geschwindigkeit "fliegen" wir über das Wasser. Trotzdem müssen wir Passagiere nicht im Sessel sitzen und uns anschnallen, sondern können draußen auf dem kleinen Deck stehen. Nur festhalten sollen wir uns, sagt uns der junge Bootsführer. Na klar, kein Problem. Mir macht das hier an der frischen Luft viel mehr Spaß als innen in der Kabine.


Unterwegs mit dem Offshoreboat
Unser Boot macht mächtig Speed

Unterwegs mit dem Offshoreboat
Das macht schon Spaß...


Als erstes steuern wir eine Lachszucht an. Fisch ist nach Whisky Schottlands zweitgrößte Exportware. In immerhin 64 Länder weltweit exportieren die Schotten seit mehr als 40 Jahren den Fisch, insbesondere Lachs. Unser Bootsführer, dessen ausgefallenen schottischen Namen ich mir leider nicht merken konnte, erzählt uns das mit einem gewissen Stolz.

Unsere Fahrt führt weiter bis zur Insel Mull. Dort steht Duart Castle, ein Schloss, dass momentan von Baugerüsten umgeben ist. Vom Wasser aus hat man einen recht guten Blick auf das Gebäude, dass auch schon in einem Film mitgewirkt hat: "Entrapment" aus dem Jahre 1999, mit dabei waren damals unter anderem Sean Connery und Catherine Zeta Jones. Zuhause lese ich, dass der deutsche Titel "Verlockende Falle" hieß. Gesehen habe ich den Film allerdings nicht.

Unsere Fahrt führt über den Loch Linnhe weiter Richtung Norden, an einigen Seehundeinseln vorbei, bis wir wieder auf Land stoßen. Unser Bootsführer erzählt, dass hier oft ein Seeadler zu sehen ist. Die Vögel waren in dieser Gegend komplett ausgerottet worden, da sie den Fischern ein Dorn im Auge waren. Vor einigen Jahren wurden hier aber wieder einige Tiere ausgewildert. Ich bin, ehrlich gesagt, skeptisch und halte diese Geschichte für Seemannsgarn. Aber nur so lange, bis plötzlich tatsächlich ein Seeadler am Himmel auftaucht. Es hat wirklich etwas majestätisches, wie der große Vogel durch die Luft gleitet und sich dann auf den Ast eines Baumes niederlässt. Wir alle sind begeistert und lassen die Auslöser unserer Kameras glühen. Einfach ist es nicht, vom leicht schwankenden Boot aus eine passable Aufnahme zu machen, aber irgendwann sind alle zufrieden und unser Boot nimmt wieder Kurs auf Oban.

An einem alten Leuchtturm kommen wir noch vorbei und in der Ferne ist der Ben Nevis zu sehen, der mit 1.345 Metern höchste Berg im Vereinigten Königreich. Als unser Bootsführer schließlich das Tempo des Offshorebootes drosselt und wieder viele Möwen rund um unser Boot kreisen, wissen wir, daß wir Oban fast erreicht haben und unsere Tour nun zu Ende geht. Fast zwei Stunden sind wie im Fluge vergangen, Spaß hat es uns allen gemacht.


Lachszucht vor Obans Küste
Lachszucht vor Obans Küste

Nicht gerade schön, aber trotzdem Filmstar: Duart Castle
Nicht gerade schön, aber trotzdem Filmstar: Duart Castle

Kleine Seehundsinsel
Kleine Seehundsinsel

Aussicht auf das Meer
Der Seeadler hat alles im Blick

Kleiner Leuchtturm vor Oban
Kleiner Leuchtturm vor Oban

Blick über das Wasser
Blick über das Wasser


Wir schlendern nun ein wenig dem Fußweg entlang, der direkt am Meer liegt. Kurz darauf stehen wir vor der "Oban Chocolate Company". Aber bei dem "davorstehen" bleibt es natürlich nicht. Viel zu lecker sieht das aus, was in den Schaufenstern ausliegt, also gehen wir hinein und haben dort die Qual der Wahl. Schokolade in allen möglichen Formen und Farben, auch ein kleines Cafe ist hier untergebracht. Wir gehen von Regal zu Regal und entscheiden uns schließlich für zwei Sorten, die in den Rucksack wandern. Nur ein kleines Stück der Dunklen Schokolade mit Chilliflocken und Seesalz wandert sofort in den Mund. Sehr speziell, muss ich sagen. Jeden Tag könnte ich das nicht naschen, aber hin und wieder...


