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Geschichten & Bilder aus der Kurve     

Motorradtour durch Schottland

* Vollmundiger Whisky...

* Gewaltige Schlösser...

* Endlose Highlands...

* Dudelsackmusik...

Als Ende 2009 endgültig feststand, dass uns die Motorradtour im nächstem Jahr in das Land der Kilts, Clans und Castles führen würde, war die Vorfreude bei mir groß und die Erwartungen hoch. Doch auf dem Fuße folgte auch schon der erste Dämpfer: Die Kosten für die Übernachtungen in "Bed and Breakfast"-Unterkünften ("B&B") waren recht hoch. Außerdem würden uns dort die Kochmöglichkeiten fehlen, die wir in Skandinavien in den gemieteten Hütten gehabt hatten. Das bedeutete für uns, regelmäßig essen gehen zu müssen, was auch nicht gerade den Geldbeutel schont. Die Lösung fanden wir in Form von Jugendherbergen und Backpacker-Unterkünften. Hier konnten wir für die Verpflegung selber sorgen, und so die Reisekasse schonen. Außerdem beschlossen wir, zum ersten Mal auf unseren Touren sämtliche Unterkünfte bereits vorab zu buchen. Das beraubte uns zwar der Flexibilität des Reisens, andererseits ersparten wir uns die Zeit der Quartiersuche, und wir konnten im Vorfeld bereits die Sehenswürdigkeiten abstecken, die es jeweils vor Ort gab. Wir waren selbst gespannt, ob uns diese Art des Reisens gefallen würde. Aus verschiedenen Gründen würden wir "nur" zwölf Tage unterwegs sein. Als Starttermin wählten wir Mittwoch, den 26. Mai. Am Sonntag, den 6. Juni wollten wir wieder zu Hause sein. Es folgten die üblichen Vorbereitungen wie Route planen und Fähre buchen, sowie diesmal eben auch das aussuchen und buchen der Unterkünfte.

Und als ich am 25. Mai abends von der Arbeit nach Hause kam, konnte ich endlich anfangen zu packen: Die Tour konnte beginnen!

 Tag 1 

Gibt es etwas schöneres, als am Morgen aufzuwachen, und festzustellen, dass man Urlaub hat? Ja, das gibt es. Wenn einem nämlich gleich darauf einfällt, das man nicht nur Urlaub hat, sondern diesen auch noch für eine Reise nutzt. Als ich also an diesem Mittwochmorgen erwache und ein paar Sonnenstrahlen durch das nur halb geschlossene Rollo blitzen, da ist es Augenblicklich da, das gute Gefühl. Duschen, frühstücken, Motorrad beladen, alles erledige ich mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Selbst der mittlerweile bedeckte Himmel kann meine gute Laune nicht trüben: "Hauptsache trocken" lautet die Devise, und die Wettervorhersage hat für heute keinen Regen angesagt.



Um 11:00 Uhr treffen wir uns bei mir. Johannes und Markus sind (natürlich) pünktlich, und auch sie freuen sich, dass es nach der monatelangen Planung und Vorbereitung nun endlich losgeht. Über Landstraßen fahren wir Richtung holländischer Grenze. Hier in dieser Gegend kennen wir uns noch ganz gut aus und das fahren über die kleinen Nebenstraßen macht viel mehr Spaß als über die Autobahn. Gemütlich "wedeln" wir uns ein, aber obwohl wir eine großen Bogen machen, haben wir recht bald den Grenzübergang erreicht. Bevor wir in Holland einfahren, tanken wir noch und machen eine kurze Rast. Laut Internet ist das Benzin in den Niederlanden mittlerweile teurer als bei uns. Hier an der Tankstelle bemerke ich auch, dass ich das Kettenspray vergessen habe. Leider haben die hier keines, so werde ich also in Schottland versuchen müssen, so etwas zu bekommen.

Dann geht es weiter, nun über die Autobahn durch Holland Richtung Amsterdam. Es ist ziemlich viel los hier auf der Straße und da es mitten in der Woche ist, sind auch viele LKW's unterwegs. Zum Glück kommen wir trotzdem gut voran, bis kurz vor Amsterdam ein recht große Baustelle beginnt. Die zieht sich ziemlich in die Länge, und da wir es nicht eilig haben, machen wir mittendrin an einer Tankstelle eine kurze Rast. Die Flugzeuge ziehen schon tief über unsere Köpfe hinweg, Schipohl ist nicht mehr weit, und somit kann es bis zu unserer Fähre auch nicht mehr weit sein. Markus schaltet jetzt vor der Weiterfahrt sein Navi ein. Somit haben wir keine Probleme, den Fährhafen zu finden. Schnell noch im Fährbüro die Tickets besorgen, dann stehen wir um 15:00 Uhr auch schon am Anleger. Aber - wie voll ist das denn hier? Ich hatte nicht erwartet, dass mitten in der Woche so viele andere Motorradfahrer hier sein werden. Aber egal, wir reihen uns in die Warteschlange ein, Maschine aus, Helm ab und sofort werden wir angesprochen.





Genau das mag ich so am Reisen mit dem Moped: Kaum kommt man zum stehen, ist da auch schon jemand, der einem Fragen stellt nach dem "woher" und "wohin". So lernen wir unter anderem vier Pärchen kennen, die zusammen eine Woche lang Schottland erkunden wollen. Sie haben in Inverness eine Unterkunft gebucht, und machen von dort aus vier Tage lang jeweils sternenförmig Tagestouren. Zum Abschluss sind sie noch zwei Tage in Edinburgh, anschließend geht es wieder nach Hause. Bei solchen Gesprächen vergeht die Zeit wie im Flug, und um 16:15 Uhr rollen wir dann auf das Schiff. Dort beziehen wir unsere Kabine, und gehen dann an Deck, um unsere mitgebrachte Verpflegung aufzubrauchen. Die Ausfahrt aus Amsterdam ist unspektakulär. Auf der linken Seite sieht man jede Menge Industrie, rechts ist ein Badestrand angelegt. Na vielen Dank, hier möchte ich meinen Badeurlaub nun wirklich nicht verbringen. Anschließend setzen wir uns auf das Sonnendeck, das auch heute so heißt, obwohl die Sonne doch mittlerweile gar nicht mehr scheint.



Anfangs ist es noch recht voll hier oben, aber ungefähr eine Stunde, nachdem wir abgelegt haben, sind wir fast die einzigen hier. Uns ist das Recht. Wir lassen uns den Wind um die Nase pfeifen, und stoßen mit einem Bier auf eine schöne Tour an. Anschließend inspizieren wir das Schiff, das sich doch etwas von den Fähren nach Skandinavien unterscheidet. So hat zum Beispiel unsere Kabine ein, wenn auch kleines, Fenster. Und durch diesem sehen wir, dass der Himmel aufzuklaren scheint. Die Sonne kämpft sich durch, und als wir gegen 22:00 in die Kojen gehen, hoffen wir, dass das für Morgen ein gutes Zeichen ist.



 Tag 2 

Aufstehen, anziehen, frühstücken, dann an Deck gehen und die Aussicht genießen. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Küste ist bereits zu sehen, und langsam fahren wir auf die Hafeneinfahrt von Newcastle zu.



Nun heißt es Sachen packen, die Kabine räumen, hinunter zum Moped und die Maschine beladen - kurz gesagt: Fähralltag eben. Dann müssen wir warten. Es sind wohl an die 100 Motorräder, die hier stehen und deren Fahrer und Beifahrer gemeinsam mit uns darauf warten, dass wir endlich von Bord rollen können. Vorne in der ersten Reihe steht ein Holländer mit seiner Harley. Er hat einen CD-Player an seinem Moped, und laut dröhnt jetzt AC/DC's "Highway to hell" über das Deck. Es sind nicht wenige, die rhythmisch mitzucken, und beim Refrain singen viele erst leise, dann aber immer lauter mit.



Endlich legen wir an. Aber es dauert noch eine ganze Weile, bis wir Motorradfahrer schließlich das Schiff verlassen dürfen. Es folgt eine ziemlich penible Passkontrolle, dann sind wir endlich auf britischen Boden. Wir wollen Newcastle so schnell wie möglich hinter uns lassen. Aber das ist gar nicht so einfach. Es reiht sich ein Kreisverkehr an den anderen, dabei müssen wir uns erst einmal daran gewöhne, das wir hier in England ja auf der "falschen" Seite fahren müssen. Es herrscht Linksverkehr, und nach den vielen Kreisverkehren kämpfen wir uns auch noch durch den morgendlichen Berufsverkehr quer durch die Stadt. Aber alles geht gut, und bald fahren wir über Landstraßen Richtung Schottland. Die Sonne scheint noch immer, aber je mehr wir nach Norden kommen, umso mehr Wolken zeigen sich am Himmel. Als wir gegen Mittag die schottische Grenze erreichen, hänge schwarze Wolken sehr tief am Himmel. Wir machen eine Pause, und nutzen diese, um die Regensachen über zu ziehen. Dann wagen wir uns weiter, und sind kurz darauf mitten in einen heftigen Platzregen. Zum Glück dauert der nicht lange, und bald darauf machen wir unsere erste Pause auf schottischem Boden. In Jedburgh halten wir auf einem Parkplatz, von dem aus wir eine Kirche und eine Klosterruine gleichzeitig bestaunen können. Beides sieht sehr eindrucksvoll aus, auch wenn wir wissen, dass es sich gar nicht einmal um besonders berühmte Bauwerke handelt.



