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Radfahren im Münsterland:
Von Flaesheim nach Maria Veen und zurück

Ein freies Wochenende, keine Termine und trockenes Wetter - was liegt näher, als die beiden freien Tage für eine kleine Fahrradtour zu nutzen. Ich habe mir mein Rad erst vor rund vier Wochen neu gekauft und es wird Zeit, dass ich damit mal eine etwas längere Strecken fahre als nur bis zum Bäcker hier im Dorf. Da kommt so eine Wochenendtour gerade recht.

Wir starten unsere Fahrt am Samstagmorgen in Flaesheim. Das ist ein Vorort von Haltern am See im Kreis Recklinghausen und liegt direkt am Wesel-Datteln-Kanal. Und genau hier beginnt auch die Tour. Genauer gesagt, an der Schleuse in Flaesheim.

Hafenbecken an der Schleuse in Flaesheim mit Blick auf die Kirche St. Maria Magdalena
Hafenbecken an der Schleuse in Flaesheim.

Ab hier folgen wir zunächst dem Kanal in westlicher Richtung. Das fahren entlang der künstlichen Wasserstraße ist entspannt und stellt fahrtechnisch keine großen Ansprüche. So kommen wir gut voran und erreichen nach knapp vier Kilometern ein kleines Bootshaus, in dem Kanus samt Zubehör ausgeliehen, aber auch gekauft werden können. Hier biegen wir rechts ab und fahren Richtung Haltern, das wir zügig auf kleinen Wegen durchfahren und bald darauf auf der Holtwicker Straße Richtung Nordwesten wieder verlassen.

Haltern - Ortsausgangsschild
Haltern - Ortsausgangsschild.

Der Radweg verläuft hier neben der Straße, aber da wenig Verkehr herrscht und der Weg zudem durch einen breiten Grünstreifen von der Straße getrennt ist, ist auch hier ein entspanntes Radfahren möglich.

Kurz hinter der Unterführung der A43 biegen wir rechts ab und fahren nun auf dem Lünzumer Weg. Das ist zwar kein reiner Radweg, aber hier fahren so gut wie keine Autos. Nach ungefähr 1,5 Kilometern ist links ein Schild, das Milch und Käse verspricht, also biegen wir ab und decken uns bald darauf auf einem kleinen Hof mit frischem Käse ein.

Abzweig zum Käsehof Am Käsehof
Käsehof in Haltern.

Ab hier fahren wir in einem Bogen quer durch den Wald zurück auf die Holtwicker Straße. Wir durchqueren den Ort Holtwick und mache kurz danach eine Pause in einem Restaurant, das direkt am Weg liegt. Hier sitzen wir in der Sonne und genießen einen Cappuccino im Außenbereich direkt vor dem Haus.

Pause im Gartenrestaurant am Wegesrand
Pause im Gartenrestaurant am Wegesrand.

Nun fahren wir weiter Richtung Nordwesten, manchmal auf einem Radweg neben einer Straße, zumeist aber durch Felder oder auf Waldwegen. Immer wieder haben wir zwischendurch schöne Ausblicke auf die Landschaft, zumeist allerdings haben wir nicht viel Fernsicht. Hier in der Region wird häufig Mais angebaut und der steht bereits recht hoch und versperrt dadurch die Sicht. Unsere Laune wird dadurch aber nicht getrübt. Denn entgegen der Wettervorhersage ist es bisher trocken geblieben und wir hoffen, dass es auch so bleibt.

Unterwegs sehen wir auch viele Windräder. Ob das ein Zeichen dafür ist, dass hier oft ein kräftiger Wind weht? Heute ist es bisher recht windstill und wir kommen gut voran.

Radfahren im Wald Radfahren entlang der LandStraße Weite Ausblicke im Münsterland Windräder auf dem Feld
Radfahren durch das Münsterland.