Die
Die Oban Chocolate Company

Die Oban Chocolate Company
Die Oban Chocolate Company


Mittlerweile ist es Zeit für das Abendessen. Nach dem Reinfall gestern im "The Oban Inn" sind wir heute besonders wählerisch. Fündig werden wir schließlich im "Cuan Mor", einen Restaurant direkt an der viel befahrenen Hafenstraße. Drinnen merkt man dann aber nichts von dem Verkehr. Die Bedienung ist aufmerksam und schnell, dass Essen lecker und die Preise absolut in Ordnung. Heute sind wir zufrieden mit dem Tag und dem erlebten. Aber es wäre ja auch schade, wenn Oban nur negatives für uns gehabt hätte.

Wir verlassen das Lokal und überlegen, was wir noch unternehmen könnten. Es ist noch zu früh, um ins Hotel zu gehen. Gerade, als wir uns entschlossen haben, noch einmal hoch zu McCaig's Tower zu gehen und uns von dort den Sonnenuntergang anzusehen, hören wir plötzlich sehr laute Dudelsackmusik. Auch die schottischen Trommeln sind dabei. Und so laut, wie das klingt, sind es nicht nur ein oder zwei Musiker, die da spielen. Wir folgen den Klängen und sehen bald darauf eine große Gruppe junger Leute, die mit Dudelsäcken und verschiedenen Trommel mitten auf einen kleinen Platz musiziert. Es stehen bereits viele Menschen dort und wir stellen uns dazu, um den Musikern zuzuhören. Auf einem kleinen Schild steht, dass dies die Nachwuchsmusiker einer Musikgruppe sind. Wer mag, kann eine Spende in eine Box werfen. Ich muss schon sagen, die Jungen und Mädchen haben Kondition. Sie spielen und spielen und spielen. Fast eine Stunde lang hören wir Ihnen zu, dann machen wir uns auf dem Weg zum Hotel. Und die Musik verfolgt uns dabei noch eine ganze Weile...


Dudelsackspieler"
Die Dudelsackgruppe lädt zum zuhören


Heute war es ein schöner Tag hier in Oban gewesen. Wir sind froh, dass wir noch hiergeblieben sind, auch wenn wir uns nun im Hotel wieder sehr unwohl fühlen. Wir fangen an, unsere Sachen zu packen. Morgen früh wollen wir zeitig los, je früher desto besser.


10. Tag

Es ist kurz nach sieben, als wir an der Rezeption den Zimmerschlüssel abgeben. Kurz darauf sitzen wir im Auto und fahren aus der noch ruhigen Stadt. Nein, Oban war, anders als Plockton, nicht "Liebe auf den ersten Blick". Selbst auf den zweiten nicht. Und das lag nicht nur am Hotel. Die Stadt wirkt auf mich recht laut, unruhig und auch ein wenig schmuddelig. Aber ob ich mir so ein Urteil nach knapp zwei Tagen überhaupt erlauben darf?

Jedenfalls sind wir froh, als wir Oban verlassen haben und den Wagen zunächst Richtung Osten lenke. Ortschaften wie "Connel", "Achnacloich", "Fanans" und "Stronmilchan" fliegen an uns vorbei, bevor ich ab "Crianlarich" das Steuer gen Süden schwenke. Bald darauf fahren wir an den Ufern des Loch Lommond vorbei, Schottlands größten See. Landschaftlich ist es sehr schön hier, aber zwei Versuche, am Seeufer eine Pause zu machen, scheitern an den Midgets, den klitzekleinen Mücken, die hier eine echte Plage zu sein scheinen. Also fahren wir weiter immer Richtung Süden, an Glasgow vorbei, bis wir in Maybole den Abzweig Richtung Küste nehmen. Nach einigen Kilometern stehen wir dann vor Culzean Castle. Oder eigentlich stehen wir vor dem Kassenhaus des Schlosses. Von hier aus sind es noch etliche Meter zu fahren, bis wir zu dem riesigen Parkplatz gelangen. Ich ergattere einen der wenigen Plätze im Schatten unter einem Baum. Es ist kurz vor 12:00 Uhr Mittags und mächtig warm. Ich bin gespannt, ob die Schokolade, die wir gestern in der "Oban Chocolate Company" gekauft haben und die nun im Auto liegt, diese Temperaturen überstehen wird.