Das Wetter wird jetzt zum Glück wieder besser, und wir fahren weiter. Zunächst auf der 695, dann wechseln wir auf die 696. Es folgt die 68 bis Galashiels, dort biegen wir ab auf die 72. Dann geht es weiter über diverse Nebenstraßen, bis wir in Lanark auf die Autobahn Richtung Glasgow fahren. Hier wird es dann sehr voll. Aber der Weg Richtung Loch Lommond ist bereits ausgeschildert, und so folgen wir den Verkehrszeichen, bis wir uns in der Nähe des Sees befinden. An dessen Ostufer haben wir unsere erste Unterkunft gebucht, die Jugendherberge Rowardennan.



Vorher allerdings machen wir noch in einem kleinen Ort mit Namen Dumbarton eine Pause, die wir zum Tanken nutzen. Hinter der Tankstelle entdecke ich eine Motorradwerkstatt. Hoch erfreut will ich die Gunst der Stunde nutzen, und frage dort nach Kettenspray. Zwei Mechaniker sind dort. Der eine überschüttet mich mit einem Wortschwall, von denen ich nichts, aber auch wirklich gar nichts verstehe. Dabei hielt ich mein Englisch bisher für gar nicht mal so schlecht. Bei den anderen, an den ich mich dann Hilfe suchend wende, verstehe ich immerhin noch "chainspray" und "two Pounds". Ich drücke dem Mann also zwei Pfund in die Hand, erhalte dafür eine Dose Kettenspray, dann mache ich, dass ich fortkomme. Nicht gerade ermutigend, meine erste Begegnung mit Schotten.



Von hier aus geht es direkt weiter zum Loch Lommond. Unsere Jugendherberge liegt wirklich sehr einsam auf der Ostseite des Sees, am Ende einer circa 25 Kilometer langen Sackgasse. Den ganzen Weg müssen wir morgen auch wieder zurück. Aber wir ärgern uns nicht. Die Sonne hat sich mittlerweile durchgesetzt, und die Wolken verdrängt. Die Herberge selbst sieht sehr ansprechend aus, auch das Einchecken erweist sich als äußerst problemlos. Die Verständigung klappt reibungslos, was aber nicht weiter verwunderlich ist. Da wir ja vorgebucht haben, brauche ich nur meinen Namen zu sagen, und sogleich können wir auf das Zimmer. Es ist für acht Personen ausgelegt, und mit uns sind es sieben Männer, die hier schlafen. Ich bin mal gespannt, wie laut es heute Nacht wird. Aber zunächst müssen wir unsere Betten beziehen. Dabei lernen wir einen weiteren Gast kennen. Er kommt ebenfalls aus Deutschland und ist mit seiner Tochter per Fahrrad hier unterwegs. Er ist ein wenig besorgt. Als "bekennender Frühaufsteher", wie er es nennt, befürchtet er, Morgen früh alle hier im Raum zu wecken, und entschuldigt sich quasi vorab schon mal bei uns. Wir haben aber etwas ganz anderes im Kopf: Uns knurrt der Magen. Seit dem Frühstück haben wir außer einem Müsliriegel nichts gegessen. Daher kochen wir uns in der gut ausgestatteten Küche unser Abendessen. Anschließend gehen wir hinunter zum See, und sitzen zufrieden in der Sonne, die noch einige warme Strahlen auf uns hinab schickt.



Abwechslungsreich war er gewesen, unser erster Tag hier auf britischem Boden. Wir sind gespannt, wie es Morgen weitergeht.

 Tag 3 

Ich werde wach, und schaue auf die Uhr: Was, kurz nach sechs ist es erst? Noch so früh? Dann fällt mir die Zeitumstellung ein: In Deutschland ist es bereits eine Stunde später. Also stehe ich leise auf. Frische Wäsche, Handtuch und den Kulturbeutel hatte ich gestern Abend bereit gelegt, und auf Zehenspitzen verlasse ich das Zimmer Richtung Dusche. Als ich zurück komme, sind meine beiden Partner ebenfalls schon auf, auch drei der anderen Zimmergenossen packen bereits ihre Sachen und sind dabei wesentlich lauter, als ich es eben gewesen bin. Der einzige, der noch tief und fest schläft, ist der bekennende Frühaufsteher. Ohne sich von dem Krach der anderen stören zu lassen, schlummert er selig vor sich hin. Als wir kurz darauf das Zimmer Richtung Küche verlasse, dreht er sich noch einmal um, seufzt zufrieden, und schnarcht leise weiter. So viel zum Thema frühes aufstehen...

Um sieben Uhr sitzen wir drei dann am Frühstückstisch, und lassen uns das selbstgemachte Frühstück schmecken. Das Wetter ist gut, wie gestern Abend scheint die Sonne und wir hoffen auf einen schönen Tag. Anschließend packen wir unsere Sachen (dabei wird dann endlich auch unser Langschläfer wach), und beladen die Motorräder. Bei dieser Gelegenheit machen wir dann auch gleich Bekanntschaft mit den "Midgets". Diese winzigen, Mückenähnlichen Tierchen sind super nervig. Sie fliegen in die Ohren, in die Nase, in den Mund, wenn man nicht aufpasst auch in die Augen, krabbeln unter die T-Shirts. Sie sind einfach ätzend. Ich rette mich in das Haus, ziehe alle Motorradklamotten inklusive Helm an, und belade so meine Maschine zu Ende. Anschließend sitzen wir auf, und um gerade Mal halb neun sind wir schon wieder auf der Straße.



Zunächst geht es am See entlang Richtung Süden den Weg von gestern zurück, dann, als wir das Südufer erreichen, wenden wir uns am Westufer entlang nach Norden. Wir folgen zunächst der 82, dann der 85, und schließlich wieder der 82. Irgendwo hier werden wir von dem Schild mit der Aufschrift "Welcome to the Highlands" begrüßt. Leider wird das Wetter jetzt schlechter. Die Sonne versteckt sich hinter Wolken, die immer dunkler werden, und schließlich jede Menge Regen auf uns nieder schütten. So fahren wir durch das verregnete und Nebel verhangenen "Glen Coe". Schade, bei Sonnenschein ist es bestimmt super hier. Selbst jetzt im Regen fasziniert mich diese Landschaft. Auch unsere ersten "Single-Track-Road" fahren wir jetzt. Bei dem wenigen Verkehr hier ist das allerdings überhaupt kein Problem. Außerdem haben die Einheimischen dabei viel mehr Routine als wir: Kaum haben wir ein entgegenkommendes Fahrzeug erspäht, hält das auch schon an, und wir können weiter fahren. So kämpfen wir uns durch bis zu einem Kaff namens "Onich". Dort wollen wir die Fähre hinüber nach "Corran" nehmen, das in Sichtweite nur einen Steinwurf weit entfernt ist.



Zuvor allerdings wollen wir uns an dem kleinen Fähranleger stärken, und entern die Imbissbude, die dort steht. Aber wir haben Pech: Der Laden hat gerade keinen Strom. Es gibt keine Pommes, keine Hot Dogs, keine Hamburger. Auch Kaffee oder Cappuccino bekommen wir nicht. Eine warme Cola und ein Schokoriegel, mehr kann uns die junge Frau dort nicht anbieten. Besser als nichts, sagen wir uns, und nehmen, was wir bekommen können. Danach geht es auf die Fähre, die vielleicht gerade mal drei Minuten für das übersetzen benötigt. Dann geht es über Nebenstraßen und fast immer am Wasser entlang bis nach Mallaig. Der Regen war in den letzten Stunden unser ständiger Begleiter, und auch auf der Fähre hinüber nach Armadale auf der Isle of Skye bleibt er uns treu.





Es regnet zwar nicht besonders stark, dafür aber ausgiebig, und wir sind froh, als wir gegen 18:00 Uhr das örtchen Portree erreichen. Hier haben wir für zwei Nächte eine Unterkunft in einem Backpacker Hostel gebucht, dem "Bayfield Backpacker". Ein schönes Haus ist das, und Murdo, der Besitzer, mit dem ich beim Buchen über das Internet bereits einigen Mailkontakt hatte, stellt sich als ganz entspannter Typ heraus. Wir sind in einem fünf Bett Zimmer untergebracht, und teilen uns dem Raum mit einem Ehepaar aus Frankreich. Die beiden sprechen so gut wie kein Englisch, auch kein Deutsch, und da wir wiederum kein Französisch beherrschen, beschränkt sich die Konversation auf ein freundliches "hello". Sie sind ein wenig älter als wir, und im Gegensatz zu uns nur für eine Nacht hier.