Den Ort Heiden streifen wir nur am Rande, halten uns ab hier in westlicher Richtung und biegen bald darauf ab Richtung der „Heidener Teufelssteine“. Oder „Düwelssteene“, wie der Münsterländer sagt. Ab hier führt der Weg (der passenderweise „Düwelsteensweg“ heißt) auf schmalen Pfaden quer durch den Wald, bis wir die Steine erreichen.

Abzweig zu den Heidener Teufelssteinen Auf schmalen Wegen durch den Wald Richtung Heidener Teufelssteine
Auf dem Wegen zu den Heidener Teufelssteinen.

Rein Wissenschaftlich gesehen handelt es sich hierbei um ein Megalithgrab. Genutzt wurde es bereits 3.000 v.Chr., allerdings ist sein Originalzustand leider nicht mehr zu erkennen. 1932 wurde hier an der Anlage gegraben und versucht, sie wieder zu rekonstruieren. Allerdings wurden dabei leider Fehler gemacht und wichtige Archäologische Informationen gingen daraufhin verloren.

Aber wie es ja meistens so ist, klingt die Sage um diese Steine viel spannender als die Wissenschaftlichen Abhandlungen. Und die Sage um die Teufelssteine lautet wie folgt:

Der Teufel hatte sich mit einem Sack voller Steine auf den Weg nach Aachen gemacht, um den dortigen Dom zu zerstören. Hier in der Nähe von Heiden traf er einen Schuster, der ein dutzend Paar zerschlissener Schuhe mit sich trug. Der Teufel fragte ihn, wie weit es noch bis Aachen sei. Der Schuster erkannte den Teufel und ahnte dessen Plan. Daher deutete er auf die Schuhe und erwiderte: „Ich komme gerade aus Aachen und all diese Schuhe habe ich auf dem Weg bis hierher verschlissen“. Der erschöpfte Teufel ließ bei dieser Antwort wütend die Steine fallen und zog von dannen.

An den Heidener Teufelssteinen Die Heidener Teufelssteine
An den Heidener Teufelssteinen.

Somit haben wir es also dem cleveren Schuster zu verdanken, dass zum einem der Dom zu Aachen unversehrt blieb und dass zum anderen wir heute hier an den Steinen eine ausgiebige Pause machen können…

Von den Teufelssteinen fahren wir zunächst ein Stück zurück durch den Wald, biegen dann links ab und folgen dem Weg in Richtung Reken. Weit ist das nicht und als nach rund sechs Kilometer am Ortseingang von Reken eine Eisdiele lockt, wollen wir dem nicht wiederstehen. Wir setzen uns in den Garten unter einem schattenspendenden Sonnenschirm und genießen Eisbecher und Eiskaffee.

Gut gestärkt machen wir uns dann bald darauf auf zum Endspurt für heute. Reken verabschiedet uns noch mit einer schönen Windmühle links des Weges, dann fahren wir wieder durch Wiesen und Felder.

Windmühle bei Reken
Windmühle bei Reken.

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Tagesziel. Nach gut fünf Kilometer erreichen wir Maria Veen. Hier haben wir in einem Gasthaus Zimmer gebucht. Das einchecken geht schnell und problemlos und schon kurze Zeit später sitzen wir im Restaurant und lassen uns das Essen schmecken. Ein anschließender Rundgang durch den Ort fällt leider kurz aus, da der Himmel sich jetzt recht schnell bewölkt und lauter Donner ein Gewitter ankündigt. Wir schaffen es noch zurück bis zur Unterkunft, dann fängt es auch schon heftig an zu regnen. Wir sitzen im Garten unter einer großen Markise und sind froh, dass uns dieser Regenguss nicht tagsüber erwischt hat. Und hoffen gleichzeitig, dass es Morgen wieder trocken sein wird.