Culzean Castle

Vom Parkplatz aus machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Wir überqueren einen großen Platz und schreiten durch ein Tor, das den Blick auf einen kleineren Platz freigibt. Ringsherum sind diverse Häuser, in denen ein Restaurant, Souvenirgeschäfte und Toiletten untergebracht sind. Auf der gegenüberliegenden Seite verlassen wir den kleinen Platz, folgen einen Weg durch einen kleinen Wald und stehen dann vor einem halb verfallenen Torbogen. Im Hintergrund ist schon das Schloss zu sehen, aber dessen ganze Größe erkennen wir erst, als wir durch das Tor schreiten und uns dem Schloss nähern. Wow, das ist beeindruckend. Ich hatte mich so daran gewöhnt, dass viele Schlösser hier mehr Ruine als intaktes Gebäude sind, dass ich ein wenig verblüfft bin. Auch der großzügig angelegte Garten imponiert mächtig. Optisch ist das alles wirklich ein Leckerbissen.


Blick
Blick auf Culzean Castle


Das Schloss wurde ursprünglich im 14. Jahrhundert auf einer steilen Klippe errichtet. Das sollte die Feinde davon abhalten, es anzugreifen. Ende des 18. Jahrhunderts spielte dieser Gedanke nur noch eine untergeordnete Rolle, daher ließ David Kennedy, der zu dieser Zeit als der 10. Earl of Cassillis hier lebte, das Schloss umbauen. Hauptsächlich sollte es seinen Freunden imponieren und ich denke, dass ist ihm gelungen. Sowohl von außen als auch von innen. Denn natürlich machen wir auch einen Rundgang durch das Schloss. "Begrüßt" werden wir dabei von einer riesigen Waffensammlung. Der Enkel von David Kennedy war anscheinend ein Waffennarr, denn er ließ alte Waffenbestände, insbesondere Pistolen und Kurzsäbel, aufkaufen und diese dann hier an der Wand arrangieren. Ein wirklich ungewöhnlicher Wandschmuck.


Waffensammlung
Dekorative Waffensammlung im Culzean Castle

Waffensammlung im Culzean Castle
Dekorative Waffensammlung im Culzean Castle


Aber das Schloss hat natürlich noch mehr zu bieten. Der Rundweg führt durch Wohn- und Esszimmer, durch Musik- und Schlafräume, durch Bibliothek und Küche sowie ein wirklich beeindruckendes Treppenhaus. Das schöne ist, dass hier das Fotografieren uneingeschränkt erlaubt ist. In den einzelnen Räumen liegen außerdem jeweils Informationsblätter in verschiedenen Sprachen aus, auch auf Deutsch. Neben Infos zu den unterschiedlichen Räumen erfahren wir auch, dass das oberste Stockwerk dem US-General und späteren Präsidenten Dwight D. Eisenhower auf Lebenszeit zum Wohnen zur Verfügung gestellt wurde. Dies geschah aus Dank für seine Dienste um die Befreiung Großbritanniens. Und Mr. Eisenhower soll nicht nur während seiner Amtszeit, sondern auch als Rentner einige Male hier gewesen sein und dieses Angebot genutzt haben.