Der Regen hat mittlerweile aufgehört, und wir nutzen das, um uns den Ort anzusehen. An diesem Wochenende ist hier ein Festival für Fiedel und Akkordeon, und aus fast jedem Haus ist Livemusik zu hören. Wir finden einen Supermarkt, der noch auf hat, und decken dort unseren Bedarf für den morgigen Tag. Den wollen wir nutzen, und eine Rundtour hier auf Skye machen. Zurück in unserer Unterkunft gönnen wir uns noch ein Bier, und besprechen, welche Route wir Morgen über die Insel nehmen wollen. Relativ früh gehen wir dann schlafen, auch unsere Zimmergenossen liegen bereits in den Kojen, und ich freue mich auf Morgen und den Tag hier auf der Isle of Skye.

 Tag 4 

Wir stehen früh auf, denn für heute haben wir so einiges geplant. Zunächst wollen wir uns die "Talisker Destillery" ansehen, dann das "Dunvegan Castle". Anschließend wollen wir zum "Skye Museum of Island Live" fahren. Zum Abschluss des Tages haben wir Abstecher zum "Kilt Rock" und zum "Old man of storr" geplant. Volles Programm also. Leider regnet es in Strömen, so dass wir uns beim frühstücken viel Zeit lassen. Schließlich, als der Regen soweit nachgelassen hat, das er nur noch ein leichtes tröpfeln ist, machen wir uns auf den Weg.

Als erstes steuern wir also die Talisker Destillery an, der einzigen Whisky Destillery hier auf der Insel Skye. Das Hallenähnliche Gebäude macht von außen keinen besonders ansprechenden Eindruck. Das ändert sich aber schlagartig, als wir den Eingangsraüm betreten: Viel Licht, helles Holz, einige Sitzgelegenheiten sowie Glasschaukästen mit einer kurzen Geschichte der Destillery heißen uns "Willkommen". Fünf Pfund kostet es, an einer Führung teilzunehmen.





Und wer anschließend eine 0,7 Liter Flasche Talisker kauft, bekommt drei Pfund davon angerechnet. Natürlich wollen wir an einen geführten Rundgang teilnehmen. Unsere Jacken und Helme können wir freundlicherweise an der Kasse ablegen, und schon folgen wir mit einigen anderen einer jungen Frau, die uns ungefähr eine halbe Stunde lang durch die verschiedenen Abteilungen führt. Immer wieder erklärt sie uns, dass es wichtig ist, den Whisky regelmäßig zu probieren. Nur so lasse sich feststellen, ob die Qualität gleichbleibend gut ist. Sie selbst mache das natürlich berufsbedingt auch, denn es ist ja "part of my job", wie sie zur Belustigung der Besucher alle paar Minuten betont. Hier herrscht absolutes Fotografierverbot. Lediglich im Keller, wo einige Fässer lagern, dürfen Fotos gemacht werden. Nach der Führung landen wir dann im Verkaufsraum, und hier verschlägt es mir erst einmal die Sprache: Es ist kaum zu glauben, was die hier für eine Flasche Whisky haben wollen. Sogar mit unserem Gutschein über drei Pfund ist es uns zu teuer. So sehen wir uns nur etwas um, und steigen dann wieder auf unsere Maschinen.



Der Regen hat aufgehört, und gut gelaunt lenken wir unsere Vorderräder Richtung Dunvegan Castle. Wir haben einige Bilder gesehen von diesem Schloss, das sehr schön am Loch Dunvegan gelegen ist. Insgeheim hoffe ich darauf, dass wir auch eine Bootstour auf dem Wasser machen können. Der Blick von dort auf das Schloss soll wirklich atemberaubend sein. Als wir auf den Parkplatz rollen, haben wir gleich doppelt Pech: Zum einem setzt wieder der Regen ein, zum anderen scheint hier eine Art Volkslauf stattzufinden. Es ist richtig voll hier, und wir bekommen erst nach langer Suche einen Parkplatz. Den Menschenauflauf lassen wir links liegen und machen uns zu Fuß auf in Richtung Schloss. Doch bereits an der Kasse erwartet uns die nächste Enttäuschung. Die Fassade des Gebäudes wird renoviert, und ist daher zum größten Teil mit einer Plane verdeckt. Die Kassiererin versucht, uns wenigstens Karten für den Garten zu verkaufen. "It's realy very nice", behauptet sie. Aber im Regen spazieren gehen? Nein, dazu haben wir wirklich keine Lust. So gehen wir zurück zum Parkplatz, und setzen uns auf die Motorräder. Ein kleiner, englischer Oldtimer steht da und wartet, dass er in unsere Parklücke fahren kann. Er hat ein deutschen Nummernschild mit "MK", und der Fahrer begrüßt uns mit einem freundlichen "Hallo Nachbarn". Na ja, hier von Schottland aus gesehen hat er sicherlich Recht. Er ist mit seiner Frau unterwegs und verbindet diese Urlaubsreise mit dem Kauf von Ersatzteilen für seinen britischen Sportwagen. Seine Frau bleibt während unseres Gesprächs lieber im Auto sitzen. Klar, da wird sie wenigstens nicht nass.



Wir fahren weiter Richtung Norden. Hier sind die Straßen fast ausschließlich Single Track Roads, aber es ist so wenig Verkehr, dass wir sehr gut vorwärts kommen. Trotz des Regens und des dunklen Himmels sind die Aussichten teilweise sehr spektakulär. Immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen. So auch in der Nähe von Uig, wo gerade die Fähre zu den äußeren Hebriden startet. Was muss das erst für ein Anblick sein, wenn hier die Sonne scheint. Murdo, unser Vermieter, hatte uns gestern Abend erzählt, das am letzten Wochenende hier Sommer geherrscht hatte. Blauer Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad Marke. Schade, dass das Wetter nicht noch ein paar Tage gehalten hat.

So kommen wir schließlich zum "Skye Museum of Island Live". Auf dem ersten Blick eine herbe Enttäuschung. Drei Häuser stehen hier, davor und daneben jede Menge landwirtschaftliche Geräte, die wir auch von zu Hause kennen. Zu unserer Enttäuschung trägt sicherlich auch der Regen bei, der uns nun schon seit längerer Zeit verfolgte, und zum Dauerregen geworden ist. Wir verzichten jedenfalls auf eine kostenpflichtige Besichtigung. Kurz beratschlagen wir uns, dann beschließen wir, auf direktem Weg zurück in unser Hostel zu fahren. "Kilt Rock" und den "Old man of storr" fahren wir gar nicht mehr an. In Portree angekommen, ziehen wir uns erst einmal trockene Sachen an. Während wir mit einer heißen Tasse Tee im Aufenthaltsraum sitzen, hört auch der Regen auf, und wir nutzen die Zeit, um im Supermarkt einzukaufen. Anschließend wird gekocht, und nach dem Essen machen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Auch heute ertönt aus fast jedem Haus Live-Musik. Wir gehen in einen der Pubs, und genießen die Musik bei einem Bier. Hier ist es richtig laut und voll, und wir saugen die Atmosphäre in uns auf. Später, zurück im Hostel, besprechen wir noch die Route für den Morgigen Tag. Wir werden die Isle of Skye verlassen und Richtung Norden fahren. Hoffentlich wird dort auch das Wetter besser!



 Tag 5 

Obwohl ich wieder früh aufgestanden bin, klappt es mit dem duschen heute Morgen nicht ganz so reibungslos. Das Hostel ist wohl ausgebucht, und vor den Duschräumen steht bereits eine Schlange. Also wird heute zuerst gefrühstückt, und anschließend geduscht.

Gegen 9:30 Uhr starten wir. Das Wetter ist bewölkt, aber trocken, und voller Zuversicht verlassen wir die Insel über die Skye-Bridge. Diese ist, entgegen Gerüchten und Befürchtungen, Maut frei. Wir nehmen freiwillig einen kleinen Umweg in Kauf, denn wir wollen uns das "Eilean Donan Castle" ansehen. Hier wurde der Film "Highlander" gedreht und dementsprechend voll ist es.



Aber es entpuppt sich als wirklich sehenswert. Bereits auf dem Parkplatz schlägt es mich in seinen Bann. Passend zur guten Stimmung lösen sich auch die Wolken mehr und mehr auf. über einen Zuweg gelangen wir zur Burg, und sehen sie uns von innen an. Leider ist in fast jedem Raum das fotografieren verboten, zum Teil wacht sogar Personal darüber, das sich die Touristen daran halten. Schade eigentlich, hier könnte man so manchen Schnappschuss machen.