Ich habe gut geschlafen, das Wetter ist trocken und soll es auch bleiben, das Frühstück ist reichhaltig und lecker – was wünscht man sich mehr von einem Start in den Tag? Wir bekommen hier und heute aber noch eine kleine Zugabe: Als wir am Frühstückstisch sitzen, wird es draußen plötzlich laut. Es sind ungefähr zehn bis zwölf alte Traktoren, die an unserem Gasthaus vorbeifahren und dann auf den Parkplatz seitlich des Hauses abgestellt werden. Kurz darauf kommen mit lauten „Hallo“ gut zwanzig gutgelaunte Menschen hier herein, um zu frühstücken. Der Besitzer des Gasthauses erzählt uns, dass diese Gruppe zweimal im Jahr eine Ausfahrt mit ihren alten Fahrzeugen macht und unter anderem hier eine Pause einlegt. Ich unterbreche mein Frühstück und gehe hinaus, um mir die Traktoren anzusehen. Auch wenn ich diesbezüglich kein Fachmann bin, so ist hier sicherlich das eine oder andere Schmuckstück dabei.

Alte Traktoren in Maria Veen Alte Traktoren in Maria Veen Alte Traktoren in Maria Veen Alte Traktoren in Maria Veen
Alte Traktoren in Maria Veen.

Nach dem Frühstück beladen wir unsere Räder, verabschieden uns von dem freundlichen Besitzer des Gasthauses und starten in den Tag. Zunächst führt uns der Weg in nordöstlicher Richtung. Wir durchqueren ein kleines Industriegebiet, fahren anschließend ein Stück durch ein Feld und kommen dann in einen Wald. Es ist Sonntagmorgen und außer einem Mann mit seinem Hund sind noch keine Menschen unterwegs. Also strampeln wir allein für uns und genießen die Ruhe, die hier herrscht.

Radfahren im Wald
Radfahren im Wald.

Es ist noch ein wenig kühl und feucht heute Morgen und kurz überlege ich, meine kurze Hose gegen eine lange auszutauschen und mir einen Pullover über mein T-Shirt zu ziehen. Aber recht schnell verwerfe ich diese Idee. Der Weg führt hier zwar über flaches Land, das Radfahren wärmt aber trotzdem. Außerdem fahren wir gerade durch das Gebiet der Wildpferdebahn Dülmen. Eine Wildbahn ist ein Areal, in denen die Tiere ganz ohne menschliche Kontrollen leben können. Und hier in der Nähe von Dülmen, genauer gesagt im Merfelder Bruch, befindet sich die einzige noch existierende Wildpferdebahn in Europa. Hier gibt es also jede Menge Wildpferde und wir halten immer wieder Ausschau nach einzelnen oder mehreren Tieren. Aber auch für die Pferde scheint es noch zu früh zu sein, denn wir bekommen leider keines zu sehen. Dafür wird es aber plötzlich laut: Wir haben den Wald verlassen und fahren ein Stück Asphalt, als uns eine Gruppe Motorradfahrer entgegenkommt. Laut dröhnen die Motoren der Maschinen, aber genauso schnell, wie die Gruppe auftaucht, ist sie auch schon wieder verschwunden und es wird wieder still.

Unsere Tour führt nun entlang einiger kleiner Wasserläufe. Der Weg ist asphaltiert, aber heute Morgen kaum befahren. Nur einmal kommt uns ein Auto entgegen, ansonsten sind wir Radfahrer unter uns.

Radfahren entlang schmaler Wasserläufe Radfahren entlang schmaler Wasserläufe
Radfahren entlang schmaler Wasserläufe.

Hin und wieder biegen wir ab, bleiben aber auf Asphalt. Ein wenig vermisse ich den weichen Feld- oder Waldboden, auf denen wir gestern des Öfteren gefahren sind. Dafür sind auf der rechten Seite jetzt doch noch einige Pferde zu sehen. Sie stehen auf der Weide und scheinen gerade viel Spaß an dem saftigen Gras zu haben.

Pferde im Münsterland
Pferde im Münsterland.