Rundgang durch Culzean Castle
Rundgang durch Culzean Castle

Rundgang durch Culzean Castle
Rundgang durch Culzean Castle

Rundgang durch Culzean Castle
Rundgang durch Culzean Castle

Rundgang durch Culzean Castle
Rundgang durch Culzean Castle

Rundgang durch Culzean Castle
Rundgang durch Culzean Castle


Nach dem Rundgang durch das innere des Schlosses sehen wir uns auch draußen noch ein wenig um. Zu der einen Seite der großzügige Garten, zur anderen Seite das weite Meer - hier kann man es wirklich aushalten. In einem Infoblatt, das wir beim Kauf der Eintrittskarte erhalten haben, steht, dass dieses Schloss im Jahre 1945 an den National Trust for Scotland (NTS) übergeben wurde. Diesem sind wir ja bereits bei dem Besuch des "Priorwood Garden" neben dem Kloster Melrose begegnet. Culzean Castle soll die am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit des NTS sein. Wenn ich mich so umschaue, dann glaube ich das gerne.


Culzean
Rund um Culzean Castle

Culzean Castle
Culzean Castle in seiner ganzen Pracht


Es ist Zeit für uns, weiter zu fahren. Vorher trinken wir aber noch etwas in dem Restaurant und sehen uns auch im Souvenirgeschäft ein wenig um. Auf dem Parkplatz steht das Auto immer noch im Schatten der Bäume, trotzdem kommt ein heißer Wärmeschwall aus dem inneren, als wir die Türen öffnen. Also Klimaanlage auf "volle Pulle" und los geht's.

Unser heutiges Ziel ist der kleine Ort Stranraer auf der Halbinsel Rhins Of Galloway. Im dortigen "Glenotter B&B" haben wir ein Zimmer reserviert. Stranraer ist vermutlich einige Irlandreisenden bekannt. Bis vor einigen Jahren konnte man von hier aus mit der Fähre hinüber auf die grüne Insel fahren. Heute geschieht das allerdings vom nahegelegenen Cairnryan. Nach Larne und Belfast fahren die Fähren und nicht wenige Urlauber nutzen Stranraer, um am Anfang und/oder am Ende ihrer Tour hier eine übernachtung einzulegen. Das zumindest erzählen uns Sylvia und ihr Mann Graham, die Betreiber dieses B&B. Die beiden sind ein supernettes, älteres Ehepaar, ganz so, wie man sich "Herbergseltern" wünscht. Und auch das Zimmer, das wir hier bekommen, ist Klasse. Einrichtung und Ausstattung bereits ein wenig älter, aber mit Charme und absolut sauber. Welch eine Wohltat nach Oban.


Das
Das "Glenotter B&B" in Stranraer


So gut es uns hier auch gefällt, lange bleiben wir zunächst einmal trotzdem nicht. Wir bringen nur kurz unsere Sachen auf das Zimmer, dann setzen wir uns auch schon wieder ins Auto und fahre gen Süden. Dort wartet noch eine Sehenswürdigkeit auf uns: Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm. Der steht auf dem Kap Mull of Galloway und das ist der südlichste Punkt Schottlands. "Dunnet Head", also der nördliche Gegenpart, ist ungefähr 460 Kilometern Luftlinie entfernt. Und nachdem wir dort oben bereits auf den Klippen gestanden und auf das Wasser geschaut haben, möchten wir das nun auch hier im Süden machen. Die letzten Kilometer zum Leuchtturm führen über eine Singletrack Road und enden direkt auf dem Parkplatz eines "Visitor Centre". Auf dessen Terrasse lassen wir uns Cappuccino und Kuchen schmecken und bewundern gleichzeitig den grandiosen Blick über die irische See.


Singletrack-Road
Über eine Singletrack-Road zum Kap Mull of Galloway

Das Kap Mull of Galloway mit dem Besucherzentrum
Die Klippen am Kap Mull of Galloway mit dem Besucherzentrum


Dann laufen wir die wenigen Meter zum Leuchtturm. 1828 wurde mit seinem Bau begonnen, die Pläne dazu stammten von Robert Stevenson, dem Großvater des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, der insbesondere durch das Buch "Die Schatzinsel" weltweit bekannt wurde. Zwei Jahre lang wurde gebaut, seitdem leuchtet das Signallicht bis gut 50 Kilometer weit hinaus auf das Meer. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass auch der Turm selbst zu besichtigen ist, aber leider war die Tür verschlossen. Somit müssen wir uns also mit der Außenansicht begnügen.
Auch hier finden wir, wie schon in John o'Groats, einen Wegweiser, der die Richtung zu verschiedenen Ort weist und auch die Entfernung dahin.


Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm
Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm

Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm
Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm

Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm
Der Mull-of-Galloway-Leuchtturm


Wir spazieren noch ein wenig herum, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Stranraer machen. Dabei geht mir durch den Kopf, wie viel Glück wir mit dem Wetter haben. Noch nicht einen einzigen Regentropfen haben wir abbekommen, fast nicht zu glauben hier in Schottland. Wir hätten unser Regenzeug und auch die Pullover bedenkenlos Zuhause lassen können, den Regenschirm sowieso. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Und vor allen Dingen: Lieber so, als anders herum!

Es ist früher Abend, als wir zurück in Stranraer sind. Wir haben Hunger, daher machen wir uns zu Fuß auf dem Weg in den Ort. Fündig werden wir im "Custom House", einem netten Pub, der auch einige Sitzplätze im Freien hat. Wir sitzen draußen, genießen das einfache, aber gute und recht preiswerte Essen und saugen die Atmosphäre auf. Es sind jede Menge Einheimische, die um uns herum sitzen und anscheinend den Feierabend gemeinsam genießen. Nach dem Essen blättere ich noch in dem kleinen Reiseführer, den ich mitgenommen habe. Dort steht, daß der Name Stranraer vom schottisch-gälischen "An t-Sron Reamhar" kommen soll. Und das bedeutet so viel wie "fette Nase".
Schon lustig, wie manche Namen entstehen.


Pub
Abendessen im Pub in Stranrae

Brauchst Du (G)inspiration?
Brauchst Du (G)inspiration?


Auf dem Weg zurück in das "Glenotter B&B" kommt ein wenig Wehmut bei mir auf. Morgen werden wir Schottland verlassen und nach England fahren, genauer gesagt nach Newcastle. Von dort wird uns am Abend die Fähre zurück auf das europäische Festland bringen. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.


11. Tag

Hatte ich nicht von dem sehr guten Frühstück von Rose in dem "The Gables B&B" in Dufftown geschwärmt? Ich muss sagen, dass, was Graham hier auftischt, steht dem in nichts nach. Sehr, sehr lecker!

Beim Frühstück lernen wir ein deutsches Ehepaar kennen. Sie kommen aus Borken im Münsterland. Hier, vom Süden Schottlands aus gesehen, könnten wir uns fast alles Nachbarn bezeichnen :o) Sie sind vorgestern Morgen mit der Fahre in Newcastle angekommen und sind dann gemächlich hier her gefahren, wo sie nun für zwei Nächte geblieben sind. Gestern haben sie sich Stranraer und die Umgebung angesehen, heute Mittag nehmen sie die Fähre hinüber nach Irland. Sie haben ihren Urlaub also noch vor sich, während unserer nun leider unaufschiebbar zu Ende geht.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen. Noch einen kurzen Eintrag in das Gästebuch von Sylvia und Graham, dann verabschieden wir uns von den beiden. Ja, hier würde ich, genau wie in Rose' "The Gables" in Dufftown und im "Tigh-nan-saor" in Plockton jederzeit wieder übernachten.


Das
Das "Glenotter B&B" in Stranraer


Von hier aus führt uns der Weg geradewegs gen Osten. Ein wenig wehmütig blicke ich auf die Landschaft um mich herum. Es sind unser letzten Kilometer durch Schottland in diesem Urlaub. Kleine Ortschaften wie Creetown und Kirkpatrick säumen den Weg, rund um Dumfries gibt es etwas zähfließenden Verkehr.

Hochzeitsparadies Gretna Green

Unser nächstes Ziel heute heißt Gretna Green und für die rund 160 Kilometer lange Strecke benötigen wir gut zwei Stunden. Gretna Green? Der Name ist vermutlich vielen Menschen bekannt als der Ort, in dem früher viele Minderjährige heirateten. Wobei mit "früher" die Zeit ab Mitte des 18. Jahrhunderts gemeint ist. Der Ort liegt direkt hinter der englischen Grenze auf schottischen Boden und hier sah das Gesetz vor, dass Mädchen ab 12 und Jungen ab 14 Jahren ohne Einwilligung ihrer Eltern heiraten konnten. Das sprach sich recht bald auch außerhalb von England herum und so kamen immer mehr junge Paare aus ganz Europa hierher, um hier zu heiraten. Ohne oder auch gegen den Willen der Eltern. Erst ab 1856 wurde das schottische Gesetz dahingehend geändert, dass sich heiratswillige Paare vor ihrer Eheschließung mindestens 21 Tage in Schottland aufgehalten haben müssen.