Nach fast einer Stunde Aufenthalt fahren wir weiter. Die Sonne hat sich jetzt durchgesetzt, und scheint nun vom fast blauen Himmel. Wir fahren Richtung Norden, unser nächstes Ziel heißt "Ullapool". Über Nebenstraßen und die uns mittlerweile vertrauten Single-Track-Roads gelangen wir dorthin.





Von hier aus geht auch eine Fähre auf die Insel Lewis, die ebenfalls zu den äußeren Hebriden gehört. Wir allerdings interessieren uns zunächst mehr fürs Benzin. Anschließend gönnen wir uns im "The Chippy" noch eine Portion Fish & Chips. Der folgende Verdauungsspaziergang führt uns dann zum Hafen. Im Augenblick liegen hier allerdings nur kleine Boote. Uns ist das egal, wir wollen ja sowieso nicht mit der Fähre weiter.



Stattdessen fahren wir jetzt in östlicher Richtung. Und kommen in eine Landschaft, wie ich sie mir unter dem Begriff 'schottische Highlands' immer ausgemalt habe. Grandiose Aus- und Fernsichten bieten sich uns, und häufig halten wir an, um Fotos zu machen, und diese Landschaft in uns aufzunehmen.



Zwischendurch gibt es immer wieder eine von diesen typisch britischen, roten Telefonzellen, die einsam und verlassen mitten in der Pampa steht. Wer von hier aus wohl telefoniert?



Unser Ziel ist Culrain, und von Osten kommend, hätten wir ohne Navi sicherlich viel länger bis dahin gebraucht. Die kleinen Straßen, die wir benutzt haben, waren in unseren Karten größtenteils gar nicht verzeichnet. Auch Straßenschilder sind hier eher eine Seltenheit. In der Nähe der Stadt steht "Carbisdale Castle", ein Schloss, in dem heute eine Jugendherberge untergebracht ist. Als wir es gegen 18:00 Uhr erreichen, sind wir alle sofort hellauf begeistert. In der riesigen Empfangshalle stehe jede Menge Statuen, unser Zimmer ist richtig groß mit bodentiefen Fenstern, vor denen ein gemütliches Ledersofa steht. Auch einen "ghostroom" gibt es hier. Dieser ist jedoch zurzeit geschlossen, dort kann nicht übernachtet werden. Wir duschen, und gehen dann in die Küche für Selbstversorger. Auch hier ist alles sehr großzügig dimensioniert. Nach dem Essen drehen wir zu Fuß noch eine Runde um das Schloss. Hier werden wir zwei Nächte bleiben. Morgen wollen wir einen Ausflug zur Küste machen. Zum Abschluss des Tages sitzen wir in dem riesigen Aufenthaltsraum, studieren die Karte, und legen die Route für den morgigen Tag fest. Dann genießen wir noch eine Zeitlang das Panorama, das sich uns aus den großen Fenstern bietet. Schon jetzt ist uns klar: Das hier ist wohl einer der besten Unterkünfte, die wir auf unseren Touren bisher hatten.





 Tag 6 

Zwar haben wir die Vorhänge vor unseren Fenstern zugezogen, trotzdem dringt das Tageslicht in unser Zimmer. Der erste Ausblick ist allerdings enttäuschend: Nichts ist mehr zu sehen von der schönen Fernsicht gestern Abend. Das Schloss ist in eine dicke Nebelwand eingehüllt, und wir hoffen, dass die sich bald auflösen wird.

Zunächst jedoch wird gefrühstückt. Auch andere Gäste sind hier, aus ganz Europa sind sie angereist. Wir sprechen mit ein paar Jungs aus Deutschland. Bis Edinburgh sind sie geflogen, haben sich dort einen Mietwagen genommen, und fahren nun für eine Woche kreuz- und quer durch das Land. Eine Gruppe Fahrradfahrer ist aus dem Süden Englands da. Sie sind über Wales und England hier hinauf bis Schottland gefahren, als geführte Tour. Es herrscht ein strenges Reglement in der Gruppe, wer nicht mehr kann, wird in eines der Begleitfahrzeuge verfrachtet. Nichts und niemand darf den Terminplan aufhalten.

Nach dem Frühstück (und dem spülen ;-) ) setzen wir uns auf die Motorräder. Der Nebel hat sich mittlerweile aufgelöst, und die Sonne grüßt vom blauen Himmel. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Wir fahren über Single-Track-Roads zunächst auf der 836, später dann die 838 Richtung Norden. Wie gestern gibt es unterwegs immer wieder grandiose Aussichten. Und auch die Anzahl der Schafe rechts und links der Straße nehmen zu.



Gefährlich sind besonders die jungen Tiere: Wenn wir mit unseren Maschinen vorbeifahren, wollen sie immer zu ihrer Mutter. Ganz gleich, ob die nur zwei Meter weiter steht oder auf der anderen Straßenseite - die kleinen Schäfchen laufen einfach los. Hier heißt es gut aufzupassen.

Gegen Mittag erreichen wir die Küste bei Eriboll. Das erste, was wir hier sehen, ist ein hoher, flacher und stehender Stein mit einem keltischen Knoten darauf.



Kein Hinweis, was er bedeuten soll, oder wann und wie er hier hin kam, er steht einfach so da. Ein Blick auf unsere Karte zeigt uns dann ganz in der Nähe ein Städtchen namens Tongue. Dieses wird sogar als Insider-Tipp betitelt. Aber wir finden dort nichts außer ein paar Wohnhäusern, das "besondere" bleibt uns verborgen. Dafür entdecken wir bei der weiteren Fahrt der Küste entlang nur ein paar Kilometer weiter eine "Traumbucht":



Weißer Sand, türkises Wasser, das ganze eingerahmt von markanten, grün überwucherten Felsen - wir fühlen uns fast in den sonnigen Süden versetzt. Die Wassertemperatur haben wir allerdings nicht überprüft... :-)

Wir fahren noch ein Stück die Küste entlang, bevor wir uns bei Bettyhill nach Süden wenden. Wieder sind es die Single-Track-Roads, die uns zurück nach Culrain bringen. Und wieder haben wir unterwegs jede Menge wunderbarer Aussichten. Gut, das ich mir vor dem Urlaub eine größere Speicherkarte für meine Kamera gekauft habe.



Bevor wir jedoch zu "unserem Schloss" zurück kehren, halte ich noch kurz am hiesigen Postamt an. Mein Vater ist leidenschaftlicher Briefmarkensammler, und ich möchte ihm einige Stücke hier aus Schottland mitbringen. Also erkläre ich dem Mann hinter dem Schalter mein Anliegen. Er mustert mich kurz, und fragt dann: "Bist Du aus Deutschland?" Als ich dies bejahe, holt er aus einer Schublade einen ganzen Stapel Briefmarken, sucht kurz, und hält mir dann einige Stücke unter die Nase mit dem Hinweis: "Hier sind einige ganz wunderbare Marken mit Motiven aus dem Krieg". Überrascht schaue ich den Mann an. Er meint es wirklich gut mit mir, ohne Hintergedanken, er glaubt ganz einfach, dass alle deutschen kriegsbegeistert sind. Ich mache ihm klar, das dem ganz und gar nicht so ist, kaufe ein paar neutrale Marken, und verlasse dann ziemlich nachdenklich das Postamt. Es ist schon interessant zu erfahren, was andere von uns deutschen so denken.

Am Abend sind wir dann zurück in der Jugendherberge. Zeitgleich mit uns erreicht ein Bus die Burg: "Haggis Adventure Tours - wild and sexy" steht mit großen Buchstaben darauf. Na ja, "wild" präsentieren sich die ausschließlich jungen Leute dann auch tatsächlich, nämlich in der Selbstversorger-Küche: Sie verschmutzen alles, machen aber nichts sauber. Nur gut, dass wir uns bereits kurz vor ihnen unserer Abendessen zubereitet haben und somit noch sauberes Geschirr bekommen haben.

Zum Abschluss des Tages genießen wir aus den großen Panoramafenstern dann einen spektakulären Sonnenuntergang. Selbst das Personal von der Burg steht staunend da und bewundert diesen Anblick. Dann brauchen wir "Touris" uns unserer offenen Münder ja nicht schämen!



 Tag 7 

Aufstehen, duschen, frühstücken, Sachen packen, Motorrad beladen - routiniert und souverän erledigen wir unsere morgendlichen Aufgaben. Bevor wir dann abfahren, macht ein anderer Gast der Jugendherberge noch ein paar Fotos von uns, und dann sind wir auch schon unterwegs.