Der Weg führt uns nun in südlicher Richtung. Wir fahren entlang der Teiche in der Heubachniederung. Hier ist wieder viel Wald, es wird allerdings auch recht hügelig. Zumindest für das Münsterland. Einige Male geht es ziemlich steil bergauf und wir müssen kräftig strampeln. Aber da nach jedem AN-stieg auch wieder ein AB-stieg folgt, sind diese kleinen Anstrengungen keine wirklichen Strapazen.

Entlang des Silbersee III führt nun der Weg und zwischen den Bäumen und Sträucher blitzt immer wieder mal das Wasser durch. Wir halten aber nicht an, sondern radeln durch, bis wir Sythen erreichen. In diesem zu Haltern gehörenden Dorf stoppen wir an einer Eisdiele und essen ein leckeres Eis. Der weitere Weg führt zunächst durch den Ort und dann vorbei an Schloss Sythen. Dies war ursprünglich eine Wasserburg. Erste Erwähnungen dazu gehen bis auf das achte Jahrhundert zurück. Wechselnde Besitzverhältnisse sorgten für die unterschiedlichsten Nutzungen, bis hin zu einem Abriss der meisten der einst hier stehenden Gebäude. Dem Förderverein „Schloss Sythen“ ist es zu verdanken, dass das Haus in seiner heutigen Form noch erhalten ist und nach einer umfangreichen Renovierung für unterschiedliche Zwecke gemietet werden kann.

Schloss Sythen Schloss Sythen
Schloss Sythen.

Auf unserem weiteren Weg Richtung Süden streifen wir Haltern-Borkenberge und fahren ein Stück entlang des Halterner Stausees. Linker Hand liegt die Jungendherberge Haltern, rechts am See ist ein Bootsverleih. Wir fahren weiter geradeaus entlang der Westruper Heide. Hier sind die Parkplätze gut besucht. Die Menschen nutzen das recht gute Wetter für Ausflüge in die Natur und laufen durch Wald und Heide. Wir überqueren bald darauf die Lippe und haben von der Brücke aus eine schöne Aussicht auf den Fluss mit seinen Wiesen und auf die Spitze der Kirche St. Maria Magdalena von Flaesheim.

Blick auf die Lippe und die Kirchturmspitze St. Maria Magdalena in Flaesheim
Blick auf die Lippe und die Kirchturmspitze St. Maria Magdalena in Flaesheim.

Bald darauf erreichen wir den Wesel-Datteln-Kanal und nutzen eine Zufahrt von der Straße hinunter zum Kanal. Noch einige kräftige Pedaltritte, dann kommt die Schleuse Flaesheim in Sicht. Hier sind wir gestern gestartet. Und hier endet heute nun nach fast genau 80 Kilometern unser Wochenendausflug.

Blick auf das Hafenbecken und die Schleuse Flaesheim
Blick auf das Hafenbecken und die Schleuse Flaesheim.

Eine schöne Tour war das. Wobei wir auch viel Glück hatten. Das Wetter war genau richtig für eine Radtour, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Tagsüber war es trocken und wir hatten eine schöne Unterkunft. Und das Münsterland ist einfach ideal zum Radfahren. Die Landschaft ist abwechslungsreich und zumeist flach. Die meist kleinen Orte sind hübsch anzusehen und bieten jede Menge Einkehrmöglichkeiten. Und da auch mit meinem neuen Fahrrad alles gut lief, werde ich wohl nicht das letzte Mal durch das Münsterland geradelt sein.

Und hier noch eine kleine Übersicht der gefahrenen Tour:

Blick auf das Hafenbecken und die Schleuse Flaesheim




Im Münsterland gibt es vieles zu entdecken. Nicht nur mit dem Fahrrad, auch zu Fuß kann man dort entspannt unterwegs sein. Hier stelle ich Dir weitere Touren vor, die ich dort gemacht habe.

Zu den Tipps für das Münsterland



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Radfahren im Münsterland:

Hier findest Du eine Auswahl an Webseiten mit Infos und Routenvorschlägen für Radtouren:
  1. muensterland.com
  2. nrw-tourismus
  3. coolibri.de
  4. radtouren.de
 
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