Bekannt und etabliert als Heiratsort hatte sich die Schmiede von Gretna Green. Der Schmied nutzte den Umstand für sich aus, dass nach schottischem Recht beinahe jeder eine Trauung vollziehen konnte. Lediglich zwei Zeugen mussten bei der Zeremonie anwesend sein. Die Schmiede wurde zu einem beliebten Treffpunkt der heiratswilligen jungen Menschen und der Schmied ging als "Amboss-Priester" in die Geschichte ein, da er die Trauung am Ende mit einigen Hammerschlägen auf den Amboss bekräftigte.

Heute sind die gesetzlichen Regelungen natürlich ganz anders. Trotzdem werden hier jährlich etwa 5.000 Ehen geschlossen. Und das nun ganz legal. Geschätzt jede sechste schottische Ehe wird hier in Gretna vollzogen.


Gretna Green
Gretna Green, Tummelplatz für Hochzeitswillige

Gretna Green
Gretna Green

Gretna Green
Trauzimmer in der ehemaligen Schmiede


Trotz der Bekannt- und Beliebtheit dieses Ortes waren wir allerdings nicht darauf gefasst, dass so viele Menschen hier sind. Gretna Green wird jeden Tag von mehreren hundert Touristen besucht. Die alte Schmiede ist schon lange zu einem Museum umgebaut worden, mehrere Souvenirshops und ein Selbstbedienungsrestaurant dürfen natürlich auch nicht fehlen. Gretna Green lebt, so scheint es uns, von den Touristen. Und das wohl auch nicht schlecht, wenn ich mir die Menschenmassen hier so ansehe.

Lange mögen wir nicht hier bleiben. Wir kaufen uns noch zwei Flaschen Wasser, denn es ist wieder sehr warm heute. Dann verlassen wir Gretna Green und fahren weiter gen Osten. Zwei kurze Trinkpausen legen wir ein, ansonsten fahren wir gemütlich Richtung Ostküste nach Newcastle, das wir nach gut 100 Kilometern ohne Probleme erreichen. Die Stadt kommt uns nach den knapp zwei Wochen Ruhe fast wie eine Millionenmetropole vor. Zwei- und dreispurige Fahrbahnen, Ampeln, zähfließender Verkehr - all diese Dinge waren in den letzten Wochen Fremdwörter für uns. Zum Glück finden wir den Weg zur Fähre Dank Navi recht gut. Rund zwei Stunden vor dem Ablegen sind wir dort und stehen dann mitten in einem Pulk von Oldtimern mit niederländischen Kennzeichen. Die Frauen und Männer, denen diese Schmuckstücke gehören, haben eine Tourenfahrt durch Schottland gemacht. Sogar einen eigenen Fotografen haben sie dabei, der in einem BMW Z3 Cabriolet unterwegs ist. Alles ein kleines bisschen exklusiv.


Am
Am Fähranleger in Newcastle. Es geht wieder nach Hause ...


< Bald darauf steuere ich den Wagen auf die Fähre, wir beziehen die Kabine und gehen dann auf das Sonnendeck, wo wir uns von unseren letzten englischen Pfund etwas zu trinken kaufen. Als wir ablegen, stehen wir an der Reling und beobachten, wie wir langsam den Hafen verlassen und Richtung Kontinent fahren. Knapp zwei Wochen Schottland ohne Regen, wow, so hatte ich das nicht erwartet. überhaupt fällt unser Fazit (abgesehen vom King Knoll Hotel in Oban) sehr, sehr gut aus. Ich glaube nicht, dass dies meine letzte Tour in das Land des Whisky und des Dudelsacks war.

Auf einer Leinwand im Kino würde jetzt wohl stehen:

... Fortsetzung folgt ...



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