Zunächst geht es Richtung Osten. Wir wollen zur Küste, und dann weiter Richtung Süden bis Inverness. Gemütlich rollen wir dahin, heute Morgen sind die Ausblicke nicht ganz so spektakulär wie gestern. Inverness liegt am nördlichen Ufer des Loch Ness, des wohl bekanntesten Sees in Schottland. Kurz überlegen wir, Nessi einen Besuch abzustatten, entschließen uns dann aber doch dazu, der 96 weiter Richtung Osten bis Elgin zu folgen. Dort biegen wir ab auf die 941 Richtung Süden, und befinden uns kurz darauf auf dem Malt Whisky Trail.



Kurz hintereinander finden wir Hinweise auf Destillerien, die man besichtigen kann. Die meisten Namen sagen uns allerdings nichts, erst bei GlenGrant legen wir einen Stopp ein. Diese Destillery ist nicht nur für seinen Whisky bekannt, und schon der Probier- und Verkaufsraum macht optisch eine Menge her. Sehenswert ist auch der Garten, der hier rund um die verschiedenen Gebäude angelegt wurde. Eine Führung mit anschließender Whiskyprobe rund um die verschiedenen Gebäude angelegt wurde. Eine Führung mit anschließender Whiskyprobe lehnen wir allerdings ab.






Wir wollen weiter zu The MacAllan, einer weiteren Destillery ganz hier in der Nähe. Im Internet haben wir immer wieder positives über einen Rundgang dort gelesen. Also fahren wir nur wenige Kilometer weiter, und melden uns für eine Führung an. Oder besser gesagt, wir versuchen es. Zwar sind außer uns nur fünf andere Besucher anwesend, aber da wir nicht vorreserviert haben, dürfen wir nicht an der Besichtigung teilnehmen. Etwas irritiert sind wir schon, und verlassen diesen Laden schon nach kurzer Zeit wieder. Auf dem Weg nach Aberlour, unserem heutigem Tagesziel, sehen wir dann noch einen Abzweig zur Destillery Glenfiddich.



Kurz entschlossen biegen wir ab und stehen bald darauf im Empfangsraum. Wir fragen nach einer Besichtigung, und finden uns kurz danach in einem kleinen Kino wieder, in dem ein Film über die Firmengeschichte seit der Gründung im Jahre 1887 bis heute gezeigt wird. über Kopfhörer kann jeder seine Sprache auswählen, und so problemlos den Erläuterungen folgen. Anschließend werden wir über das Gelände und durch verschiedene Gebäude geführt, und erhalten ausführliche Informationen über die Whisky-Herstellung. So fertigt Glenfiddich auch heute noch Eichenfässer für die Lagerung selber und von Hand an - in kleiner Stückzahl natürlich, aber immerhin. Zum Schluss werden wir noch in einen Raum geführt, in dem wir die Möglichkeit haben, drei verschiedene Sorten von Glenfiddich zu probieren: Den 12, den 15 und den 18 jährigen Whisky. Wir nippen jeweils nur ein wenig, sind uns aber alle drei einig: Der 15-jährige Solera schmeckt uns am besten! Beim anschließenden Rundgang durch den Shop entdecken wir dann noch ein besonders edles Tröpfchen: Einen "GLENFIDDICH 50 YEARS OLD Single Malt Scotch Whisky" zum Preis von schlappen 10.000 Pfund. Auf unsere Frage, wer denn so etwas kauft, wird uns erklärt, dass im Schnitt eine Flasche pro Woche davon über den Tisch geht...



Weiter geht unsere Fahrt Richtung Süden bis zum Örtchen Aberlour. Hier haben wir ein B&B gebucht, Norlaggan heißt es, und Ken, der Besitzer, führt uns in ein gemütliches kleines Dachzimmer.



Wir können unsere Motorräder hinter dem Haus auf dem angeschlossenen Hof parken, und machen uns dann auf, nach etwas essbaren zu suchen. Unsere erste Anlaufstelle ist die Whisky Bar "The Mash Tun", dort allerdings werden wir gleich wieder hinaus gebeten. Kein Tisch sei frei, sagt uns die Bedienung, alles ist reserviert. Nachdem wir etwas weiter gesucht haben, finden wir schließlich einen Pub, in dem wir richtig gut essen können, und das auch zu vernünftigen Preisen. Ein paar Meter weiter ist ein Supermarkt, in dem wir anschließend noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Zurück in unserem B&B gehen wir in den Aufenthaltsraum, wo sich auch bald unser Vermieter einfindet. Wir haben von TheMacAllan und Glenfiddich ein paar kleine Probeflaschen mitgebracht, die wir nun probieren wollen. Ken verschwindet kurz nach nebenan, und kommt dann mit einem Wasserglas zurück, gut halbvoll gefüllt mit Whisky. Er erzählt uns einiges über Whisky, den Ort Aberlour und auch von der hiesigen Destillery. Außerdem hat er bei YouTube einige selbstgedrehte Videos hochgeladen, die er uns nun stolz vorführt (www.youtube.com/user/ norlaggan). Er hat richtig Spaß, zumal wir uns auch geduldig alles ansehen und anhören. Stolz präsentiert er uns schließlich eine Besonderheit: Die Glenfiddich-Destillery hat zum 105. Geburtstag der Enkelin des Unternehmens-Gründers eine Sonderedition aufgelegt: 200 Flaschen Jubiläums-Whisky wurden ausgegeben - und Ken hat zwei davon. Natürlich sind die noch zu. Und natürlich will er auch keine abgeben. Obwohl ein Amerikaner ihm im letzten Jahr bereits 4.000 Dollar für eine Flasche geboten hat. Zwischendurch checkt noch ein Ehepaar aus Frankfurt ein, das sich aber recht schnell zurückzieht. Bei uns wird es fast elf Uhr, bis wir in unsere Betten kommen. Aber nicht zuletzt dank der kleinen Probefläschchen schlafen wir recht schnell ein. Und ich glaube, auch Ken schläft gut, schließlich er sein Wasserglas noch zweimal nachgefüllt...

 Tag 8 

Die erste Nacht in einem B&B haben wir gut geschlafen. Morgens nach der Dusche gehen wir hinunter in den Aufenthaltsraum, wo uns Ken bereits erwartet. Mit einer Kochschürze um den Bauch sieht er fast wie ein Fernsehkoch aus und ganz professionell fragt er uns, ob wir ein "full english breakfirst" haben möchten. Wir entscheiden uns dafür, es bei Toast, Ei und Schinken zu belassen, und kurz darauf planen wir zufrieden kauend den heutigen Tag. Ziel ist das Städtchen Pitlochry, wo wir uns in der Jugendherberge einquartieren wollen. Kurze Zeit später erscheint auch das Ehepaar aus Frankfurter, das gestern Abend noch spät eingecheckt hatte. Heute Morgen sind die beiden um einiges gesprächiger als am Vortag, und als wir erfahren, das sie gerade von einem Whisky-Festival auf der Isle of Islay kommen und den Kofferraum voller Whiskyflaschen haben, entsteht sofort ein interessantes Gespräch über das "Wasser des Lebens", wie Whisky aus dem gälischen übersetzt heißt. Auch Ken setzt sich wieder zu uns, diesmal allerdings mit einem Tee- statt einem Whiskyglas. So erfahren wir so einiges über die Herstellung des Whiskys. Und so ganz nebenbei auch, dass hier in Aberlour die Destillery etwas ganz besonderes sein soll. Die dortige Verköstigung gilt schon fast als legendär: Sechs verschiedene Sorten gilt es zu probieren, und wohl noch niemanden ist es gelungen, ohne leichte Schräglage das Gelände wieder zu verlassen. Obwohl wir letztere Aussagen von Ken nicht ganz wörtlich nehmen, wollen wir dieser Lokalität heute auf jeden Fall noch einen Kurzbesuch abstatten.

Zunächst heißt es jedoch packen und Abschied nehmen: Von dem Frankfurtern, die so herrlich über Whisky erzählen konnten, und natürlich von Ken, unserem Gastgeber. Wer mal hier in der Gegend ist, dem kann ich "Norlaggan B&B" auf jeden Fall empfehlen. Wir holen die Motorräder aus dem Hof und starten dann Richtung Süden. Weit brauchen wir bis zur ersten Pause allerdings nicht warten. Schon am Ortsausgang halten wir an, und werfen einen Blick auf die bereits erwähnte Aberlour Destillery.



Eine Besichtigung wollen wir nicht machen, uns aber den Verkaufsraum mal ansehen. Dort ersteht Johannes dann ein Flasche Whisky, die ihm vom Verkäufer empfohlen wird, sowie zwei Original Aberlouer Nosing glasses. Diese sind aufgrund ihrer besonderen Form bestens für den Genuss von Whisky geeignet. Und da ich gerade daneben stehe, kaufe ich auch zwei von diesen Gläsern. Jetzt heißt es nur noch, diese auch heile bis nach Hause zu bekommen.

Zurück bei den Mopeds auf dem Parkplatz noch eine kleine Episode: Gerade fährt ein Wagen mit englischen Nummernschild vor, zwei Frauen sind da drin. Sie parken rückwärts ein und beim zweiten Male klappt das auch. Die beiden steigen aus und wir machen uns auf Deutsch ein bisschen lustig über die Parkkünste von Frauen. Da sagte die eine der beide doch tatsächlich "Immer die blöden Kommentare von den Kerlen. Können die nicht einfach ihre Klappe halten". Und das auch noch einem schönen, breiten Bayerisch. Ein wenig verdutzt schauen wir drei uns an, was wiederum die beiden Frauen amüsiert. Des Rätsels Lösung: Es sind zwei Deutsche aus Bayern, und hier in Schottland mit einem Leihwagen unterwegs. Wir nehmen uns vor, in Zukunft ein wenig vorsichtiger mit unseren Äußerungen zu sein, auch wenn wir glauben, "unter uns" zu sein.



Dann geht es aber endlich weiter auf unserer Tour. Wir halten uns Richtung Süden. Neben mehreren kleinen Pausen haben wir auch einen größeren Zwischenstopp geplant: Schloss Balmoral, der Sommersitz der Queen. Brav wie wir sind, parken wir auf dem offiziellen Parkplatz. Von dort aus ist es noch ein strammer Fußmarsch bis zum Eingang des Schlossparks. Dort angekommen sehen wir, dass es hier direkt am Tor einen kleinen Parkplatz für Motorräder gibt. Na toll, und wieso sagt uns das keiner??? Wir zahlen Eintritt und laufen anschließend durch den Park, der das Schloss umgibt. Endlich stehen wir vor dem Schlossgebäude, und ... sind enttäuscht.



Das ist nicht das, was wir uns unter einem Schloss vorstellen, in dem die britische Königin den Sommer verbringt. Relativ klein, und kein bisschen repräsentierend wirkt es auf mich. Auch im Inneren bessert sich der Eindruck nicht. Das, was wir zu sehen bekommen, haut mich nicht von Stuhl. Ein wenig enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg zu unseren Motorrädern. Die Aristokratie ist auch nicht mehr das, was sie mal war...



Wir setzen unseren Weg Richtung Süden fort, und erreichen bei gutem Wetter am frühen Nachmittag das örtchen Pitlochry. Hier haben wir eine Übernachtung in der Jugendherberge gebucht. Aber es ist gar nicht so einfach, diese zu finden. Irgendwann geben wir es auf, und fragen an einer kleinen Straßenkreuzung eine Frau, die gelangweilt am Gartenzaun steht. Sie guckt uns an wie Außerirdische, und zeigt dann die Straße rechts entlang. Dort geht es für ungefähr dreißig Meter recht steil bergauf, und dort oben thront sie, die Herberge. Wir haben quasi direkt davor gestanden. Kein Wunder, das die Frau uns für blind hielt. Wir fahren den Weg hinauf, und genießen zunächst einmal den Ausblick auf den Ort, den man von hier oben hat. Einfach schön. Leider können wir noch nicht das Zimmer beziehen. Erst ab 18:00 Uhr ist das möglich. Also schlagen wir hier oben die Zeit ein wenig tot mit Tagebuch schreiben und Touren für den nächsten Tag planen, bis wir endlich einchecken können. Der Herbergsvater erklärt uns auf Englisch die Hausordnung, und etwas mühsam können wir ihm folgen. Als alles geklärt ist, sagt er zum Abschluss: "Ach übrigens, wir hätten uns auch auf Deutsch unterhalten können, ich komme aus Bayern". Na super, und dafür hören wir uns einen Knoten in die Ohren. Ich unterdrücke einen Fluch, und dann bringen wir unsere Sachen auf das Zimmer. Oha, hier ist es aber eng. Acht Betten sind hier, eine Toilette mit Waschgelegenheit sowie eine Dusche gehören noch dazu. Es ist kaum Platz für das Gepäck, einen Teil lege ich an das Fußende meines Bettes.

Anschließend gehen wir hinunter in den Ort. Wir schlendern durch die Straßen, und kaufen im Supermarkt noch für unser Abendessen ein. Ein Weihnachtsgeschäft fällt uns auf: Hier steht in vielen verschiedenen Sprachen "Frohe Weihnachten" sowie ein Countdown mit den verbleibenden Tagen bis Heiligabend. Das Schaufenster ist vollgestopft mit Weihnachtsartikel. Ich wusste gar nicht, dass die Schotten so verrückt auf dieses Fest sind. Wir gehen zurück zur Herberge, was gar nicht so leicht ist. Es geht steil bergauf. Allerdings sehen wir jetzt mehrere Hinweisschilder, die uns den Weg weisen. Heute Nachmittag waren die uns gar nicht aufgefallen. Nach dem Abendessen, sitzen wir noch ein wenig auf der Bank vor dem Haus. Die Aussicht ist jetzt in der Dämmerung mit den vielen eingeschalteten Lichter noch schöner als heute Nachmittag. Wir kommen mit einem Schotten ins Gespräch. Er ist aus Edinburgh, und zurzeit auf Urlaubstour. So wie er machen es viele der Einheimischen. Sie setzen sich aufs Rad, fahren aufs Gerade wohl in eine Richtung, übernachten unterwegs in Unterkünften, die ihren Geldbeutel entsprechen, und wenn der Urlaub dann zu Ende ist, setzen sie sich samt Rad in den Zug, und fahren wieder nach Hause. Wir versuchen noch einen Geheimtipp für Edinburgh zu bekommen, also etwas, was wir uns unbedingt ansehen sollen. Aber außer der Burg kann uns der gute Mann nichts empfehlen. Und die hatten wir ja sowieso schon auf unserer Liste.



Es ist fast elf Uhr, bis ich im Bett liege. Morgen fahren wir nach Edinburgh, Übermorgen verbringen wir den ganzen Tag dort, und einen Tag später geht es schon wieder nach Hause. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht!

 Tag 9 

Trotz der Enge in unserem Zimmer und dem Gepäck am Fußende von meinem Bett habe ich doch recht gut geschlafen. Als erster bin ich dann am Morgen wach, dusche, und gehe nach draußen zum Wettercheck. Der fällt recht gut aus: Sonne und blauer Himmel, was will ich mehr. In der Küche treffen wir uns dann zum Frühstück. Der Plan für heute ist recht simpel: Möglichst über Nebenstraßen nach Edinburgh. Gestern haben wir noch einen Prospekt von "Glamis Castle" gefunden. Das sieht auf den Fotos viel ansprechender aus als Schloss Balmoral gestern. Es bedeutet für uns zwar einen kleinen Umweg, aber da wir Zeit haben, wollen wir auch ihm einen Besuch abstatten.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen, und geben die Schlüssel ab. Dabei treffen wir auch den Bayer von gestern wieder. Er hat einen leichten Rucksack auf dem Buckel, und geht jetzt für zwei Tage wandern. Wir wünschen uns gegenseitig gutes Wetter, dann beladen wir unsere Maschinen und auf geht es Richtung Süden.



Wir folgen zunächst der 924, dann der 926. Beides sind kleine Straßen, die nicht zu voll sind, und wo das fahren einfach Spaß macht. Auch hier kommen wir an Distillerys und Castles vorbei, aber wir widerstehen der Versuchung, da wir uns ja Glamis Castle ansehen wollen. Dieses Schloss ist gut zu finden. Diesmal sind wir etwas schlauer, und parken nicht irgendwo ganz weit weg, sondern fahren durch ein riesiges, geöffnetes Tor. Dort folgen wir den Weg, und in der Ferne sehen wir das Schloss. Wir fahren direkt darauf zu, und etwas mulmig ist uns schon: Dürfen wir hier überhaupt lang fahren? Schließlich stehen wir direkt vor dem prachtvollen Gebäude. Wenn uns jemand die Haustür aufmachen würde, könnten wir glatt hinein fahren. Allerdings steht rechts vom Schloss jemand, der uns zuwinkt. Wir erkennen einen Parkplatz, wo auch schon Autos stehen. Der Winker entpuppt sich als Parkwächter, er knöpft uns ein paar Pfund ab, dann fahren wir durch das Tor, stellen die Maschinen ab, und begeben uns auf Erkundungstour.



Das hier ist alles eine Nummer größer als Balmoral. Größer und prachtvoller. So habe ich mir ein britisches Schloss immer vorgestellt. Eine gute Stunde verbringen wir hier, sehen uns viel an, und sind uns einig: Glamis Castle ist einen Besuch wert!


Auf nach Edinburgh

Dann geht es weiter Richtung schottische Hauptstadt. Da wir möglichst keine Autobahn fahren wollen, machen wir einen Umweg: Wir umrunden, von Norden kommend, die Stadt, und fahren dann von Westen her hinein. So brauchen wir nur ein kleines Stück Autobahn zu fahren, als wir nämlich die "Forth Road Bridge" überqueren.



Dann geht es quer durch diverse Vororte in die Stadt hinein. Markus hat die Adresse unserer Unterkunft in sein Navi eingegeben, und lotst uns durch die Straßen Auf Anhieb findet er "MacBackpackers", wo wir für zwei Nächte gebucht haben. Während Markus bei den Motorrädern bleibt, steigen Johannes und ich die enge und steile Stufe nach oben, öffnen die Tür ... und stehen mitten in einem bunten Raum. Sitzkissen liegen herum, Couchen mit farbigen überwürfen, auf denen es sich sehr junge Leute bequem gemacht haben. Dieser Raum ist Aufenthaltsraum und Rezeption zugleich, und das junge Mädchen, das dort steht, schaut uns zweifelnd an: Ob wir hier richtig sind? Schließlich könnten wir wohl nicht nur die Väter, sondern fast schon die Großväter dieser jungen Leute sein. Auf jeden Fall treiben wir den Altersdurchschnitt ganz gewaltig in die Höhe. Aber das einchecken klappt, wir sind am Ende des Ganges in dem letzten Raum rechts untergebracht, und sowohl Zimmer als auch Duschen und Toiletten sind sauber.



Wir holen unserer Gepäck, und stehen dann vor einer Herausforderung: Zu dieser Unterkunft gehören keine Parkplätze. Auf der Straße ist überall nur begrenztes Parken erlaubt, und das Mädchen an der Rezeption beschreibt uns den Weg zu einen kostenlosen Parkplatz am Rande von Edinburgh Zweifelnd machen wir uns auf dem Weg dorthin, gut sechs Kilometer sind es bis zu der unbewachten Abstellmöglichkeit. Nein, hier wollen wir unsere Motorräder nicht stehen lassen. Markus hat unterwegs, circa 500 Meter von unserer Unterkunft am Straßenrand einen Hinweis gesehen: "M/C only" stand dort, und er ist der Meinung, dass wir unsere Maschinen dort abstellen können. Also fahren wir zurück in die Stadt, auf dem besagten Platz steht bereits ein Motorrad, und wir stellen unsere noch dazu. Johannes geht in den Laden, der sich am Straßenrand befindet, und der Besitzer bestätigt ihm, dass dort die Motorräderkostenlos und unbefristet parken können. Welch ein Glück für uns.

Bevor wir uns nun aufmachen, Edinburgh zu erkunden, wollen wir erst einmal unseren Hunger stillen. Recht schnell finden wir einen Tisch in der Sonne vor einem netten Lokal. Begrüßt werden wir mit dem Hinweis, dass es hier draußen keine alkoholischen Getränke gibt. Die dürfen nur innen verkauft werden. Uns ist das egal, wir bleiben trotzdem, aber viele andere suchen sich daraufhin doch einen anderen Platz zum essen. Das Menü ist gut und lecker, und dermaßen gestärkt beginnen wir, die "Royal Mile" zu erkunden. Auf dieser Straße liegt auch unsere Unterkunft, und wir wenden uns zunächst nach links. Wir kommen an zahlreichen Geschäften, Bars und Restaurants vorbei, auch hier gibt es wieder einige Weihnachtsgeschäfte. Am Ende der Straße liegt dann das schottische Parlament. Nicht zuletzt dank des guten Wetters macht es richtig Spaß, hier lang zu laufen. Aus vielen Läden dringt Dudelsackmusik, besonders natürlich aus denen, in denen schottische Souvenirs zu kaufen sind. Whisky und Schottenröcke werden angeboten. überhaupt Schottenrock: Nicht wenige Männer laufen hier mit diesem traditionellen Kleidungsstück herum. Ein Pärchen fällt mir auf: Während er stolz mit dem Kilt über die Straße geht, trägt seine Begleiterin einen Hosenanzug Marke Business-Kleidung. Irgendwie verkehrt herum...



Am Abend gehen wir dann in einen Pub. "Whiski" heißt er (das ist kein Schreibfehler) und liegt praktischerweise ungefähr zehn Meter von unserer Unterkunft entfernt. Live-Musik ist angekündigt, eine Band namens "The Gorms" soll spielen. Wir ergattern einen Platz, und warten, dass der Kellner kommt, und unsere Bestellung aufnimmt. Und wir warten... und warten... und... Schließend haben wir es raus, wie es funktioniert: Wir gehen an den Tresen, bestellen und bezahlen unser Bier, und das wird uns dann kurz darauf an den Tisch gebracht. Als die drei-Mann-Band dann loslegt, wissen wir sofort: Hier sind wir richtig! Es macht Spaß, den Jungs und ihrem "Irish Folk" zuzuhören. Nicht alle Lieder kennen wir, aber "Whisky in the jar" und "The scotish rover" sind uns schon ein Begriff. Und dann wird der Klassiker "Johnny B. Goode" angestimmt, allerdings in der schottischen Version, die dann heißt "Johnny be drunk".




Es ist fast ein Uhr nachts, als wir müde, aber sehr zufrieden zurück in unser Backpacker gehen, und uns schlafen legen. Morgen (oder eigentlich ja schon heute) wollen wir einen Tag lang Edinburgh erkunden. Ich bin gespannt ...

 Tag 10 

Mitten in der Nacht ist irgendwann auch Jose nach Hause gekommen. Er liegt in dem Doppelbett unter mir. Tagsüber schläft er, und nachts ist er auf Tour. Seine Bewerbungsschreiben hat er offen auf der Fensterbank liegen gelassen, und so wissen wir, dass der Spanier schon seit mehreren Wochen hier in Edinburgh auf Jobsuche ist. Seinen Traum vom leben und arbeiten in Schottland hat er sich also noch nicht erfüllen können. Wenigstens ist er leise, und ich drehe mich nur kurz um, und schlafe direkt weiter...

Das Wetter ist wieder Klasse, als wir uns nach einem kleinen Frühstück auf den Weg machen, Edinburgh zu erkunden. Heute wenden wir aus unserem Backpacker nach rechts. Unser erstes Ziel ist die Burg, das Edinburgh Castle.



Wir haben schon so viele Bilder davon gesehen, dass wir sie uns jetzt unbedingt im Original ansehen möchten. Auf dem Vorplatz, der so genannten Esplanade, wird fleißig gearbeitet: Tribünen werden aufgebaut, und einige Bereiche sind abgesperrt. Es laufen die Vorbereitungen für das "Great Tattoo", das größte Musikfestival Schottlands, das hier Anfang August stattfinden wird. Ich bin überrascht, das so früh bereits mit dem Aufbau begonnen wird, schließlich sind es noch zwei Monate bis dahin. Aber die Arbeiten und auch die Proben scheinen eine Menge Zeit zu verschlingen. Von hier oben, bei dem schönen Wetter und der klaren Luft, hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Interessant sind auch die Wachposten, die rechts und links vor dem Eingang postiert sind. "Gewehr bei Fuß" stehen sie in Uniform in der prallen Sonne, und rühren sich nicht. Für mich wäre das mit Sicherheit kein Job!



Nachdem wir uns das Schloss angesehen haben, gehen wir die "Royal Mile" wieder zurück, und kommen an einem Haus vorbei, an dem "The Scotch Whisky Experience" steht.



Hier bekommt man jede Menge Whisky, in allen Flaschengrößen und zu jeden Preis. Natürlich finden wir auch Flaschen aus den Destillerien, die wir besichtigt haben. Wir stöbern eine Zeitlang durch den Laden, kaufen letztendlich aber nichts. Es ist einfach interessant, diese Auswahl mal gesehen zu haben.

Den Rest des Tages lassen wir uns einfach treiben. Zwischendurch kaufen wir etwas Verpflegung für den morgigen Tag ein. Auffällig sind die vielen Musiker. Quasi an jeder Ecke steht irgendjemand, der Musik macht. Mal ist es ein einzelner Dudelsackspieler, mal ist es eine ganze Band, die Kostproben ihres Könnens gibt. Oft bleiben wir stehen, und hören ein wenig zu. Mittags essen wir wieder in dem Lokal, in dem wir bereits gestern so zufrieden waren. Hier können wir draußen in der Sonne sitzen, es schmeckt uns, und dass es mittags gegen ein Uhr keinen Alkohol gibt, stört uns auch nicht. Anschließend gehen wir weiter. Schön anzu-sehen sind auch die vielen, typisch englischen Taxis. Es gibt eigentlich nichts, für das sie keine Reklame machen.



Kurz überlege ich, mal für ein paar Minuten eines zu mieten. Einfach nur, um einmal damit gefahren zu sein. Aber ich verwerfe die Idee wieder.

Stattdessen gehen wir weiter, an "St. Giles Church" vorbei, der Hauptkirche Edinburghs, die im 15. Jahrhundert entstanden ist, und optisch auch einiges hermacht. Wir gehen durch ein paar Nebenstraßen, folgen dann der "Princes Street" bzw. dem "Waterloo Place", um anschließend den "Calton Hill" zu erklimmen. Der Blick von hier oben auf die Stadt und die Burg soll laut vielen Reiseführern der schönste sein, die Edinburgh zu bieten hat. Und tatsächlich: Der teilweise recht steile Aufstieg hat sich gelohnt. Die Aussicht ist wirklich Klasse, und wieder beglückwünschen wir uns zu dem guten Wetter.



Am Abend gehen wir wieder in unserer "Stammkneipe", dem "Whiski". Heute Abend spielt dort "One-Dollar-Bill", und wir sind überrascht, dass Bill nicht alleine ist, sondern Verstärkung mitgebracht hat, nämlich einen Sänger und Gitarristen. Die beiden spielen Coverversionen von aktuellen Liedern, nicht ganz unser Geschmack. Der irish Folk gestern Abend hatte uns besser gefallen. So ist es heute Abend nicht ganz so spät, bis wir in unsere Betten kommen. Aber schön war er trotzdem gewesen, der Tag in Edinburgh.

 Tag 11 

Schon früh sind wir heute Morgen auf den Beinen. Wir duschen, packen unsere Sachen, und trinken in der Küche noch einen Tee. Dann holen wir unsere Motorräder, die wir ja auf dem extra ausgewiesenen Motorradparkplatz geparkt hatten. Zum beladen stellen wir die Maschinen direkt vor der Tür unserer Unterkunft, und es ist gerade mal halb neun, als wir die schottische Hauptstadt verlassen, und Richtung Newcastle aufbrechen. Diesmal folgen wir der Küste. Nach ungefähr zwei Stunden finden wir ein ruhiges örtchen, wo wir Pause machen und frühstücken. Hier vertilgen wir all das, was wir noch an Verpflegung dabei haben. Dann geht es weiter Richtung Süden, immer wieder mit schönen Ausblicken.

Plötzlich steht am Straßenrand ein Motorrad, dessen Fahrer an der Maschine herumschraubt. Das ist ein Fall für Markus. Sofort bremst er, wendet seine BMW, und fährt zu dem Biker zurück. Johannes und ich folgen ihm, und kurz darauf stehen wir zu viert um die defekte Maschine des Engländers. Sie will nicht anspringen, und nachdem gemessen und gefachsimpelt wurde, stellt sich heraus, dass lediglich die Zündkerze ausgewechselt werden muss. Dann springt die Maschine wieder an, und der Mann kann in den nächsten Ort fahren, wo er sich mit einigen anderen Motorradfahrern treffen will. Wir drei fahren auch weiter, diese kleine Verzögerung bringt unseren Zeitplan nicht durcheinander. Mehr als pünktlich stehen wir an der Fähre, und warten geduldig mit ein paar anderen Bikern, bis wir gegen 16:00 Uhr auf das Schiff dürfen.





So schnell vergeht die Zeit. Eigentlich sind wir ja gerade erst in Newcastle angekommen und nun fahren wir auch schon wieder nach Hause... Wir gönnen uns in der Sky-Bar ein Grolsch, dann gehen wir schlafen.

 Tag 12 

Natürlich stehen wir auch heute wieder früh auf. Ab 7:30 Uhr gibt es Frühstück, und bereits kurz vorher stehen wir am Eingang. Das war eine gute Entscheidung, denn heute Morgen ist es richtig voll hier. Es ist noch keine acht Uhr, als alle Tische besetzt sind, und die Schlange derer, die erst eingelassen werden, wenn wieder ein Tisch frei wird, wird vor dem Eingang immer länger. Wir lassen uns dadurch allerdings nicht stören, frühstücken ausgiebig und in Ruhe, bevor wir ein letztes Mal an Deck gehen, um Seeluft zu schnuppern.





Die Holländische Küste ist bereits in Sichtweite, und wie geplant legen wir um 9:30 Uhr in Ijmuiden bei Amsterdam an. Wie auf dem Hinweg fahren wir durch die Niederlande wieder über die Autobahn, und auch heute ist es wieder ziemlich voll. Aber der Verkehr läuft recht flüssig, und es gibt zum Glück keine Staus.

In Deutschland fahren dann wir wieder über die kleinen Landstraßen Richtung Heimat, und sind schließlich gegen 13:30 Uhr zu Hause.

 Wieder zu Hause 

Mittlerweile ist wieder "Normalität" eingekehrt. Die Maschinen sind gewartet und gepflegt. Die Fotos sind sortiert, gesichtet, und zu einer Bilder-Präsentation zusammengestellt. Einen "Schottland-Abend" mit unseren Familien und einen weiteren mit einigen Freunden haben wir auch bereits hinter uns. Genug Abstand also, um ein Fazit unserer Reise zu ziehen:

Reisezeit:
Mai / Juni sind zwar nicht die wärmsten Monate, dafür aber die regenärmsten. Und bis auf den Tag auf der Insel Skye war es immer trocken. Ich würde auf jeden Fall wieder zu dieser Jahreszeit nach Schottland fahren.

Reisedauer:
Zehn Tage waren wir vor Ort. Natürlich ist das viel zu kurz. Von der Westküste haben wir nur die Ilse of Skye gesehen, den Rest der inneren und die ganzen äußeren Hebriden kennen wir nur von der Landkarte. Hier warten noch Insel wie Islay, Jura und Mull auf uns, genau wie Uist und Lewis. Auch im Norden auf den Orkneys-Inseln waren wir nicht. Die Westküste ist (außer Edinburgh) ebenfalls noch ein unbeschriebenes Blatt für uns.

Man sieht: Hier ist noch jede Menge Potential für weitere Touren :-)

Unterkünfte:
Jugendherbergen und Backpacker - für uns waren sie wirklich ein Glücksgriff. Für die Verpflegung konnten wir dort in den Selbstversorger-Küchen selbst sorgen, und brauchten nicht immer essen gehen. Außerdem kamen wir dort häufig mit anderen Gästen ins Gespräch. Und dieser Austausch mit Reisenden ist oft ziemlich interessant. Aber es sind einfache Unterkünfte in Mehrbettzimmern. In den Backpacker-Hostel sind es sogar Gemeinschaftsschlafräume. Wer das nicht möchte, ist in den B&B bestimmt gut aufgehoben. Uns hat es bei Ken in Aberlour sehr gut gefallen.

Schotten:
Die Schotten, denen wir begegnet sind, waren ausnahmslos alle nett und freundlich. Ein bisschen neugierig, aber immer höflich und nie aufdringlich. Wer die Männer in ihren Kilts sieht und die Lieder hört, die sie mit Fidel, Akkordeon und natürlich Dudelsack spielen, der spürt, dass sie ein stolzes Volk sind, stolz auf ihre Traditionen und ihre Geschichte. Die Bemühungen, die gälische Sprache wieder in ihr Leben zu integrieren, trägt auch langsam Früchte: Oft sehen wir zweisprachige Straßen- und Ortsschilder.

Straßen
Die Straßen waren fast alle in einem guten Zustand. Die Single-Track-Roads zu fahren war nie ein Problem, nicht zuletzt deshalb, weil es außerhalb der etwas größeren Städte nicht viel Verkehr gibt. Auch an den Linksverkehr haben wir uns recht schnell gewöhnt. Morgens beim starten einmal konzentrieren, und auf der "richtigen" Seite losfahren. Wenn man erst einmal links fährt, und in den Verkehr integriert ist, gibt es kaum noch Probleme.

Whisky
Man kann beim Whisky einige Parallelen ziehen, nämlich bei der Herstellung zum Bier, und beim trinken zum Wein. Der Geschmack ist sehr vielfältig: Von fruchtig bis sehr rauchig wird alles angeboten. Aber der Single Malt ist sehr teuer. Deshalb macht er beim Verkauf auch nur einen kleinen Prozentsatz aus. Der meiste produzierte Whisky wird für die Herstellung von "Blended Whisky" benötigt, also gemischten oder verschnittenen Whisky. Das bekannteste Beispiel bei uns in Deutschland ist dafür die Marke "Johnny Walker". Die meisten Schotten trinken dagegen "The Famous Grouse", der zu den meistverkauften Whiskymarken in Schottland gehört.

Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sich eine Destillery auf jeden Fall einmal ansehen. Die wird meist in Verbindung mit einer kleinen Verköstigung angeboten. Je nach Destillery geschieht das kostenlos oder gegen einen mehr oder weniger großen Unkostenbeitrag.







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  1. Detlev, Jahrgang '61
  2. Motorradfahrer - Wanderer - Radfahrer
  3. Hobbyfotograf
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Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mir auf meinen Touren Notizen zu machen, mal mehr und mal weniger ausführlich. Diese "TourNotizen" kannst Du Dir auf den Seiten Deutschland und Europa ansehen.

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